{"id":52130,"date":"2026-03-28T10:46:11","date_gmt":"2026-03-28T09:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20022-035\/"},"modified":"2026-03-28T10:46:11","modified_gmt":"2026-03-28T09:46:11","slug":"20022-035","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20022-035\/","title":{"rendered":"Kolleg Circular Economy: Aus der Sackgasse in den Kreislauf \u2013 Chancen und Herausforderungen von innovativen Produktkreisl\u00e4ufen im Kontext privater Haushalte"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Unser Planet hat Grenzen \u2013 Forschungen zeigen auf, dass durch das Einwirken menschlicher Gesellschaften auf den Planeten diese Grenzen \u00fcberschritten werden (vgl. IPCC 2021; Rockstr\u00f6m et al. 2015). Mit dem Begriff \u201eAnthropoz\u00e4n\u201c (vgl. Crutzen 2006) werden eine Reihe von Beobachtungen verbunden, die zeigen, wie stark menschliche Gesellschaften auf das Erdsystem eingewirkt haben. Beispielsweise wurde ermittelt, dass im Jahr 2020 die Masse an Plastik (8 Gt) das Doppelte der lebenden Biomasse (Meeres- und Landtiere) darstellen w\u00fcrde (vgl. Elhacham et al. 2020).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">F\u00fcr das vorliegende Forschungsvorhaben ist vor allem interessant, welche Rolle die existierende anthropogene Masse f\u00fcr eine nachhaltige Transformation von Produktions- und Konsumsystemen insbesondere im Kontext der Circular Economy spielt. Ans\u00e4tze der Circular Economy zielen darauf ab, den negativen sozialen, \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Folgen des steigenden Absatzes entgegenzuwirken: Zum einen durch die Verl\u00e4ngerung der Lebensdauer von Produkten und zum anderen durch das Zur\u00fcckf\u00fchren von wertvollen Komponenten und Materialien in den Kreislauf (vgl. Ertz et al., 2019; Cooper, 2016). Zirkul\u00e4res Wirtschaften bedeutet also nicht nur, neue zirkul\u00e4re Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, sondern vor allem auch bestehende Infrastrukturen, G\u00fcter und Materialien zu erhalten, weiter zu nutzen und zirkulieren zu lassen. Diese Thematik soll mit dem Fokus auf der materiellen (\u00dcber-)Ausstattung von Haushalten untersucht werden. Die Anh\u00e4ufung von Materialien und Gegenst\u00e4nden, die die oben genannten Forscher:innen in Bezug auf unseren Globus belegt haben, kann auch in privaten Haushalten wiedergefunden werden. Diese \u00dcberausstattung f\u00fchrt dazu, dass eine Vielzahl an (noch gebrauchsf\u00e4higen) Gegenst\u00e4nden und Materialien in privaten Haushalten lagern (vgl. Wilts et al. 2020; Arnold et al. 2012; Cherrier et al. 2010).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Das Lagern von Dingen ist umweltsch\u00e4dlich, da es die Kreislauff\u00e4higkeit von Produkten beeintr\u00e4chtigt (vgl. Suarez et al., 2016). Produkte, die in privaten R\u00e4umen gelagert werden, stehen weder f\u00fcr die weitere Nutzung noch f\u00fcr die Wiederverarbeitung zur Verf\u00fcgung (vgl. Jaeger-Erben 2022, S. 8f., Arnold et al. 2012). Das Problem liegt hier also nicht nur in der \u201etake-make-dispose\u201c-Mentalit\u00e4t, die im Zusammenhang mit der Circular Economy oft zitiert wird (World Bank 2022, Elisha 2020), sondern auch in einem \u201etake-make-get stuck-system\u201c (Jaeger-Erben 2022).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Das vorliegende Forschungsanliegen besch\u00e4ftigt sich daher, \u00fcber das Konzept der Circular Economy hinaus, mit der Idee einer Circular Society, die das Verhalten der Menschen mit in den Wandlungsprozess einbezieht und damit das zirkul\u00e4re Verst\u00e4ndnis von der wirtschaftlichen auf die gesellschaftliche Ebene \u00fcbertr\u00e4gt (vgl. Jaeger-Erben et al. 2019). Durch die Erkundung der \u201aSackgasse privater Haushalte\u2018 sowie durch die Exploration von M\u00f6glichkeiten zur \u201aZirkularisierung ungenutzter Gegenst\u00e4nde\u2018 soll das Forschungsanliegen zur Weiterentwicklung einer Theorie der Circular Society beitragen. Untersuchungsgegenstand sind Praktiken, durch die Materialien und Gegenst\u00e4nde aus der Sackgasse (Lagerr\u00e4ume, Keller, Dachb\u00f6den) zur\u00fcck in den Kreislauf gebracht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Forschung ist in zwei Schritte aufgeteilt: In dem ersten Schritt wird unter Anwendung von der innovativen Methode alltags- und haushaltsnaher Interviews (so genannter \u201eKellerinterviews\u201c) sowie einer Reihe von Realexperimenten untersucht, welche Gegenst\u00e4nde aus welchen Gr\u00fcnden in privaten Haushalten lagern (Projekt 1) und welche Strategien und Praktiken genutzt werden, um Materialien und Gegenst\u00e4nde aus Lagerr\u00e4umen in den Kreislauf zu bringen (Projekt 2). In einem zweiten Schritt werden auf der Grundlage von diesen Informationen in einem Expert:innen Think Tank Ideen f\u00fcr neue Produktkreisl\u00e4ufe im Kontext privater Haushalte entwickelt (Projekt 3).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Bisherige Forschungen besch\u00e4ftigen sich bereits mit dem Weitergeben (durch Verkauf, Spende oder Verschenken) von Gegenst\u00e4nden (vgl. Lehner et al. 2020; Sarigollu et al. 2020). Andere Forscher:innen (vgl. Arnold et al. 2012; Cherrier et al. 2010) untersuchen das Horten, Lagern und Ansammeln von Gegenst\u00e4nden und Materialien. Diese Themen, die bislang nur separat untersucht wurden, werden im vorliegenden Forschungsanliegen im Zusammenhang betrachtet. Dies erm\u00f6glicht sowohl die Wege als auch die Hindernisse des Weitergebens von Dingen zu untersuchen. Auf der Grundlage der Ergebnisse k\u00f6nnen Ideen f\u00fcr innovative Produktkreisl\u00e4ufe im Kontext von privaten Haushalten entwickelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Planet hat Grenzen \u2013 Forschungen zeigen auf, dass durch das Einwirken menschlicher Gesellschaften auf den Planeten diese Grenzen \u00fcberschritten werden (vgl. IPCC 2021; Rockstr\u00f6m et al. 2015). Mit dem Begriff \u201eAnthropoz\u00e4n\u201c (vgl. Crutzen 2006) werden eine Reihe von Beobachtungen verbunden, die zeigen, wie stark menschliche Gesellschaften auf das Erdsystem eingewirkt haben. 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