{"id":28087,"date":"2026-03-13T10:33:00","date_gmt":"2026-03-13T09:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38710-01\/"},"modified":"2026-03-13T10:33:01","modified_gmt":"2026-03-13T09:33:01","slug":"38710-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/38710-01\/","title":{"rendered":"Sch\u00e4den an historischen Bauwerken durch Bodenver\u00e4nderungen infolge Klimawandel am Beispiel der Synagoge Worms"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Folgen des globalen Klimawandels durch Extremwetterereignisse sind allerorts feststellbar und betreffen auch die historische Bausubstanz in vielf\u00e4ltiger Weise. Stehen die Folgen von Starkregenereignissen bislang im Fokus des Interesses, sind andere Effekte wie Bodensenkungen infolge von Austrocknungsprozessen eher untergeordnet beachtet worden. Jedoch k\u00f6nnen die zunehmenden Setzungsrisse an Geb\u00e4uden oftmals mit langanhaltenden Austrocknungsprozessen in Verbindung gebracht werden.<br \/>\nAuch die Synagoge in Worms, als ein prominenter Teil des UNESCO-Weltkulturerbes SchUM-St\u00e4tten, zeigt seit einiger Zeit starke Rissbildungen, die nach bisherigen Untersuchungen ihren Ursprung in den Ton- oder Lehmschichten haben, die unmittelbar ans Fundamentmauerwerk angrenzen oder Bestandteil dessen sind. Die aktuell kritische Entwicklung der Rissverl\u00e4ufe f\u00fchrt zur Gef\u00e4hrdung der Standsicherheit und schr\u00e4nkt die Zug\u00e4nglichkeit ein. Hieraus ergibt sich der dringende Bedarf zu wissenschaftlichen Erforschungen der Schadensentwicklungen sowie die Ausarbeitung von objektspezifischen L\u00f6sungsans\u00e4tzen.<br \/>\nDie genauen Hintergr\u00fcnde der aufgezeigten Problematik sind in Fachkreisen kaum bekannt, so dass im Rahmen eines interdisziplin\u00e4ren Fachkolloquiums verschiedene wirksame und nachhaltige Sanierungskonzepte vorgestellt und diskutiert werden sollten. Eine Exkursion zur Synagoge verdeutlichte durch die starken Bauwerkssch\u00e4den die besondere Brisanz des Themas.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Fachkolloquium wurde vom 21. &#8211; 22. M\u00e4rz 2023 in Worms durchgef\u00fchrt. Am ersten Veranstaltungstag wurden zun\u00e4chst aktuelle Kenntnisse und Entwicklungen zum Klimawandel vorgestellt. Daneben wurden verschiedene Ma\u00dfnahmen im Umgang mit vergleichbaren Setzungserscheinungen an denkmalgesch\u00fctzten Bauwerken sowie auch geotechnische Methoden in Abh\u00e4ngigkeit von jeweiligen Bodenverh\u00e4ltnissen zur Ert\u00fcchtigung des Untergrundes kritisch er\u00f6rtert. Anschlie\u00dfend konnte die Wormser Synagoge in kleinen Gruppen besucht und fachkundig hinsichtlich der momentanen Schadensbilder vorgestellt werden. Am zweiten Veranstaltungstag wurden konkrete Untersuchungsergebnisse und denkmalpflegerische sowie bautechnische Zielstellungen f\u00fcr die Synagoge dargestellt. Besondere Beachtung wurde dabei auf die religi\u00f6sen, arch\u00e4ologischen und historischen Hintergr\u00fcnde gelegt. Die Tagung endete mit einer Podiumsdiskussion mit Teilnehmenden aus Arch\u00e4ologie, Baudenkmalpflege, Architektur und Tragwerksplanung.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die intensiven Diskussionen zu den einzelnen Fachvortr\u00e4gen und am Ende der Tagung gaben Anlass, das Konzept eines Feuchtemanagements weiterzuverfolgen und dieses nach M\u00f6glichkeit an der Synagoge Worms modellhaft zum Einsatz zu bringen. Daf\u00fcr sind weitere Untersuchungen und Ausarbeitungen vor allem zu den Boden- und Grundwasserverh\u00e4ltnissen direkt an der Synagoge notwendig. Ebenso wie eine Machbarkeitsstudie zu einem Feuchtemonitoring im tonhaltigen Untergrund, mit dem Ziel, einen stabilen, gleichm\u00e4\u00dfigen Feuchtegehalt, z. B. mittels gezielter Bew\u00e4sserung w\u00e4hrend tiefgr\u00fcndiger Austrocknungszeiten, zu erm\u00f6glichen. Mit diesen individuell an die besondere Bausituation angepassten Ma\u00dfnahmen soll pauschalen Sanierungskonzepten, z. B. mittels Nachgr\u00fcndung, Fundamentunterfangung und Bodenert\u00fcchtigung, mit Kunstharz oder Zementleim entgegengesteuert werden, da diese oft mit massiven Eingriffen und potentiell negativen Auswirkungen auf die arch\u00e4ologischen und bauhistorischen Befunde verbunden sind. Eine \u00dcbertragbarkeit auf andere, in \u00e4hnlicher Weise betroffene Bauwerke wird angestrebt.<br \/>\nDie Vortr\u00e4ge und Diskussionsbeitr\u00e4ge der Podiumsdiskussion der Tagung sind in der Berichtsreihe der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), Direktion Landesdenkmalpflege, zusammengefasst und publiziert (s. u.). Der vorliegende Band behandelt erstmals die Auswirkungen des Klimawandels auf den Feuchtehaushalt der B\u00f6den und die daraus resultierenden Fragestellungen, wie z. B. das Schwindverhalten des Erdreichs und die dadurch verursachten Bauwerkssch\u00e4den und zeigt dar\u00fcber hinaus neuartige bedeutende Alternativen zu standardisierten Vorgehensweisen auf.<br \/>\nDas vorgestellte Thema stie\u00df im Fachpublikum auf gro\u00dfes Interesse, da mit der Tagung bzw. mit der Publikation ein wichtiger Schritt zur B\u00fcndelung und Aufzeigung der aktuellen Hintergr\u00fcnde zu klimabedingten Geb\u00e4udesch\u00e4den get\u00e4tigt wurde, aber auch die M\u00f6glichkeiten im Umgang zu konkreten bautechnischen wie prophylaktischen Ma\u00dfnahmen aufgezeigt wurden. Eine wesentliche Frage blieb unter vielen Teilnehmenden aber nach wie vor unbeantwortet: ob und inwieweit eine Rissbildung in Geb\u00e4uden auf vergleichbare Prozesse, wie an der Synagoge in Worms vorgestellt, zur\u00fcckzuf\u00fchren ist und mit welcher Untersuchungsmethodik dies festzulegen sei. Im Nachgang zur Tagung wurden die Fragestellungen dementsprechend in einer kleinen Arbeitsgruppe diskutiert und \u00dcberlegungen zu einem Folgeprojekt vertieft.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Publikation wird auf der Homepage der GDKE (s. o.) beworben und inhaltlich vorgestellt: Klimawandel und setzungsbedingte Bauwerkssch\u00e4den am Beispiel der Wormser Synagoge. &#8211; Denkmalpflege in Rheinland-Pfalz. Aus Forschung und Praxis, Band 7, Hrsg.: GDKE, Landesdenkmalpflege \/ Institut f\u00fcr Steinkonservierung e. V., 168 S., 211 Abb., ISBN: 978-3-7319-1416-7, Michael Imhof Verlag, 29,95 Euro. Das Heft ist \u00fcber den Buchhandel zu erwerben. Zahlreiche Belegexemplare wurden zudem den Fach\u00e4mtern und den relevanten Fachkreisen kostenfrei zur Verf\u00fcgung gestellt, mit dem Ziel, vertiefende Kenntnisse zu Schadensprozessen und fachgerechter Sanierung vermitteln zu k\u00f6nnen.<br \/>\nEin Pressetext wurde durch die GDKE verfasst und herausgegeben.<br \/>\nEine Rezension in der Fachzeitschrift &#8220;Die Denkmalpflege &#8211; Wissenschaftliche Zeitschrift der Vereinigung der Denkmalfach\u00e4mter in den L\u00e4ndern&#8221; ist f\u00fcr die Ausgabe November 2024 vorgesehen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die aktuellen Auswirkungen des Klimawandels betreffen in zunehmendem Ma\u00dfe auch unsere Baudenkm\u00e4ler. Nicht nur durch Starkregenereignisse, sondern auch verst\u00e4rkt durch langanhaltende Hitze und Austrocknungsprozesse im Gr\u00fcndungsbereich unterliegen die Mauerwerke irreversiblen Bewegungen mit resultierenden Rissbildungen. Als h\u00e4ufige Schadensszenarien sind Rissbildungen im Gem\u00e4uer zu sehen, die oft zu starken Einschr\u00e4nkungen in Nutzung und Dauerhaftigkeit f\u00fchren. Individuelle Ma\u00dfnahmen zu Sanierungen und zu prophylaktischen Ma\u00dfnahmen werden daher zunehmend wichtiger.<br \/>\nNach wie vor besteht ein gro\u00dfer Forschungsbedarf zu einer grunds\u00e4tzlichen Korrelation von Rissbildungen und Klimaeinwirkungen. Aktuelle Literaturrecherchen belegen eine bislang nur ansatzweise Aufarbeitung des komplexen Themas. Die gro\u00dfe Resonanz in den angesprochenen Fachkreisen beweist die aktuelle Brisanz der Thematik. Mit einer durch die Tagungsbeitr\u00e4ge erm\u00f6glichten gezielteren Betrachtung von Schadensbildern d\u00fcrfte eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Geb\u00e4udesch\u00e4den von den geschilderten Auswirkungen betroffen sein.<br \/>\nMit einer angedachten Fortsetzung des Forschungsthemas sollen eindeutigere Zuordnungen, gezieltere Sanierungsma\u00dfnahmen und eine wirksame Schadensverh\u00fctung erarbeitet werden. Dies erscheint umso wichtiger f\u00fcr die Bauwerke in Risikogebieten, die im Untergrund\/Baugrund durch lehm- oder tonhaltige Bodenaufbauten in besonderer Art betroffen sind.<br \/>\nAufgrund der gravierenden Schadensproblematik m\u00fcssen g\u00e4ngige Vorgehensweisen weiterentwickelt und neue L\u00f6sungen gefunden werden. Erstmalig werden daher neben dem Einsatz von modernen Untersuchungsmethoden sowie einem Risse- und Feuchtemonitoring auch neue innovative Ans\u00e4tze verfolgt. Darunter fallen bspw. eine gezielte Bodenbefeuchtung oder ein Zwischenspeicher f\u00fcr das Niederschlagswasser im Erdreich. Hierdurch verspricht man sich, die Gr\u00fcndung zu stabilisieren und weitere Setzungen zu vermeiden.<br \/>\nMittlerweile konnten erste ausgew\u00e4hlte Kirchengeb\u00e4ude mit markanter, bislang nicht zugeordneter Rissbildung begutachtet werden und eine wissenschaftliche Aufarbeitung m\u00f6glicher klimabedingter Schadensprozesse mit entsprechenden Arbeitspaketen und beteiligten Fachkreisen zu einem entsprechenden Forschungsvorhaben geb\u00fcndelt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Folgen des globalen Klimawandels durch Extremwetterereignisse sind allerorts feststellbar und betreffen auch die historische Bausubstanz in vielf\u00e4ltiger Weise. 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