{"id":61402,"date":"2026-03-13T10:34:11","date_gmt":"2026-03-13T09:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/39237-01\/"},"modified":"2026-03-13T10:34:11","modified_gmt":"2026-03-13T09:34:11","slug":"39237-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/39237-01\/","title":{"rendered":"Wertewandel am Berg \u2212 Entwicklung und Umsetzung von nachhaltigen und zirkul\u00e4ren Schutzh\u00fctten in den Alpen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bereits in den T\u00f6lzer Richtlinien des DAV von 1923 wurde der Grundstein f\u00fcr suffiziente und einfache Schutzh\u00fctten in den Alpen gelegt. Entgegen diesem Ansatz hat sich der Charakter von Schutzh\u00fctten immer mehr hin zu komfortabel ausgestatteten Berggasth\u00f6fen entwickelt, mit einem damit einhergehenden unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Ressourcenverbrauch und entsprechenden negativen Umweltwirkungen. Der Ursprung f\u00fcr diese Entwicklungen liegt in der zunehmenden Zahl an Bergtourist*innen mit unterschiedlichsten Interessen und gestiegenen Komfortanspr\u00fcchen, denen mit entsprechenden Bauma\u00dfnahmen durch die Alpenvereinssektionen Rechnung getragen wird. Beh\u00f6rdenvorschriften und Normung passen sich den Erwartungen der G\u00e4ste und dem technischen Fortschritt an, sodass mittlerweile auch von Seiten der Gesetzgebung und allgemein anerkannten Regeln der Technik Forderungen an alpine Schutzh\u00fctten gestellt werden wie an Geb\u00e4ude im Tal. Diese Entwicklungen erschweren das Bauen und Betreiben von nachhaltig ausgerichteten, dem Ort und Nutzen angemessenen Schutzh\u00fctten im Gebirge und entfernen sich immer mehr vom Leitgedanken der T\u00f6lzer Richtlinien, die vorrangig eine \u201dEinrichtung und Betriebsf\u00fchrung auf eine einfache, gesunde Lebensweise&#8230;\u201d propagieren. Ziel ist es daher, an die urspr\u00fcnglich gedachte und praktizierte \u201aEinfachheit\u2018 alpiner Bauten anzukn\u00fcpfen, unter Ber\u00fccksichtigung der grundlegenden Schutzbed\u00fcrfnisse der Nutzer*innen, mit Respekt und Schonung des sensiblen, \u00f6rtlichen Kontexts und dabei unter Verwendung von m\u00f6glichst lokalen und bereits vorhandenen Ressourcen. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen dieses Forschungsprojektes wurden als Grundlage zun\u00e4chst die Anspr\u00fcche und Anforderungen der verschiedenen Stakeholder an alpine Bauten identifiziert und deren Notwendigkeit \u00fcber einen Abgleich mit den urspr\u00fcnglichen Schutzzielen einer Alpenvereinsh\u00fctte hinterfragt.<br \/>\nDarauf aufbauend begann eine sich fortsetzende Iteration, bei der kreislaufgerechte und umweltschonende Konstruktionen unter der Ber\u00fccksichtigung der Aspekte aus angemessenem Komfort, Umweltwirkung, der Kreislauff\u00e4higkeit sowie dem Recyclingpotential entwickelt wurden. Auf der Grundlage der Planung f\u00fcr den Teilersatzbau der Hochlandh\u00fctte wurden verschiedene, Grenzen auslotende, nachhaltige Konstruktionen entwickelt und untersucht. Die entwickelten kreislaufgerechten und umweltschonenden Konstruktionen wurden hinsichtlich der Umsetzung des Anforderungsprofils bewertet. Als Ergebnis wurden 3 Varianten zur Erf\u00fcllung der unterschiedlichen Anforderungen entwickelt, wobei alle 3 die baurechtlichen Schutzziele erf\u00fcllen.<br \/>\nDie Ergebnisse werden im Rahmen der Dissemination \u00fcber einen Leitfaden als Dokumentations- und Kommunikationsinstrument festgehalten, zielgerichtet, um in Partizipations- und Bildungsma\u00dfnahmen zum Einsatz zu kommen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Projekt zeigt, dass durch die Integration \u00f6kologischer Nachhaltigkeitskriterien in den Planungsprozess alpiner H\u00fcttenbauten wesentliche Reduktionen im Ressourcenverbrauch und im Aussto\u00df von Treibhausgas-Emissionen erzielt werden k\u00f6nnen. Die drei untersuchten Varianten (\u201eTal\u201c, \u201eBerg\u201c und \u201eGipfel\u201c) belegen, dass sich durch gezielte Ma\u00dfnahmen \u2013 wie suffiziente Bauweise, reduzierte Ausstattung und r\u00fcckbauf\u00e4hige Konstruktionen \u2013 das Treibhauspotenzial um bis zu 75 % gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen L\u00f6sungen senken l\u00e4sst. Gleichzeitig werden zentrale Schutzziele wie Standsicherheit, Brandschutz, Hygiene und Barrierefreiheit eingehalten. Die entwickelten praxisnahen L\u00f6sungsans\u00e4tze zeigen, dass auch unter hochalpinen Bedingungen ressourcenschonendes und zirkul\u00e4res Bauen m\u00f6glich ist. Erg\u00e4nzend liefert ein Bauteilkatalog mit \u00d6kobilanzdaten eine fundierte Grundlage als Beispiel f\u00fcr zuk\u00fcnftige Planungen. Die Analyse der thermischen Behaglichkeit unterstreicht das Potenzial alternativer Ma\u00dfnahmen zur Reduktion technischer Systeme. Zudem f\u00f6rdert der Etappenplan fundierte Entscheidungen in fr\u00fchen Planungsphasen, w\u00e4hrend partizipative Ans\u00e4tze die Akzeptanz und Anwendbarkeit in der Praxis st\u00e4rken. Die Ergebnisse flie\u00dfen in einen grafisch aufbereiteten Leitfaden ein, der k\u00fcnftig Planende im DAV unterst\u00fctzen soll. Jedoch fehlt es besonders im Hinblick auf Wiederverwendbarkeit an klaren rechtlichen Grundlagen, etwa zur Bewertung gebrauchter Bauteile. Der Leitfaden bietet daher eine praxisnahe Orientierung, muss jedoch durch k\u00fcnftige Bauprojekte validiert und weiterentwickelt werden. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurde das Projekt w\u00e4hrend der Laufzeit bereits vereins\u00fcbergreifend dem \u00d6AV, AVS und SAC sowie vereinsintern bei verschiedenen Veranstaltungen wie Gremiensitzungen sowie dem H\u00fctten- und Wegefachsymposium vorgestellt und ein Ausblick auf die folgende Pr\u00e4sentation der Ergebnisse gegeben. Aufgrund der verl\u00e4ngerten Projektlaufzeit f\u00e4llt der Projektabschluss nun in einen veranstaltungsfreien Zeitraum im DAV. Im Sommer 2025 werden die Ergebnisse zun\u00e4chst gezielt bei Ortsterminen an H\u00fcttenstandorten in Bau-Beratungen mit betroffenen Sektionen eingebracht. Ab Herbst 2025 ist vorgesehen, das Projekt und seine Ergebnisse im Rahmen verschiedenster Veranstaltungen umfassend zu pr\u00e4sentieren.<br \/>\nZentrales Kommunikationsmittel ist der entwickelte Leitfaden, der nicht nur als Dokumentation der Forschungsergebnisse dient, sondern insbesondere bei Workshops mit Sektionen zur Anwendung kommt. Die Inhalte werden zudem in bestehende und neu zu entwickelnde Veranstaltungs- und Fortbildungsangebote des DAV integriert, beispielsweise in Seminare zum \u201eSicheren und gesunden Bauen\u201c.<br \/>\nEin weiterer Fokus liegt auf der Sensibilisierung der \u00d6ffentlichkeit \u2013 insbesondere von H\u00fctteng\u00e4sten \u2013 durch begleitendes Informationsmaterial und digitale Angebote, etwa auf Buchungsplattformen. Auch vor Ort sollen Materialien sichtbar und erkl\u00e4rt pr\u00e4sentiert werden, um nachhaltige Bauweisen erlebbar zu machen.<br \/>\nMit den grafischen Aufbereitungen des Leitfadens werden Informationsmaterialien des DAVs aktualisiert und durch Ver\u00f6ffentlichung, z. B. im DAV-Magazin beworben. Der Leitfaden sowie die Projektergebnisse werden \u00fcber alpenverein.de sowie das DAV-H\u00fcttenhandbuch der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht. Die Ergebnisse sollen so langfristig in Planung, Baupraxis und Kommunikation innerhalb und au\u00dferhalb des Vereins einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Bau und Betrieb alpiner Schutzh\u00fctten steht vor der Herausforderung, Sicherheit, Funktionalit\u00e4t und Nachhaltigkeit in einem sensiblen Naturraum zu vereinen. Das Projekt zeigt, dass eine zirkul\u00e4re, ressourcenschonende Bauweise unter Ber\u00fccksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen im Gebirge m\u00f6glich ist \u2013 vorausgesetzt, es erfolgt eine differenzierte Betrachtung von Erfordernissen, Nutzer*innen und Anforderungen. Die entwickelten Konstruktionsvarianten und der begleitende Leitfaden<br \/>\nunterst\u00fctzen Planende bei der Auswahl geeigneter L\u00f6sungen, ohne starre Standards vorzugeben. Besonders deutlich wird das Potenzial im bewussten Umgang mit Materialien: Der Fokus auf Wiederverwendbarkeit, effizienter Ressourcen und emissionsarme Transporte leistet einen wesentlichen Beitrag zur \u00f6kologischen Nachhaltigkeit. Der Etappenplan f\u00f6rdert zudem eine fr\u00fchzeitige, partizipative Einbindung aller relevanten Akteur*innen und schafft Orientierung im komplexen Planungsprozess. Langfristig kann so eine neue Planungskultur im DAV entstehen, die das Privileg des Bauens in der Natur durch nachhaltige Architektur bewahrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bereits in den T\u00f6lzer Richtlinien des DAV von 1923 wurde der Grundstein f\u00fcr suffiziente und einfache Schutzh\u00fctten in den Alpen gelegt. Entgegen diesem Ansatz hat sich der Charakter von Schutzh\u00fctten immer mehr hin zu komfortabel ausgestatteten Berggasth\u00f6fen entwickelt, mit einem damit einhergehenden unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Ressourcenverbrauch und entsprechenden negativen Umweltwirkungen. 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