{"id":52103,"date":"2026-04-05T10:46:06","date_gmt":"2026-04-05T08:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20023-007\/"},"modified":"2026-04-05T10:46:06","modified_gmt":"2026-04-05T08:46:06","slug":"20023-007","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20023-007\/","title":{"rendered":"Wie interindividuelle Unterschiede in der Gerechtigkeits-Sensitivit\u00e4t und die Salienz verschiedener Konzepte von sozialer Gerechtigkeit die Akzeptanz klimapolitischer Ma\u00dfnahmen beeinflussen. Politische Meinungsbildung aus psychologischer Perspektive."},"content":{"rendered":"<p>Obwohl auf internationaler Ebene Vereinbarungen zum dringend notwendigen Klimaschutz getroffen wurden (allen voran das Pariser Abkommen von 2015), sind ausreichende politische Ma\u00dfnahmen kaum vorhanden. So zeigt der Climate Transparency Report von 2021, dass die derzeit geplanten Emissionsminderungen der G20-Staaten zu einem globalen Temperaturanstieg von 2,4\u00b0C statt der international angestrebten 1,5\u00b0C f\u00fchren w\u00fcrden. Neben Einflussfaktoren wie dem Druck m\u00e4chtiger Interessensgruppen, vermeintlicher wirtschaftlicher Stabilit\u00e4t oder der Angst vor Ver\u00e4nderungen, wird die politische Entscheidungsfindung stark von den erwarteten Reaktionen der B\u00fcrger:innen beeinflusst. Daher ist es wichtig besser zu verstehen, unter welchen Umst\u00e4nden B\u00fcrger:innen bereit sind, politische Ma\u00dfnahmen zu akzeptieren, die zur Eind\u00e4mmung des Klimawandels notwendig sind.<\/p>\n<p>Meta-Analysen haben gezeigt, dass die wahrgenommene Fairness einer politischen Ma\u00dfnahme einer der wichtigsten Pr\u00e4diktoren f\u00fcr deren Akzeptanz ist (Bergquist et al., 2022, Ejel\u00f6v &#038; Nilsson, 2020). Allerdings ist die Forschung zur Akzeptanz von klimapolitischen Ma\u00dfnahmen nicht gut mit den Erkenntnissen der politischen Psychologie verbunden. Diese hat mit der Gerechtigkeitssensitivit\u00e4t ein intraindividuell sehr stabiles Konstrukt identifiziert, das zu Unterschieden in der Gerechtigkeitswahrnehmung f\u00fchrt, jedoch noch nicht im Zusammenhang mit der Akzeptanz klimapolitischer Ma\u00dfnahmen zur Rate gezogen wurde.<\/p>\n<p>In der bisherigen Forschung zur Gerechtigkeitssensibilit\u00e4t wird zwischen einer Sensibilit\u00e4t f\u00fcr das Erleben von Ungerechtigkeiten gegen\u00fcber sich selbst (kurz \u201eJS-Self\u201c) und einer Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Wahrnehmung von Ungerechtigkeiten gegen\u00fcber anderen (\u201eJS-Others\u201c) unterschieden (Rothmund, et al., 2020). Eine hohe JS-Self-Dimension korreliert mit der Sorge, man sei schlechter gestellt als andere oder als man es verdienen w\u00fcrden. Im Hinblick auf ambitioniertere klimapolitische Ma\u00dfnahmen, die sich auf das Leben der B\u00fcrger:innen auswirken, k\u00f6nnte diese Tendenz darin zum Ausdruck kommen, dass man nicht der:die &#8220;Lastentr\u00e4ger:in&#8221; sein m\u00f6chte, w\u00e4hrend andere Personen,\u00a0 Unternehmen oder L\u00e4nder sich (vermeintlich) weniger einschr\u00e4nken. Im Gegensatz dazu haben Menschen, die sich nicht relativ benachteiligt f\u00fchlen, mehr Kapazit\u00e4ten, um Solidarit\u00e4t zu zeigen. Ein hoher JS-Others-Wert korreliert mit der Sorge um soziale Gerechtigkeit f\u00fcr andere Einzelpersonen oder Gruppen.<\/p>\n<p>Aufbauend auf der bisherigen Forschung wird angenommen, dass das Konzept der Gerechtigkeitssensitivit\u00e4t auch dazu beitragen k\u00f6nnte, die psychologischen Prozesse zu erkl\u00e4ren, die zu Unterschieden in der wahrgenommenen Fairness klimapolitischer Ma\u00dfnahmen und deren Akzeptanz f\u00fchren. In diesem Projekt soll die zentrale Forschungsl\u00fccke geschlossen werden soll, ob und wie unterschiedliche Gerechtigkeitssensitivit\u00e4ten Unterschiede in der wahrgenommenen Fairness und damit der Akzeptanz klimapolitischer Ma\u00dfnahmen erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Dazu wird zun\u00e4chst offen exploriert, welche Gerechtigkeitskonzepte Menschen ber\u00fccksichtigen, wenn sie abw\u00e4gen, ob sie eine klimapolitische Ma\u00dfnahme akzeptieren w\u00fcrden und ob die jeweils ber\u00fccksichtigten Konzepte interindividuelle Unterschiede in der wahrgenommenen Fairness und Akzeptanz erkl\u00e4ren. Auch intergenerationale und internationale Gerechtigkeit werden hier bedacht. Es wird au\u00dferdem analysiert, inwiefern sich die jeweils relevanten Gerechtigkeitskonzepte zwischen Menschen mit unterschiedlichen politischen Einstellungen; Moralvorstellungen; Bildungshintergrund und Alter unterscheiden.<\/p>\n<p>Daran ankn\u00fcpfend wird in den geplanten Studien untersucht, welche Dispositionen von Gerechtigkeitssensibilit\u00e4t zu welcher Art von klimapolitischer Ma\u00dfnahme &#8220;passen&#8221; und somit zu einer h\u00f6heren wahrgenommenen Fairness und einer gr\u00f6\u00dferen Akzeptanz f\u00fchren. Analog wird analysiert, welche Dispositionen der Gerechtigkeitssensibilit\u00e4t zu welcher Art von klimapolitischem Framing &#8220;passen&#8221; und damit zu einer h\u00f6heren wahrgenommenen Fairness und einer h\u00f6heren Akzeptanz f\u00fchren. In diesem Zusammenhang wird auch untersucht, wie sich soziale Identit\u00e4ten im Zusammenspiel mit der Gerechtigkeitssensitivit\u00e4t auf die wahrgenommene Fairness und Akzeptanz verschiedener klimapolitischer Ma\u00dfnahmen auswirken.<\/p>\n<p>In praktischer Hinsicht m\u00f6chte ich mit dem Vorhaben einen Beitrag zum Wissen dar\u00fcber leisten, wie klimapolitische Ma\u00dfnahmen so gestaltet und kommuniziert werden k\u00f6nnen, dass sie zu einer m\u00f6glichst breiten Akzeptanz f\u00fchren &#8211; insbesondere bei B\u00fcrger:innen mit einer z\u00f6gerlichen oder ablehnenden Haltung. Auf theoretischer Ebene m\u00f6chte ich zu einem besseren Verst\u00e4ndnis der Umst\u00e4nde und psychologischen Mechanismen beitragen, die die Auswirkungen der individuellen Gerechtigkeitssensibilit\u00e4t beeinflussen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl auf internationaler Ebene Vereinbarungen zum dringend notwendigen Klimaschutz getroffen wurden (allen voran das Pariser Abkommen von 2015), sind ausreichende politische Ma\u00dfnahmen kaum vorhanden. So zeigt der Climate Transparency Report von 2021, dass die derzeit geplanten Emissionsminderungen der G20-Staaten zu einem globalen Temperaturanstieg von 2,4\u00b0C statt der international angestrebten 1,5\u00b0C f\u00fchren w\u00fcrden. 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