{"id":64951,"date":"2026-04-02T10:32:57","date_gmt":"2026-04-02T08:32:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/39189-01\/"},"modified":"2026-04-02T10:32:58","modified_gmt":"2026-04-02T08:32:58","slug":"39189-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/39189-01\/","title":{"rendered":"Lichtschutz als Beitrag zum Klimaschutz im Denkmalbestand. Modellhafte Untersuchung der Wirkung unterschiedlicher Lichtschutzsysteme am historischen Bestand"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass:<br \/>\nLicht z\u00e4hlt zu den st\u00e4rksten sch\u00e4digenden Faktoren f\u00fcr Kunst- und Kulturgut. Bisher wurden vor allem ultraviolette und infrarote Wellenl\u00e4ngenbereiche als sch\u00e4digend erkannt. Inzwischen wird auch dem sichtbaren Licht eine erhebliche Schadwirkung zugeschrieben. Die Einwirkung kurzwelliger Strahlung, wie UV-Licht, kann die molekulare Struktur von Materialien sch\u00e4digen, das kann beispielsweise dazu f\u00fchren, dass Farben verblassen. Langwelligere Strahlung, wie Sonnenlicht und IR, verursacht eine Erw\u00e4rmung der Materialien. Bei anschlie\u00dfender Abk\u00fchlung kommt es zu Bewegungen im Material \u2013 es dehnt sich erst aus und schrumpft dann wieder. Diese Bewegungen k\u00f6nnen strukturelle Sch\u00e4den wie Risse hervorrufen.<br \/>\nLichtsch\u00e4den sind kumulativ und regenerieren sich nicht. Sie k\u00f6nnen je nach Material und Lichtintensit\u00e4t innerhalb sehr kurzer Zeitr\u00e4ume auftreten. Zudem sind sie irreversibel und lassen sich nur in seltenen F\u00e4llen so restaurieren, dass die Sch\u00e4den dauerhaft unsichtbar bleiben.<br \/>\nZum Schutz der Kunst- und Kulturg\u00fcter werden Funktionsgl\u00e4ser mit UV- und\/oder IR-Schutz, Vorh\u00e4nge, Screens oder transparenten Klebe- und Adh\u00e4sionsfolien an Fensterscheiben eingesetzt. Diese Ma\u00dfnahmen reduzieren grunds\u00e4tzlich die Transmission der sch\u00e4dlichen Strahlung, inwiefern sie jedoch f\u00fcr die jeweiligen Kulturg\u00fcter geeignet sind, muss stets individuell gepr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Ziel:<br \/>\nZiel des Projektes ist es, Strategien aufzuzeigen, die den langfristigen Schutz von Denkm\u00e4lern vor lichtbedingten Sch\u00e4den gew\u00e4hrleisten. Diese Strategien sollen denkmalvertr\u00e4glich sein, mit geringstem Eingriff in die originale Substanz und unter Verwendung m\u00f6glichst schadstofffreier Materialien. Zur Erlangung dieser Strategien werden Licht-, Farb- und Klimamessungen im Reallabor und an Denkm\u00e4lern durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Insbesondere historische Materialien und Materialkombinationen stellen aufgrund ihrer Eigenschaften und ihrem Alterungsverhalten spezielle konservatorische Anforderungen, die zu ber\u00fccksichtigen sind. Aber es sind nicht nur die historische Verglasung und Ausstattung vor photochemischen und hygrothermischen Prozessen zu sch\u00fctzen, auch das historische Erscheinungsbild soll erhalten werden. Ebenso ist auf die baulichen Begebenheiten und die Nutzbarkeit der Kulturg\u00fcter zu achten.<br \/>\nAufgrund der unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Denkm\u00e4ler gibt es keine universelle Musterl\u00f6sung f\u00fcr den Lichtschutz. Die Strategien m\u00fcssen individuell entwickelt werden, abh\u00e4ngig von den spezifischen Bed\u00fcrfnissen hinsichtlich Schutzwirkung und Erscheinungsbild. Bei der Auswahl des Lichtschutzsystems sind verschiedene Faktoren zu ber\u00fccksichtigen. Neben den bereits genannten konservatorischen Anforderungen, wie der Denkmalvertr\u00e4glichkeit (Installation, Reversibilit\u00e4t, Alterungseigenschaften) und Sicherheitsaspekten (gesundheitssch\u00e4dliche Einfl\u00fcsse), spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Entsprechend der derzeit g\u00fcltigen Denkmalschutzbestimmungen, die in den meisten F\u00e4llen eine Au\u00dfenverschattung ausschlie\u00dfen, liegt der Fokus des Projekts auf innenliegendem Sonnenschutz. Durch den Vergleich bestehender Systeme an etwa 40 Fallstudien in S\u00fcd- und Mitteldeutschland sollen unterschiedliche Strategien miteinander verglichen und im Blick auf die genannten Faktoren bewertet werden. Zentrale Punkte f\u00fcr die Bewertung der Lichtschutzsysteme sind ihre Lichtdurchl\u00e4ssigkeit und die Schadwirkung des Lichts auf die in Denkm\u00e4lern vorhandenen Materialien. Das wird f\u00fcr jeden Standort in sich und im Reallabor untersucht. Da die Licht- und Umgebungssituation der Denkm\u00e4ler individuell variiert, wird der Vergleich unterschiedlicher Lichtschutzsysteme zus\u00e4tzlich an einem Ort mit einheitlichen Bedingungen durchgef\u00fchrt. Im Gegensatz zu den Praxisbeispielen k\u00f6nnen die Lichtschutzsysteme im Reallabor Alte Sch\u00e4fflerei in Benediktbeuern systematisch untersucht werden.<br \/>\nAuf Grundlage dieser Ergebnisse wird ein Leitfaden zur Nutzung von Lichtschutzsystemen in historischem Bestand entwickelt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr die Strategieentwicklung war es notwendig, eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Bandbreite unterschiedlicher Lichtschutzsysteme zur Verf\u00fcgung zu haben. Dazu wurde eine \u00dcbersicht der aktuellen Systeme erstellt und eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, welche Lichtschutzsysteme in historischen Geb\u00e4uden eingesetzt werden. Die Untersuchung erfolgt durch Licht- und Farbmessungen. Zum Abgleich der m\u00f6glichen Einwirkungen werden parallel auch Klimawerte erfasst.<\/p>\n<p>Die Lichtmessungen werden mit einer speziell entwickelten Messbox durchgef\u00fchrt, die f\u00fcnf Sensoren f\u00fcr UVB-, UVA-, Global-, Lambda- und Infrarotstrahlung enth\u00e4lt. Im Rahmen einer viertelj\u00e4hrlichen Befahrung wird mit diesen Sensoren die Strahlung im Raum erfasst. So kann ermittelt werden, wie gro\u00df der Anteil der jeweiligen Strahlung ist, der durch die Lichtschutzsysteme gelangt, was ein wichtiges Kriterium f\u00fcr die Bewertung dieser Systeme darstellt. <\/p>\n<p>Die Auswirkungen des Lichts auf die zu sch\u00fctzenden Materialien werden sowohl fotografisch als auch mittels Farbmessungen nachgewiesen. Dazu wurden Mustertafeln von Restaurator*innen entwickelt und gefertigt. Auf diesen Platten befinden sich ein Datenlogger, der kontinuierlich Klimawerte aufzeichnet, ein Blauma\u00dfstab sowie 16 unterschiedliche Materialkombinationen mit unterschiedlichen Lichtempfindlichkeiten. An ihnen werden farbliche und optische Ver\u00e4nderungen untersucht, dabei werden farbliche Ver\u00e4nderungen spektrografisch mit Farbmessger\u00e4ten erfasst und strukturelle Ver\u00e4nderungen fotografisch festgehalten. Die Mustertafeln sind an den entsprechenden Teststationen installiert und bleiben dort f\u00fcr insgesamt 1,5 Jahre.<\/p>\n<p>Nach der Recherche zu aktuellen und verbauten Lichtschutzsystemen, der Auswahl geeigneter Messtechnik und der Vorbereitung der Mustertafeln folgt der n\u00e4chste Schritt: die Durchf\u00fchrung der Messungen. Alle drei Monate werden die Messwerte f\u00fcr jeden Standort \u00fcber das Jahr hinweg gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Auswertungen flie\u00dfen in den Leitfaden zur Nutzung von Lichtschutzsystemen in historischem Bestand ein.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Sowohl das KDWT als auch das BLfD pr\u00e4sentieren das Projekt auf den Webseiten.<br \/>\nKDWT: https:\/\/www.uni-bamberg.de\/restaurierungswissenschaft\/forschung\/forschungsprojekte\/lichtschutz\/<br \/>\nBLfD: https:\/\/www.blfd.bayern.de\/information-service\/projekte\/forschungsprojekt-lichtschutz\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass: Licht z\u00e4hlt zu den st\u00e4rksten sch\u00e4digenden Faktoren f\u00fcr Kunst- und Kulturgut. Bisher wurden vor allem ultraviolette und infrarote Wellenl\u00e4ngenbereiche als sch\u00e4digend erkannt. Inzwischen wird auch dem sichtbaren Licht eine erhebliche Schadwirkung zugeschrieben. 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