{"id":135689,"date":"2026-02-14T10:46:03","date_gmt":"2026-02-14T09:46:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20025-011\/"},"modified":"2026-02-14T10:46:04","modified_gmt":"2026-02-14T09:46:04","slug":"20025-011","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20025-011\/","title":{"rendered":"Beyond anthropogenic grounds: Lebendige B\u00f6den in audiovisuellen Kulturen des Anthropoz\u00e4ns &#8211; Eine medienkulturwissenschaftliche Analyse zur F\u00f6rderung eines erneuerten Bodenbewusstseins in Zeiten globaler Bodendegradation"},"content":{"rendered":"<p>Im Boden findet der Begriff Anthropoz\u00e4n seinen Ursprung: Er verweist auf materielle Spuren menschlicher Aktivit\u00e4ten in den geologischen Ablagerungen des Planeten. Als Bezeichnung eines neuen Erdzeitalters, definiert durch den geologisch messbaren anthropogenen Einfluss, betont das Konzept zwar die tiefgreifende Umgestaltung der Erde, lenkt die Aufmerksamkeit jedoch bislang kaum auf jene d\u00fcnne Lebensschicht, \u201evon der unser Leben abh\u00e4ngt [und die] kontaminiert, erodiert, ausgetrocknet, verbrannt, explodiert, \u00fcberflutet und weltweit verarmt ist\u201c (Ros; Sheikh 2018, S. 163). Die verschiedenen Lebensformen sind in ihren allt\u00e4glichen Subsistenzbeziehungen auf B\u00f6den angewiesen und durch sie miteinander verbunden \u2013 dennoch bleiben B\u00f6den in Wissenschaft, Politik und \u00d6ffentlichkeit weitgehend unsichtbar. Ihre fortschreitende Degradierung sowie ihre Wahrnehmung als blo\u00dfe Ressource haben in den Geistes- und Sozialwissenschaften bislang nur wenig Beachtung gefunden.<\/p>\n<p>Das Dissertationsprojekt versteht sich als kultur- und medienwissenschaftliche Analyse, die zu einem erneuerten Bodenbewusstsein beitragen will. Es fragt, wie wissenschaftliche, praktische und k\u00fcnstlerische Wissensformen \u00fcber B\u00f6den miteinander verflochten werden k\u00f6nnen, um neue Wege des Wahrnehmens, Kommunizierens und Handelns zu er\u00f6ffnen. Ziel ist es, die Rolle audiovisueller Kulturen in der Entwicklung eines solchen Bewusstseins zu untersuchen \u2013 insbesondere dort, wo audiovisuelle Kunst die Interaktion der Gesellschaft mit B\u00f6den neu imaginiert.<\/p>\n<p>Das Projekt gliedert sich in drei qualitative Analyseteile:<br \/>Der erste Teil beleuchtet wissenschafts- und kulturgeschichtliche Entwicklungen, die zum heutigen Status quo der Bodendegradierung gef\u00fchrt haben. Bei der Untersuchung von Bodenwissenskulturen liegt ein besonderer Fokus auf der historischen Entwicklung der Bodenkunde im deutschsprachigen Raum und der Frage, wie sich Boden-Narrative in Kunst und Wissenschaft gegenseitig beeinflusst haben.<br \/>Der zweite Teil widmet sich zeitgen\u00f6ssischen k\u00fcnstlerischen Arbeiten, die als kritische und imaginative Gegenentw\u00fcrfe zu dominanten Bodenverst\u00e4ndnissen gelesen werden k\u00f6nnen. Hier wird untersucht, wie audiovisuelle Kunst, die in Kulturen, Politiken und Repr\u00e4sentationssystemen eingebettet ist, neue Formen des In-Relation-Tretens mit unsichtbaren Boden\u00f6kologien, ihren Services und Prozessen \u00e4sthetisch entwirft.<br \/>Der dritte Teil greift unterschiedliche Theorien diskursanalytisch auf und diskutiert, wie die Verbindung solcher k\u00fcnstlerischer und wissenschaftlicher Perspektiven zu einem Paradigmenwechsel beitragen kann \u2013 hin zu neuen ethischen, politischen und gesellschaftlichen Zug\u00e4ngen zum Boden.<\/p>\n<p>Von der Annahme ausgehend, dass visuelle Kulturen entscheidend pr\u00e4gen, wie \u00f6kologische Krisen wahrgenommen und verhandelt werden, basiert die Dissertation auf einem Korpus zeitgen\u00f6ssischer audiovisueller Darstellungen lebendiger B\u00f6den und Mensch-Boden-Verflechtungen. Diese Produktionen stellen eine relevante Quelle kreativer Imaginationen dar, die \u201ekritische Fragen zum Gebrauch, dem Missbrauch und der Bewirtschaftung und Kultivierung des Bodens\u201c (Toland, 2015, S. IV) aufwerfen k\u00f6nnen. Sie er\u00f6ffnen Resonanzr\u00e4ume, in denen wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Diskurse und \u00f6ffentliche Meinungsbildung dynamisch miteinander in Austausch treten.<\/p>\n<p>Alexandra Tolands Vorschlag einer relationalen Pedologie folgend, in der \u201edie Bodenkunde zu einem Akteur der kulturellen Produktion [wird, w\u00e4hrend die Kunst zu] einem Partner in der Wissensproduktion und \u2013vermittlung\u201c (Toland, 2015, S. VII) avanciert, zielt die interdisziplin\u00e4re Arbeit darauf ab, verschiedene Wissensressourcen miteinander zu verkn\u00fcpfen. Damit tr\u00e4gt sie zur inter- und transdisziplin\u00e4ren Erweiterung der Bodenkunde bei und zeigt, wie die Geistes- und Medienwissenschaften zur politischen, kulturellen und ethischen Wiedereinbettung von Gesellschaften in B\u00f6den beitragen k\u00f6nnen. Denn die Ontologien der B\u00f6den und die Art, wie wir diese denken, bestimmen, wie wir sie pflegen und was aus ihnen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Boden findet der Begriff Anthropoz\u00e4n seinen Ursprung: Er verweist auf materielle Spuren menschlicher Aktivit\u00e4ten in den geologischen Ablagerungen des Planeten. 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