{"id":52123,"date":"2026-10-23T12:46:38","date_gmt":"2026-10-23T10:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20022-042\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:39","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:39","slug":"20022-042","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20022-042\/","title":{"rendered":"Das Ende der Politik? &#8211; Die Klimabewegung und die Black-Box Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p>Warum ist es f\u00c3\u00bcr Vertreter*innen der Klimabewegungen derart selbstverst\u00c3\u00a4ndlich, dass die Politik auf &#8220;die Wissenschaft&#8221; h\u00c3\u00b6ren kann und dieses auch tun sollte? Und was verstehen Aktivist*innen eigentlich unter &#8220;der Wissenschaft&#8221;? Diesen Fragen gehe ich im Rahmen meines Dissertationsvorhabens auf den Grund. Dabei nimmt meine Arbeit jene Perspektive ein, welche Wissenschaft nicht auf eine klar definierbare feste Einheit begrenzt, auf welche sich Akteure im politischen Diskurs lediglich beziehen k\u00c3\u00b6nnen. Stattdessen werden Bezugnahmen auf &#8220;die Wissenschaft&#8221;, Faktizit\u00c3\u00a4t und Expert*innenkonsense als Beitr\u00c3\u00a4ge zur (Neu-)Aushandlung eines verallgemeinerten \u00c3\u00b6ffentlichkeitswirksamen Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnisses ausgelegt. Damit kombiniert mein Promotionsvorhaben Ans\u00c3\u00a4tze aus der Wissenschafts- und Technikforschung mit jenen aus der politischen Soziologie sowie Protest- und Bewegungsforschung. Doch wie sehen die Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnisse von Klimaaktivist*innen nun aus? Und inwieweit sind diese mit praktischen Zw\u00c3\u00a4ngen in der Bewegungspraxis verwoben? Dies suche ich, mithilfe eines ethnografischen Forschungsdesigns und \u00c3\u00bcber abduktive Theoriebildung im Sinne der Grounded Theory Methodologie genauer zu bestimmen.\u00c2\u00a0 \u00c2\u00a0 \u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Erste Zwischenergebnisse meines bisherigen Forschungsprozesses lassen sich folgenderma\u00c3\u0178en zusammenfassen: Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnisse werden innerhalb der deutschen Klimabewegung in zwei unterschiedlichen Praxiszusammenh\u00c3\u00a4ngen verhandelt. Zum einen finden sie sich im Rahmen von internen Auseinandersetzungen um die Rolle von Wissenschaft f\u00c3\u00bcr die Bewegung. Zum anderen treten sie im Rahmen des Bezugs auf die Wissenschaftlichkeit der politischen Anliegen der Bewegung in \u00c3\u00b6ffentlichen Rechtfertigungssituationen auf. In beiden F\u00c3\u00a4llen lassen sich die Verst\u00c3\u00a4ndnisse von Wissenschaft als alltagsweltlich vermittelt charakterisieren, da auch die allgemeine Frage danach was \u00e2\u20ac\u017edie Wissenschaft\u00e2\u20ac\u0153 eigentlich ist, f\u00c3\u00bcr Aktivist*innen mit Handlungsdruck verbunden ist. Denn die Autorit\u00c3\u00a4t wissenschaftlicher Erkenntnis \u00e2\u20ac\u201c welche sowohl die Verl\u00c3\u00a4sslichkeit verheerender Zukunftsprognosen unterstreicht, als auch allgemein den klimapolitischen Forderungen einen faktischen Status verleiht \u00e2\u20ac\u201c infrage zu stellen, w\u00c3\u00a4re \u00c3\u00a4u\u00c3\u0178erst unklug. Die f\u00c3\u00bcr das Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnis der Klimabewegung zentralen Teile der Bewegungspraxis lassen sich zusammenfassen als das Imaginieren von und das Intervenieren in politische \u00c3\u2013ffentlichkeiten. Wenn Klimaaktivist*innen sich fragen: Was ist eigentlich &#8220;die Wissenschaft&#8221;, dann geschieht diese Besch\u00c3\u00a4ftigung nicht ausschlie\u00c3\u0178lich &#8211; wie etwa bei einer soziologischen Wissenschaftsforscherin &#8211; mit dem Ziel der realistischen Repr\u00c3\u00a4sentation von wissenschaftlichen Praktiken und konkreter Forschungsarbeit. Zus\u00c3\u00a4tzlich zu dieser ersten Herausforderung m\u00c3\u00bcssen sich Klimaaktivist*innen immer fragen welche Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnisse politischen \u00c3\u2013ffentlichkeiten vermittelbar sind. Diese beispielhafte Gegen\u00c3\u00bcberstellung von aktivistischen und wissenssoziologischen Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnissen verdeutlicht die Einbettung der Aushandlung und \u00c3\u0153bersetzung von Wissenschaftsverst\u00c3\u00a4ndnissen in aktivistischen Praktiken des Imaginierens von \u00c3\u2013ffentlichkeiten. Diese Zwischenergebnisse sollen mittels der noch ausstehenden Feldforschung weiter vertieft und in ihren Beziehungen zueinander ausgebaut werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum ist es f\u00c3\u00bcr Vertreter*innen der Klimabewegungen derart selbstverst\u00c3\u00a4ndlich, dass die Politik auf &#8220;die Wissenschaft&#8221; h\u00c3\u00b6ren kann und dieses auch tun sollte? Und was verstehen Aktivist*innen eigentlich unter &#8220;der Wissenschaft&#8221;? Diesen Fragen gehe ich im Rahmen meines Dissertationsvorhabens auf den Grund. 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