{"id":52116,"date":"2026-03-29T10:46:09","date_gmt":"2026-03-29T08:46:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20022-049\/"},"modified":"2026-03-29T10:46:09","modified_gmt":"2026-03-29T08:46:09","slug":"20022-049","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20022-049\/","title":{"rendered":"Akustische, soziale und genetische Aspekte des Paarungssystems der einheimischen Fledermausart Myotis myotis (Gro\u00dfes Mausohr)"},"content":{"rendered":"<p>Flederm\u00e4use repr\u00e4sentieren einen Gro\u00dfteil des Artenreichtums der S\u00e4ugetiere und leisten global einen wesentlichen Beitrag zu vielen \u00d6kosystemfunktionen, z. B. durch Best\u00e4ubung, Samenverbreitung und die Kontrolle von Schadinsekten. Gleichzeitig unterliegen sie einer akuten Gef\u00e4hrdung: In Deutschland sind alle 25 vorkommenden Fledermausarten stark bedroht und durch ihre Listung in Anhang IV der FFH-Richtlinie sowie durch das Bundesnaturschutzgesetz (Natura 2000) besonders gesch\u00fctzt. Dennoch verzeichnen viele Arten weiterhin Populationsr\u00fcckg\u00e4nge. Ein Gro\u00dfteil der Arten ist in regionalen, nationalen und internationalen Roten Listen gef\u00e4hrdeter Tierarten aufgef\u00fchrt, und etwa die H\u00e4lfte gilt international zumindest als gef\u00e4hrdet oder befindet sich auf der Vorwarnliste (IUCN). Die in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind spezialisierte Insektenfresser und exzellente J\u00e4ger. Flederm\u00e4use k\u00f6nnen in einer Nacht bis zu einem Drittel ihres eigenen K\u00f6rpergewichts an Insekten fressen und geh\u00f6ren damit zu deren wichtigsten Pr\u00e4datoren. Sie leisten essenzielle \u00d6kosystemdienste, indem sie nicht nur Sch\u00e4dlinge auf land- und forstwirtschaftlichen Fl\u00e4chen regulieren, sondern auch Insekten, die als Vektoren f\u00fcr humanpathogene Krankheiten fungieren. Lebensraumfragmentierung, ver\u00e4nderte Landnutzung und zunehmende anthropogene Stressoren stellen dabei die gr\u00f6\u00dften Gef\u00e4hrdungsursachen dar. Insbesondere Arten ohne generalistische Lebensweise, darunter viele Vertreter der Gattung <em>Myotis<\/em>, sind hiervon stark betroffen.<\/p>\n<p>Das Gro\u00dfe Mausohr (<em>Myotis myotis<\/em>) ist aufgrund seiner spezialisierten Jagdstrategie (\u201egleaning\u201c) und seiner Abh\u00e4ngigkeit von Geb\u00e4uden als Quartiere besonders anf\u00e4llig f\u00fcr menschliche Eingriffe. Ein fr\u00fchzeitiger und zielgerichteter Schutz ist daher notwendig, um den langfristigen Erhalt der Art zu sichern. Bei bislang g\u00e4ngigen Schutzma\u00dfnahmen wird jedoch das Sozialsystem der Flederm\u00e4use h\u00e4ufig nicht ber\u00fccksichtigt, obwohl es einen wesentlichen Teil ihres Verhaltens erkl\u00e4rt und eng mit dem Fortpflanzungserfolg verkn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p>Flederm\u00e4use weisen eine gro\u00dfe Variation im Sozialsystem auf: W\u00e4hrend einige Arten solit\u00e4r leben, bilden andere Kolonien mit mehreren Millionen Individuen. In gem\u00e4\u00dfigten Zonen ist Gruppenbildung vor allem w\u00e4hrend des Winterschlafs, der Jungenaufzucht und der Paarungszeit zu beobachten. Die Komplexit\u00e4t des Sozialverhaltens ergibt sich im Wesentlichen aus der Philopatrie der Weibchen, kooperativem Verhalten sowie sozialen Interaktionen innerhalb von Kolonien und beeinflusst ma\u00dfgeblich das jeweilige Paarungssystem. Ein Verst\u00e4ndnis des Paarungs- und Balzverhaltens ist daher entscheidend, um das Verhalten der Tiere insgesamt zu verstehen und neue Ans\u00e4tze f\u00fcr wirksame Schutzma\u00dfnahmen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Im Rahmen meines Promotionsprojekts konnte gezeigt werden, dass das Gro\u00dfe Mausohr ein Lek-Paarungssystem aufweist. M\u00e4nnchen besetzen w\u00e4hrend der Paarungszeit feste Balzpl\u00e4tze innerhalb von Quartieren, zeigen eine hohe Standorttreue und verteidigen diese aktiv gegen andere M\u00e4nnchen. Weibchen suchen gezielt einzelne M\u00e4nnchen auf und gehen mit diesen mehrstufige, friedliche Paarungsinteraktionen ein, die mehrere Kopulationen umfassen k\u00f6nnen. Diese Ergebnisse belegen, dass m\u00e4nnliche Balzquartiere und einzelne Balzpl\u00e4tze eine zentrale Rolle f\u00fcr den Fortpflanzungserfolg der Art spielen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus konnte ein breites und kontextabh\u00e4ngiges Lautrepertoire beschrieben werden. M\u00e4nnchen produzieren w\u00e4hrend der Paarungszeit komplexe, trillerartige Vokalisationen, die eine deutliche saisonale Dynamik aufweisen und w\u00e4hrend der Hauptpaarungszeit am h\u00e4ufigsten auftreten. Diese Triller tragen individuelle akustische Signaturen und erm\u00f6glichen eine Unterscheidung einzelner M\u00e4nnchen; zudem weisen erste Analysen auf geographische Unterschiede zwischen Populationen hin.\u00a0<\/p>\n<p>Aus diesem Grund konnte durch ein ganzheitliches Verst\u00e4ndnis der Biologie des Gro\u00dfen Mausohrs ein Beitrag zum zielgerichteten Schutz dieser Art geleistet und eine Grundlage f\u00fcr die Identifikation von Paarungsquartieren, unter anderem mittels bioakustischem Monitoring, geschaffen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flederm\u00e4use repr\u00e4sentieren einen Gro\u00dfteil des Artenreichtums der S\u00e4ugetiere und leisten global einen wesentlichen Beitrag zu vielen \u00d6kosystemfunktionen, z. 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