{"id":52103,"date":"2026-10-23T12:46:33","date_gmt":"2026-10-23T10:46:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20023-007\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:34","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:34","slug":"20023-007","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20023-007\/","title":{"rendered":"Wie interindividuelle Unterschiede in der Gerechtigkeits-Sensitivit\u00c3\u00a4t und die Salienz verschiedener Konzepte von sozialer Gerechtigkeit die Akzeptanz klimapolitischer Ma\u00c3\u0178nahmen beeinflussen. Politische Meinungsbildung aus psychologischer Perspektive."},"content":{"rendered":"<p>Obwohl auf internationaler Ebene Vereinbarungen zum dringend notwendigen Klimaschutz getroffen wurden (allen voran das Pariser Abkommen von 2015), sind ausreichende politische Ma\u00c3\u0178nahmen kaum vorhanden. So zeigt der Climate Transparency Report von 2021, dass die derzeit geplanten Emissionsminderungen der G20-Staaten zu einem globalen Temperaturanstieg von 2,4\u00c2\u00b0C statt der international angestrebten 1,5\u00c2\u00b0C f\u00c3\u00bchren w\u00c3\u00bcrden. Neben Einflussfaktoren wie dem Druck m\u00c3\u00a4chtiger Interessensgruppen, vermeintlicher wirtschaftlicher Stabilit\u00c3\u00a4t oder der Angst vor Ver\u00c3\u00a4nderungen, wird die politische Entscheidungsfindung stark von den erwarteten Reaktionen der B\u00c3\u00bcrger:innen beeinflusst. Daher ist es wichtig besser zu verstehen, unter welchen Umst\u00c3\u00a4nden B\u00c3\u00bcrger:innen bereit sind, politische Ma\u00c3\u0178nahmen zu akzeptieren, die zur Eind\u00c3\u00a4mmung des Klimawandels notwendig sind.<\/p>\n<p>Meta-Analysen haben gezeigt, dass die wahrgenommene Fairness einer politischen Ma\u00c3\u0178nahme einer der wichtigsten Pr\u00c3\u00a4diktoren f\u00c3\u00bcr deren Akzeptanz ist (Bergquist et al., 2022, Ejel\u00c3\u00b6v &#038; Nilsson, 2020). Allerdings ist die Forschung zur Akzeptanz von klimapolitischen Ma\u00c3\u0178nahmen nicht gut mit den Erkenntnissen der politischen Psychologie verbunden. Diese hat mit der Gerechtigkeitssensitivit\u00c3\u00a4t ein intraindividuell sehr stabiles Konstrukt identifiziert, das zu Unterschieden in der Gerechtigkeitswahrnehmung f\u00c3\u00bchrt, jedoch noch nicht im Zusammenhang mit der Akzeptanz klimapolitischer Ma\u00c3\u0178nahmen zur Rate gezogen wurde.<\/p>\n<p>In der bisherigen Forschung zur Gerechtigkeitssensibilit\u00c3\u00a4t wird zwischen einer Sensibilit\u00c3\u00a4t f\u00c3\u00bcr das Erleben von Ungerechtigkeiten gegen\u00c3\u00bcber sich selbst (kurz \u00e2\u20ac\u017eJS-Self\u00e2\u20ac\u0153) und einer Sensibilit\u00c3\u00a4t f\u00c3\u00bcr die Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten gegen\u00c3\u00bcber anderen (\u00e2\u20ac\u017eJS-Others\u00e2\u20ac\u0153) unterschieden (Rothmund, et al., 2020). Eine hohe JS-Self-Dimension korreliert mit der Sorge, man sei schlechter gestellt als andere oder als man es verdienen w\u00c3\u00bcrden. Im Hinblick auf ambitioniertere klimapolitische Ma\u00c3\u0178nahmen, die sich auf das Leben der B\u00c3\u00bcrger:innen auswirken, k\u00c3\u00b6nnte diese Tendenz darin zum Ausdruck kommen, dass man nicht der:die &#8220;Lastentr\u00c3\u00a4ger:in&#8221; sein m\u00c3\u00b6chte, w\u00c3\u00a4hrend andere Personen,\u00c2\u00a0 Unternehmen oder L\u00c3\u00a4nder sich (vermeintlich) weniger einschr\u00c3\u00a4nken. Im Gegensatz dazu haben Menschen, die sich nicht relativ benachteiligt f\u00c3\u00bchlen, mehr Kapazit\u00c3\u00a4ten, um Solidarit\u00c3\u00a4t zu zeigen. Ein hoher JS-Others-Wert korreliert mit der Sorge um soziale Gerechtigkeit f\u00c3\u00bcr andere Einzelpersonen oder Gruppen.<\/p>\n<p>Aufbauend auf der bisherigen Forschung wird angenommen, dass das Konzept der Gerechtigkeitssensitivit\u00c3\u00a4t auch dazu beitragen k\u00c3\u00b6nnte, die psychologischen Prozesse zu erkl\u00c3\u00a4ren, die zu Unterschieden in der wahrgenommenen Fairness klimapolitischer Ma\u00c3\u0178nahmen und deren Akzeptanz f\u00c3\u00bchren. In diesem Projekt soll die zentrale Forschungsl\u00c3\u00bccke geschlossen werden soll, ob und wie unterschiedliche Gerechtigkeitssensitivit\u00c3\u00a4ten Unterschiede in der wahrgenommenen Fairness und damit der Akzeptanz klimapolitischer Ma\u00c3\u0178nahmen erkl\u00c3\u00a4ren.<\/p>\n<p>Dazu wird zun\u00c3\u00a4chst offen exploriert, welche Gerechtigkeitskonzepte Menschen ber\u00c3\u00bccksichtigen, wenn sie abw\u00c3\u00a4gen, ob sie eine klimapolitische Ma\u00c3\u0178nahme akzeptieren w\u00c3\u00bcrden und ob die jeweils ber\u00c3\u00bccksichtigten Konzepte interindividuelle Unterschiede in der wahrgenommenen Fairness und Akzeptanz erkl\u00c3\u00a4ren. Auch intergenerationale und internationale Gerechtigkeit werden hier bedacht. Es wird au\u00c3\u0178erdem analysiert, inwiefern sich die jeweils relevanten Gerechtigkeitskonzepte zwischen Menschen mit unterschiedlichen politischen Einstellungen; Moralvorstellungen; Bildungshintergrund und Alter unterscheiden.<\/p>\n<p>Daran ankn\u00c3\u00bcpfend wird in den geplanten Studien untersucht, welche Dispositionen von Gerechtigkeitssensibilit\u00c3\u00a4t zu welcher Art von klimapolitischer Ma\u00c3\u0178nahme &#8220;passen&#8221; und somit zu einer h\u00c3\u00b6heren wahrgenommenen Fairness und einer gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren Akzeptanz f\u00c3\u00bchren. Analog wird analysiert, welche Dispositionen der Gerechtigkeitssensibilit\u00c3\u00a4t zu welcher Art von klimapolitischem Framing &#8220;passen&#8221; und damit zu einer h\u00c3\u00b6heren wahrgenommenen Fairness und einer h\u00c3\u00b6heren Akzeptanz f\u00c3\u00bchren. In diesem Zusammenhang wird auch untersucht, wie sich soziale Identit\u00c3\u00a4ten im Zusammenspiel mit der Gerechtigkeitssensitivit\u00c3\u00a4t auf die wahrgenommene Fairness und Akzeptanz verschiedener klimapolitischer Ma\u00c3\u0178nahmen auswirken.<\/p>\n<p>In praktischer Hinsicht m\u00c3\u00b6chte ich mit dem Vorhaben einen Beitrag zum Wissen dar\u00c3\u00bcber leisten, wie klimapolitische Ma\u00c3\u0178nahmen so gestaltet und kommuniziert werden k\u00c3\u00b6nnen, dass sie zu einer m\u00c3\u00b6glichst breiten Akzeptanz f\u00c3\u00bchren &#8211; insbesondere bei B\u00c3\u00bcrger:innen mit einer z\u00c3\u00b6gerlichen oder ablehnenden Haltung. Auf theoretischer Ebene m\u00c3\u00b6chte ich zu einem besseren Verst\u00c3\u00a4ndnis der Umst\u00c3\u00a4nde und psychologischen Mechanismen beitragen, die die Auswirkungen der individuellen Gerechtigkeitssensibilit\u00c3\u00a4t beeinflussen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl auf internationaler Ebene Vereinbarungen zum dringend notwendigen Klimaschutz getroffen wurden (allen voran das Pariser Abkommen von 2015), sind ausreichende politische Ma\u00c3\u0178nahmen kaum vorhanden. So zeigt der Climate Transparency Report von 2021, dass die derzeit geplanten Emissionsminderungen der G20-Staaten zu einem globalen Temperaturanstieg von 2,4\u00c2\u00b0C statt der international angestrebten 1,5\u00c2\u00b0C f\u00c3\u00bchren w\u00c3\u00bcrden. 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