{"id":52167,"date":"2026-10-23T12:46:47","date_gmt":"2026-10-23T10:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20021-750\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:49","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:49","slug":"20021-750","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20021-750\/","title":{"rendered":"Wie weiter nach der Kohle? Eine inter- und transdisziplin\u00c3\u00a4re Betrachtung von Chancen und Herausforderungen f\u00c3\u00bcr die Lausitz und andere Regionen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Im Jahr 2020 wurde nach jahrelanger intensiver \u00c3\u00b6ffentlicher Debatte der deutsche Kohleausstieg beschlossen. Aus Gr\u00c3\u00bcnden des Klimaschutzes ist er dringend notwendig, bedeutet jedoch f\u00c3\u00bcr die Region Lausitz den zweiten tiefgreifenden Strukturwandel innerhalb weniger Jahrzehnte, nachdem in Folge der Wiedervereinigung bereits gro\u00c3\u0178e Teile der Industrie weggebrochen waren. Mit den Herausforderungen, aber auch mit den Chancen, die der erneute Strukturwandel f\u00c3\u00bcr Umwelt und Gesellschaft mit sich bringt, setze ich mich in meiner Dissertation aus dem interdisziplin\u00c3\u00a4ren Blickwinkel der Transformationsforschung (englisch: transition studies) auseinander.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Schwerpunkt meiner Forschung ist der Nexus zwischen Gesellschaft, Umwelt und Energie in der Lausitz. Mein Promotionsvorhaben besteht aus drei Teilen mit den folgenden Leitfragen: (1) Welchen Einfluss haben Machtverh\u00c3\u00a4ltnisse zwischen regionalen Akteur:innen darauf, wer die Transformation wie mitgestalten kann? (2) Wie kann die Bergbausanierung aus einer care-ethischen Perspektive rekonzeptualisiert werden und welche Anforderungen ergeben sich daraus f\u00c3\u00bcr die Strukturpolitik? (3) Welche wissenschaftliche Evidenz gibt es f\u00c3\u00bcr soziale Auswirkungen, die durch die Beeintr\u00c3\u00a4chtigung des Wasserhaushalts durch den Kohleabbau entstehen und welche Forschungsl\u00c3\u00bccken k\u00c3\u00b6nnen daraus abgeleitet werden?<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Im ersten Teil habe ich mich mit der Partizipation regionaler Akteur:innen in Kohletransformationen besch\u00c3\u00a4ftigt. Die Region Lausitz erh\u00c3\u00a4lt bis 2038 insgesamt 17,2 Milliarden Euro an Strukturwandelgeldern, die \u00c3\u00bcber verschiedene Mechanismen auf Landes- und Bundesebene verteilt werden. Es wurde untersucht, inwieweit die Ma\u00c3\u0178nahmen verschiedene Gruppen lokaler Akteur:innen mit einbeziehen. Au\u00c3\u0178erdem habe ich geschlechtsspezifische Machtstrukturen untersucht und wie diese den Diskurs \u00c3\u00bcber den Strukturwandel und die Verteilung der Gelder beeinflussen. Aus diesem Unterarbeitspaket sind zwei Fachartikel entstanden.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align:justify;\">Der erste Artikel wurde in der Fachzeitschrift <em>Sustainability Nexus Forum<\/em> ver\u00c3\u00b6ffentlicht (Walk, Paula, Marius Koepchen, Nora Stognief, und Johannes Probst. 2024. \u00e2\u20ac\u017eTracing a Caring Transition Policy for the German Coal Region Lusatia\u00e2\u20ac\u0153. <em>Sustainability Nexus Forum<\/em> 32 (1): 3. <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00550-024-00537-x\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/s00550-024-00537-x<\/a>). Herausgearbeitet wurden vier S\u00c3\u00a4ulen von Care als soziale Infrastruktur f\u00c3\u00bcr Kohleregionen im Wandel: (1) Nachsorge f\u00c3\u00bcr die sozialen und \u00c3\u00b6kologischen Hinterlassenschaften des Braunkohleabbaus; (2) gesellschaftlicher Zusammenhalt; (3) Demokratische Daseinsf\u00c3\u00bcrsorge; (4) \u00e2\u20ac\u017esorgende Demokratie\u00e2\u20ac\u0153 (\u00e2\u20ac\u017ecaring democracy\u00e2\u20ac\u0153): Demokratische Entscheidungen \u00c3\u00bcber die Organisation und Verteilung von Care-Arbeit.<\/li>\n<li style=\"text-align:justify;\">Der zweite Artikel wurde in der Fachzeitschrift <em>Environmental Politics<\/em> ver\u00c3\u00b6ffentlicht (Krumm, Alexandra, Nora Stognief, und Maren Kr\u00c3\u00a4tzschmar. 2025. \u00e2\u20ac\u017e\u00e2\u20ac\u0153Nodding through\u00e2\u20ac\u009d Instead of Decision-Making: Power in Participatory Governance of the Coal Phase-out in Lusatia, Germany\u00e2\u20ac\u0153. <em>Environmental Politics<\/em>, Dezember 13, 1\u00e2\u20ac\u201c27. <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/09644016.2025.2596563\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1080\/09644016.2025.2596563<\/a>).\u00c2\u00a0Die Ergebnisse zeigen Diskrepanzen zwischen der Rhetorik und der Umsetzung von Partizipationsprozessen im Rahmen der Strukturwandelgeldervergabe: \u00c3\u2013ffentliche Akteure dominieren die Entscheidungsfindung, w\u00c3\u00a4hrend\u00c2\u00a0nichtstaatlichen Akteure bei der Genehmigung von Projektvorschl\u00c3\u00a4gen eine \u00c3\u00bcberwiegend passive Rolle zuteil wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">Im zweiten Teil meines Promotionsvorhabens habe ich mich mit den sozialen und \u00c3\u00b6kologischen Aspekten der Bergbausanierung besch\u00c3\u00a4ftigt und dabei eine care-ethische Perspektive eingenommen, die \u00c3\u00bcber den rein technisch-\u00c3\u00b6konomischen Prozess des &#8220;Aufr\u00c3\u00a4umens&#8221; hinausgeht. F\u00c3\u00bcr dieses Unterarbeitspaket wurde eine qualitative Inhaltsanalyse einer Reine von teilstrukturierten Interviews und einer Fokusgruppe durchgef\u00c3\u00bchrt.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align:justify;\">Aus diesem Unterarbeitspaket ist ein Fachartikel entstanden, der in\u00c2\u00a0der Fachzeitschrift <em>Environmental Research: Energy<\/em> ver\u00c3\u00b6ffentlicht wurde (Stognief, Nora, Marius Koepchen, und Josephine Semb. 2026. \u00e2\u20ac\u017eTowards care-full landscape justice in the Lusatian coalfield, Germany\u00e2\u20ac\u0153. <em>Environmental Research: Energy<\/em> 3 (2): 025017.\u00c2\u00a0<a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1088\/2753-3751\/ae69e1\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1088\/2753-3751\/ae69e1<\/a>).\u00c2\u00a0Der Artikel bringt\u00c2\u00a0eine Ethik der Landschaftsgerechtigkeit (<em>landscape justice<\/em>) mit einer Ethik der F\u00c3\u00bcrsorge (<em>care<\/em>) zusammen und arbeitet Bedarfe f\u00c3\u00bcr care-full landscape justice (etwa:\u00c2\u00a0&#8220;f\u00c3\u00bcrsorgliche Landschaftsgerechtigkeit&#8221;) f\u00c3\u00bcr die Lausitz\u00c2\u00a0heraus.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">Der dritte Teil der Dissertation erweitert die Forschungsperspektive \u00c3\u00bcber die Lausitz hinaus. Dieses Kapitel greift das Thema sozial-\u00c3\u00b6kologische Folgen der Kohle im Kontext von Relationalit\u00c3\u00a4t und Care-Ethik aus den vorhergehenden Kapiteln auf und wendet es auf einen globalen Kontext an. Eine systematische Literaturrecherche verschafft einen umfassenden \u00c3\u0153berblick \u00c3\u00bcber die hydrosozialen Zusammenh\u00c3\u00a4nge der Kohle und zeigt Forschungsl\u00c3\u00bccken auf. Die Ergebnisse sollen ebenfalls in Form eines Fachartikels ver\u00c3\u00b6ffentlicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2020 wurde nach jahrelanger intensiver \u00c3\u00b6ffentlicher Debatte der deutsche Kohleausstieg beschlossen. Aus Gr\u00c3\u00bcnden des Klimaschutzes ist er dringend notwendig, bedeutet jedoch f\u00c3\u00bcr die Region Lausitz den zweiten tiefgreifenden Strukturwandel innerhalb weniger Jahrzehnte, nachdem in Folge der Wiedervereinigung bereits gro\u00c3\u0178e Teile der Industrie weggebrochen waren. 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