{"id":61221,"date":"2026-07-21T15:03:39","date_gmt":"2026-07-21T13:03:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/39009-01\/"},"modified":"2026-07-21T15:03:41","modified_gmt":"2026-07-21T13:03:41","slug":"39009-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/39009-01\/","title":{"rendered":"TUMorrow Factory auf dem Campus Garching"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Klimaneutraler und gesundheitsfreundlicher Geb\u00e4udebestand bis 2050 durch innovative Neubaukonzepte mit Fokus auf Holz als nachwachsendem Rohstoff.<br \/>\nF\u00f6rderung energie- und ressourceneffizienter Neubauten, insbesondere im gro\u00dfvolumigen Holzbau.<br \/>\nReduktion der TGA-Investitionskosten um 50\u2009% bei gleichzeitiger Flexibilit\u00e4t und Nutzerfreundlichkeit.<br \/>\nErreichung des Nullenergiestandards durch passive Klimastrategien und minimierten Energieverbrauch der TGA.<br \/>\nLebenszyklusorientierte Nachhaltigkeitsbewertung unter Einbeziehung erneuerbarer Energiequellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>AP 1: Projektleitung<br \/>\nB\u00fcndelung der Projektsteuerung und -koordination durch die TUM und ihre Lehrst\u00fchle, inkl. Organisation, Kommunikation, Ergebnisdarstellung und Nutzerberatung.<\/p>\n<p>AP 2: Nutzerbeteiligung<br \/>\nReduktion der Geb\u00e4udetechnik auf das notwendige Ma\u00df durch Workshops mit k\u00fcnftigen Nutzern; Ziel ist eine 50\u2009% Kostensenkung der TGA. Ergebnisse flie\u00dfen in die Planung und Dokumentation ein.<\/p>\n<p>AP 3: Konstruktion<br \/>\nEntwicklung einer einfachen, robusten und aus nachwachsenden Rohstoffen bestehenden Tragstruktur (75\u2009% Holzanteil), inkl. Variantenuntersuchungen zu Statik, Brandschutz, Akustik und Kosten.<\/p>\n<p>AP 4: Technik<br \/>\nEntwicklung und Simulation einer energieeffizienten TGA zur Erreichung des Nullenergiestandards bei gleichzeitiger Verbesserung des Raumklimas durch passive Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>AP 5: Lebenszyklus<br \/>\nGanzheitliche Bewertung von Umweltwirkungen und Kosten \u00fcber den gesamten Lebenszyklus hinweg, unter Einbeziehung der regenerativen Stromerzeugung am Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>AP 2 Nutzerbeteiligung \u2013 kleinster gemeinsamer Nenner<br \/>\nEin zentrales Element des Projekts war die intensive Nutzerbeteiligung. Bereits in der fr\u00fchen<br \/>\nPlanungsphase wurden Studierendengruppen, die sp\u00e4ter die Hauptnutzenden der TUMorrow Factory<br \/>\nsein werden, systematisch eingebunden. In Workshops, Vor-Ort-Analysen und Planungsbesprechungen wurden Bedarfe erhoben und technische wie r\u00e4umliche Anforderungen diskutiert. Daraus resultierte eine klare funktionale Zonierung des Geb\u00e4udes in spezialisierte Werkst\u00e4tten (z.\u2009B. Carbon-, Metall- und<br \/>\nElektronikwerkstatt), Lager-, B\u00fcro- und Gemeinschaftsbereiche. Besonderer Wert wurde auf die<br \/>\n Robustheit und einfache Erweiterbarkeit der technischen Infrastruktur gelegt. So wurden z. \u2009B. Druckluft- und Stromversorgungen vorausschauend geplant, um zuk\u00fcnftige Anpassungen ohne umfangreiche<br \/>\nUmbauma\u00dfnahmen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>AP 3 Konstruktion \u2013 Einfach und nachwachsend<br \/>\nIm Bereich der Geb\u00e4udekonstruktion wurden zwei Varianten intensiv untersucht: Variante 1 mit<br \/>\n Stahlbeton-Treppenhauskernen zur Aussteifung und einem Vollholzwandsystem f\u00fcr die H\u00fclle sowie<br \/>\nVariante 2 mit aussteifenden Brettsperrholz-Au\u00dfenw\u00e4nden (BSP) und Treppenh\u00e4usern aus Holz. Beide Varianten wurden hinsichtlich ihrer Tragstruktur, \u00d6kobilanz, Materialeffizienz und Lebenszykluskosten<br \/>\nanalysiert. Trotz des h\u00f6heren Einsatzes an Beton in Variante 1 zeigte sich, dass diese Variante unter<br \/>\nden aktuellen Bewertungsregeln der \u00d6kobilanzierung (nach QNG) wirtschaftlicher ist und sogar<br \/>\n geringf\u00fcgig bessere CO\u2082-Werte aufweist als Variante 2. Der Vorteil der Holzvariante relativiert sich in der Gesamtbetrachtung, da bspw. D\u00e4mmstoffe in der BSP-Variante einen negativen Einfluss auf die Bilanz<br \/>\nhaben und der Vorteil des im Holz gebundenen Kohlenstoffs durch Annahmen zur thermischen<br \/>\nVerwertung in der Entsorgungsphase (Modul C) neutralisiert wird. Variante 1 erwies sich zudem als<br \/>\nkosteng\u00fcnstiger und baulich einfacher umzusetzen, weshalb sie f\u00fcr die weitere Planung empfohlen und festgelegt wurde.<\/p>\n<p>AP 4 Technik \u2013 Reduziert und robust optimiert f\u00fcr Nullenergie<br \/>\nEin weiteres zentrales Ziel war die Reduktion der technischen Geb\u00e4udeausr\u00fcstung (TGA). Der<br \/>\nTechnikanteil an den Baukosten konnte durch intelligente Planung, reduzierte Systeme und flexible<br \/>\nNutzungsstrategien auf rund 19,6\u2009% gesenkt werden \u2013 ein sehr guter Wert im Vergleich zum \u00fcblichen Durchschnitt von etwa 30\u2009% bei vergleichbaren Geb\u00e4udetypen. Ma\u00dfnahmen hierf\u00fcr waren u.\u2009a. der<br \/>\nVerzicht auf eine Geb\u00e4udeautomation, sichtbare Verlegung der Leitungen zur einfacheren Nachr\u00fcstung, nat\u00fcrliche Fensterl\u00fcftung statt mechanischer Systeme sowie die gezielte Zentralisierung<br \/>\n technikintensiver Prozesse auf zwei Werkstattbereiche mit entsprechenden Absauganlagen.<br \/>\nEine gro\u00dfe Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert rund 25\u2009% des Gesamtstrombedarfs direkt ins<br \/>\n Geb\u00e4ude, der Rest flie\u00dft in die Grundlastabdeckung des Campus \u2013 eine Batterie wurde bewusst nicht vorgesehen. Eine thermisch-dynamische Simulation zeigt, dass der kombinierte Strombedarf f\u00fcr<br \/>\nBeleuchtung, Heizung, Warmwasser und Ger\u00e4te vollst\u00e4ndig durch den Ertrag der PV-Anlage<br \/>\n kompensiert wird.<\/p>\n<p>AP 5 Lebenszyklus \u2013 Klimapositiv angestrebt<\/p>\n<p>Die grauen Emissionen des Geb\u00e4udes \u00fcber 50 Jahre liegen \u2013 ermittelt nach den Regeln des<br \/>\nQualit\u00e4tssiegels Nachhaltige Geb\u00e4ude (QNG) \u2013 bei nur 6,37\u2009kg CO\u2082-\u00c4quivalent\/(m\u00b2\u00b7a), was deutlich<br \/>\nunter dem Grenzwert f\u00fcr das Qualit\u00e4tssiegel Nachhaltiges Geb\u00e4ude (QNG-Premium) liegt.<br \/>\n Auch auf Materialebene wurden gro\u00dfe Optimierungen erzielt. Die gr\u00f6\u00dften Emissionsverursacher sind die Bauteile aus Beton und der Glasschaumschotter. Durch die Reduktion von Materialmassen, z.\u2009B. durch die Verkleinerung der Betonquerschnitte in tragenden Elementen und der Einsatz von<br \/>\nGlasschaumschotter nur im Randbereich der Bodenplatte konnten zus\u00e4tzliche CO\u2082-Einsparungen<br \/>\nrealisiert werden.<br \/>\n Die Lebenszykluskostenberechnung ergab Gesamtkosten von rund 3.609\u2009\u20ac\/m\u00b2 \u00fcber 50 Jahre. Darin<br \/>\n enthalten sind Investitionen in Bau und Technik, Betriebsenergiekosten, Austauschzyklen von Bauteilen (z.\u2009B. Fenster, PV) sowie R\u00fcckbaukosten. Der Stromertrag aus der PV kompensiert dabei vollst\u00e4ndig<br \/>\nden Energiebedarf des Geb\u00e4udes \u2013 auch unter steigenden Energiepreisen. Damit ist die TUMorrow<br \/>\nFactory nicht nur \u00f6kologisch, sondern auch wirtschaftlich zukunftsf\u00e4hig.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Zwischenergebnisse werden im Herbst 2025 im Rahmen eines Symposiums vorgestellt.<br \/>\nVer\u00f6ffentlichungen in verschiedenen Publikationen sind geplant. Das Projekt hat bereits eine<br \/>\nBaugenehmigung erhalten. Aktuell l\u00e4uft ein Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb zur<br \/>\n Vergabe der weiteren Leistungen an einen General\u00fcbernehmer. Der Baustart soll noch in diesem Jahr erfolgen. Eine Nutzung des Geb\u00e4udes ist ab Anfang 2027 vorgesehen.<\/p>\n<p>Parallel zur Nutzungsphase ist das Hauptprojekt geplant, in dem die Energieverbr\u00e4uche und die Ertr\u00e4ge der Photovoltaik erfasst werden sollen. Auch Messungen des Raumklimas sowie Interviews mit den<br \/>\n Nutzenden sind vorgesehen.<br \/>\nAls Ergebnis ist eine Buchpublikation mit dem Arbeitstitel \u201eHandbuch \u2013 zur Nachahmung empfohlen\u201c<br \/>\ngeplant. Darin sollen der Prozess und die Ergebnisse dokumentiert werden. Die Inhalte werden nach der Logik eines Nutzerhandbuchs strukturiert, um sowohl eine Informationsquelle f\u00fcr die Nutzenden der<br \/>\nTUMorrow Factory zu bieten als auch eine Hilfestellung f\u00fcr Initiativen zu sein, die \u00e4hnliche Projekte<br \/>\n planen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die TUMorrow Factory zeigt eindrucksvoll, wie nachhaltige Architektur im Hochschulkontext konkret<br \/>\numgesetzt werden kann. Der integrale Entwurfsprozess mit enger Nutzerbeteiligung, die konsequente<br \/>\nReduktion technischer Systeme, die materialoptimierte Holzbauweise sowie die planungsbegleitende<br \/>\n \u00d6kobilanzierung und thermisch dynamischer Simulation machen das Projekt zu einem<br \/>\nVorzeigevorhaben im Sinne einer klimapositiven Baukultur. Die Kombination aus Flexibilit\u00e4t, Einfachheit, Energieeffizienz und didaktischem Anspruch macht die TUMorrow Factory zu einem skalierbaren Modell  f\u00fcr zuk\u00fcnftige Bildungs- und Forschungsbauten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Klimaneutraler und gesundheitsfreundlicher Geb\u00e4udebestand bis 2050 durch innovative Neubaukonzepte mit Fokus auf Holz als nachwachsendem Rohstoff. F\u00f6rderung energie- und ressourceneffizienter Neubauten, insbesondere im gro\u00dfvolumigen Holzbau. 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