{"id":52165,"date":"2026-02-24T10:46:10","date_gmt":"2026-02-24T09:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20021-752\/"},"modified":"2026-02-24T10:46:10","modified_gmt":"2026-02-24T09:46:10","slug":"20021-752","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20021-752\/","title":{"rendered":"Priorit\u00e4ten f\u00fcr den effektiven Schutz von Bodenbiodiversit\u00e4t und Bodenfunktionalit\u00e4t in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>B\u00f6den sind f\u00fcr das Funktionieren von \u00d6kosystemen von entscheidender Bedeutung, dennoch wird die Biodiversit\u00e4t der B\u00f6den im Bereich des Naturschutzes weitgehend \u00fcbersehen. In der entstandenen, kumulativen Dissertation wurde (1) die Anf\u00e4lligkeit von Bodenorganismen in einer Fallstudie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Regenw\u00fcrmer, (2) die Wirksamkeit bestehender Schutzgebietsnetzwerke bei der Erhaltung der Biodiversit\u00e4t und Funktion von B\u00f6den, (3) Strategien und Vorteile einer wirksamen Vermittlung der Bedeutung des Bodenlebens an die \u00d6ffentlichkeit und (4) Priorit\u00e4ten f\u00fcr den Naturschutz der Biodiversit\u00e4t von B\u00f6den in Europa untersucht. Die vier Kapitel integrieren biologische Daten mit neuartigen Modellierungsans\u00e4tzen und wurden durch politische \u00dcberpr\u00fcfungen und Kommunikationsforschung erg\u00e4nzt. Sie zeigen, dass die aktuellen Naturschutzrahmenbedingungen eine Tendenz zu sichtbaren, oberirdischen Arten aufweisen und somit den Gro\u00dfteil des Lebens unter der Erde \u00fcbersehen. Eine erfolgreiche und ganzheitliche Naturschutzarbeit erfordert die Einbeziehung von Bodenorganismen in die \u00dcberwachung der Biodiversit\u00e4t, die Umweltbildung und die Verwaltung von Schutzgebieten. Die Dissertation schlie\u00dft mit Vorschl\u00e4gen, wie Forschung, Politik, Verwaltung und \u00f6ffentliche Beteiligung miteinander verbunden werden k\u00f6nnen, um sicherzustellen, dass die f\u00fcr die meisten Menschen unsichtbare Bodenbiodiversit\u00e4t die erforderliche Pflege und den notwendigen Schutz erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Alles Leben auf der Erde ist mit der <strong>Natur <\/strong>verbunden, die essentielle Ressourcen bereitstellt, das Klima reguliert und das menschliche Wohlbefinden bereichert. Der Begriff Natur selbst ist jedoch nicht leicht zu definieren und l\u00e4sst gro\u00dfen Raum f\u00fcr Interpretation. Die Definitionen reichen von der Auffassung der Natur als Ansammlung nicht-menschlicher Organismen und Landschaften bis hin zum Verst\u00e4ndnis von Natur als Gesamtheit der belebten und unbelebten Welt, von der der Mensch untrennbar ist. Die Vorteile und die Verbindung zum menschlichen Wohlbefinden sollten jedoch nicht \u00fcberschatten, dass die Natur und ihre Bestandteile einen intrinsischen Wert besitzen, n\u00e4mlich das einfache Recht, zu existieren, ohne dem Menschen notwendigerweise Nutzen oder Dienstleistungen zu erbringen. Biodiversit\u00e4t, ein lebender Bestandteil der Natur, beschreibt die Vielfalt des Lebens auf Ebene der Gene, Arten und funktionellen Merkmale, umfasst aber auch die Vielfalt der \u00d6kosysteme. Dieses Spektrum nat\u00fcrlicher Vielfalt f\u00fchrt zu unterschiedlichen Ans\u00e4tzen des Naturschutzes und \u2013 \u00e4hnlich wie die Vielfalt an Definitionen von Natur \u2013 zu einer Vielfalt an Schutzzielen.<\/p>\n<p>Historisch konzentrierten sich <strong>Naturschutz<\/strong>bem\u00fchungen darauf, die Natur und insbesondere ihre Biodiversit\u00e4t zu bewahren. Definitionen des Naturschutzes spiegeln dabei unterschiedliche Zielsetzungen wider, wie etwa den Erhalt unber\u00fchrter Wildnis, die Sicherung von Ressourcen f\u00fcr menschliche Nutzung oder den Schutz \u00f6kologischer Prozesse. Diese Definitionen haben sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert und gleichzeitig beeinflusst, welchen Strategien nachgegangen wurde \u2013 von der Einrichtung von Schutzgebieten bis hin zur Wiederherstellung beeintr\u00e4chtigter Landschaften. Im Laufe der Zeit hat sich der Naturschutz von der Philosophie \u201enature for itself\u201c (engl. Natur f\u00fcr sich selbst) und \u201enature for people\u201d (engl. Natur f\u00fcr den Menschen) hin zu \u201epeople and nature\u201d (engl. Menschen und Natur) entwickelt und damit sowohl den intrinsischen Wert der Biodiversit\u00e4t als auch den instrumentellen Nutzen von \u00d6kosystemen anerkannt. \u00d6kosystemdienstleistungen wie Nahrungsmittelproduktion, Wasserregulierung, Klimastabilisierung und kulturelle Inspiration verdeutlichen die Abh\u00e4ngigkeit des menschlichen Wohlbefindens von funktionierenden \u00d6kosystemen. In einem modernen Konzept werden die Vorteile der Natur als \u201cNature\u2019s Contributions to People\u201d (engl. Beitrag der Natur zur Menschheit) bezeichnet, was den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur klar beibeh\u00e4lt, aber auch negative Beitr\u00e4ge der lebenden Natur, die Perspektiven indigener V\u00f6lker und lokales Wissen sowie die Verkn\u00fcpfung von Kultur und Mensch einbezieht. Obwohl der heutige Naturschutzgedanke \u201epeople and nature\u201c sowohl den Mensch als auch die Natur im Zusammenspiel ber\u00fccksichtigt, wurde die vom Menschen verursachte Bedrohung der Natur bereits vor Jahrzehnten im Konzept \u201enature despite people\u201d (engl. Natur trotz des Menschen) erkannt. Diese Bedrohungen werden h\u00e4ufig unter dem Begriff des Globalen Wandels zusammengefasst.<\/p>\n<p>Der fortschreitende <strong>Globale Wandel<\/strong> beschreibt die sich beschleunigenden Ver\u00e4nderungen, die der Mensch weltweit auf \u00d6kosysteme und Arten aus\u00fcbt. W\u00e4hrend Menschen die Natur schon immer beeinflusst haben, sind Ausma\u00df und Geschwindigkeit dieser Ver\u00e4nderungen heute beispiellos. Ihre Auswirkungen reichen von der fr\u00fchen Jagd und Fischerei bis zur modernen Industrialisierung und Globalisierung. Der Globale Wandel besteht dabei nicht aus einem einzelnen Faktor, sondern aus einer Vielzahl sich gegenseitig verst\u00e4rkender Treiber (engl. \u201cdrivers\u201d). Klimawandel, Landnutzungs\u00e4nderung, Verschmutzung, invasive Arten und \u00dcbernutzung wirken gleichzeitig und verursachen gravierende, kumulative Effekte. Die Folgen f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t sind umfangreich. Der Verlust biologischer Vielfalt, vereinheitlichte Lebensgemeinschaften und eine abnehmende funktionelle Diversit\u00e4t schw\u00e4chen \u00d6kosystemdienstleistungen und die \u00d6kosystemstabilit\u00e4t. Es handelt sich dabei nicht um zuk\u00fcnftige Risiken, sondern um gegenw\u00e4rtige Realit\u00e4ten, die sich in degradierten B\u00f6den, r\u00fcckl\u00e4ufigen Best\u00e4uberpopulationen, kollabierenden Fischbest\u00e4nden und sinkender \u00d6kosystemstabilit\u00e4t zeigen. Die Auswirkungen des Globalen Wandels schaffen daher den Rahmen f\u00fcr den heutigen Naturschutz.<\/p>\n<p><strong>Naturschutzpraktiken <\/strong>umfassen die konkreten Ma\u00dfnahmen um Biodiversit\u00e4t und \u00d6kosysteme zu bewahren. Traditionell umfassen sie Habitatrenaturierung, Artenmanagement, nachhaltige Nutzung und die Ausweisung von Schutzgebieten. Jede Schutzma\u00dfnahme spiegelt bestimmte Naturschutzphilosophien wider \u2013 von bewahrenden Idealen bis hin zu integrativen Modellen, die die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur anerkennen. In der Praxis reichen Managementstrategien von strengem Schutz, bei dem menschlicher Zugang und Nutzung minimiert werden, bis zu Ans\u00e4tzen, die neben Naturschutzzielen auch nachhaltige Ressourcennutzung oder kulturelle Aktivit\u00e4ten zulassen. Unter diesen Strategien haben sich Schutzgebiete als Eckpfeiler des modernen Naturschutzes etabliert. Nationalparks, Reservate und Schutznetzwerke dienen als r\u00e4umliche Ankerpunkte f\u00fcr den Biodiversit\u00e4tsschutz und bieten rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen, um Ausbeutung und Zerst\u00f6rung zu begrenzen. Weltweit hat sich die Fl\u00e4che gesch\u00fctzter Gebiete im letzten Jahrhundert stark vergr\u00f6\u00dfert, wobei internationale Zielvereinbarungen darauf abzielen, mindestens 30 % der Land- und Meeresfl\u00e4chen unter Schutz zu stellen. Diese Gebiete sollen Arten, Lebensr\u00e4ume und \u00f6kologische Prozesse sch\u00fctzen und als R\u00fcckzugsorte vor Landnutzungswandel, Verschmutzung und \u00dcbernutzung dienen. Studien zeigen jedoch, dass Schutzgebiete nicht immer so wirksam sind wie angenommen. H\u00e4ufig sind sie auf sichtbare oder charismatische Arten, ikonische Landschaften oder politisch realisierbare Regionen ausgerichtet und basieren weniger auf tats\u00e4chlicher \u00f6kologischer Notwendigkeit. Viele Gebiete sind klein, isoliert oder unzureichend gemanagt, was ihre F\u00e4higkeit mindert, langfristig lebensf\u00e4hige Populationen oder \u00f6kologische Prozesse zu erhalten. In manchen F\u00e4llen existiert Schutz nur auf dem Papier, w\u00e4hrend \u00dcberwachung und Durchsetzung unzureichend erfolgen. Diese Diskrepanz zwischen Erwartungen und Wirklichkeit verdeutlicht die Notwendigkeit differenzierterer Ans\u00e4tze. Schutzgebiete bleiben als symbolisches und praktisches Mittel zum Naturschutz unverzichtbar, k\u00f6nnen aber nicht die alleinige L\u00f6sung darstellen. Ihre Wirksamkeit h\u00e4ngt von sorgf\u00e4ltiger Standortwahl, Vernetzung, ausreichender Gr\u00f6\u00dfe, adaptivem Management und der Ber\u00fccksichtigung des gesamten Spektrums der Biodiversit\u00e4t, einschlie\u00dflich des verborgenen Lebens im Boden, ab. Naturschutzpraktiken m\u00fcssen daher \u00fcber Reservatsgrenzen hinausgehen: nachhaltige Landnutzung, Wiederherstellung (engl. Restoration) und die Bedeutung von Bodenfunktionen sollten in gr\u00f6\u00dfere Landschaftszusammenh\u00e4nge integriert werden. Nur so kann der Naturschutz sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren Komponenten von \u00d6kosystemen erfassen und gew\u00e4hrleisten, dass Schutzgebiete ihrem Anspruch als sichere Zufluchtsorte f\u00fcr alle Formen von Biodiversit\u00e4t gerecht werden.<\/p>\n<p>Obwohl Naturschutzpraktiken im Laufe der Zeit nachger\u00fcstet wurden, bleiben die Organismen, welche globale Kreisl\u00e4ufe von Kohlenstoff, N\u00e4hrstoffen und Wasser aufrechterhalten und viele der \u201cNature\u2019s Contributions to People\u201d erbringen, weitgehend vernachl\u00e4ssigt \u2013 insbesondere jene, die im Boden leben. Die Naturschutzforschung konzentrierte sich traditionell auf oberirdische \u00d6kosysteme, behandelte Bodenfunktionen als nachrangig oder ging davon aus, dass sich diese aufgrund regenerierter Vegetation erholen w\u00fcrden. Dies hat zu einer anhaltenden L\u00fccke in Forschung und Naturschutz gef\u00fchrt: Bodenbiodiversit\u00e4t (d.h. die biologische Vielfalt im Boden basierend auf den Bodenlebewesen-Gemeinschaften) wird selten in Schutz- oder Politikziele einbezogen, und selbst ambitionierte Schutzgebietsnetzwerke priorisieren sichtbare Lebensr\u00e4ume und Arten, w\u00e4hrend sie darauf vertrauen, dass unterirdische Gemeinschaften ohne expliziten Schutz fortbestehen. Dabei ist die Bodendiversit\u00e4t ein kritischer und verletzlicher Bestandteil der Natur, insbesondere im Kontext des Globalen Wandels. Landnutzungs\u00e4nderungen, Klimaverschiebungen und Verschmutzung beeinflussen Bodenorganismen und deren Funktionen direkt, doch diese Auswirkungen bleiben im Mainstream-Naturschutz weitgehend unsichtbar. B\u00f6den beherbergen eine enorme Vielfalt an Lebewesen, die organisches Material zersetzen, N\u00e4hrstoffe recyceln, zur Entwicklung einer stabilen Bodenstruktur beitragen und Wasserfl\u00fcsse regulieren \u2013 Funktionen, die Produktivit\u00e4t, Stabilit\u00e4t und Resilienz von \u00d6kosystemen weltweit st\u00fctzen. Da der Globale Wandel alle \u00d6kosysteme einschlie\u00dflich der B\u00f6den betrifft, m\u00fcssen wir den Naturschutz neu denken, seinen Geltungsbereich erweitern und sicherstellen, dass sowohl sichtbare als auch unsichtbare Formen der Biodiversit\u00e4t den dringend ben\u00f6tigten Schutz erhalten.<\/p>\n<p>Diese <strong>Dissertation <\/strong>befasst sich mit dem Ungleichgewicht zwischen der wichtigen Rolle der Bodenbiodiversit\u00e4t und ihrer vergleichsweise geringen Beachtung. Die Arbeit beleuchtet, wie Bodenbiodiversit\u00e4t im Naturschutz ber\u00fccksichtigt wird, und zeigt dadurch die Schw\u00e4chen aktueller Schutzpraktiken auf. Basierend auf vier Projekten wird<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>die naturschutzrelevante Bedeutung von Bodenorganismen am Beispiel des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Verbreitung von Regenw\u00fcrmern untersucht,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>die Rolle der Wissenschaftskommunikation bei der Sensibilisierung f\u00fcr das Bodenleben beleuchtet,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>die Wirksamkeit bestehender Schutzgebiete f\u00fcr die Erhaltung der Bodenbiodiversit\u00e4t und -funktionen evaluiert, und<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Priorit\u00e4ten f\u00fcr den Naturschutz von Bodenbiodiversit\u00e4t in Europa identifiziert.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Arbeit betont die dringende Notwendigkeit, Bodenorganismen in Wissenschaft, Politik und Management zu integrieren, und argumentiert weiterhin, dass das Fortbestehen von \u00d6kosystemen und menschlichem Wohlbefinden von ihrem \u00dcberleben abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" class=\"iw-rte-image-inline\" hspace=\"5\" src=\"https:\/\/stipnet.dbu.de\/custom\/dbuber\/imgcache\/2cf5ea1b99cf8c750cbe3f271583f2f0.png\" style=\"width:100%;max-width:100%;\" title=\"\" vspace=\"3\" width=\"518\"><\/p>\n<p>Das erste Kapitel untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf <strong>Regenw\u00fcrmer<\/strong>, einer Gruppe von Bodenorganismen, die f\u00fcr N\u00e4hrstoffkreisl\u00e4ufe und Bodenfruchtbarkeit entscheidend sind. Die vorgestellte Studie prognostiziert, dass die Verbreitung von Regenw\u00fcrmern sehr empfindlich auf Klimaver\u00e4nderungen reagiert. Steigende Temperaturen und ein ver\u00e4nderter Niederschlag verschieben ihre Verbreitungsgebiete und beeinflussen damit auch die r\u00e4umliche Verteilung der Regenwurm-Artenvielfalt. Manche Regionen verlieren geeignete Lebensr\u00e4ume, w\u00e4hrend andere neue Artenzusammensetzungen aufweisen \u2013 mit ungewissen Folgen f\u00fcr die \u00d6kosystemfunktionen. Regenw\u00fcrmer verdeutlichen, warum Bodenbiodiversit\u00e4t im Naturschutz Beachtung finden muss: Ihr Verlust aufgrund von klimabedingten Lebensraumverschiebungen k\u00f6nnte leicht zu Einbu\u00dfen jener \u00d6kosystemfunktionen f\u00fchren, die Landwirtschaft, Kohlenstoffspeicherung und Pflanzenproduktivit\u00e4t unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Das zweite Kapitel befasst sich mit der Frage, wie Menschen f\u00fcr Bodenbiodiversit\u00e4t sensibilisiert werden k\u00f6nnen und warum <strong>Wissenschaftskommunikation <\/strong>daf\u00fcr notwendig und zugleich gewinnbringend ist. \u00d6ffentliches Bewusstsein ist eine Voraussetzung f\u00fcr wirksamen Naturschutz, doch B\u00f6den bleiben f\u00fcr B\u00fcrger:innen und Entscheidungstr\u00e4ger:innen weitgehend unsichtbar. Kommunikation kann diese L\u00fccke schlie\u00dfen, indem sie Bodenleben durch Geschichten, Visualisierungen und Outreach-Initiativen greifbar macht. Aus unseren eigenen Erfahrungen im Projekt \u201eTranslating Soil Biodiversity\u201c haben Kolleginnen und ich gelernt, dass der Wissensaustausch durch klare Kommunikation allen Beteiligten zugutekommt. Die \u00dcbersetzung von Forschungsergebnissen in einfache Sprache verbessert Schreibf\u00e4higkeiten und das Erfassen des \u201eBig-Pictures\u201c von Redakteur:innen, Gutachter:innen und Autor:innen, w\u00e4hrend zug\u00e4ngliche Abbildungen und Texte ein breiteres Publikum erreichen. \u00dcbersetzungen in verschiedene Sprachen f\u00f6rdern Inklusion, da Freiwillige ebenso wie Forschende selbst Wissen erwerben und neue Kooperationen ansto\u00dfen. Vereinfachte Materialien machen Forschungsprozesse verst\u00e4ndlich und dienen als Ressource f\u00fcr Schulen, Universit\u00e4ten und Citizen-Science-Projekte. Gut verst\u00e4ndliche Inhalte werden von Allen gesch\u00e4tzt, da sie Wissenschaft zugleich zug\u00e4nglicher und ansprechender machen. Ohne Bewusstsein f\u00fcr B\u00f6den, wie es unter anderem durch Kommunikationsinitiativen geschaffen werden kann, werden Bodenorganismen weiterhin in Naturschutzprogrammen fehlen und so der Zyklus der Vernachl\u00e4ssigung fortgesetzt.<\/p>\n<p>Das dritte Kapitel untersucht, ob aktuelle <strong>Naturschutz<\/strong>strategien die Bodenbiodiversit\u00e4t tats\u00e4chlich sch\u00fctzen. Schutzgebiete gelten weithin als Eckpfeiler des Naturschutzes, doch ihre Wirksamkeit f\u00fcr Bodenorganismen scheint begrenzt. Naturschutzmanagement konzentriert sich auf Vegetation und charismatische Arten, w\u00e4hrend unterirdische Prozesse vernachl\u00e4ssigt werden. Es \u00fcberrascht daher nicht, dass Schutzgebiete im Vergleich zu ungesch\u00fctzten Fl\u00e4chen nur geringe messbare Effekte auf Bodenbiodiversit\u00e4t oder -funktionen zeigen. Selbst gut etablierte Gebiete k\u00f6nnen das Fortbestehen unterirdischer Gemeinschaften nicht garantieren, und Hotspots f\u00fcr Pflanzen oder Wirbeltiere stimmen nicht notwendigerweise mit Priorit\u00e4ten f\u00fcr die Bodenbiodiversit\u00e4t \u00fcberein. Die neuen Ergebnisse und Literaturbefunde zeigen deutlich, dass oberirdischer Schutz keinen Schutz des Bodenlebens garantiert, und unterstreichen die Bedeutung, Bodenbiodiversit\u00e4t explizit zu priorisieren.<\/p>\n<p>Die vierte Studie identifiziert r\u00e4umliche <strong>Priorit\u00e4ten <\/strong>f\u00fcr den Schutz der Bodenbiodiversit\u00e4t in Europa. Durch die Kartierung von Mustern der Bodenbiodiversit\u00e4t und deren Abdeckung von bestehenden Schutzgebieten sowie degradierten Fl\u00e4chen wurden Regionen hoher Bodenbiodiversit\u00e4t herausgestellt, die derzeit ungesch\u00fctzt und weniger bedroht sind. Diese Ergebnisse k\u00f6nnen als Grundlage dienen, neue Schutzgebiete auszuweisen oder bestehendes Management gezielt anzupassen. W\u00e4hrend fr\u00fchere Studien Hotspots der Bodenbiodiversit\u00e4t in gr\u00f6\u00dferem Umfang betrachteten, zielte der pr\u00e4sentierte Ansatz auf kleinere, praktisch-relevante Einheiten ab, da Management \u00fcblicherweise lokal stattfindet. Solche r\u00e4umlichen Priorisierungen zeigen, dass Bodenbiodiversit\u00e4t gezielte Strategien erfordert und nicht nur einen zuf\u00e4lligen Schutz als Nebenprodukt oberirdischer Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p><strong>Insgesamt <\/strong>offenbaren die vier Kapitel ein konsistentes Muster: Bodenbiodiversit\u00e4t ist bedroht, vernachl\u00e4ssigt und unzureichend gesch\u00fctzt. Klimawandel, Landnutzungsintensivierung und Verschmutzung stellen direkte Risiken dar, w\u00e4hrend die Unsichtbarkeit des Bodenlebens dazu f\u00fchrt, dass Bodenbiodiversit\u00e4t in der Schutzpriorisierung \u00fcbergangen wird. Manche Herausforderungen des Naturschutzes, zum Beispiel gro\u00dfr\u00e4umige Klima- und Landnutzungs\u00e4nderungen, lassen sich nicht vollst\u00e4ndig verhindern, wohl aber abmildern, wenn B\u00f6den in die Planung einbezogen werden. Indikatoren k\u00f6nnten helfen, Bodengesundheit und -biodiversit\u00e4t zu messen und als Fr\u00fchwarnsignale f\u00fcr Zerst\u00f6rung zu dienen, doch ihre Entwicklung und Anwendung sind bislang unvollst\u00e4ndig. Ohne \u00f6ffentliches Bewusstsein werden B\u00f6den weiterhin in Schutzbem\u00fchungen ignoriert, und ihr stiller R\u00fcckgang bleibt weitgehend unbemerkt.\u00a0<\/p>\n<p>Die Synthese dieser Ergebnisse f\u00fchrt zu mehreren <strong>Implikationen <\/strong>f\u00fcr Forschung, Kommunikation, Politik und Praxis. Die Naturschutzbiologie (engl. conservation biology) muss ihren Fokus erweitern und Bodenorganismen in Monitoring, Management und Priorit\u00e4tensetzung integrieren. Entscheidungstr\u00e4ger:innen m\u00fcssen erkennen, dass der Schutz sichtbarer Biodiversit\u00e4t nicht automatisch auch Bodenbiodiversit\u00e4t und -funktionen sch\u00fctzt, und dass Schutzziele so gestaltet werden m\u00fcssen, dass sie auch die unterirdische Vielfalt erfassen. Wissenschaftskommunikation muss weiterhin eine Rolle spielen, damit B\u00f6den in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung sichtbarer werden. Gleichzeitig muss die Forschung herausstellen, wie Bodenbiodiversit\u00e4t auf Schutzma\u00dfnahmen reagiert, welche Indikatoren zu ihrer \u00dcberwachung geeignet sind und welche Managementpraktiken sie f\u00f6rdern. Nur durch die Verbind<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zugeh\u00f6rige Publikation:<\/p>\n<p>Zeiss, R., Briones, M., Mathieu, J., Lomba, A., Dahlke, J., Heptner, L., Eisenhauer, N., Salako, G. &#038; Guerra, C. A. (2023). Effects of climate on the distribution and conservation of commonly observed European earthworms. Conservation Biology. <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/cobi.14187\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/cobi.14187<\/a><\/p>\n<p>Zeiss, R. (2024). Ist Bodenschutz gleichzeitig Naturschutz? Welche Rolle k\u00f6nnen Schutzgebiete spielen?. Natur &#038; Landschaft. Das Bodenleben (Schwerpunktausgabe). <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/www.doi.org\/10.19217\/NuL2024-09-09\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.doi.org\/10.19217\/NuL2024-09-09<\/a><\/p>\n<p>Beugnon, R. &#038; Zeiss, R., B\u00f6nisch, E., Phillips, H. R. P. &#038; Jochum, M. (2024). Communicating soil biodiversity research to kids around the world. Soil Organisms. <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.25674\/413\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.25674\/413<\/a><\/p>\n<p>Zeiss, R., Delgado-Baquerizo, M., Singavarapu, B., Eisenhauer, N., Cano-D\u00edaz, C., Calder\u00f3n-Sanou, I., Carvalho, R. P., Costa, S. R., Duarte, A. C., Fernandes, P., Jones, A., K\u00fcsel, K., Mendes, S., Orgiazzi, A., Singh, B. K., &#038; Guerra, C. A. (2025). Uncertain role of conservation areas to protect soil biodiversity and functioning. Preprint: <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/ssrn.com\/abstract=5327960\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/ssrn.com\/abstract=5327960<\/a><\/p>\n<p>Zeiss, R., Kullberg, P., Mikkonen, N., Calderon-Sanou, I., Cano-D\u00edaz, C., Costa, S. R., Eisenhauer, N., Fernandes, P., Kalmanova, I., Mathieu, J., Mendes, S., Potapov, A., &#038; Guerra, C. A. (in Bearbeitung). European nature conservation priorities for soil biodiversity.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00f6den sind f\u00fcr das Funktionieren von \u00d6kosystemen von entscheidender Bedeutung, dennoch wird die Biodiversit\u00e4t der B\u00f6den im Bereich des Naturschutzes weitgehend \u00fcbersehen. 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