{"id":27929,"date":"2025-09-12T10:32:19","date_gmt":"2025-09-12T08:32:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38246-01\/"},"modified":"2025-09-12T10:32:19","modified_gmt":"2025-09-12T08:32:19","slug":"38246-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/38246-01\/","title":{"rendered":"Cleanup-Sneaker"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In Afrika landen viele der 380 Millionen Paar Schuhe, die in Deutschland jedes Jahr entsorgt werden. Ca. die H\u00e4lfte der Alt-Sneaker, die in Afrika landen, werden direkt als M\u00fcll aussortiert. Die andere H\u00e4lfte wird zwar noch eine Weile getragen, landet schlie\u00dflich aber auch in der Umwelt, denn vor Ort gibt es keine fachgerechte Entsorgung von Sneakern.<br \/>\nAm Ende einer textilen Verwertungskette, die der linearen Logik von Fast Fashion folgt, steht also ein enormes M\u00fcll- und damit Umweltproblem in Afrika. F\u00fcr dieses Problem \u00fcbernimmt derzeit niemand Verantwortung. Konzepte, dieses Problem konstruktiv anzugehen, liegen bisher weder auf politischer noch auf unternehmerischer Ebene vor.  <\/p>\n<p>Die Wirkung des Projektes ergibt sich entlang von drei Zieldimensionen. <\/p>\n<p>1 \u00d6kologische Wirkung: M\u00fcllreduktion &#038; Recycling <\/p>\n<p>Es soll bei der Herstellung des Cleanup-Sneakers ein sehr hoher Anteil von (nicht mehr nutzbaren) Schuhen aus Kenia verarbeitet werden. Diese Schuhe, die wir daf\u00fcr in Kenia einsammeln, liegen bereits in der Umwelt oder stehen kurz davor, in der Umwelt zu landen. Wir entziehen der Umwelt also aktiv Belastungen, die faktisch vorliegen oder kurzfristig dazu werden w\u00fcrden. Aus den gesammelten Schuhen soll im n\u00e4chsten Verarbeitungsschritt eine neue Sohle hergestellt werden. <\/p>\n<p>2 Soziale Wirkung: Arbeitspl\u00e4tze &#038; Entsorgungsstrukturen <\/p>\n<p>Die Aufgabe der Sammlung \u00fcbernehmen unsere Partner von ACT aus Kenia. Sie kennen die Orte, wie bspw. M\u00e4rkte, in denen die \u0084Leftovers\u0093 oder \u0084Unsellables\u0093 h\u00e4ufig am Ende einfach in der Umwelt entsorgt werden.<br \/>\nUns ist wichtig, dass wir in diesem Prozess besonders die Menschen und die Wirtschaft in Kenia miteinbeziehen, da diese im aktuellen linearen Prozess die Leidtragenden sind.<br \/>\nUnser Zwischenziel ist es, durch das Sammeln, Aufbereiten und Zerkleinern der alten Schuhe in Kenia Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen und den Aufbau von Cleanup-, Recycling-\/Entsorgungsstrukturen vor Ort zu unterst\u00fctzen. Davon w\u00fcrde auch die Umwelt (bspw. Luft- und Wasserqualit\u00e4ten) langfristig profitieren (vgl. Punkt 1: \u00f6kologische Wirkung). <\/p>\n<p>3 Gesellschaftliche Wirkung: Bildung &#038; Aufkl\u00e4rung: <\/p>\n<p>Das Gesamtprojekt \u0084Cleanup-Sneaker\u0093 hat einen wesentlichen Beitrag zur gesellschaftlichen Nachhaltigkeitsbildung geleistet. Deshalb haben Journalist:innen einen Teil der Entwicklung des Recycling-Sneakers von Anfang an begleitet.<br \/>\nZiel war es, in einer Art journalistischem Selbstversuch transparent und mitrei\u00dfend \u00fcber die Suche nach konkreten L\u00f6sungen zu berichten \u0096 und so den ersten, investigativen Teil der Sneakerjagd im Sinne des Konstruktiven Journalismus fortzusetzen. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFolgende acht Themenbereiche wurden im Projektverlauf bearbeitet:<\/p>\n<p>Baustein 1: Technische Analyse &#038; Bewertung des Recyclats \u0084African Grind\u0093<br \/>\nEs wurden mit dem Pr\u00fcfinstitut DEKRA verschiedene Analysen und Tests gemacht \u0096 insbesondere um Grind und die Sohle hinsichtlich der chemischen Verordnung REACH zu pr\u00fcfen.<br \/>\nAuf Basis der Ergebnisse konnten Anpassungen an der Grind-Zusammensetzung vorgenommen werden, die nun in weiteren Iterationen der Tests dazu f\u00fchren, dass alle Stichproben als unproblematisch bewertet sind.<\/p>\n<p>Baustein 2: Marktforschung<br \/>\nDurch die Hochschule Reutlingen wird derzeit ein Marktforschungsseminar mit Studierenden durchgef\u00fchrt, in welchem in Fokusgruppen die Themenstellungen Pfandsysteme sowie Empfehlungsmarketing im Rahmen des GRND-Projektes und dem Kaufverhalten bzgl. des Marabu-Sneakers untersucht werden. Eine ausf\u00fchrlichere Recherche zu den beiden Themen ist durch Studierende im Rahmen von zwei Bachelorarbeiten erfolgt. Die Durchf\u00fchrung qualitativer Interviews mit potenziellen Kunden, um mehr \u00fcber die Kundenbed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche im Bereich Transparenz zu erfahren, dauert derzeit an. Ebenso wird es ein Expert:inneninterview mit Cyclon (On Running) geben \u00fcber Produktzyklen, Organisation von Recycling, Kundenakzeptanz von Abonnements als neue Vertriebsform.<\/p>\n<p>Baustein 3: Konzeption &#038; Prototyping<br \/>\nMit unserem Partner ACT wurden Sohlen in Aufstellboxen in Nairobi gesammelt, bevor diese in der Umwelt landen. Es wurden die Oberschuhe von den Sohlen getrennt und zum weiteren Prototyping verschickt. Erste Versuche, direkt Grind in Kenia herzustellen, haben stattgefunden. Aufgrund technischer Schwierigkeiten haben wir uns aber daf\u00fcr entschieden, das Granulieren im Projektverlauf bei dem Sohlenhersteller selbst durchf\u00fchren zu lassen.<br \/>\nIm Prototyping der Sohle wurden verschiedene Sohlenformen getestet und schlie\u00dflich eine Schalensohle gew\u00e4hlt, da hier der Anteil an Grind am h\u00f6chsten sein konnte, ohne die Funktion und Langlebigkeit negativ zu beeinflussen. Um den Abrieb von Grind durch Ablaufen zu verhindern, wurde eine separate 2 mm dicke Sohlenplatte ohne Recyclat auf die Sohle aufgebracht. F\u00fcr den Oberschuh wurde der Fokus auf recycelte, synthetische Materialien gelegt, welche sich gut mit der stabilen Schalensohle verarbeiten lassen konnten und gleichzeitig am Ende des Lebenszyklus besser recycelt werden k\u00f6nnen. Die Reparaturf\u00e4higkeit der einzelnen Komponenten (z. B. verst\u00e4rkte Fersenkappe) wurde sichergestellt. Die Verwendung eines textilen Etiketts mit QR-Code zur R\u00fccksendung der Sneaker war ein elementarer Bestandteil der Materialauswahl f\u00fcr den gesamten Oberschuh.<\/p>\n<p>Baustein 4: Markttest durch Crowdfunding<br \/>\nIn einem aufwendig vorbereiteten Crowdfunding, das zum Markttest eingesetzt wurde, konnten wir insgesamt 688 Paare des Marabu-Sneakers herstellen und haben dar\u00fcber hinaus eine gute Presse- und Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten k\u00f6nnen (s. Baustein 8).<\/p>\n<p>Baustein 5: Umsetzungsphase Sneakerbau<br \/>\nDie Formenentwicklung f\u00fcr die Schalensohlen mit einem Gr\u00f6\u00dfenlauf von Gr. 37 \u0096 46 (10 Formen) f\u00fcr die Vulkanisation der Gummimischung inkl. Grind wurde abgenommen. Die Produktionsleisten mit passenden Gr\u00f6\u00dfenspr\u00fcngen wurden getestet, f\u00fcr die Produktion angepasst und bereits abgenommen. In einer Vorproduktion f\u00fcr die Serienproduktion wurden die finalen Produktionsabl\u00e4ufe, Materialeigenschaften in der Verarbeitung und finale Belastungstests durchgef\u00fchrt und abgenommen. Der Import der Recyclingsohlen aus Kenia f\u00fcr die Serienproduktion wurde unter Betrachtung von Zoll- und Einfuhrbestimmungen gepr\u00fcft. Die finale Serienproduktion ist damit ordentlich vorbereitet und wird derzeit in Portugal durchgef\u00fchrt mit einem avisierten Liefertermin am 17. M\u00e4rz 2023.<\/p>\n<p>Baustein 6: End-of-Life-Handling<br \/>\nWesentlicher Baustein des Produktkonzeptes ist die R\u00fcckf\u00fchrung der getragenen Sneaker, um eine sachgerechte Weiterverarbeitung sicherzustellen. Um eine m\u00f6glichst hohe R\u00fccklaufquote zu erzielen, wurde ein Pfand von 10 \u0080 pro Artikel eingef\u00fchrt, der nach R\u00fcckgabe gutgeschrieben oder f\u00fcr einen weiteren Kauf angerechnet wird. Die R\u00fcckgabe selbst wird vereinfacht durch ein gedrucktes QR-Etikett auf der Schuhzunge, sodass der Kunde durch Scannen mit der Handykamera m\u00f6glichst intuitiv durch den R\u00fcckgabeprozess geleitet wird. <\/p>\n<p>Baustein 7: Nachhaltigkeitsbewertung<br \/>\nDas Projektteam konnte mit Hilfe des ifeu-Insituts im ersten Schritt feststellen, dass der CO2-Fu\u00dfabdruck des Marabu-Sneakers besser ausf\u00e4llt, als bei einem herk\u00f6mmlichen Sneaker. Das war Grundbedingung f\u00fcr den Markttest. Im n\u00e4chsten Schritt wurde eine umf\u00e4ngliche Lebenszyklusanalyse (LCA) abgestimmt. Im Zuge dessen wurden viele Daten erhoben und in einem wissenschaftlichen Modell die Wirkungen auf diverse Fu\u00dfabdr\u00fccke (i. S. der Nachhaltigkeit) bestimmt. Die Ergebnisse liegen final im Januar vor.<\/p>\n<p>Baustein 8: Aufkl\u00e4rung &#038; Education<br \/>\nEs gab eine Vielzahl von begleitender journalistischer Berichterstattung \u00fcber das Projekt und die dahinterliegenden Probleme in der linearen Sneaker- und Fashionbranche. Da es weit mehr als 20 Berichte gab, hier eine kleine Auswahl:<br \/>\n1) FAZ: M\u00fcnchner Label will Sneaker aus M\u00fcll herstellen (faz.net)<br \/>\n2) Utopia: Nach \u0084Sneaker-Jagd\u0093-Recherche: Startup will Schuhe aus M\u00fcll herstellen (utopia.de)<br \/>\n3) Stuttgarter Zeitung: Experiment gegen Fast Fashion: Die neuen Sneakers gr\u00fc\u00dfen von der M\u00fcllkippe &#8211; Wissen &#8211; Stuttgarter Zeitung (stuttgarter-zeitung.de)<br \/>\n4) Startbase: Medien-Start-up will Sneaker produzieren | Startbase UND<br \/>\nhttps:\/\/www.startbase.de\/interviews\/weniges-hat-auf-anhieb-geklappt\/<br \/>\n5) Fashion United: Crowdfunding f\u00fcr Recycling-Sneaker: Monaco Ducks und Flip f\u00fcr Kenia (fashionunited.de)<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zur \u00f6kologischen und sozialen Wirkung: Noch ist der \u0084Impact\u0093, den das Projekt vor Ort erreichen konnte, \u00fcberschaubar. Das Proof-of-Concept-Produkt, der Marabu-Sneaker, ist in Produktion und mit ca. 750 produzierten Schuhen ist das Ziel noch nicht erreicht. Es wird davon ausgegangen, dass die Nachfrage der Schuhe durch weitere Werbema\u00dfnahmen und ein skalierbares Gesch\u00e4ftsmodell steigen wird. Damit w\u00e4re es dann auch m\u00f6glich, noch mehr Alttextilien zu recyceln und vor Ort Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. <\/p>\n<p>Zur gesellschaftlichen Wirkung: Das Projekt hat viele Menschen in Deutschland und der Welt erreicht. Das Crowdfunding-Projekt hat Unterst\u00fctzer in Deutschland, der EU und in den USA erreicht. \u00dcber die Kan\u00e4le des Projektpartners Flip wird auch k\u00fcnftig weiter berichtet werden. Das Thema Aufkl\u00e4rung hat sein Ziel erreicht, endet jedoch nicht hier.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt hat gro\u00dfe Wellen geschlagen und eine gro\u00dfe Anzahl an Menschen in Deutschland und dar\u00fcber hinaus erreicht (siehe Baustein 8).<br \/>\nDie Website www.grnd.shoes ist nun online und dient der Pr\u00e4sentation des Vorhabens.<br \/>\nIm M\u00e4rz haben TV-Auftritte bei Linda Zervakis und eine Dokumentation bei Galileo erneut starke Aufmerksamkeit auf das Projekt gelenkt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Insgesamt ist das gesamte Projekt-Team \u00e4u\u00dferst zufrieden mit dem Projekt. Die Zusammenarbeit mit allen Projektpartnern und der DBU lief effizient und harmonisch ab. Die Crowdfunding Kampagne verlief sehr erfolgreich und auch Dank der hervorragenden Aufkl\u00e4rungsarbeit und starken Verbreitung durch die Medien erf\u00e4hrt das Projekt gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Neben Presseberichten und TV-Auftritten diente das Projekt auch dazu in der Industrie zu motivieren. Das Team wurde auf zahlreiche Kongresse als Speaker eingeladen und erfreute sich \u00e4u\u00dferst positiven Feedbacks. Die Skalierbarkeit des Projekts stellt sich aufgrund der aktuellen schweren Marktlage komplex dar. Dennoch ist das Team stolz auf die bisherigen Ergebnisse und plant bereits weitere Schritte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In Afrika landen viele der 380 Millionen Paar Schuhe, die in Deutschland jedes Jahr entsorgt werden. Ca. die H\u00e4lfte der Alt-Sneaker, die in Afrika landen, werden direkt als M\u00fcll aussortiert. 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