{"id":52165,"date":"2026-10-23T12:46:47","date_gmt":"2026-10-23T10:46:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20021-752\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:48","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:48","slug":"20021-752","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20021-752\/","title":{"rendered":"Priorit\u00c3\u00a4ten f\u00c3\u00bcr den effektiven Schutz von Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t und Bodenfunktionalit\u00c3\u00a4t in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>B\u00c3\u00b6den sind f\u00c3\u00bcr das Funktionieren von \u00c3\u2013kosystemen von entscheidender Bedeutung, dennoch wird die Biodiversit\u00c3\u00a4t der B\u00c3\u00b6den im Bereich des Naturschutzes weitgehend \u00c3\u00bcbersehen. In der entstandenen, kumulativen Dissertation wurde (1) die Anf\u00c3\u00a4lligkeit von Bodenorganismen in einer Fallstudie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Regenw\u00c3\u00bcrmer, (2) die Wirksamkeit bestehender Schutzgebietsnetzwerke bei der Erhaltung der Biodiversit\u00c3\u00a4t und Funktion von B\u00c3\u00b6den, (3) Strategien und Vorteile einer wirksamen Vermittlung der Bedeutung des Bodenlebens an die \u00c3\u2013ffentlichkeit und (4) Priorit\u00c3\u00a4ten f\u00c3\u00bcr den Naturschutz der Biodiversit\u00c3\u00a4t von B\u00c3\u00b6den in Europa untersucht. Die vier Kapitel integrieren biologische Daten mit neuartigen Modellierungsans\u00c3\u00a4tzen und wurden durch politische \u00c3\u0153berpr\u00c3\u00bcfungen und Kommunikationsforschung erg\u00c3\u00a4nzt. Sie zeigen, dass die aktuellen Naturschutzrahmenbedingungen eine Tendenz zu sichtbaren, oberirdischen Arten aufweisen und somit den Gro\u00c3\u0178teil des Lebens unter der Erde \u00c3\u00bcbersehen. Eine erfolgreiche und ganzheitliche Naturschutzarbeit erfordert die Einbeziehung von Bodenorganismen in die \u00c3\u0153berwachung der Biodiversit\u00c3\u00a4t, die Umweltbildung und die Verwaltung von Schutzgebieten. Die Dissertation schlie\u00c3\u0178t mit Vorschl\u00c3\u00a4gen, wie Forschung, Politik, Verwaltung und \u00c3\u00b6ffentliche Beteiligung miteinander verbunden werden k\u00c3\u00b6nnen, um sicherzustellen, dass die f\u00c3\u00bcr die meisten Menschen unsichtbare Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t die erforderliche Pflege und den notwendigen Schutz erh\u00c3\u00a4lt.<\/p>\n<p>Alles Leben auf der Erde ist mit der <strong>Natur <\/strong>verbunden, die essentielle Ressourcen bereitstellt, das Klima reguliert und das menschliche Wohlbefinden bereichert. Der Begriff Natur selbst ist jedoch nicht leicht zu definieren und l\u00c3\u00a4sst gro\u00c3\u0178en Raum f\u00c3\u00bcr Interpretation. Die Definitionen reichen von der Auffassung der Natur als Ansammlung nicht-menschlicher Organismen und Landschaften bis hin zum Verst\u00c3\u00a4ndnis von Natur als Gesamtheit der belebten und unbelebten Welt, von der der Mensch untrennbar ist. Die Vorteile und die Verbindung zum menschlichen Wohlbefinden sollten jedoch nicht \u00c3\u00bcberschatten, dass die Natur und ihre Bestandteile einen intrinsischen Wert besitzen, n\u00c3\u00a4mlich das einfache Recht, zu existieren, ohne dem Menschen notwendigerweise Nutzen oder Dienstleistungen zu erbringen. Biodiversit\u00c3\u00a4t, ein lebender Bestandteil der Natur, beschreibt die Vielfalt des Lebens auf Ebene der Gene, Arten und funktionellen Merkmale, umfasst aber auch die Vielfalt der \u00c3\u2013kosysteme. Dieses Spektrum nat\u00c3\u00bcrlicher Vielfalt f\u00c3\u00bchrt zu unterschiedlichen Ans\u00c3\u00a4tzen des Naturschutzes und \u00e2\u20ac\u201c \u00c3\u00a4hnlich wie die Vielfalt an Definitionen von Natur \u00e2\u20ac\u201c zu einer Vielfalt an Schutzzielen.<\/p>\n<p>Historisch konzentrierten sich <strong>Naturschutz<\/strong>bem\u00c3\u00bchungen darauf, die Natur und insbesondere ihre Biodiversit\u00c3\u00a4t zu bewahren. Definitionen des Naturschutzes spiegeln dabei unterschiedliche Zielsetzungen wider, wie etwa den Erhalt unber\u00c3\u00bchrter Wildnis, die Sicherung von Ressourcen f\u00c3\u00bcr menschliche Nutzung oder den Schutz \u00c3\u00b6kologischer Prozesse. Diese Definitionen haben sich im Laufe der Zeit ver\u00c3\u00a4ndert und gleichzeitig beeinflusst, welchen Strategien nachgegangen wurde \u00e2\u20ac\u201c von der Einrichtung von Schutzgebieten bis hin zur Wiederherstellung beeintr\u00c3\u00a4chtigter Landschaften. Im Laufe der Zeit hat sich der Naturschutz von der Philosophie \u00e2\u20ac\u017enature for itself\u00e2\u20ac\u0153 (engl. Natur f\u00c3\u00bcr sich selbst) und \u00e2\u20ac\u017enature for people\u00e2\u20ac\u009d (engl. Natur f\u00c3\u00bcr den Menschen) hin zu \u00e2\u20ac\u017epeople and nature\u00e2\u20ac\u009d (engl. Menschen und Natur) entwickelt und damit sowohl den intrinsischen Wert der Biodiversit\u00c3\u00a4t als auch den instrumentellen Nutzen von \u00c3\u2013kosystemen anerkannt. \u00c3\u2013kosystemdienstleistungen wie Nahrungsmittelproduktion, Wasserregulierung, Klimastabilisierung und kulturelle Inspiration verdeutlichen die Abh\u00c3\u00a4ngigkeit des menschlichen Wohlbefindens von funktionierenden \u00c3\u2013kosystemen. In einem modernen Konzept werden die Vorteile der Natur als \u00e2\u20ac\u0153Nature\u00e2\u20ac\u2122s Contributions to People\u00e2\u20ac\u009d (engl. Beitrag der Natur zur Menschheit) bezeichnet, was den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur klar beibeh\u00c3\u00a4lt, aber auch negative Beitr\u00c3\u00a4ge der lebenden Natur, die Perspektiven indigener V\u00c3\u00b6lker und lokales Wissen sowie die Verkn\u00c3\u00bcpfung von Kultur und Mensch einbezieht. Obwohl der heutige Naturschutzgedanke \u00e2\u20ac\u017epeople and nature\u00e2\u20ac\u0153 sowohl den Mensch als auch die Natur im Zusammenspiel ber\u00c3\u00bccksichtigt, wurde die vom Menschen verursachte Bedrohung der Natur bereits vor Jahrzehnten im Konzept \u00e2\u20ac\u017enature despite people\u00e2\u20ac\u009d (engl. Natur trotz des Menschen) erkannt. Diese Bedrohungen werden h\u00c3\u00a4ufig unter dem Begriff des Globalen Wandels zusammengefasst.<\/p>\n<p>Der fortschreitende <strong>Globale Wandel<\/strong> beschreibt die sich beschleunigenden Ver\u00c3\u00a4nderungen, die der Mensch weltweit auf \u00c3\u2013kosysteme und Arten aus\u00c3\u00bcbt. W\u00c3\u00a4hrend Menschen die Natur schon immer beeinflusst haben, sind Ausma\u00c3\u0178 und Geschwindigkeit dieser Ver\u00c3\u00a4nderungen heute beispiellos. Ihre Auswirkungen reichen von der fr\u00c3\u00bchen Jagd und Fischerei bis zur modernen Industrialisierung und Globalisierung. Der Globale Wandel besteht dabei nicht aus einem einzelnen Faktor, sondern aus einer Vielzahl sich gegenseitig verst\u00c3\u00a4rkender Treiber (engl. \u00e2\u20ac\u0153drivers\u00e2\u20ac\u009d). Klimawandel, Landnutzungs\u00c3\u00a4nderung, Verschmutzung, invasive Arten und \u00c3\u0153bernutzung wirken gleichzeitig und verursachen gravierende, kumulative Effekte. Die Folgen f\u00c3\u00bcr die Biodiversit\u00c3\u00a4t sind umfangreich. Der Verlust biologischer Vielfalt, vereinheitlichte Lebensgemeinschaften und eine abnehmende funktionelle Diversit\u00c3\u00a4t schw\u00c3\u00a4chen \u00c3\u2013kosystemdienstleistungen und die \u00c3\u2013kosystemstabilit\u00c3\u00a4t. Es handelt sich dabei nicht um zuk\u00c3\u00bcnftige Risiken, sondern um gegenw\u00c3\u00a4rtige Realit\u00c3\u00a4ten, die sich in degradierten B\u00c3\u00b6den, r\u00c3\u00bcckl\u00c3\u00a4ufigen Best\u00c3\u00a4uberpopulationen, kollabierenden Fischbest\u00c3\u00a4nden und sinkender \u00c3\u2013kosystemstabilit\u00c3\u00a4t zeigen. Die Auswirkungen des Globalen Wandels schaffen daher den Rahmen f\u00c3\u00bcr den heutigen Naturschutz.<\/p>\n<p><strong>Naturschutzpraktiken <\/strong>umfassen die konkreten Ma\u00c3\u0178nahmen um Biodiversit\u00c3\u00a4t und \u00c3\u2013kosysteme zu bewahren. Traditionell umfassen sie Habitatrenaturierung, Artenmanagement, nachhaltige Nutzung und die Ausweisung von Schutzgebieten. Jede Schutzma\u00c3\u0178nahme spiegelt bestimmte Naturschutzphilosophien wider \u00e2\u20ac\u201c von bewahrenden Idealen bis hin zu integrativen Modellen, die die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur anerkennen. In der Praxis reichen Managementstrategien von strengem Schutz, bei dem menschlicher Zugang und Nutzung minimiert werden, bis zu Ans\u00c3\u00a4tzen, die neben Naturschutzzielen auch nachhaltige Ressourcennutzung oder kulturelle Aktivit\u00c3\u00a4ten zulassen. Unter diesen Strategien haben sich Schutzgebiete als Eckpfeiler des modernen Naturschutzes etabliert. Nationalparks, Reservate und Schutznetzwerke dienen als r\u00c3\u00a4umliche Ankerpunkte f\u00c3\u00bcr den Biodiversit\u00c3\u00a4tsschutz und bieten rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen, um Ausbeutung und Zerst\u00c3\u00b6rung zu begrenzen. Weltweit hat sich die Fl\u00c3\u00a4che gesch\u00c3\u00bctzter Gebiete im letzten Jahrhundert stark vergr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ert, wobei internationale Zielvereinbarungen darauf abzielen, mindestens 30 % der Land- und Meeresfl\u00c3\u00a4chen unter Schutz zu stellen. Diese Gebiete sollen Arten, Lebensr\u00c3\u00a4ume und \u00c3\u00b6kologische Prozesse sch\u00c3\u00bctzen und als R\u00c3\u00bcckzugsorte vor Landnutzungswandel, Verschmutzung und \u00c3\u0153bernutzung dienen. Studien zeigen jedoch, dass Schutzgebiete nicht immer so wirksam sind wie angenommen. H\u00c3\u00a4ufig sind sie auf sichtbare oder charismatische Arten, ikonische Landschaften oder politisch realisierbare Regionen ausgerichtet und basieren weniger auf tats\u00c3\u00a4chlicher \u00c3\u00b6kologischer Notwendigkeit. Viele Gebiete sind klein, isoliert oder unzureichend gemanagt, was ihre F\u00c3\u00a4higkeit mindert, langfristig lebensf\u00c3\u00a4hige Populationen oder \u00c3\u00b6kologische Prozesse zu erhalten. In manchen F\u00c3\u00a4llen existiert Schutz nur auf dem Papier, w\u00c3\u00a4hrend \u00c3\u0153berwachung und Durchsetzung unzureichend erfolgen. Diese Diskrepanz zwischen Erwartungen und Wirklichkeit verdeutlicht die Notwendigkeit differenzierterer Ans\u00c3\u00a4tze. Schutzgebiete bleiben als symbolisches und praktisches Mittel zum Naturschutz unverzichtbar, k\u00c3\u00b6nnen aber nicht die alleinige L\u00c3\u00b6sung darstellen. Ihre Wirksamkeit h\u00c3\u00a4ngt von sorgf\u00c3\u00a4ltiger Standortwahl, Vernetzung, ausreichender Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e, adaptivem Management und der Ber\u00c3\u00bccksichtigung des gesamten Spektrums der Biodiversit\u00c3\u00a4t, einschlie\u00c3\u0178lich des verborgenen Lebens im Boden, ab. Naturschutzpraktiken m\u00c3\u00bcssen daher \u00c3\u00bcber Reservatsgrenzen hinausgehen: nachhaltige Landnutzung, Wiederherstellung (engl. Restoration) und die Bedeutung von Bodenfunktionen sollten in gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ere Landschaftszusammenh\u00c3\u00a4nge integriert werden. Nur so kann der Naturschutz sowohl die sichtbaren als auch die unsichtbaren Komponenten von \u00c3\u2013kosystemen erfassen und gew\u00c3\u00a4hrleisten, dass Schutzgebiete ihrem Anspruch als sichere Zufluchtsorte f\u00c3\u00bcr alle Formen von Biodiversit\u00c3\u00a4t gerecht werden.<\/p>\n<p>Obwohl Naturschutzpraktiken im Laufe der Zeit nachger\u00c3\u00bcstet wurden, bleiben die Organismen, welche globale Kreisl\u00c3\u00a4ufe von Kohlenstoff, N\u00c3\u00a4hrstoffen und Wasser aufrechterhalten und viele der \u00e2\u20ac\u0153Nature\u00e2\u20ac\u2122s Contributions to People\u00e2\u20ac\u009d erbringen, weitgehend vernachl\u00c3\u00a4ssigt \u00e2\u20ac\u201c insbesondere jene, die im Boden leben. Die Naturschutzforschung konzentrierte sich traditionell auf oberirdische \u00c3\u2013kosysteme, behandelte Bodenfunktionen als nachrangig oder ging davon aus, dass sich diese aufgrund regenerierter Vegetation erholen w\u00c3\u00bcrden. Dies hat zu einer anhaltenden L\u00c3\u00bccke in Forschung und Naturschutz gef\u00c3\u00bchrt: Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t (d.h. die biologische Vielfalt im Boden basierend auf den Bodenlebewesen-Gemeinschaften) wird selten in Schutz- oder Politikziele einbezogen, und selbst ambitionierte Schutzgebietsnetzwerke priorisieren sichtbare Lebensr\u00c3\u00a4ume und Arten, w\u00c3\u00a4hrend sie darauf vertrauen, dass unterirdische Gemeinschaften ohne expliziten Schutz fortbestehen. Dabei ist die Bodendiversit\u00c3\u00a4t ein kritischer und verletzlicher Bestandteil der Natur, insbesondere im Kontext des Globalen Wandels. Landnutzungs\u00c3\u00a4nderungen, Klimaverschiebungen und Verschmutzung beeinflussen Bodenorganismen und deren Funktionen direkt, doch diese Auswirkungen bleiben im Mainstream-Naturschutz weitgehend unsichtbar. B\u00c3\u00b6den beherbergen eine enorme Vielfalt an Lebewesen, die organisches Material zersetzen, N\u00c3\u00a4hrstoffe recyceln, zur Entwicklung einer stabilen Bodenstruktur beitragen und Wasserfl\u00c3\u00bcsse regulieren \u00e2\u20ac\u201c Funktionen, die Produktivit\u00c3\u00a4t, Stabilit\u00c3\u00a4t und Resilienz von \u00c3\u2013kosystemen weltweit st\u00c3\u00bctzen. Da der Globale Wandel alle \u00c3\u2013kosysteme einschlie\u00c3\u0178lich der B\u00c3\u00b6den betrifft, m\u00c3\u00bcssen wir den Naturschutz neu denken, seinen Geltungsbereich erweitern und sicherstellen, dass sowohl sichtbare als auch unsichtbare Formen der Biodiversit\u00c3\u00a4t den dringend ben\u00c3\u00b6tigten Schutz erhalten.<\/p>\n<p>Diese <strong>Dissertation <\/strong>befasst sich mit dem Ungleichgewicht zwischen der wichtigen Rolle der Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t und ihrer vergleichsweise geringen Beachtung. Die Arbeit beleuchtet, wie Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t im Naturschutz ber\u00c3\u00bccksichtigt wird, und zeigt dadurch die Schw\u00c3\u00a4chen aktueller Schutzpraktiken auf. Basierend auf vier Projekten wird<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>die naturschutzrelevante Bedeutung von Bodenorganismen am Beispiel des Klimawandels und seiner Auswirkungen auf die Verbreitung von Regenw\u00c3\u00bcrmern untersucht,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>die Rolle der Wissenschaftskommunikation bei der Sensibilisierung f\u00c3\u00bcr das Bodenleben beleuchtet,<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>die Wirksamkeit bestehender Schutzgebiete f\u00c3\u00bcr die Erhaltung der Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t und -funktionen evaluiert, und<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Priorit\u00c3\u00a4ten f\u00c3\u00bcr den Naturschutz von Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t in Europa identifiziert.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Arbeit betont die dringende Notwendigkeit, Bodenorganismen in Wissenschaft, Politik und Management zu integrieren, und argumentiert weiterhin, dass das Fortbestehen von \u00c3\u2013kosystemen und menschlichem Wohlbefinden von ihrem \u00c3\u0153berleben abh\u00c3\u00a4ngt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"\" class=\"iw-rte-image-inline\" hspace=\"5\" src=\"https:\/\/stipnet.dbu.de\/custom\/dbuber\/imgcache\/2cf5ea1b99cf8c750cbe3f271583f2f0.png\" style=\"width:100%;max-width:100%;\" title=\"\" vspace=\"3\" width=\"518\"><\/p>\n<p>Das erste Kapitel untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf <strong>Regenw\u00c3\u00bcrmer<\/strong>, einer Gruppe von Bodenorganismen, die f\u00c3\u00bcr N\u00c3\u00a4hrstoffkreisl\u00c3\u00a4ufe und Bodenfruchtbarkeit entscheidend sind. Die vorgestellte Studie prognostiziert, dass die Verbreitung von Regenw\u00c3\u00bcrmern sehr empfindlich auf Klimaver\u00c3\u00a4nderungen reagiert. Steigende Temperaturen und ein ver\u00c3\u00a4nderter Niederschlag verschieben ihre Verbreitungsgebiete und beeinflussen damit auch die r\u00c3\u00a4umliche Verteilung der Regenwurm-Artenvielfalt. Manche Regionen verlieren geeignete Lebensr\u00c3\u00a4ume, w\u00c3\u00a4hrend andere neue Artenzusammensetzungen aufweisen \u00e2\u20ac\u201c mit ungewissen Folgen f\u00c3\u00bcr die \u00c3\u2013kosystemfunktionen. Regenw\u00c3\u00bcrmer verdeutlichen, warum Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t im Naturschutz Beachtung finden muss: Ihr Verlust aufgrund von klimabedingten Lebensraumverschiebungen k\u00c3\u00b6nnte leicht zu Einbu\u00c3\u0178en jener \u00c3\u2013kosystemfunktionen f\u00c3\u00bchren, die Landwirtschaft, Kohlenstoffspeicherung und Pflanzenproduktivit\u00c3\u00a4t unterst\u00c3\u00bctzen.<\/p>\n<p>Das zweite Kapitel befasst sich mit der Frage, wie Menschen f\u00c3\u00bcr Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t sensibilisiert werden k\u00c3\u00b6nnen und warum <strong>Wissenschaftskommunikation <\/strong>daf\u00c3\u00bcr notwendig und zugleich gewinnbringend ist. \u00c3\u2013ffentliches Bewusstsein ist eine Voraussetzung f\u00c3\u00bcr wirksamen Naturschutz, doch B\u00c3\u00b6den bleiben f\u00c3\u00bcr B\u00c3\u00bcrger:innen und Entscheidungstr\u00c3\u00a4ger:innen weitgehend unsichtbar. Kommunikation kann diese L\u00c3\u00bccke schlie\u00c3\u0178en, indem sie Bodenleben durch Geschichten, Visualisierungen und Outreach-Initiativen greifbar macht. Aus unseren eigenen Erfahrungen im Projekt \u00e2\u20ac\u017eTranslating Soil Biodiversity\u00e2\u20ac\u0153 haben Kolleginnen und ich gelernt, dass der Wissensaustausch durch klare Kommunikation allen Beteiligten zugutekommt. Die \u00c3\u0153bersetzung von Forschungsergebnissen in einfache Sprache verbessert Schreibf\u00c3\u00a4higkeiten und das Erfassen des \u00e2\u20ac\u017eBig-Pictures\u00e2\u20ac\u0153 von Redakteur:innen, Gutachter:innen und Autor:innen, w\u00c3\u00a4hrend zug\u00c3\u00a4ngliche Abbildungen und Texte ein breiteres Publikum erreichen. \u00c3\u0153bersetzungen in verschiedene Sprachen f\u00c3\u00b6rdern Inklusion, da Freiwillige ebenso wie Forschende selbst Wissen erwerben und neue Kooperationen ansto\u00c3\u0178en. Vereinfachte Materialien machen Forschungsprozesse verst\u00c3\u00a4ndlich und dienen als Ressource f\u00c3\u00bcr Schulen, Universit\u00c3\u00a4ten und Citizen-Science-Projekte. Gut verst\u00c3\u00a4ndliche Inhalte werden von Allen gesch\u00c3\u00a4tzt, da sie Wissenschaft zugleich zug\u00c3\u00a4nglicher und ansprechender machen. Ohne Bewusstsein f\u00c3\u00bcr B\u00c3\u00b6den, wie es unter anderem durch Kommunikationsinitiativen geschaffen werden kann, werden Bodenorganismen weiterhin in Naturschutzprogrammen fehlen und so der Zyklus der Vernachl\u00c3\u00a4ssigung fortgesetzt.<\/p>\n<p>Das dritte Kapitel untersucht, ob aktuelle <strong>Naturschutz<\/strong>strategien die Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t tats\u00c3\u00a4chlich sch\u00c3\u00bctzen. Schutzgebiete gelten weithin als Eckpfeiler des Naturschutzes, doch ihre Wirksamkeit f\u00c3\u00bcr Bodenorganismen scheint begrenzt. Naturschutzmanagement konzentriert sich auf Vegetation und charismatische Arten, w\u00c3\u00a4hrend unterirdische Prozesse vernachl\u00c3\u00a4ssigt werden. Es \u00c3\u00bcberrascht daher nicht, dass Schutzgebiete im Vergleich zu ungesch\u00c3\u00bctzten Fl\u00c3\u00a4chen nur geringe messbare Effekte auf Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t oder -funktionen zeigen. Selbst gut etablierte Gebiete k\u00c3\u00b6nnen das Fortbestehen unterirdischer Gemeinschaften nicht garantieren, und Hotspots f\u00c3\u00bcr Pflanzen oder Wirbeltiere stimmen nicht notwendigerweise mit Priorit\u00c3\u00a4ten f\u00c3\u00bcr die Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t \u00c3\u00bcberein. Die neuen Ergebnisse und Literaturbefunde zeigen deutlich, dass oberirdischer Schutz keinen Schutz des Bodenlebens garantiert, und unterstreichen die Bedeutung, Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t explizit zu priorisieren.<\/p>\n<p>Die vierte Studie identifiziert r\u00c3\u00a4umliche <strong>Priorit\u00c3\u00a4ten <\/strong>f\u00c3\u00bcr den Schutz der Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t in Europa. Durch die Kartierung von Mustern der Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t und deren Abdeckung von bestehenden Schutzgebieten sowie degradierten Fl\u00c3\u00a4chen wurden Regionen hoher Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t herausgestellt, die derzeit ungesch\u00c3\u00bctzt und weniger bedroht sind. Diese Ergebnisse k\u00c3\u00b6nnen als Grundlage dienen, neue Schutzgebiete auszuweisen oder bestehendes Management gezielt anzupassen. W\u00c3\u00a4hrend fr\u00c3\u00bchere Studien Hotspots der Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t in gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178erem Umfang betrachteten, zielte der pr\u00c3\u00a4sentierte Ansatz auf kleinere, praktisch-relevante Einheiten ab, da Management \u00c3\u00bcblicherweise lokal stattfindet. Solche r\u00c3\u00a4umlichen Priorisierungen zeigen, dass Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t gezielte Strategien erfordert und nicht nur einen zuf\u00c3\u00a4lligen Schutz als Nebenprodukt oberirdischer Ma\u00c3\u0178nahmen.<\/p>\n<p><strong>Insgesamt <\/strong>offenbaren die vier Kapitel ein konsistentes Muster: Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t ist bedroht, vernachl\u00c3\u00a4ssigt und unzureichend gesch\u00c3\u00bctzt. Klimawandel, Landnutzungsintensivierung und Verschmutzung stellen direkte Risiken dar, w\u00c3\u00a4hrend die Unsichtbarkeit des Bodenlebens dazu f\u00c3\u00bchrt, dass Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t in der Schutzpriorisierung \u00c3\u00bcbergangen wird. Manche Herausforderungen des Naturschutzes, zum Beispiel gro\u00c3\u0178r\u00c3\u00a4umige Klima- und Landnutzungs\u00c3\u00a4nderungen, lassen sich nicht vollst\u00c3\u00a4ndig verhindern, wohl aber abmildern, wenn B\u00c3\u00b6den in die Planung einbezogen werden. Indikatoren k\u00c3\u00b6nnten helfen, Bodengesundheit und -biodiversit\u00c3\u00a4t zu messen und als Fr\u00c3\u00bchwarnsignale f\u00c3\u00bcr Zerst\u00c3\u00b6rung zu dienen, doch ihre Entwicklung und Anwendung sind bislang unvollst\u00c3\u00a4ndig. Ohne \u00c3\u00b6ffentliches Bewusstsein werden B\u00c3\u00b6den weiterhin in Schutzbem\u00c3\u00bchungen ignoriert, und ihr stiller R\u00c3\u00bcckgang bleibt weitgehend unbemerkt.\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Die Synthese dieser Ergebnisse f\u00c3\u00bchrt zu mehreren <strong>Implikationen <\/strong>f\u00c3\u00bcr Forschung, Kommunikation, Politik und Praxis. Die Naturschutzbiologie (engl. conservation biology) muss ihren Fokus erweitern und Bodenorganismen in Monitoring, Management und Priorit\u00c3\u00a4tensetzung integrieren. Entscheidungstr\u00c3\u00a4ger:innen m\u00c3\u00bcssen erkennen, dass der Schutz sichtbarer Biodiversit\u00c3\u00a4t nicht automatisch auch Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t und -funktionen sch\u00c3\u00bctzt, und dass Schutzziele so gestaltet werden m\u00c3\u00bcssen, dass sie auch die unterirdische Vielfalt erfassen. Wissenschaftskommunikation muss weiterhin eine Rolle spielen, damit B\u00c3\u00b6den in der \u00c3\u00b6ffentlichen Wahrnehmung sichtbarer werden. Gleichzeitig muss die Forschung herausstellen, wie Bodenbiodiversit\u00c3\u00a4t auf Schutzma\u00c3\u0178nahmen reagiert, welche Indikatoren zu ihrer \u00c3\u0153berwachung geeignet sind und welche Managementpraktiken sie f\u00c3\u00b6rdern. Nur durch die Verbind<\/p>\n<p>\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Zugeh\u00c3\u00b6rige Publikation:<\/p>\n<p>Zeiss, R., Briones, M., Mathieu, J., Lomba, A., Dahlke, J., Heptner, L., Eisenhauer, N., Salako, G. &#038; Guerra, C. A. (2023). Effects of climate on the distribution and conservation of commonly observed European earthworms. Conservation Biology. <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.1111\/cobi.14187\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1111\/cobi.14187<\/a><\/p>\n<p>Zeiss, R. (2024). Ist Bodenschutz gleichzeitig Naturschutz? Welche Rolle k\u00c3\u00b6nnen Schutzgebiete spielen?. Natur &#038; Landschaft. Das Bodenleben (Schwerpunktausgabe). <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/www.doi.org\/10.19217\/NuL2024-09-09\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.doi.org\/10.19217\/NuL2024-09-09<\/a><\/p>\n<p>Beugnon, R. &#038; Zeiss, R., B\u00c3\u00b6nisch, E., Phillips, H. R. P. &#038; Jochum, M. (2024). Communicating soil biodiversity research to kids around the world. Soil Organisms. <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/doi.org\/10.25674\/413\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.25674\/413<\/a><\/p>\n<p>Zeiss, R., Delgado-Baquerizo, M., Singavarapu, B., Eisenhauer, N., Cano-D\u00c3\u00adaz, C., Calder\u00c3\u00b3n-Sanou, I., Carvalho, R. P., Costa, S. R., Duarte, A. C., Fernandes, P., Jones, A., K\u00c3\u00bcsel, K., Mendes, S., Orgiazzi, A., Singh, B. K., &#038; Guerra, C. A. (2025). Uncertain role of conservation areas to protect soil biodiversity and functioning. Preprint: <a class=\"iw-rte-link-inline\" href=\"https:\/\/ssrn.com\/abstract=5327960\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/ssrn.com\/abstract=5327960<\/a><\/p>\n<p>Zeiss, R., Kullberg, P., Mikkonen, N., Calderon-Sanou, I., Cano-D\u00c3\u00adaz, C., Costa, S. R., Eisenhauer, N., Fernandes, P., Kalmanova, I., Mathieu, J., Mendes, S., Potapov, A., &#038; Guerra, C. A. (in Bearbeitung). European nature conservation priorities for soil biodiversity.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00c3\u00b6den sind f\u00c3\u00bcr das Funktionieren von \u00c3\u2013kosystemen von entscheidender Bedeutung, dennoch wird die Biodiversit\u00c3\u00a4t der B\u00c3\u00b6den im Bereich des Naturschutzes weitgehend \u00c3\u00bcbersehen. In der entstandenen, kumulativen Dissertation wurde (1) die Anf\u00c3\u00a4lligkeit von Bodenorganismen in einer Fallstudie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Regenw\u00c3\u00bcrmer, (2) die Wirksamkeit bestehender Schutzgebietsnetzwerke bei der Erhaltung der Biodiversit\u00c3\u00a4t und Funktion [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2477],"class_list":["post-52165","promotionsstipendium","type-promotionsstipendium","status-publish","hentry","tag-deutschland"],"meta_box":{"dbu_stipendiaten_az":"20021\/752","dbu_stipendiaten_anrede":"","dbu_stipendiaten_nachname":"Zeiss","dbu_stipendiaten_vorname":"Romy","dbu_stipendiaten_titel":"Dr. rer. n","dbu_stipendiaten_fbeginn":"2021-12-01 00:00:00","dbu_stipendiaten_fende":"2024-11-30 00:00:00","dbu_stipendiaten_e_anschrif":"Universit\u00c3\u00a4t Leipzig Institut f\u00c3\u00bcr Biologie German Centre f. 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