{"id":52166,"date":"2026-10-23T12:46:47","date_gmt":"2026-10-23T10:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20021-751\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:49","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:49","slug":"20021-751","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20021-751\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines Workflows f\u00c3\u00bcr moderne integrative Artbeschreibungen von Insekten durch Kombination bildgebender und molekularer Methoden der Biologie und Cybertaxonomie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Die Entdeckung, Benennung und Klassifizierung der gesamten Biodiversit\u00c3\u00a4t unserer Erde ist das fundamentale Ziel der Taxonomie. Eine wissenschaftliche Artbeschreibung umfasst die Vergabe eines wissenschaftlichen Namens und die Beschreibung von diagnostischen Merkmalen, die die Art eindeutig von nah verwandten Arten abgrenzt. Diese genaue Artabgrenzung bildet die Grundlage f\u00c3\u00bcr aufbauende Studien, Biodiversit\u00c3\u00a4tsforschung und insbesondere den Schutz der Arten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Von einer vollst\u00c3\u00a4ndigen Inventarisierung aller Lebewesen sind wir heutzutage noch weit entfernt. Bisher sind weltweit \u00c3\u00bcber 1,5 Mio. Arten beschrieben. Sch\u00c3\u00a4tzungen gehen allerdings von einer weit h\u00c3\u00b6heren Gesamtzahl, n\u00c3\u00a4mlich 5-8 Mio. Arten aus. Insbesondere von den Insekten, die mit \u00c3\u00bcber 1 Mio. beschriebenen Arten die artenreichste Organismengruppe der Erde bilden, sind noch unz\u00c3\u00a4hlige Arten unbekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Insekten sind nicht nur besonders artendivers, sondern auch oftmals stark bedroht. Klimawandel, Zerst\u00c3\u00b6rung von Habitaten und Umweltverschmutzung gef\u00c3\u00a4hrden in einem noch nie da gewesenen Tempo eine Vielzahl von Arten. Diese k\u00c3\u00b6nnten aussterben, bevor wir von ihrer Existenz erfahren. Durch ihr Verschwinden werden Nahrungsnetzwerke destabilisiert und wichtige \u00c3\u2013kosystemfunktionen wie Best\u00c3\u00a4ubung und Parasitismus gehen verloren. Aus diesem Grund sollte eine z\u00c3\u00bcgige und effiziente Erfassung m\u00c3\u00b6glichst vieler unbeschriebener Insektenarten eine Top-Priorit\u00c3\u00a4t der modernen Taxonomie bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">In dem hier vorgestellten Promotionsprojekt soll ein standardisierter und leicht reproduzierbarer Arbeitsablauf f\u00c3\u00bcr eine z\u00c3\u00bcgige und detaillierte Beschreibung neuer Insektenarten entwickelt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, werden integrative Taxonomie, moderne nichtinvasive Untersuchungsmethoden und Cybertaxonomie miteinander kombiniert. Der taxonomische Workflow wird an Vertretern mehrerer Insektenordnungen erarbeitet. Dies soll gew\u00c3\u00a4hrleisten, dass der Workflow auf ein m\u00c3\u00b6glichst breites Artenspektrum von Insekten anwendbar ist und helfen, die Morphologie der Gruppen besser zu verstehen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Grundlage dieses Workflows bildet ein Protokoll zur effizienten Erfassung bestimmungsrelevanter morphologischer Merkmale. Dieses wird an Vertretern der F\u00c3\u00a4cherfl\u00c3\u00bcgler (Strepsiptera), einem f\u00c3\u00bcr die Wissenschaft wichtigen Modellorganismus dem Rotbraunen Reismehlk\u00c3\u00a4fer (<em>Tribolium castaneum<\/em>) und an Bernsteinfossilien aus den Gruppen der Ameisen (Formicidae), K\u00c3\u00a4fern (Coleoptera) und Staubl\u00c3\u00a4usen (Psocodea) erarbeitet. Hierbei kommen verschiedene moderne Bildgebungsverfahren der Morphologie zum Einsatz. Mit Microcomputertomografie werden 3D-Modelle aller Tiere erstellt, Konfokale Laserscanningmikroskopie wird eingesetzt um die miniaturisierten Prim\u00c3\u00a4rlarven der F\u00c3\u00a4cherfl\u00c3\u00bcgler aufzunehmen, Details der K\u00c3\u00b6rperoberfl\u00c3\u00a4che werden mit Rasterelektronenmikroskopie dokumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Der Einsatz nicht invasiver Methoden stellt eine effiziente und schonende Nutzung von wertvollen und in vielen F\u00c3\u00a4llen seltenen Sammlungsexemplaren sicher. Anschlie\u00c3\u0178end soll das ausgearbeitete Protokoll mit der molekulartaxonomischen Methode des DNA-Barcoding in einem integrativen taxonomischen Workflow verbunden werden, um bisher unbeschriebene Arten der F\u00c3\u00a4cherfl\u00c3\u00bcgler (Strepsiptera) neu zu beschreiben und bestehende Verwandschaftshypothesen neu zu bewerten. Konkret soll eine neue Strepsipterenart der Gattung <em>Halictophagus <\/em>beschrieben und die Gattung einer Revesion (Neubewertung der Verwandschaftsverh\u00c3\u00a4ltnisse ) unterzogen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Kombination von morphologischen und molekularen Methoden soll hierbei die Objektivit\u00c3\u00a4t und Genauigkeit der Artabgrenzung maximieren. Abschlie\u00c3\u0178end werden die Daten aus allen Teilprojekten in freizug\u00c3\u00a4ngliche Onlinedatenbanken eingespeist. Dies erm\u00c3\u00b6glicht es anderen Wissenschaftler*innen f\u00c3\u00bcr aufbauende Studien leicht auf die Daten zuzugreifen und vernetzt das neu gewonnene Wissen mit bereits bestehendem.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Durch die Synthese der verschiedenen Methoden und Vorgehensweisen soll mit diesem Projekt ein wichtiger Beitrag zur z\u00c3\u00bcgigen und detailreichen Erfassung der Artenvielfalt unseres Planeten geleistet werden. Dies macht moderne Taxonomie zu einem wertvollen Werkzeug im Kampf gegen das weltweite Artensterben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entdeckung, Benennung und Klassifizierung der gesamten Biodiversit\u00c3\u00a4t unserer Erde ist das fundamentale Ziel der Taxonomie. Eine wissenschaftliche Artbeschreibung umfasst die Vergabe eines wissenschaftlichen Namens und die Beschreibung von diagnostischen Merkmalen, die die Art eindeutig von nah verwandten Arten abgrenzt. Diese genaue Artabgrenzung bildet die Grundlage f\u00c3\u00bcr aufbauende Studien, Biodiversit\u00c3\u00a4tsforschung und insbesondere den Schutz der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2477],"class_list":["post-52166","promotionsstipendium","type-promotionsstipendium","status-publish","hentry","tag-deutschland"],"meta_box":{"dbu_stipendiaten_az":"20021\/751","dbu_stipendiaten_anrede":"","dbu_stipendiaten_nachname":"Tr\u00c3\u00b6ger","dbu_stipendiaten_vorname":"Daniel","dbu_stipendiaten_titel":"","dbu_stipendiaten_fbeginn":"2022-04-01 00:00:00","dbu_stipendiaten_fende":"2024-09-30 00:00:00","dbu_stipendiaten_e_anschrif":"Friedrich-Schiller-Universit\u00c3\u00a4t Jena Institut f\u00c3\u00bcr Zoologie und Evolutionsforschung","dbu_stipendiaten_betreuer":"Dr. Hans Pohl","dbu_stipendiaten_email_dienst":"dani.troeger92@gmail.com"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/promotionsstipendium"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58178,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52166\/revisions\/58178"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}