{"id":27858,"date":"2025-04-10T10:34:01","date_gmt":"2025-04-10T08:34:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37686-01\/"},"modified":"2025-04-10T10:34:02","modified_gmt":"2025-04-10T08:34:02","slug":"37686-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37686-01\/","title":{"rendered":"ECO-Shoring: Effektive \u00f6kologische Umweltentlastung durch Nearshoring, Made-to-Measure- und On-Demand Produktion in regionalen Netzwerken"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die globale Modeindustrie verursachte im Jahr 2018 rund 2,1 Milliarden Tonnen Treibhausgasemissionen. Dies entspricht rund 4% der weltweiten und den THG-Emissionen aus Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten K\u00f6nigreich zusammen. 82% davon entfallen auf Bekleidung. Ohne weitere zuk\u00fcnftige Ma\u00dfnahmen steigt die Treibhausgasemission der Modeindustrie bis 2030 auf voraussichtlich 2,7 Milliarden Tonnen j\u00e4hrlich. Zur Erreichung der angestrebten Klimaerw\u00e4rmung von maximal 1,5 Grad sind die THG-Emissionen bis 2030 auf maximal 1,1 Milliarden Tonnen zu reduzieren, also in etwa 50% der heutigen Emissionen. <\/p>\n<p>Dazu ist ein radikales Umdenken von \u0084Fast Fashion\u0093 hin zu nachhaltiger Produktion in der Bekleidungsbranche notwendig:  Virtualisierung und digitale Abmusterung, On-Demand Technologien, die Nearshoring erm\u00f6glichen, sowie der direkte Einbezug des Konsumenten in die Wertsch\u00f6pfungskette sind die dr\u00e4ngenden Herausforderungen f\u00fcr eine nachhaltige Bekleidungsindustrie durch die R\u00fcckverlagerung der Produktion. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAn dem oben geschilderten Potenzial zur Reduktion der Umweltbelastung setzt das vorliegende Projekt ECOShoring an. Ziel von ECO-Shoring ist eine effektive \u00f6kologische Umweltentlastung durch Nearshoring, Madeto-Measure und Musterteilefertigung in regionalen Produktions-Netzwerken. Zu diesem Zweck wurden die folgenden nachhaltigkeitsorientierten Kernziele untersucht und umgesetzt, wobei die effektive Verringerung des Ressourcenverbrauchs im Vordergrund stand. <\/p>\n<p>Die DITF besch\u00e4ftigten sich mit der \u00d6kobilanzierung und Quantifizierung der Umweltentlastung im Gesamtprozess des Nearshorings und der On-Demand-Produktion durch Reduktion von Bekleidungsm\u00fcll, Material, Energie und Produktionsressourcen in regional vernetzten Wertsch\u00f6pfungsketten. Hierf\u00fcr wurden MFCA-Modelle f\u00fcr die Bekleidungsproduktionsstufen inkl. Faser-Recycling entwickelt und parametrisiert. Anhand der MFCA-Modelle der Gesamtproduktion wurden Szenarien von regionaler Produktion und FastFashion gegen\u00fcbergestellt. <\/p>\n<p>Assyst entwickelte neue, digital integrierte und durchg\u00e4ngige Produktentwicklungsprozesse f\u00fcr Made-toMeasure im On-Demand-Business vom Endkunden bis zur Produktion. Die Arbeitsschritte hierzu umfassten den Ausbau der Basistechnologien f\u00fcr die 3D-Bekleidungssimulation und Visualisierung f\u00fcr 3D On-DemandAnwendungen,  die servicebasierte Automatisierung einzelner hierf\u00fcr erforderlichen Softwarekomponenten sowie deren Anwendung und Validierung f\u00fcr eine Auswahl von MtM-Beispielprodukten. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Ergebnistransfer in die Industrie wurde eine Integration der digitalen Prozess-Komponenten f\u00fcr \u00d6kobilanzierung und MtM-Produktentwicklung in eine Demonstrator-Plattform realisiert. Diese erlaubt die Erforschung m\u00f6glicher Szenarien und Technologien f\u00fcr eine \u00f6kologisch und \u00f6konomisch nachhaltige R\u00fcckverlagerung. <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Schwerpunkte des Projektes lagen auf einer \u00f6kologischen Entlastung durch nachhaltige Produktionsmethoden im Nearshoring und der Entwicklung von Technologien zur Realisierung von kundenindividuellen Produkten. Dies beinhaltete die umfassende \u00d6kobilanzierung von Bekleidungsproduktionsstufen zur Quantifizierung der Umweltentlastung von On-Demand- und Nearshoring-Ans\u00e4tzen. Des Weiteren wurde ein Web-basiertes MtM-Framework inkl. Variantenmanagement entwickelt, das eine voll automatisierte Schnittanpassung, Simulation und Visualisierung von individualisierten Produkten anhand von Kunden-K\u00f6rperma\u00dfen und Avataren erlaubt. F\u00fcr die MtM-Anpassung wurde ein Service und eine WebSchnittstelle zur Erzeugung von K\u00f6rperma\u00df- und verschl\u00fcsselten Avatar-Daten geschaffen und ein Front-end f\u00fcr die Kundeninteraktion implementiert. <\/p>\n<p>Im Projekt wurden verschiedene Produktionsszenarien von ECO-Shoring und On-Demand-Produktion im Vergleich zur Fast-Fashion analysiert, um deren Umweltpotenzial zu bewerten und Impulse zur Kreislaufwirtschaft zu geben. Es wurden vorkonfigurierte MFCA-Modelle f\u00fcr alle relevanten Produktionsschritte entwickelt, mit denen spezifische Produkte hinsichtlich Strommix, Nutzeffekten und Abfallanteilen detailliert bewertet werden k\u00f6nnen. Recyclingfasern, insbesondere in der Spinnerei, spielen eine zentrale Rolle, weisen aber teils erhebliche Varianzen in den CO2-Werten auf. Das Modell zeigt Einsparpotenziale von bis zu 98 % im Vergleich zu Fast-Fashion, vor allem durch k\u00fcrzere Transportwege und h\u00f6here Tragezyklen. Bei 10 % ECOShoring-Produktion f\u00fcr den deutschen Markt k\u00f6nnten j\u00e4hrlich 2,1 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden. Trotz h\u00f6herer Lohn- und Energiekosten in Europa bieten ECO-Shoring-Strategien durch geringere \u00dcberh\u00e4nge, reduzierte Abfallraten und k\u00fcrzere Transportwege sowohl \u00f6konomische als auch \u00f6kologische Vorteile. Die entwickelten MFCA-Modelle unterst\u00fctzen zudem die finanzielle Planung von Produktionsprozessen. <\/p>\n<p>Die beiden Schwerpunktthemen \u00d6kobilanzierung und Made-to-Measure-Produktanpassung wurden in Demonstratoren \u00fcberf\u00fchrt und erlauben den Transfer der Themen in die Industrie. Hierbei werden Anreize zur Produktifizierung der erarbeiteten L\u00f6sungen gegeben und Potenziale zur L\u00f6sung firmenspezifischer Problemstellungen erschlossen. Gleichzeitig wird die Demonstratorumgebung der DITF f\u00fcr Workshops und Veranstaltungen genutzt. <\/p>\n<p>Als gr\u00f6\u00dfte Herausforderungen f\u00fcr die erfolgreiche Integration der \u00d6kobilanzierung stellt sich die Komplexit\u00e4t der Prozess- und Lieferketten dar. Die Datenbeschaffung und -kommunikation in den international angelegten Strukturen gestaltet sich oft wegen mangelnder Standardisierung und Digitalisierung als sehr aufw\u00e4ndig. Die R\u00fcckbesinnung auf regionale Produktionsstrukturen und Fokussierung auf digital durchg\u00e4ngige Prozesse sind wesentliche Faktoren zur L\u00f6sung dieser Probleme. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt, seine Ziele und Angebote wurden bei vielen Gelegenheiten dem Fachpublikum und der breiten \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. Hierf\u00fcr wurden Fachvortr\u00e4ge, Laborf\u00fchrungen und Workshops vom Projektteam organisiert und durchgef\u00fchrt. Zus\u00e4tzlich zu den Projekt-Pr\u00e4sentationen wurde w\u00e4hrend der gesamten Projektlaufzeit mehrfach \u00fcber Pressemeldungen und Social-Media auf das Projekt ECO-Shoring hingewiesen. <\/p>\n<p>Zum Projektende wurde das Projekt \u00fcber 11 Tage auf der Drupa 2024 in D\u00fcsseldorf im Rahmen des &#8220;Touchpoint Textile&#8221; pr\u00e4sentiert. Durch Vortr\u00e4ge, Live-Vorf\u00fchrungen und F\u00fchrungen wurde das Publikum \u00fcber das Made-to-Measure-Framework zur On-Demand-Produktentwicklung und die \u00d6kobilanzierung der Produktionsprozesse informiert. Auf dem Assyst-Stand wurde das Made-to-Measure-Framework live demonstriert, w\u00e4hrend in der Digital Textile Micro Factory eine On-Demand-Produktion individualisierter Produkte gezeigt wurde. Am Beispiel der Produktion eines DBU-Shirts wurden die Vorteile des ECO-Shoring-Ansatzes aufgezeigt. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Projektziele, die Entwicklung von umweltfreundlichen und digital integrierten Produktionsprozessen f\u00fcr Nearshoring und On-Demand-Fertigung vom Kunden bis zur Produktion, sowie deren \u00d6kobilanzierung und Quantifizierung, wurden erreicht.  <\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass durch die Anwendung von ECO-Shoring-Strategien der CO2-Fu\u00dfabdruck von Bekleidung um bis zu 98 % gesenkt werden kann, insbesondere durch den Einsatz von \u00d6kostrom, die Reduzierung von \u00dcberproduktion und die Verl\u00e4ngerung der Nutzungsdauer von Kleidung. Die entwickelten Modelle zur Bewertung von Produktions- und Recyclingprozessen erm\u00f6glichen eine detaillierte Analyse, um \u00f6kologische und \u00f6konomische Optimierungen vorzunehmen. F\u00fcr den Transfer der Projektergebnisse in die Industrie stehen die beiden Demonstratoren, \u00d6kobilanzierung und Made-to-Measure Produktentwicklung, zur Verf\u00fcgung. Die Integration der entwickelten Technologien und Modelle in die Praxis der Mode-Industrie ist der Schl\u00fcssel zur Umweltentlastung mittels ECO-Shoring-Strategien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die globale Modeindustrie verursachte im Jahr 2018 rund 2,1 Milliarden Tonnen Treibhausgasemissionen. Dies entspricht rund 4% der weltweiten und den THG-Emissionen aus Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten K\u00f6nigreich zusammen. 82% davon entfallen auf Bekleidung. 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