{"id":52130,"date":"2026-10-23T12:46:38","date_gmt":"2026-10-23T10:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20022-035\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:41","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:41","slug":"20022-035","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20022-035\/","title":{"rendered":"Kolleg Circular Economy: Aus der Sackgasse in den Kreislauf \u00e2\u20ac\u201c Chancen und Herausforderungen von innovativen Produktkreisl\u00c3\u00a4ufen im Kontext privater Haushalte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Unser Planet hat Grenzen \u00e2\u20ac\u201c Forschungen zeigen auf, dass durch das Einwirken menschlicher Gesellschaften auf den Planeten diese Grenzen \u00c3\u00bcberschritten werden (vgl. IPCC 2021; Rockstr\u00c3\u00b6m et al. 2015). Mit dem Begriff \u00e2\u20ac\u017eAnthropoz\u00c3\u00a4n\u00e2\u20ac\u0153 (vgl. Crutzen 2006) werden eine Reihe von Beobachtungen verbunden, die zeigen, wie stark menschliche Gesellschaften auf das Erdsystem eingewirkt haben. Beispielsweise wurde ermittelt, dass im Jahr 2020 die Masse an Plastik (8 Gt) das Doppelte der lebenden Biomasse (Meeres- und Landtiere) darstellen w\u00c3\u00bcrde (vgl. Elhacham et al. 2020).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">F\u00c3\u00bcr das vorliegende Forschungsvorhaben ist vor allem interessant, welche Rolle die existierende anthropogene Masse f\u00c3\u00bcr eine nachhaltige Transformation von Produktions- und Konsumsystemen insbesondere im Kontext der Circular Economy spielt. Ans\u00c3\u00a4tze der Circular Economy zielen darauf ab, den negativen sozialen, \u00c3\u00b6konomischen und \u00c3\u00b6kologischen Folgen des steigenden Absatzes entgegenzuwirken: Zum einen durch die Verl\u00c3\u00a4ngerung der Lebensdauer von Produkten und zum anderen durch das Zur\u00c3\u00bcckf\u00c3\u00bchren von wertvollen Komponenten und Materialien in den Kreislauf (vgl. Ertz et al., 2019; Cooper, 2016). Zirkul\u00c3\u00a4res Wirtschaften bedeutet also nicht nur, neue zirkul\u00c3\u00a4re Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, sondern vor allem auch bestehende Infrastrukturen, G\u00c3\u00bcter und Materialien zu erhalten, weiter zu nutzen und zirkulieren zu lassen. Diese Thematik soll mit dem Fokus auf der materiellen (\u00c3\u0153ber-)Ausstattung von Haushalten untersucht werden. Die Anh\u00c3\u00a4ufung von Materialien und Gegenst\u00c3\u00a4nden, die die oben genannten Forscher:innen in Bezug auf unseren Globus belegt haben, kann auch in privaten Haushalten wiedergefunden werden. Diese \u00c3\u0153berausstattung f\u00c3\u00bchrt dazu, dass eine Vielzahl an (noch gebrauchsf\u00c3\u00a4higen) Gegenst\u00c3\u00a4nden und Materialien in privaten Haushalten lagern (vgl. Wilts et al. 2020; Arnold et al. 2012; Cherrier et al. 2010).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Das Lagern von Dingen ist umweltsch\u00c3\u00a4dlich, da es die Kreislauff\u00c3\u00a4higkeit von Produkten beeintr\u00c3\u00a4chtigt (vgl. Suarez et al., 2016). Produkte, die in privaten R\u00c3\u00a4umen gelagert werden, stehen weder f\u00c3\u00bcr die weitere Nutzung noch f\u00c3\u00bcr die Wiederverarbeitung zur Verf\u00c3\u00bcgung (vgl. Jaeger-Erben 2022, S. 8f., Arnold et al. 2012). Das Problem liegt hier also nicht nur in der \u00e2\u20ac\u017etake-make-dispose\u00e2\u20ac\u0153-Mentalit\u00c3\u00a4t, die im Zusammenhang mit der Circular Economy oft zitiert wird (World Bank 2022, Elisha 2020), sondern auch in einem \u00e2\u20ac\u017etake-make-get stuck-system\u00e2\u20ac\u0153 (Jaeger-Erben 2022).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Das vorliegende Forschungsanliegen besch\u00c3\u00a4ftigt sich daher, \u00c3\u00bcber das Konzept der Circular Economy hinaus, mit der Idee einer Circular Society, die das Verhalten der Menschen mit in den Wandlungsprozess einbezieht und damit das zirkul\u00c3\u00a4re Verst\u00c3\u00a4ndnis von der wirtschaftlichen auf die gesellschaftliche Ebene \u00c3\u00bcbertr\u00c3\u00a4gt (vgl. Jaeger-Erben et al. 2019). Durch die Erkundung der \u00e2\u20ac\u0161Sackgasse privater Haushalte\u00e2\u20ac\u02dc sowie durch die Exploration von M\u00c3\u00b6glichkeiten zur \u00e2\u20ac\u0161Zirkularisierung ungenutzter Gegenst\u00c3\u00a4nde\u00e2\u20ac\u02dc soll das Forschungsanliegen zur Weiterentwicklung einer Theorie der Circular Society beitragen. Untersuchungsgegenstand sind Praktiken, durch die Materialien und Gegenst\u00c3\u00a4nde aus der Sackgasse (Lagerr\u00c3\u00a4ume, Keller, Dachb\u00c3\u00b6den) zur\u00c3\u00bcck in den Kreislauf gebracht werden k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Forschung ist in zwei Schritte aufgeteilt: In dem ersten Schritt wird unter Anwendung von der innovativen Methode alltags- und haushaltsnaher Interviews (so genannter \u00e2\u20ac\u017eKellerinterviews\u00e2\u20ac\u0153) sowie einer Reihe von Realexperimenten untersucht, welche Gegenst\u00c3\u00a4nde aus welchen Gr\u00c3\u00bcnden in privaten Haushalten lagern (Projekt 1) und welche Strategien und Praktiken genutzt werden, um Materialien und Gegenst\u00c3\u00a4nde aus Lagerr\u00c3\u00a4umen in den Kreislauf zu bringen (Projekt 2). In einem zweiten Schritt werden auf der Grundlage von diesen Informationen in einem Expert:innen Think Tank Ideen f\u00c3\u00bcr neue Produktkreisl\u00c3\u00a4ufe im Kontext privater Haushalte entwickelt (Projekt 3).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Bisherige Forschungen besch\u00c3\u00a4ftigen sich bereits mit dem Weitergeben (durch Verkauf, Spende oder Verschenken) von Gegenst\u00c3\u00a4nden (vgl. Lehner et al. 2020; Sarigollu et al. 2020). Andere Forscher:innen (vgl. Arnold et al. 2012; Cherrier et al. 2010) untersuchen das Horten, Lagern und Ansammeln von Gegenst\u00c3\u00a4nden und Materialien. Diese Themen, die bislang nur separat untersucht wurden, werden im vorliegenden Forschungsanliegen im Zusammenhang betrachtet. Dies erm\u00c3\u00b6glicht sowohl die Wege als auch die Hindernisse des Weitergebens von Dingen zu untersuchen. Auf der Grundlage der Ergebnisse k\u00c3\u00b6nnen Ideen f\u00c3\u00bcr innovative Produktkreisl\u00c3\u00a4ufe im Kontext von privaten Haushalten entwickelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Planet hat Grenzen \u00e2\u20ac\u201c Forschungen zeigen auf, dass durch das Einwirken menschlicher Gesellschaften auf den Planeten diese Grenzen \u00c3\u00bcberschritten werden (vgl. IPCC 2021; Rockstr\u00c3\u00b6m et al. 2015). Mit dem Begriff \u00e2\u20ac\u017eAnthropoz\u00c3\u00a4n\u00e2\u20ac\u0153 (vgl. Crutzen 2006) werden eine Reihe von Beobachtungen verbunden, die zeigen, wie stark menschliche Gesellschaften auf das Erdsystem eingewirkt haben. 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