{"id":82174,"date":"2026-09-11T10:32:12","date_gmt":"2026-09-11T08:32:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38675-02\/"},"modified":"2026-09-11T10:32:12","modified_gmt":"2026-09-11T08:32:12","slug":"38675-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/38675-02\/","title":{"rendered":"Untersuchung einer automatisierten aluminiumsilikat-basierten Brennstoffadditivierung von Holzhackschnitzeln zur Emissionsminderung von Biomasseheizkraftwerken &#8211; Nachbewilligung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die energetische Nutzung biogener Festbrennstoffe leistet einen wichtigen Beitrag zur erneuerbaren W\u00e4rmeversorgung, ist im Rahmen der thermischen Verwertung jedoch weiterhin mit erheblichen umweltrelevanten Herausforderungen verbunden. So treten insbesondere bei der Verbrennung von Holzhackschnitzeln, je nach Brennstoffqualit\u00e4t und Anlagenbetrieb, Emissionen von Staub und Kohlenmonoxid (CO) sowie weiteren luftgetragenen Schadstoffen auf. Diese Emissionen sind sowohl aus umwelt- als auch aus gesundheitspolitischer Sicht problematisch, da vor allem Feinstaubpartikel besonders kritisch f\u00fcr die menschliche Gesundheit sind und unvollst\u00e4ndige Verbrennungsvorg\u00e4nge mit erh\u00f6hten CO-Emissionen einhergehen. Zugleich k\u00f6nnen aschebildende Komponenten der Biomasse, insbesondere Kalium (K) und Chlor (Cl), zu Ablagerungen, Verschlackung, Korrosion und einer erh\u00f6hten Belastung der Abgasreinigung f\u00fchren, was den Anlagenbetrieb erschwert und zus\u00e4tzliche Kosten verursacht.<br \/>\nVor diesem Hintergrund bestand der Anlass des Vorhabens darin, eine brennstoffseitige Ma\u00dfnahme zur Emissionsminderung unter realen Gro\u00dfanlagenbedingungen in einem Biomasseheizkraftwerk mit Rostfeuerung zu erproben. W\u00e4hrend mineralische Additive wie Kaolin in kleineren Feuerungsanlagen bereits als wirksam zur Bindung von Alkalimetallen und zur Minderung von Staub- und CO-Emissionen beschrieben wurden, liegen f\u00fcr Biomasseheizkraftwerke im unteren zweistelligen Megawattbereich mit variablen Brennstoffqualit\u00e4ten und kontinuierlichem Betrieb bislang nur wenige systematische Untersuchungen vor. Daher sollte die \u00dcbertragbarkeit des in Kleinfeuerungen nachgewiesenen Wirkprinzips auf einen gro\u00dftechnischen Anlagenma\u00dfstab sowie die M\u00f6glichkeit einer automatisierten und bedarfsgerechten Additivierung unter Praxisbedingungen untersucht werden. Zugleich sollte die technische Umsetzbarkeit und die emissionsmindernde Wirkung von Kaolin im gro\u00dftechnischen Dauerbetrieb n\u00e4her beleuchtet werden.<br \/>\nDas F\u00f6rdervorhaben zielte darauf ab, eine automatisierte aluminium-silikat-basierte Brennstoffadditivierung mit Kaolin an einem bestehenden Biomasseheizkraftwerk technisch zu realisieren, messtechnisch zu bewerten und hinsichtlich ihrer \u00f6kologischen, technischen und wirtschaftlichen Eignung zu pr\u00fcfen. Dabei sollten insbesondere die Reduktion von Gesamtstaub (TPM)- und CO-Emissionen, die Bindung von Kalium in der Asche, die Ver\u00e4nderung der Aschezusammensetzung sowie m\u00f6gliche Auswirkungen auf Verschlackung, Korrosion und die Verwertbarkeit der R\u00fcckst\u00e4nde untersucht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>Das Vorhaben wurde in vier aufeinander aufbauende Arbeitspakete gegliedert. Zun\u00e4chst erfolgte die technische Planung, Realisierung und Inbetriebnahme einer automatisierten Kaolin-Zudosierung im Biomasseheizkraftwerk. Hierzu wurden verschiedene technische Varianten hinsichtlich ihrer Eignung f\u00fcr eine gleichm\u00e4\u00dfige Einbringung des Additivs in den Brennstoffstrom gepr\u00fcft. Nach der Auswahl eines Rohrkettenf\u00f6rderers als geeignete L\u00f6sung wurde die Anlage baulich umgesetzt, in das bestehende Kraftwerk integriert und in Betrieb genommen. Die Zudosierung erfolgte aus Bigbags. Im Zuge der Inbetriebnahme wurden sowohl die F\u00f6rdertechnik als auch die Synchronisation mit dem Brennstofftransport angepasst und unter Praxisbedingungen erprobt.<br \/>\nIm zweiten Arbeitspaket wurden die Auswirkungen der Kaolinadditivierung messtechnisch und labortechnisch untersucht. Dazu wurden Referenz- und Additivmessungen unter Volllast und Teillast durchgef\u00fchrt und mit etablierten Messverfahren ausgewertet. Die Gesamtstaubemissionen wurden gravimetrisch erfasst, w\u00e4hrend gasf\u00f6rmige Emissionen mit station\u00e4ren und mobilen Messsystemen bestimmt wurden. Erg\u00e4nzend wurden Brennstoff-, Rostaschen-, Zyklonaschen- und im Langzeitversuch auch Gewebefilterproben entnommen und auf Wassergehalt, Aschegehalt, chemische Zusammensetzung, kristalline Phasen und Morphologie untersucht. So konnten die additivbedingten Ver\u00e4nderungen der Emissionen und der Aschezusammensetzung unter realen Anlagenbedingungen bewertet werden.<br \/>\nEin drittes Arbeitspaket diente der Erarbeitung eines datenbasierten Ansatzes f\u00fcr eine bedarfsgerechte Regelung der Kaolindosierung. Hierf\u00fcr wurden Leitwartendaten des Kraftwerks systematisch aufbereitet und als Grundlage f\u00fcr ein pr\u00e4diktives Modell verwendet, mit dem CO-Emissionen auf Basis aktueller Betriebsparameter mit zeitlichem Vorlauf vorhergesagt werden k\u00f6nnen. Ziel war es, die Kaolinzufuhr k\u00fcnftig emissionsabh\u00e4ngig zu steuern und damit effizienter zu gestalten.<br \/>\nIm vierten Arbeitspaket erfolgte die technische, \u00f6kologische und wirtschaftliche Bewertung der Ergebnisse. Dabei wurden die erzielten Emissionsminderungen, die Ver\u00e4nderungen in den Aschefraktionen sowie die praktischen Betriebserfahrungen in einen \u00fcbergeordneten Zusammenhang eingeordnet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die im Vorhaben gesetzten Ziele konnten in wesentlichen Teilen erreicht werden. Die technische Realisierung der automatisierten Kaolin-Zudosierung gelang grunds\u00e4tzlich und es konnten unter realen Betriebsbedingungen mehrere Messkampagnen durchgef\u00fchrt werden. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits geringe Kaolindosierungen deutliche umweltrelevante Effekte bewirken k\u00f6nnen. So wurden unter den untersuchten Bedingungen Minderungseffekte von bis zu 39% bei Staubemissionen (Messpunkt vor der Abgasreinigung) und bis zu 91% bei CO erzielt. Damit wird das Potenzial einer brennstoffseitigen Emissionsminderung als Erg\u00e4nzung zu den bestehenden Sekund\u00e4rma\u00dfnahmen deutlich. Auch die labortechnischen Analysen st\u00fctzen dies: in der Rostasche konnten Kalium-Aluminium-Silikate nachgewiesen werden, was auf eine wirksame Bindung von Kalium durch Kaolin hinweist.<br \/>\nDie Ergebnisse eines Langzeitversuchs untermauern den positiven Trend auch f\u00fcr einen l\u00e4ngeren Betriebszeitraum. Unter kontinuierlicher Additivierung zeigten sich niedrigere CO-Emissionen sowie geringere Dr\u00fccke in Zyklon und Gewebefilter, was auf eine reduzierte Staubbelastung schlie\u00dfen l\u00e4sst. Damit konnte gezeigt werden, dass die Kaolinadditivierung nicht nur kurzfristig wirkt, sondern auch im l\u00e4ngerfristigen Betrieb ein relevantes Minderungspotenzial besitzt.<br \/>\nIm Hinblick auf die \u00f6kologische und wirtschaftliche Bewertung ist der Ansatz insgesamt vielversprechend. Die Emissionsminderung kann zu einer Entlastung von Umwelt und Abgasreinigung sowie zu geringeren Anteilen der Feinaschefraktionen beitragen. F\u00fcr den weiteren Einsatz sind jedoch technische Optimierungen erforderlich, insbesondere eine stabilere Dosierung des Additivs.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden \u00fcber wissenschaftliche und fachpraktische Formate verbreitet, insbesondere durch eine wissenschaftliche Publikation, sowie durch Pr\u00e4sentationen auf Konferenzen, Tagungen und in Arbeitskreissitzungen mit Kraftwerksbetreibern. In enger Abstimmung mit dem Projektparnter und der TUHH wurden die Ergebnisse so aufbereitet, dass sie wissenschaftlich und praktisch nutzbar sind. Die Erkenntnisse zur Kaolin-Zudosierung, zu Emissionsminderungen und zu betrieblichen Herausforderungen sind auf andere Biomasseheizkraftwerke \u00fcbertragbar und liefern konkrete Hinweise f\u00fcr Betrieb und Optimierung. Im Partnerkraftwerk werden die Ergebnisse genutzt, um die Brennstoffadditivierung fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Vorhaben hat gezeigt, dass die automatisierte Kaolin-Zudosierung zur Emissionsminderung in einem gro\u00dftechnischen Biomasseheizkraftwerk technisch umsetzbar ist und messbare \u00f6kologische Vorteile bietet. Die Ergebnisse belegen eine deutliche Reduktion von Staub- und CO-Emissionen. Damit wurde ein Ansatz validiert, der die brennstoffseitige Emissionsminderung sinnvoll erg\u00e4nzen kann und \u00fcber den bisherigen Stand der Praxis hinausgeht.<br \/>\nGleichzeitig hat das Projekt verdeutlicht, dass f\u00fcr einen stabilen Dauerbetrieb weitere technische Optimierungen erforderlich sind, insbesondere hinsichtlich der kontinuierlichen und bedarfsgerechten Dosierung des Additivs. Auch vertiefende Untersuchungen in Hinblick auf die Zusammensetzung der Aschefraktionen im Dauerbetrieb sind geplant. Die Untersuchungen im Rahmen des Projektes liefern eine belastbare Grundlage f\u00fcr die Weiterentwicklung des Verfahrens und f\u00fcr k\u00fcnftige Anwendungen bei weiteren Brennstoffen und Feuerungstechnologien. Insgesamt leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur umweltvertr\u00e4glicheren Nutzung biogener Festbrennstoffe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die energetische Nutzung biogener Festbrennstoffe leistet einen wichtigen Beitrag zur erneuerbaren W\u00e4rmeversorgung, ist im Rahmen der thermischen Verwertung jedoch weiterhin mit erheblichen umweltrelevanten Herausforderungen verbunden. So treten insbesondere bei der Verbrennung von Holzhackschnitzeln, je nach Brennstoffqualit\u00e4t und Anlagenbetrieb, Emissionen von Staub und Kohlenmonoxid (CO) sowie weiteren luftgetragenen Schadstoffen auf. 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