{"id":52131,"date":"2026-10-23T12:46:38","date_gmt":"2026-10-23T10:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20022-034\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:41","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:41","slug":"20022-034","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20022-034\/","title":{"rendered":"\u00c3\u2013kologische Charakterisierung und funktionelle Reaktionsdynamik einer invasiven S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178wasserqualle: Craspedacusta sowerbii"},"content":{"rendered":"<p>Die invasive S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178wasserqualle <em>Craspedacusta sowerbii<\/em>, die urspr\u00c3\u00bcnglich in China beheimatet ist, hat sich in Seen auf der ganzen Welt ausgebreitet. Die Einf\u00c3\u00bchrung der Qualle in europ\u00c3\u00a4ische Seen vor etwa 110 Jahren hat auch zu einer neuen Nahrungsnetzgilde gef\u00c3\u00bchrt, da Quallen in limnischen Systemen in Europa zuvor nicht vorgekommen sind. Generell kann die Einf\u00c3\u00bchrung invasiver Arten in \u00c3\u2013kosysteme eine Vielzahl negativer Auswirkungen haben. Die potenziellen Folgen der Invasion von <em>Craspedacusta <\/em>k\u00c3\u00b6nnten vielf\u00c3\u00a4ltig sein, sind noch nicht genauer erforscht, daher ist eine wesentlich bessere biologische Charakterisierung der Art erforderlich. <em>Craspedacusta <\/em>besitzt zwei Hauptlebensstadien, einen sessilen Polypen und eine freischwimmende Meduse. Der Polyp vermehrt sich ungeschlechtlich und bildet klonale Kolonien, das Medusenstadium pflanzt sich hingegen geschlechtlich fort. Dies ist aber in Seen au\u00c3\u0178erhalb ihres Heimatgebiets in China \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst selten, da bei erwachsenen Medusen in den Seen meisten nur ein Geschlecht vorkommt. In Mitteleuropa sind zwei genetische Linien eingewandert, die evtl. auch eigene Spezies darstellen k\u00c3\u00b6nnten. Innerhalb jeder dieser Kladen wurden zwei unterschiedliche Haplotypen gefunden, die mit dem Geschlecht der Meduse einhergehen: ein m\u00c3\u00a4nnlicher und ein weiblicher mtDNA-Haplotyp. Diese Linien bzw. Haplotypen k\u00c3\u00b6nnten sich in ihrer trophischen Position und der von ihnen bewohnten Nische unterscheiden. Die bekannte positive Temperaturabh\u00c3\u00a4ngigkeit der Medusenproduktion durch Polypen k\u00c3\u00b6nnte sogar zu einer k\u00c3\u00bcnftigen Ausdehnung des Medusenstadiums aufgrund des Klimawandels f\u00c3\u00bchren. Dar\u00c3\u00bcber hinaus k\u00c3\u00b6nnte sich der Temperaturanstieg auch auf die Konkurrenz zwischen dem einheimischen S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178wasserpolypen <em>Hydra <\/em>und den invasiven <em>Craspedacusta<\/em>&#8211; Polypen auswirken, da beide eine \u00c3\u00a4hnliche benthische Umgebung bewohnen und beide R\u00c3\u00a4uber mit \u00c3\u00a4hnlichem Nahrungsbedarf sind. Um diese Fragen zu beantworten, werden verschiedene Analysen durchgef\u00c3\u00bchrt. In bayerischen Seen werden Proben von <em>Craspedacusta<\/em>&#8211; und Hydra-Polypen aus verschiedenen Substraten genommen, um festzustellen, ob die beiden Gattungen und die <em>Craspedacusta<\/em>-Linien unterschiedliche Substratpr\u00c3\u00a4ferenzen haben. Stabile Isotopenanalysen werden durchgef\u00c3\u00bchrt, um zu analysieren, welche trophische Position und Nische die Polypen von <em>Craspedacusta <\/em>und <em>Hydra <\/em>einnehmen. Dar\u00c3\u00bcber hinaus werde ich F\u00c3\u00bctterungsexperimente bei verschiedenen Temperaturen durchf\u00c3\u00bchren, um die funktionellen Reaktionen der verschiedenen mtDNA Linien zu charakterisieren. Um die Verbreitung dieser Art genauer zu beschreiben, werde ich ein Protokoll zur Detektion via environmental-DNA entwickeln und optimieren. Gerade die Detektion des schwer zu findenden Polypen steht hierbei im Fokus. Die oben genannten Analysen werden es erm\u00c3\u00b6glichen, ein fundiertes Nischenmodell nicht nur auf der Ebene der Arten, sondern auch auf der Ebene der Haplotypen zu erstellen und dabei erstmals auch die unauff\u00c3\u00a4lligen Polypen ber\u00c3\u00bccksichtigen. Dies ist von gro\u00c3\u0178er Bedeutung, da sich die Haplotypen in ihrer F\u00c3\u00a4higkeit, Medusen zu produzieren, unterscheiden. Neben der Vorhersage von Verbreitungsgebieten wird meine Arbeit auch wichtige Einblicke in die Invasionsmechanismen gebietsfremder Arten geben, indem ich die funktionelle Reaktion und die benthische Umwelt von <em>Hydra <\/em>und <em>Craspedacusta <\/em>vergleiche. Dies wird zum Verst\u00c3\u00a4ndnis der Auswirkungen beitragen, die die Einf\u00c3\u00bchrung von <em>Craspedacusta <\/em>auf die heimischen \u00c3\u2013kosysteme hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die invasive S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178wasserqualle Craspedacusta sowerbii, die urspr\u00c3\u00bcnglich in China beheimatet ist, hat sich in Seen auf der ganzen Welt ausgebreitet. Die Einf\u00c3\u00bchrung der Qualle in europ\u00c3\u00a4ische Seen vor etwa 110 Jahren hat auch zu einer neuen Nahrungsnetzgilde gef\u00c3\u00bchrt, da Quallen in limnischen Systemen in Europa zuvor nicht vorgekommen sind. 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