{"id":43971,"date":"2025-04-10T10:32:40","date_gmt":"2025-04-10T08:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35066-02\/"},"modified":"2025-04-10T10:32:40","modified_gmt":"2025-04-10T08:32:40","slug":"35066-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35066-02\/","title":{"rendered":"Wertketten und Konsumentscheidungen \u0096 Fernwirkung von Governance und Produktbiographien am Beispiel von Kakao (Nachbewilligung)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Schokoladenindustrie steht vor wachsenden Herausforderungen im Kontext der \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen des globalen Kakaohandels. Globalisierungsprozesse haben dazu gef\u00fchrt, dass diverse, r\u00e4umlich separierte Entwicklungen parallel stattfinden. Die r\u00e4umlichen und kulturellen Unterschiede zwischen den Konsumierenden und der Produktion der von ihnen konsumierten Produkte nehmen immer weiter zu und die Governancestrukturen, die den Produktionsnetzwerken zugrunde liegen, werden zunehmend komplexer. Hinzu kommt, dass die \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen von Konsum- und Einkaufsentscheidungen von Unternehmen immer vielschichtiger und globaler werden, wodurch sie f\u00fcr die beteiligten AkteurInnen kaum noch nachvollziehbar sind. Gleichzeitig haben sich die Konsumgewohnheiten differenziert, wobei f\u00fcr Teile der Bev\u00f6lkerung soziale und \u00f6kologische Aspekte bei ihren Kaufentscheidungen zunehmend von Bedeutung sind. Diese steigende Nachfrage nach nachhaltig produzierter Schokolade f\u00fchrt zu intensiviertem Anbau von Kakaobohnen, die nach definierten Nachhaltigkeitsstandards produziert werden.<br \/>\nDas CoVaCoa-Projekt untersucht diese Zusammenh\u00e4nge im Kontext des Kakaohandels in Ghana und tr\u00e4gt dazu bei, die Herausforderungen der Globalisierung im Bereich Konsum, Produktion und Governance zu verstehen. Diese Betrachtung ist sowohl aus akademischer als auch aus unternehmerischer Sicht von Relevanz. Unternehmen stehen aufgrund der komplexen \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen ihrer Einkaufsentscheidungen vor Herausforderungen, die insbesondere kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen \u00fcberfordern k\u00f6nnen. Das Ziel des Projekts ist daher, die St\u00e4rkung der Entscheidungs- und Handlungskompetenzen von kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen, sowie der Entwicklung von Handlungsempfehlungen zu effektiven Kommunikationsstrategien, um nachhaltige Konsumentscheidungen bei VerbraucherInnen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas CoVaCoa-Projekt gliederte sich in f\u00fcnf Arbeitspakete (AP) mit insgesamt 26 definierten Meilensteinen (MS). Im AP 1 wurden Governancestrukturen analysiert, wobei Literatursichtung, Dokumentenanalyse und qualitative Interviews durchgef\u00fchrt wurden. Eine Abbildung der formalen Governancestruktur des ghanaischen Kakaosektors wurde erstellt. AP 2 widmete sich den Produktionsbedingungen und Auswirkungen unterschiedlicher Governancestrukturen auf Grundlage von Literaturauswertungen, quantitative Befragungen und qualitative Interviews in Ghana. AP 3 besch\u00e4ftigte sich mit dem Konsum von Kakaoprodukten, wobei Literaturreviews, Befragungen und Experimente zu Determinanten von Konsumentscheidungen, sowie der Wirkung verschiedener Arten der Informationsbereitstellung und -inhalte ausgef\u00fchrt wurden. Im AP 4 wurden Workshops zur Synthese und Transferentwicklung veranstaltet, darunter Design-Workshops, Szenarienentwicklung und ein res\u00fcmierender Abschlussworkshop. AP 5 befasste sich mit der Dissemination der Ergebnisse, darunter die Online-Pr\u00e4senz, die Publikation von wissenschaftlichen Artikeln, eine Brosch\u00fcre und die Integration der Erkenntnisse in die Lehre. Dabei wurden auch Workshops und Pr\u00e4sentationen f\u00fcr internationale Konferenzteilnahmen entwickelt. Die erreichten Meilensteine zeugen von umfassenden Forschungsaktivit\u00e4ten, einschlie\u00dflich der Analyse von Governancestrukturen, Produktionsbedingungen und Konsumverhalten im Kontext des globalen Kakaohandels. Die Ergebnisse wurden erfolgreich in wissenschaftlichen Publikationen, einer Brosch\u00fcre, einem Praxisleitfaden als Handreichung f\u00fcr KMU und der Lehre integriert. Die Anwendung der Projektergebnisse durch die Ludwig Weinrich GmbH &#038; Co. KG und die geplante Pr\u00e4sentation beim Forum nachhaltiger Kakao e.V. verdeutlichen den praxisrelevanten Nutzen des Projekts im Bereich nachhaltiger Kakao.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die steigende Nachfrage nach nachhaltig produzierter Schokolade f\u00fchrt zu verst\u00e4rktem Anbau von Kakaobohnen nach definierten Nachhaltigkeitsstandards. Zertifikate wie Nachhaltigkeitssiegel helfen in diesem Zusammenhang, ethisch differenzierte Produkteigenschaften zu kommunizieren und Informationsasymmetrien zu verringern. Zus\u00e4tzliche Kennzeichnungsmethoden wie Quick-Response-(QR)-Codes st\u00e4rken das Vertrauen in Nachhaltigkeitslabel. Vertrauen spielt nicht nur f\u00fcr Zertifizierungen eine zentrale Rolle, sondern auch f\u00fcr politische Steuerung, indem die Akzeptanz politischer Ma\u00dfnahmen durch die wahrgenommene Integrit\u00e4t politischer AkteurInnen bedingt ist. Eine verpflichtende Kommunikation von Nachhaltigkeitskriterien erf\u00e4hrt hohe Akzeptanz bei VerbraucherInnen. Um nachhaltigen Konsum zu f\u00f6rdern, sind ganzheitliche Kommunikationsstrategien erforderlich, die emotionale, soziale und pers\u00f6nliche Einfl\u00fcsse bei Konsumierenden ansprechen. Mediale Darstellungen, etwa durch Virtual-Reality-Erlebnisse, k\u00f6nnen die Zahlungsbereitschaft f\u00fcr nachhaltige Produkte erh\u00f6hen. Nachhaltigkeitsstandards sollen negative \u00f6kologische und soziale Folgen minimieren und die Lebensbedingungen der Kakaob\u00e4uerInnen verbessern. Die Auswahl von Nachhaltigkeitssiegeln sollte dabei auf transparenten Kriterien basieren, um Glaubw\u00fcrdigkeit sicherzustellen. Unternehmen k\u00f6nnen durch Integration dokumentierter Nachhaltigkeitsprojekte Verantwortung in den Anbaul\u00e4ndern \u00fcbernehmen und \u00f6kologische sowie soziale Bedingungen verbessern. Die Zusammenarbeit mit Kooperativen in den Anbaul\u00e4ndern ist f\u00fcr die erfolgreiche Umsetzung entscheidend, wobei klare Kommunikation und eine Vertrauensperson vor Ort hilfreich sind. Durch geb\u00fcndelten Einkauf nachhaltig produzierten Kakaos k\u00f6nnen Unternehmen positive Ver\u00e4nderungen bewirken. Der Kauf von Kakao aus Unternehmensprojekten in Ursprungsl\u00e4ndern erm\u00f6glicht die Einhaltung verschiedener Nachhaltigkeitskriterien, R\u00fcckverfolgbarkeit des Kakaos und reduziert das Risiko von Kinder- und Zwangsarbeit. Die Integration dieser Erkenntnisse in die Unternehmenspraxis und die Zusammenarbeit mit Kooperativen tragen zur F\u00f6rderung nachhaltiger Konsumgewohnheiten bei. Reformen auf deutscher und europ\u00e4ischer Ebene werden notwendig, um den Fortschritt in Richtung einer nachhaltigeren Schokoladenproduktion weiter zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die zielgruppenspezifische Verbreitung der Projektergebnisse erfolgte fortlaufend w\u00e4hrend der gesamten Projektlaufzeit und geschieht dar\u00fcber hinaus. Die Projektwebsite wurde p\u00fcnktlich erstellt und regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert. Ein Flyer und eine digitale Informationsmappe wurden ver\u00f6ffentlicht und stehen zum Download bereit. Wissenschaftliche Publikationen wurden erfolgreich ver\u00f6ffentlicht oder stehen kurz vor der Einreichung. Ein Praxisleitfaden als Handreichung f\u00fcr Unternehmen mit dazugeh\u00f6riger Brosch\u00fcre wurde fertiggestellt. Die Integration des Projekts in die Lehre wurde im Rahmen von zwei Studienprojekten in Ghana (2021 und 2023), f\u00fcnf Seminaren und 18 Abschlussarbeiten in Geographie, Umwelt\u00f6konomie, und Arbeits- und Organisationspsychologie realisiert. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit erfolgte durch regelm\u00e4\u00dfige Aktualisierung der Projektwebsite und Social-Media-Beitr\u00e4ge. Dar\u00fcber hinaus wurde das Projekt im Rahmen einer Ausstellung im Museum Industriekultur Osnabr\u00fcck pr\u00e4sentiert. Ergebnisse wurden im Rahmen von 14 Vortr\u00e4gen auf internationalen Konferenzen pr\u00e4sentiert und diskutiert, wodurch das Projekt nationale und internationale Aufmerksamkeit erlangte. F\u00fcr das Kalenderjahr 2024 sind weitere sechs Vortr\u00e4ge geplant.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die CoVaCoa-Forschung beleuchtete die Bedeutung von Wissen und Informationen f\u00fcr ProduzentInnen, Unternehmen und Konsumierende im globalen Kakao-Schokoladen-Netzwerk. Die Erkenntnisse zeigen, dass Nachhaltigkeitssiegel f\u00fcr Konsumierende und ProduzentInnen begrenzten Nutzen haben, um soziale, \u00f6kologische und wirtschaftliche Herausforderungen anzugehen und Macht- und Wertasymmetrien zu \u00fcberwinden. F\u00fcr das Vertrauen von Konsumierenden sind detaillierte Informationen \u00fcber Labels und Zertifizierungskriterien entscheidend. Der Einfluss von Wissen auf die Kaufentscheidung ist begrenzt; psychologische und produktseitige Faktoren spielen eine bedeutende Rolle. Diese Faktoren sollten von Unternehmen zur F\u00f6rderung nachhaltigen Konsums adressiert und die Art der Informationsbereitstellung und -inhalte f\u00fcr effektive Kommunikationsstrategien ber\u00fccksichtigt werden. Zertifizierte LandwirtInnen profitieren von Pr\u00e4mienzahlungen, jedoch reicht dies nicht aus, um Armut zu \u00fcberwinden. Die Forschung betont die Notwendigkeit, ProduzentInnen nicht nur mit Wissen, sondern auch mit den entsprechenden Rahmenbedingungen f\u00fcr dessen Anwendung zu unterst\u00fctzen. Regulatorische Reformen in der EU f\u00f6rdern Zertifizierungssysteme, erfordern jedoch weitere Ma\u00dfnahmen. Die weitere Untersuchung der Konsequenzen dieser Entwicklung kann wertvolle Erkenntnisse f\u00fcr die Internationale Politische \u00d6konomie, Global Governance und Europ\u00e4isierungsforschung liefern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Schokoladenindustrie steht vor wachsenden Herausforderungen im Kontext der \u00f6kologischen und sozialen Auswirkungen des globalen Kakaohandels. Globalisierungsprozesse haben dazu gef\u00fchrt, dass diverse, r\u00e4umlich separierte Entwicklungen parallel stattfinden. 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