{"id":27883,"date":"2026-05-09T10:36:32","date_gmt":"2026-05-09T08:36:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38185-01\/"},"modified":"2026-05-09T10:36:32","modified_gmt":"2026-05-09T08:36:32","slug":"38185-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/38185-01\/","title":{"rendered":"Anti-Graffiti-Schutz von beschichteten und unbeschichteten Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich \u2013 eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Restaurator*innen besch\u00e4ftigen sich mit dem Erhalt von Kunst und Kulturgut, das sich sowohl in Museen oder Archiven befinden kann wie auch als Kunstwerk oder Denkmal im \u00f6ffentlichen Raum. Letztgenannte sind in besonderem Ma\u00dfe einem Schadensbild ausgesetzt, der Besch\u00e4digung durch Graffiti. Die Spr\u00fchfarben oder Stifte k\u00f6nnen dabei originale Oberfl\u00e4chen angreifen und ver\u00e4ndern, wodurch die Objekte in ihrer Wirkung gest\u00f6rt werden. Deshalb ist man um die Entfernung solcher Zutaten bem\u00fcht und unterschiedliche, auf dem Markt erh\u00e4ltliche Schutzsysteme sollen die Reinigung hierbei erm\u00f6glichen. Bisher hat die Forschung vor allem den Schutz von por\u00f6sen Systemen in der Baudenkmalpflege, bspw. von Steinoberfl\u00e4chen, in den Fokus genommen; Schutzanstriche auf Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich hingegen haben bisher wenig Aufmerksamkeit erhalten. Diese L\u00fccke m\u00f6chte das Forschungsprojekt schlie\u00dfen und ein Verfahren zum Schutz von beschichteten und unbeschichteten Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich ermitteln, das, neben der Schutzwirkung der Anstriche und dem langfristigen Erhalt der Objekte, auch dem Anspruch des Erscheinungsbilds im Sinne der Denkmalpflege wie auch der Umweltvertr\u00e4glichkeit gerecht wird. <\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist es, Empfehlungen aus Sicht der Konservierung-Restaurierung f\u00fcr die Anwendung von bestehenden Graffiti-Schutz-Systemen auf beschichteten und unbeschichteten Metalloberfl\u00e4chen geben zu k\u00f6nnen. Ma\u00dfnahmen der Aufbringung von Schutzschichten werden niemals Schmierereien verhindern, doch sollten diese m\u00f6glichst objektschonend im Sinne des Denkmalschutzes zu entfernen sein, um Objekte, Menschen und Umwelt zu schonen. F\u00fcr Objekte aus unbeschichteten Metallen bedeutet dies, dass Eloxierungen, Patinierungen, passivierende Korrosionen etc. nach der Entfernung von Graffiti erhalten bleiben sollten. Abrasive Methoden sind deshalb kritisch zu pr\u00fcfen, aggressive L\u00f6semittel k\u00f6nnen Korrosionen verursachen und sind zu hinterfragen. Bei beschichteten Metallobjekten ist die Herausforderung, einen Schutz\u00fcberzug aufzubringen, der sich mit dem vorhandenen Farbschichtpaket langfristig vertr\u00e4gt und die den optischen Gesamteindruck nicht verf\u00e4lscht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>Das Projekt AGaMe wurde als eine Kombination aus Labor- und Feldforschung konzipiert und in drei Projektphasen unterteilt: Die Anfangsphase umfasste zun\u00e4chst eine intensive Literaturrecherche. Ferner fand eine Auswahl verschiedener Fallbeispiele in Form von Kunstwerken im \u00f6ffentlichen Raum\/Kunst am Bau und Architekturoberfl\u00e4chen aus dem Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Kooperationspartner*innen statt. Dies bildete die Grundlage daf\u00fcr, Vereinbarungen mit den Eigent\u00fcmer*innen sowie den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden zu treffen, die technologische Untersuchung der Fallbeispiele durchzuf\u00fchren und ein Pr\u00fcfszenario zu entwerfen. Parallel wurde in einer zweiten Phase eine digitale Umfrage f\u00fcr den Fachkolleg*innenkreis aufgesetzt, um herauszufinden, wie h\u00e4ufig bereits mit Anti-Graffiti-Schutz in der konservatorisch-restauratorischen Praxis gearbeitet wird und welche Produkte dabei Anwendung finden.<\/p>\n<p>In der dritten Phase, bei der es sich um die zeitlich aufw\u00e4ndigste handelte, wurden die Materialien und Gr\u00f6\u00dfen der Probeplatten (Substrate) f\u00fcr die Au\u00dfenbewitterung festgelegt, die Mockups hergestellt und das gesamte Vorgehen dokumentiert. Anschlie\u00dfend wurden die Pr\u00fcfk\u00f6rper auf einem Gestell unter freiem Himmel montiert und nach f\u00fcnf Monaten mit verschiedenen Graffiti-Medien versehen. Nach weiteren sechs Monaten wurden die Platten demontiert und die Reinigungstests vorgenommen. Ein besonderes Augenmerk wurde dabei auf umweltfreundliche Abnahmemethoden und -materialien gelegt. So wurde auch erstmalig das Weichpartikelstrahlen auf seine Anwendung auf (un-)beschichteten Metallen zur Graffiti-Abnahme getestet. Mit einer Gesamtbewertung der Reinigungsleistungen und -dokumentation sowie den Empfehlungen f\u00fcr die praktische Arbeit schlie\u00dft die dritte Phase ab.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Nach Ablauf der gesamten knapp einj\u00e4hrigen Bewitterungszeit im Freien zeigte sich ein sehr inhomoge-nes Bild der 40 Testplatten. Alle AGS-Materialien ver\u00e4nderten das Erscheinungsbild der verschiedenen Substrate in Bezug auf die Farbtiefe, indem sie etwas dunkler\/heller wurden und\/oder die Oberfl\u00e4chen-textur rauer\/glatter wurde. Diese Ver\u00e4nderungen nahmen w\u00e4hrend der gesamten Bewitterungszeit zu. Ferner zeigte sich eindeutig, dass das Entfernen von Graffiti von einer Schutzschicht stets einfacher ist als das Entfernen von Graffiti direkt von der Oberfl\u00e4che der Substrate. Auf den Substraten ganz ohne Schutzschicht (oAGS) wurden die besten Reinigungsergebnisse mit R3 (G1, G3), R2 (G1, G2, G4) und R1 (G1, G4) erzielt. <\/p>\n<p>Ergebnisse, bezogen auf die Substrate<br \/>\nBei S1 und S3 konnte beobachtet werden, dass Graffiti-Materialien, insbesondere G3, sehr schnell in den Untergrund eindrangen. Dies deutet darauf hin, dass eine Schutz-schicht f\u00fcr diese Oberfl\u00e4chen sinnvoll ist. Die blanken Metalle S2 und S4 wiesen eine sehr glatte Oberfl\u00e4che auf, was den Auftrag der AGS-Produkte erschwerte, insbesondere wenn mehr als eine Schicht erforderlich war. Vor allem die Haftung von AGS5, AGS6 und AGS7 stellte hier eine Herausforderung dar. Die Oberfl\u00e4chen wurden durch die Schutz-schichten etwas rauer, blieben aber glatt genug, um Graffiti leichter entfernen zu k\u00f6n-nen. S5 war sowohl hinsichtlich der Schutzschicht als auch der Reinigung das schwierigste Substrat. Alle AGS-Materialien ver\u00e4nderten die Oberfl\u00e4che in extremer Weise und in vielerlei Hinsicht, beispiels-weise durch Versiegelung der Probeplatten, Ver\u00e4nderung des Farbeindrucks und chemische Reaktion mit der Oberfl\u00e4che. Alle aufgebrachten Schutzschichten beeintr\u00e4chtigten den nat\u00fcrlichen Oxidations-prozess des Substratmaterials. Die Reinigungsmethode R2 hatte die schlechtesten Auswirkungen auf das Aussehen und die Beschaffenheit von S5, da sie die nat\u00fcrliche Oxidationsschicht komplett zerst\u00f6r-te. Die besten Reinigungsergebnisse konnten auf der ungesch\u00fctzten Testplatte (oAGS) mit R3 erzielt werden. <\/p>\n<p>Ergebnisse, bezogen auf den AGS<br \/>\nDie Probeplatten mit den Wachsanstrichen (AGS2 und AGS4a + b) zeigten die besten Reinigungsergebnisse (R1 und R2) f\u00fcr die meisten Graffiti-Medien, w\u00e4hrend das Poly-saccharid (AGS1) keine besonders gute Leistung erbrachte. Mit R1 wurden auf AGS3 gute Reinigungsergebnisse erzielt. AGS5 ver\u00e4nderte das Aussehen der Oberfl\u00e4che hin zu einer Verdunklung, AGS6 ver\u00e4nderte das Aussehen aller Untergr\u00fcnde durch Bildung einer milchigen Schicht. Au\u00dferdem haben die Reinigungstests an allen dauerhaften Schutzschichten (AGS5, AGS6, AGS7) deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Empfehlungen des Herstellers zu befolgen, d. h. die bereitgestellten Spezialreinigungsmittel (R4) zu verwenden. Diese erwiesen sich als die effektivste Reinigungsmethode. <\/p>\n<p>Ergebnisse, bezogen auf die Graffiti-Medien<br \/>\nG1 und G2 konnten mit R1 und R2 gr\u00f6\u00dftenteils gut von den verschiedenen Oberfl\u00e4chen entfernt werden. Bei der Reinigung von G2 mit R3 entstanden h\u00e4ufig verschmierte Oberfl\u00e4chen. R3 und R4 erwiesen sich als die besten Methoden, um G3 von Oberfl\u00e4chen zu entfernen, auch wenn dort in der Regel ein Schatten zur\u00fcckblieb. In allen F\u00e4llen war eine mechanische Einwirkung (z. B. Druck) erforderlich, um die Wachsstifte (G4) zu entfernen.<\/p>\n<p>Ergebnisse, bezogen auf die Reinigungsmethode<br \/>\nIn den Tests funktionierte R1 mehr oder weniger gut, erforderte jedoch h\u00f6here Temperaturen, um gute Reinigungsergebnisse zu erzielen. Trockeneisstrahlen (R2) ist eine in der Anwendung recht teure und k\u00f6rperlich anstrengende Methode, funktionierte jedoch gut bei den tempor\u00e4ren AGS-Produkten. R3 erwies sich als eine angemessene Reinigungsmethode f\u00fcr alle getesteten Graffiti-Medien und die meisten AGS-Materialien, w\u00e4hrend sich R4 als die richtige Wahl f\u00fcr permanente AGS erwies. Es ist zudem wichtig zu erw\u00e4hnen, dass keines der getesteten AGS-Systeme auf den pr\u00e4parierten Substraten exakt so funktionierte, wie in den Produktdatenbl\u00e4ttern angegeben, und insbesondere, dass die AGS-Materialien nicht f\u00fcr alle vier gepr\u00fcften Arten von Graffiti den gleichen Schutz boten.<\/p>\n<p>Ergebnisse, bezogen auf Mensch und Umwelt<br \/>\nAus konservatorischer Sicht ist die Beurteilung der Reversibilit\u00e4t der verwendeten Materialien ein entscheidender Punkt. Tempor\u00e4re AGS lassen sich in der Regel leichter entfernen, w\u00e4hrend permanente Produkte weniger leicht zu entfernen sind. Die Bedeutung der Reversibilit\u00e4t bei der Erw\u00e4gung solcher Behandlungen kann jedoch von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Manchmal kann es nachhaltiger sein, sich f\u00fcr einen dauerhaften Schutz zu entscheiden, da das Substrat gesch\u00fctzt werden kann, indem es weniger h\u00e4ufig vollst\u00e4ndig entfernt wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Posterpr\u00e4sentationen und Vortr\u00e4ge:<\/p>\n<p>Posterpr\u00e4sentation des Forschungsprojekts am Rundgang 2023, 21. \u2013 23.07.2023, ABK Stuttgart.<\/p>\n<p>Vorstellung des Forschungsprojekts am Festkolloquium Freude &#038; Vielfalt: Aus der Arbeit von Objektrestaurator*innen anl\u00e4sslich des zehnj\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des F\u00f6rdervereins Objektrestaurierung, 26.10.2023, ABK Stuttgart; Vortragstitel: Metal Matters \u2013 Graffitischutz f\u00fcr Metalle im Au\u00dfenbereich (https:\/\/foerdervereinobjektrestaurierung.de\/aktuelles\/).<\/p>\n<p>Posterpr\u00e4sentation und Kurzvortrag: Materials Matter. Cold and Current Cases in the Conservation of the Modern, 08. \u2013 10.11.2023, Die Neue Sammlung \u2013 The Design Museum Munich; Postertitel: Project AGaMe \u2013 Anti-graffiti protection of metal surfaces in outdoor areas (https:\/\/futuretalks.iventic.com\/Media\/2\/230616_PROGRAM_080623.pdf).<\/p>\n<p>Vortrag an der Tagung Dauerhaftigkeit, Denkmalpflege und Diskurse \u2013 Schutz\u00fcberz\u00fcge von Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich, 14. \u2013 15.03.2024, ABK Stuttgart und Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Baden-W\u00fcrttemberg; Vortragstitel: Kunst als Verwaltungsfrage? Feldnotizen aus dem \u00f6ffentlichen Raum zum Umgang mit Kunstwerken und ihren Zust\u00e4ndigkeiten.<\/p>\n<p>Vorstellung des Forschungsprojekts 05.06.2024 im Institut f\u00fcr Konservierungswissenschaften der ABK Stuttgart, 50.06.2024; Vortragstitel: AGaMe \u2013 AntiGraffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich.<\/p>\n<p>Posterpr\u00e4senation und Kurzvortrag: From failure to success: innovative case studies in the conservation of the modern, 05. \u2013 07.11.2025, Die Neue Sammlung \u2013 The Design Museum Munich; Postertitel: \u201eBorn to fail? \u2013 Challenges in innovative protection treatments for metal surfaces in public art and cultural heritage \u201c<br \/>\n(https:\/\/www.die-neue-sammlung.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/FUTURE-TALKS-025_PROGRAM_11.11.2025.pdf).<\/p>\n<p>Jahresberichte ABK:<\/p>\n<p>Jahresbericht 2022\/2023 der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste Stuttgart, Forschungsprojekte, AGaMe \u2013 Anti-Graffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich \u2013 eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung S. 4<br \/>\nhttps:\/\/www.abk-stuttgart.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/abk_Jahresbericht_2022-23.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2026).<\/p>\n<p>Akademischer Jahresbericht 2023\/2024 der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste Stuttgart, Forschungsprojekte, AGaMe \u2013 Anti-Graffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich \u2013 eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung S. 57<br \/>\nhttps:\/\/www.abk-stuttgart.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/abk_Jahresbericht_2023-24.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2026).<\/p>\n<p>Jahresbericht. Identifikation und Sichtbarkeit 2024\/2025 der Staatlichen Akademie der Bildenden K\u00fcnste Stuttgart, Forschungsprojekte, AGaMe \u2013 Anti-Graffiti-Schutz auf (un-)beschichteten Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich \u2013 eine Untersuchung aus Sicht der Konservierung-Restaurierung S. 54<br \/>\nhttps:\/\/www.abk-stuttgart.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/abk_Jahresbericht_2024_2025.pdf (letzter Zugriff am 15.01.2026).<\/p>\n<p>Publikationen:<\/p>\n<p>Funck, Andrea, Denise Madsack (2027): Born to fail? \u2013 Challenges in innovative protection treatments for metal surfaces in public art and cultural heritage, In: Bechthold, Tim (Hsg): Future Talks 0025. From failure to success: innovative case studies in the conservation of the modern, M\u00fcnchen (im Druck).<\/p>\n<p>Brosch\u00fcre in Print- und Digitalversion f\u00fcr Restaurator*innen, \u00c4mter und Beh\u00f6rden zum Thema Entscheidung, Auswahl und Auftrag von Anti-Graffiti-Schutz-Schichten auf Metallobjekten im Au\u00dfenbereich sowie den m\u00f6glichen Reinigungsmethoden (in Arbeit).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Testreihe zeigen, wie schwierig die Entscheidungsfindung beim Schutz und der Reinigung von Metalloberfl\u00e4chen im Au\u00dfenbereich bzgl. Graffiti sein kann. Vorab sollten in jedem Fall eine eingehende Begutachtung, eine technische Pr\u00fcfung und eine Standortanalyse des Objekts erfolgen, um Materialien, die Notwendigkeit der Reversibilit\u00e4t sowie M\u00f6glichkeiten des Umwelt- und Gesundheitsschutzes bei den zu ergreifenden Ma\u00dfnahmen zu ber\u00fccksichtigen. Ferner hat das Projekt gezeigt, dass es unabdingbar ist, im Vorfeld Zeit und Ressourcen f\u00fcr die Kl\u00e4rung von Eigentums-, Besitz- und Zust\u00e4ndigkeitsverh\u00e4ltnissen miteinzuplanen. <\/p>\n<p>Argumente f\u00fcr und wider das Aufbringen von Anti-Graffiti-Schutzschichten auf Kunst- und Bauwerke aus Metall sollten vorher sorgf\u00e4ltig abgewogen werden. F\u00fcr den Auftrag einer Schutzschicht spricht, die meist einfachere Entfernung von Graffiti, die Minderung der durch Graffiti verursachten Sch\u00e4den, der dadurch gesicherte Erhalt von Werten und das Einsparen potenzieller Kosten f\u00fcr aufwendige, allumfassende Instandsetzungsma\u00dfnahmen. Durch die schnellere Entfernung von Graffiti-Tags kann au\u00dferdem erfahrungsgem\u00e4\u00df eine abschreckende Wirkung erzielt werden (entgegen \u201eein Graffiti provoziert mehr Graffiti\u201c), w\u00e4hrend h\u00e4ufiges Neulackieren oder die Verwendung umwelt- und gesundheitssch\u00e4dlicher Mittel zur Entfernung von Graffiti vermieden werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Andererseits ist aber auch in die \u00dcberlegungen miteinzubeziehen, dass materielle und optische Ver\u00e4nderungen am Substrat auftreten k\u00f6nnen, sowie die Anfangsinvestition hoch ist. Alle AGS-Materialien haben eine begrenzte Haltbarkeit und erfordern in jedem Fall eine kontinuierliche Pflege. Trotz der grunds\u00e4tzlich bestehenden Funktionalit\u00e4t dieser Schichten kann keine 100%-ige Garantie gegeben werden, dass einige Graffiti-Medien trotz der Schutzbeschichtung keine Sch\u00e4den am Substrat verursachen. Permanente AGS-Produkte enthalten \u00fcberdies in der Regel umweltsch\u00e4dliche Substanzen, was die Entsorgung im Falle einer vollst\u00e4ndigen Neubefassung eines Objekts nach der empfohlenen Lebensdauer erschwert. Dar\u00fcber hinaus muss der Einsatz permanenter AGS-Materialien aus konservatorischer Sicht gut abgewogen werden, da diese Produkte nicht reversibel sind. <\/p>\n<p>Um eine langfristige Instandhaltung der Objekte im \u00f6ffentlichen Raum zu gew\u00e4hrleisten, ist es \u2013 wie eingangs erw\u00e4hnt \u2013 wichtig, die Zust\u00e4ndigkeiten im Voraus zu kl\u00e4ren oder gegebenenfalls festzulegen: Wer k\u00fcmmert sich k\u00fcnftig um die Instandhaltung, wer \u00fcberpr\u00fcft das Objekt regelm\u00e4\u00dfig, wer entfernt die Graffiti, und wer bewertet von Zeit zu Zeit den Zustand der Schutzbeschichtung? Der Wissenstransfer dar\u00fcber, welches AGS-Produkt f\u00fcr die Schutzschicht verwendet wurde und welche Reinigungsmethode darauf anzuwenden ist, muss unbedingt gew\u00e4hrleistet sein. Dies erwies sich als der entscheidendsten Hinweise im gesamten Erhaltungsprozess. Dieser Aspekt unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, die Behandlung mit allen verwendeten Materialien und Techniken ad\u00e4quat zu dokumentieren und einen kontinuierlichen Informationsfluss zu gew\u00e4hrleisten. <\/p>\n<p>Kriterien f\u00fcr die Auswahl bestimmter AGS-Produkte k\u00f6nnten folgende sein: Umweltfreundlichkeit, Anwenderfreundlichkeit, Kosten, keine\/geringe Ver\u00e4nderung des Untergrunds, gute Reinigungsleistung und ausreichende Witterungsbest\u00e4ndigkeit. Mit der Wahl tempor\u00e4rer AGS-Typen akzeptiert man h\u00e4ufig eine geringere Witterungsbest\u00e4ndigkeit und einen erh\u00f6hten Wartungsaufwand. (Semi-)Permanente AGS-Typen hingegen bedeuten meist eine geringere Reversibilit\u00e4t, eine geringere Wasserdampfdurchl\u00e4ssigkeit und gr\u00f6\u00dfere optische Ver\u00e4nderungen der Untergr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Forschungsprojekts AGaMe zeigen, dass das Interesse an dem Thema und der Wunsch nach (einfachen) L\u00f6sungen im Feld sehr gro\u00df ist. Doch im Laufe des Projekts konnte herausgearbeitet werden, dass der Schutz von Metalloberfl\u00e4chen vor Graffiti nur durch einen ganzheitlichen, nachhaltigen und interdisziplin\u00e4ren Ansatz gew\u00e4hrleistet werden kann. Das macht es schwierig, an dieser Stelle konkrete Empfehlungen f\u00fcr Produkte oder singul\u00e4re, f\u00fcr alle Graffiti-Medien geeignete Reinigungsmethoden auszusprechen. <\/p>\n<p>Positiv zu bewerten ist die Erkenntnis, dass mit einer der restauratorischen Praxis entstammenden Methode, vorhandene Graffiti-Medien auf ihre L\u00f6semittelempfindlichkeit hin vorsichtig zu testen und diese dann individuell mit Hilfe von Kompressen zu entfernen, mitunter die besten Ergebnisse zeigte. Eine erfolgreiche Erhaltungsstrategie ber\u00fccksichtigt den Zustand des Untergrunds, die Verarbeitung und die Haftungsparameter. Ferner m\u00fcssen, Anstriche auf Metallen \u2013 die diese ja auch sch\u00fctzen \u2013 beim Eintrag von L\u00f6semitteln in die Methoden zur Abnahme der Graffiti einbezogen werden. Neben diesen materiellen \u00dcberlegungen sind auch die detaillierte Dokumentation solcher Ma\u00dfnahmen in Wort und Bild und die laufende Pflege der Objekte \u00e4u\u00dferst wichtig. Monitoringvertr\u00e4ge sind deshalb unumg\u00e4nglich. Es wird hier erst recht deutlich, dass solche Ma\u00dfnahmen an Kunst- und Bauwerken nur entsprechend ausgebildetem, konservatorischem Fachpersonal anvertraut werden kann. <\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt AGaMe hat erste Erkenntnisse zum Schutz von (un-)beschichteten Metalloberfl\u00e4chen durch \u00dcberz\u00fcge und die anschlie\u00dfende Reinigung geliefert. Weitere Forschungen von der Breite in die Tiefe auf einer materiellen Ebene w\u00e4ren nun sehr w\u00fcnschenswert. Bei den AGS-Typen, die sich in den Tests als vielversprechend herausgestellt haben, k\u00f6nnten bspw. weitere Produkte anderer Hersteller getestet werden. Auch die Reinigungsmethoden selbst k\u00f6nnten weiter modifiziert werden, z. B. k\u00f6nnte mit h\u00f6heren (Dampf) oder niedrigeren (Eisspray) Temperaturen gearbeitet werden. Auch in der Anwendung von weiteren Kompressenarten, einer Erh\u00f6hung der Einwirkzeiten mittels Folienabdeckungen oder dem Einsatz von Gelen oder Mikroorganismen besteht noch weiterer Forschungsbedarf. <\/p>\n<p>Die chemischen und physikalischen Wechselwirkungen zwischen der Schutzschicht und der Substratoberfl\u00e4che sollten zudem in einem n\u00e4chsten Schritt eingehender untersucht werden. So mussten Fragen zur tats\u00e4chlichen makromolekularen Verbindung von Schutzanstrichen mit den darunter liegenden Lackschichten sowie die Auswirkung von L\u00f6semitteln im Gef\u00fcge in diesem Projekt unbeantwortet bleiben.<\/p>\n<p>W\u00fcnschenswert w\u00e4re zudem, Testfl\u00e4chen mit geeigneten AGS-Materialien an den untersuchten Fallbeispielen anzulegen, um damit die Ergebnisse aus dem Projekt mit der Umsetzung in der Praxis besser bewerten zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte das (sanfte) Partikelstrahlen zur Entfernung von Graffiti intensiver getestet werden. Erste Tests haben gezeigt, dass Kork ein vielversprechendes Strahlmittel sein k\u00f6nnte. Auch die Frage nach Green Solvents als umweltfreundliche Weiterentwicklung sollte im Weiteren beantwortet werden. <\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich w\u00e4re es sinnvoll, restaurierungsethisch zu diskutieren, ob die Reversibilit\u00e4t der Schutzanstriche vor der Langlebigkeit der permanenten Anstriche steht. Hier w\u00e4ren weitere Untersuchungen in Richtung semipermanente Kombinationsanstriche (permanent + reversible Opferschicht) denkbar. <\/p>\n<p>Dass der Schutz vor Graffiti auch auf (un-)beschichteten Metalloberfl\u00e4chen ein wesentlicher Bestandteil der Denkmalpflege und des Kulturguterhalts von Kunst- und Bauwerken im \u00f6ffentlichen Raum ist, soll dieses Projekt verdeutlichten. Wir hoffen, dass wir die f\u00fcr diese Objekte Verantwortlichen f\u00fcr dieses wichtige Thema sensibilisieren konnten und das Thema weiterf\u00fchrend eine tiefergehende Betrachtung in allen beteiligten (Fach-)Welten erh\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Restaurator*innen besch\u00e4ftigen sich mit dem Erhalt von Kunst und Kulturgut, das sich sowohl in Museen oder Archiven befinden kann wie auch als Kunstwerk oder Denkmal im \u00f6ffentlichen Raum. Letztgenannte sind in besonderem Ma\u00dfe einem Schadensbild ausgesetzt, der Besch\u00e4digung durch Graffiti. 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