{"id":28041,"date":"2024-11-27T10:52:48","date_gmt":"2024-11-27T09:52:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38663-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:52:52","modified_gmt":"2024-11-27T09:52:52","slug":"38663-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/38663-01\/","title":{"rendered":"Medizinische Abf\u00e4lle in der Ukraine (Ukraine-MEDWASTE): Ein Pilotprojekt"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Aufgrund der kriegsbedingten Unterbrechung der Logistik fallen in der Ukraine erhebliche Mengen unbehandelter medizinischer Abf\u00e4lle an, die eine Gefahr f\u00fcr die Umwelt und die Wasserversorgung darstellen.<br \/>\nEinige Krankenh\u00e4user vermischen immer noch Siedlungsabf\u00e4lle und gef\u00e4hrliche Abf\u00e4lle. Die Behandlung der Abf\u00e4lle erfolgt in der Regel in Hydroklaven oder Verbrennungsanlagen, aber nicht alle Abf\u00e4lle werden korrekt behandelt. Au\u00dferdem m\u00fcssen Kapazit\u00e4ten aufgebaut und konkrete Leitlinien f\u00fcr die Vermeidung und den Umgang mit medizinischen Abf\u00e4llen erarbeitet werden, um eine einheitliche und angemessene Bewirtschaftung medizinischer Abf\u00e4lle zu gew\u00e4hrleisten. Schlechte und ungeeignete Bewirtschaftungs- und Entsorgungsmethoden bei der Handhabung und Entsorgung medizinischer Abf\u00e4lle stellen aufgrund des infekti\u00f6sen Charakters der Materialien und des unangenehmen Geruchs der Abf\u00e4lle eine erhebliche Gefahr f\u00fcr Gesundheit und Umwelt dar.<br \/>\nInsgesamt verf\u00fcgt die Ukraine \u00fcber 2.200 Krankenh\u00e4user und \u00fcber 400.000 Krankenhausbetten (5,22 Krankenh\u00e4user und 890,7 Betten pro 100.000 Einwohner) im \u00f6ffentlichen Sektor. Im Jahr 2019 fielen in ukrainischen Krankenh\u00e4usern fast 98.000 Tonnen medizinische Abf\u00e4lle an, so Arzu Akberov, Leiter der Abteilung f\u00fcr Abfallkontrolle bei der staatlichen Umweltinspektion der Ukraine. Derzeit werden etwas mehr als 1 % dieser Abf\u00e4lle verbrannt und enden als umweltvertr\u00e4gliche Asche. Der Rest wird irgendwo auf 6.000 legalen und 33.000 illegalen Deponien im ganzen Land vergraben.<br \/>\nDie durchschnittliche Menge an medizinischen Abf\u00e4llen, die w\u00e4hrend des derzeitigen Krieges anf\u00e4llt, ist sch\u00e4tzungsweise zehnmal h\u00f6her als die durchschnittliche Abfallmenge, die in vielen Krankenh\u00e4usern w\u00e4hrend des normalen Betriebs anf\u00e4llt. Diese Situation zeigt deutlich, wie schwierig es ist, den dramatischen Anstieg der medizinischen Abf\u00e4lle w\u00e4hrend des Konflikts zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>Medizinische Abf\u00e4lle fallen im Rahmen der Gesundheitsversorgung st\u00e4ndig an. In Kriegszeiten nehmen sie deutlich zu. Die Vielfalt ist betr\u00e4chtlich und umfasst scharfe Gegenst\u00e4nde, menschliches Gewebe oder K\u00f6rperteile sowie ein breites Spektrum an infekti\u00f6sem Material. Das derzeitige Ausma\u00df und die Tragweite des Problems in der Ukraine sind im Moment eher unklar, es gibt keine spezifischen Statistiken. Daher ist das Hauptziel des Projekts Ukraine-MEDWASTE:<br \/>\n\u0084Analyse der Menge und der Arten von medizinischen Abf\u00e4llen, die in einer Stichprobe von Kran-kenh\u00e4usern in der Stadt Iwano-Frankiwsk (ca. 230.000 Einwohner) als Pilotstandort anfallen, und Ermittlung von Optionen f\u00fcr die spezielle Handhabung, den Transport und die Entsorgung dieser Abf\u00e4lle sowie f\u00fcr das Recycling von Kunststoffabf\u00e4llen.\u0093<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<br \/>\nDas Projekt wurde \u00fcber einen Zeitraum von 12 Monaten durchgef\u00fchrt und wurde in 3 Phasen unterteilt:<\/p>\n<p>&#8211; Phase 1 \u0096 Monat: Dezember &#8211; Februar (Einf\u00fchrungs- und Analysephase).<br \/>\nNeben der Erledigung der vertraglichen Formalit\u00e4ten mit den ukrainischen Partnern fand der Aufbau der Beziehungen zwischen den Projektpartnern statt. In der ersten Phase wurden die Details der Aufgaben sowie der Zeit- und Arbeitsplan verbindlich vereinbart.<\/p>\n<p>&#8211; Phase 2 \u0096 Monat: M\u00e4rz &#8211; Oktober (Durchf\u00fchrungsphase)<br \/>\nDiese Phase umfasste die Durchf\u00fchrung der Datenerhebung im Krankenhaus und die Analysen. W\u00e4hrend des gesamten Zeitraums wurde eine solide Informations- und Kommunikationsstrategie geplant, um die Sichtbarkeit der Projektaktivit\u00e4ten und ihrer Ergebnisse in Deutschland und der Ukraine zu gew\u00e4hrleisten. In Iwano-Frankiwsk wurden Expertenveranstaltungen zum Thema medizinisches Abfallmanagement organisiert.<\/p>\n<p>&#8211; Phase 3 \u0096 Monat: November &#8211; Dezember (Abschlussphase)<br \/>\nDiese Phase umfasste Verbreitungs- und Upscaling-Aktivit\u00e4ten. Die Einbeziehung einer 5 Upscaling-Komponente in das Projekt wird die relevanten lokalen Akteure dabei unterst\u00fctzen, unsere Methoden und Ergebnisse auf andere Teile des Landes zu \u00fcbertragen. Die Projektergebnisse wurden auf der zweiten Veranstaltung in Ivano-Frankivsk vorgestellt. Die Daten wurden mit drei Instrumenten erhoben:<br \/>\na) Frageb\u00f6gen,<br \/>\nb) Besichtigungen vor Ort, und<br \/>\nc) ausf\u00fchrliche Interviews in Krankenh\u00e4usern der Stadt durch das Expertenteam in National Medical University<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Da das Budget in dem Rahmen der Medizinischen Abf\u00e4lle in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen eine gro\u00dfe Rolle und durch den Krieg ein viel gr\u00f6\u00dferes Problem darstellt, wurden Strategien zur F\u00f6rderung von Kunststoffrecycling diskutiert und Strategien mitgegeben, wie beispielsweise der Umgang bei durch Blut oder andere K\u00f6rperfl\u00fcssigkeiten verunreinigte Kunststoffe aussehen muss. Des Weiteren war das Anstreben der Sensibilisierung f\u00fcr das Thema des Gesundheitspersonals f\u00fcr die Notwendigkeit einer ordnungsgem\u00e4\u00dfen Abfallbewirtschaftung, die dazu beitr\u00e4gt, die Gesundheit des Personals und der Patienten zu sch\u00fctzen und die Umwelt vor gef\u00e4hrlichen Verunreinigungen zu bewahren.<\/p>\n<p>Durch einen Workshop von Herrn Heiko Schl\u00fcter aus dem Universit\u00e4tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), wurden Best-Practice-Beispiele aus Hamburg erkl\u00e4rt und dargestellt, welches den Partner:innen aus der Ukraine vor Ort in Hamburg sehr gefallen haben, aber auch Online via Zoom, wo \u00fcber 140 Mitarbeiter:innen aus den medizinischen Einrichtungen in Ivano Frankivsk teilnehmen konnten und Ihnen Beispiele zur Umsetzung dargestellt wurden, welches sich optimal als Wissensvermittlung erwies.<\/p>\n<p>Die im Rahmen des Projekts ermittelten L\u00f6sungen k\u00f6nnen auf die Landesebene ausgeweitet werden. Die Ergebnisse dieses Projekts k\u00f6nnen dazu beitragen, dass in der Ukraine systematischer mit medizinischen Abf\u00e4llen umgegangen wird und so der Druck auf das Gesundheitssystem des Landes verringert werden kann.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeiten haben in Hamburg, aber vor allem in der Ukraine stattgefunden, in dem zu Veranstaltungen des Projekts \u0084Med-Waste\u0093 die Presse und Personen aus der Beh\u00f6rde eingeladen wurden, damit das Thema in Ivano Frankivsk in die Medien kommt und Unterst\u00fctzung vom Staat\/Beh\u00f6rde erh\u00e4lt. Es haben ebenfalls Veranstaltungen stattgefunden, wo wir das Projekt \u0084Med-Waste\u0093 mit einer Poster-Pr\u00e4sentation vorgestellt haben, beispielsweise bei Remondis oder Hoch-schul\u00fcbergreifende Veranstaltungen mit Schwerpunkt Forschung oder Forschung f\u00fcr und in der Ukraine. Des Weiteren wurde im Rahmen des Projekts zwei Fachpublikationen ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p>Medical waste management and the UN Sustainable Development Goals in Ukraine: An assess-ment of solutions to support post-war recovery efforts &#8211; ScienceDirect https:\/\/www.sciencedirect.com\/science\/article\/pii\/S2667010023000860<\/p>\n<p>Med. Abfallmanagement in der Ukraine &#8211; Abfallmanager Medizin (abfallmanager-medizin.de)<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"s2kLAhaPBb\"><p><a href=\"https:\/\/www.abfallmanager-medizin.de\/blick-ins-ausland\/ukraine\/\">Blick ins Ausland Ukraine: Medizinisches Abfall&shy;management im Kriegs&shy;gebiet<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; visibility: hidden;\" title=\"&#8222;Blick ins Ausland Ukraine: Medizinisches Abfall&shy;management im Kriegs&shy;gebiet&#8220; &#8212; Abfallmanager Medizin\" src=\"https:\/\/www.abfallmanager-medizin.de\/blick-ins-ausland\/ukraine\/embed\/#?secret=Kk7bGDqEPw#?secret=s2kLAhaPBb\" data-secret=\"s2kLAhaPBb\" width=\"500\" height=\"282\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt \u0084Med-Waste Ukraine\u0093 hat \u00fcber 140 Mitarbeiter:innen aus Gesundheitseinrichtungen in Ivano Frankivsk zum Thema Medical Waste Management eingearbeitet und ihnen Best-Practice-Beispiele dargestellt. Es wurden Strategien und \u00fcber vorhandene Leitlinien diskutiert, die angepasst werden mussten oder Schritte aufgezeigt, welche in den Kliniken und Krankenh\u00e4usern in Ivano Frankivsk pilothaft umgesetzt werden konnten oder das Waste-Management-System in den Krankenh\u00e4usern angepasst wurde, um eine nachhaltigere L\u00f6sung zu finden.<\/p>\n<p>Es haben \u00fcber 9 Krankenh\u00e4user intensiv an Besichtigungen, Interviews und Veranstaltungen teilgenommen, darunter \u00fcber 140 Mitarbeiter:innen aus der Management Ebene, bis hin zur Pflege-fachkr\u00e4fte und Reinigungspersonal.<\/p>\n<p>In der Ukraine war das Thema der Medizinischen Abf\u00e4lle nicht gro\u00df thematisiert wurden und laut den Angaben des Gesundheitsministeriums keine \u00e4hnlichen Projekte, die sich mit diesem Thema befassten, welches nach dem Krieg schlimmer wurde. Daher hat das Projekt \u0084Med-Waste\u0093 die Beh\u00f6rde und die Verantwortlichen in den Kliniken und Krankenh\u00e4usern zum Handeln eingeladen und es wurden bereits erste Schritte in den Krankenh\u00e4usern eingeleitet. Handlungsm\u00f6glichkeiten wurden oft mit den Verantwortlichen diskutiert und bei der Umsetzung unterst\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Aufgrund der kriegsbedingten Unterbrechung der Logistik fallen in der Ukraine erhebliche Mengen unbehandelter medizinischer Abf\u00e4lle an, die eine Gefahr f\u00fcr die Umwelt und die Wasserversorgung darstellen. Einige Krankenh\u00e4user vermischen immer noch Siedlungsabf\u00e4lle und gef\u00e4hrliche Abf\u00e4lle. 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