{"id":27786,"date":"2024-11-27T10:50:52","date_gmt":"2024-11-27T09:50:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38024-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:50:52","modified_gmt":"2024-11-27T09:50:52","slug":"38024-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/38024-01\/","title":{"rendered":"Klimaneutralit\u00e4t im Gesundheitssektor &#8211; Fallstudiengest\u00fctzte Carbon Footprint Bewertung nach GHG Protocol und Potenzialanalyse von Klimaschutzma\u00dfnahmen im Klinikbetrieb."},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Gesundheitssektor tr\u00e4gt mit rund 5% zum nationalen CO2-Fu\u00dfabdruck bei. Auf Klinikebene wurden Treibhausgas-Emissionen (THG) jedoch kaum berechnet, frei verf\u00fcgbare Protokolle zur Berechnung existieren nicht. Fokus der Emissionen sind die indirekten Emissionen im Bereich der Lieferketten, wo jedoch kaum produkt-\/prozessbasierte Emissionsrechnungen auf Detailebene vorhanden sind.<br \/>\nMit dem Forschungsprojekt CAFOGES greifen wir den Bedarf nach einem frei verf\u00fcgbaren und einfach anwendbaren Instrument auf, welches einerseits auf Kliniken zugeschnitten ist und andererseits eine ganzheitliche Berechnung der THG-Emissionen erm\u00f6glicht. Methodische Grundlage ist das Greenhouse Gas Protocol. Zudem wurden im Projekt CAFOGES die THG-Emissionen des Universit\u00e4tsklinikum Freiburg f\u00fcr 2019 berechnet, um genaue Kenntnisse \u00fcber die Emissionsverteilung im Klinikbetrieb zu generieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArbeitspakete (AP) und Meilensteine (M):<br \/>\nAP 1: Vernetzung und Austausch \t\t\tM1 (Kick-off Meeting mit Vernetzungspartner*innen)<br \/>\nAP 2: Daten- und Kennzahlerhebung<br \/>\nAP 3: Konsistenzpr\u00fcfung, Konsolidierung \t\tM2 (Datenerhebung abgeschlossen)<br \/>\nAP 4: Modellierung, Berechnung der THG-Bilanz \t\tM3 (THG-Bilanz im Entwurf vorliegend)<br \/>\nAP 5: Reporting und Dissemination \t\t\tM4 (Ergebnispr\u00e4sentation)<br \/>\nAP 6: Projektmanagement, Interne Meetings<br \/>\nDie AP 1 und 6 fanden fortlaufend \u00fcber die Projektlaufzeit statt. Die AP 2-4 wurden Ende Q4\/22 abgeschlossen. Das AP 5 wurde von Q1-2\/2023 durchgef\u00fchrt und abgeschlossen.<\/p>\n<p>Methoden:<br \/>\nRahmenwerk f\u00fcr die CO2-Bilanz bildet das Greenhouse Gas Protocol (GHGP), welches die Emissionen in drei Bereiche (\u0084Scopes\u0093) unterteilt:<br \/>\n\u0095 Scope 1: direkte THG-Emissionen aus Quellen im Einflussbereich einer Organisation (z.B. durch Verbrennungsprozesse, Freisetzung von K\u00e4ltemitteln oder Lachgas).<br \/>\n\u0095 Scope 2: indirekte THG-Emissionen aus der Nutzung von extern bereitgestellten Energietr\u00e4gern (z.B. eigener Stromverbrauch, W\u00e4rme, K\u00fchlung, etc.).<br \/>\n\u0095 Scope 3: weitere indirekte THG-Emissionen durch vor- und nachgelagerte Prozesse au\u00dferhalb des Unternehmens (z.B. Lieferkette, Dienstleistungen, Transporte und Mobilit\u00e4t) und wird in 15 Kategorien unterteilt.<br \/>\nSystemgrenze der Fallanalyse bilden s\u00e4mtliche Prozesse, welche der prim\u00e4ren Patientenversorgung zugeordnet werden konnten, dabei wurden die Bereiche Forschung &#038; Lehre, sowie externe Prozesse nicht ber\u00fccksichtigt. Nach Datenerhebung zur Erstellung einer konsolidierten Sachbilanz wurden die Verbr\u00e4uche zur THG-Quantifizierung mit spezifischen Emissionsfaktoren verkn\u00fcpft. Wir unterscheiden in prozess-\/produktbasierte Bottom-up-, und rein ausgabenbasierte Top-down-Faktoren. Letztere wurden ausschlie\u00dflich dort verwendet, wo detaillierte Berechnungen nach Bottom-up-Methodik nicht realisiert werden konnten. In Kombination beider Methoden sprechen wir von einer Hybrid-Bilanz.<br \/>\nDer CO2-Rechner wurde als Excel-Datei erstellt, konform mit MS Office 2016.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der CAFOGES-Rechner ist frei auf der Seite des \u00d6ko-Instituts verf\u00fcgbar und erlaubt Kliniken eine THG-Bilanzierung nach GHGP.<br \/>\nDie THG-Bilanz von 2019 zeigt Emissionen in H\u00f6he von 144.737 t CO2e. Davon entfallen auf den prim\u00e4ren Klinikbetrieb 104.013 t CO2e. Nicht ber\u00fccksichtigt wurde der Anteil der Emissionen des HKW, welcher der Versorgung akademischer und externer Liegenschaften zugeordnet wurde, au\u00dferhalb der Systemgrenze lag und sich auf weitere 40.725 t CO2e belief.<br \/>\nAuf den Scope 1 entfielen rund 35.526 t CO2e, Scope 2 rund 110 t CO2e und Scope 3 zwei Drittel der Emissionen, also rund 69.041 t CO2e. Es wurden 6 von 15 Kategorien des Scope 3 ber\u00fccksichtigt, zudem die Emissionen durch Patientenmobilit\u00e4t als eigenen Bereich: Medikamente, Medizinische Verbrauchsmaterialien, Lebensmittel, Einkauf (Sonstige), IT-Ger\u00e4te, Brennstoff- &#038; Energiebezogene Emissionen, Abf\u00e4lle &#038; Abw\u00e4sser, Dienstreisen, Mitarbeiter-Mobilit\u00e4t (Pendeln) und Patientenmobilit\u00e4t (boden- &#038; luftgebunden).<br \/>\nIn den Bereichen der eingekauften Medikamente und Medizinischen Verbrauchsmaterialien wurden teilweise, respektive ausschlie\u00dflich ausgabenbasierte Emissionsfaktoren verwendet, da produktbezogene CO2-Informationen kaum vorlagen. Dabei waren die zus\u00e4tzlich durchgef\u00fchrten Anfragen bei rund 50 Pharmafirmen und rund 20 weiteren Zulieferern leider erfolglos, da hier keine produktbezogenen Carbon Footprints zugestellt wurden. Der Emissionshotspot des Scope 3 liegt vor allem im Bereich der Lieferketten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Wir haben \u00fcber Projekt CAFOGES und dessen Ergebnisse auf zahlreichen Kongressen und Fortbildungen berichtet. Die Ergebnisse wurden zudem als konzertierte Pressemitteilung zwischen Uniklinik und \u00d6ko-Institut ver\u00f6ffentlicht, worauf eine rege Resonanz in der Presse folgte. Ein eigener Artikel wurde im Klinergie-Magazin 2023 der Stiftung Viamedica ver\u00f6ffentlicht. Diverse Kliniken kontaktierten uns per Mail, da sie den auf der Seite des \u00d6ko-Instituts frei verf\u00fcgbaren CO2-Rechner zur Bilanzierung nutzten.<br \/>\nEs folgte zudem eine Weiterentwicklung zu einem gemeinsamen CO2-Rechner, als Fusion beider Rechentools von CAFOGES und dem Heidelberger Projekt \u0084Klimaschutz in Kliniken durch Optimierung der Lieferketten\u0093 (KliOL). Der gemeinsame Rechner ist auf der Seite des \u0084Kompetenzzentrums f\u00fcr klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen\u0093 (KliMeG) frei verf\u00fcgbar und wird von Kliniken zur THG-Bilanzierung genutzt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt CAFOGES tr\u00e4gt durch den erstellten THG-Rechner und die THG-Bilanz des Universit\u00e4tsklinikums Freiburg dazu bei, genauere Kenntnisse \u00fcber klimarelevante Emissionen im Klinikbetrieb zu liefern. Die THG-Bilanz best\u00e4tigt den Emissionshotspot durch Lieferketten und zeigt aber auch eine hohe Relevanz der energiebedingten Emissionen. Zur Transformation sollten aus unserer Sicht neben Effienzma\u00dfnahmen in Geb\u00e4ude und Transport auch die Pharma- und Medizinbranche durch Bereitstellung von Carbon Footprints ihres Portfolios beitragen.<br \/>\nDer THG-Rechner ist frei verf\u00fcgbar und wurde noch in der Projektlaufzeit mit dem Heidelberger KliOL-Projekt zu einem gemeinsamen Tool fusioniert und bei KliMeG integriert. Kliniken nutzen die THG-Rechner bereits zur THG-Bilanzierung ihres Standorts. Regelm\u00e4\u00dfige THG-Bilanzen k\u00f6nnen damit nach einheitlicher Methodik durchgef\u00fchrt werden und Ma\u00dfnahmen zur THG-Reduktion quantifizieren. Die Open-Access Rechentools stellen aus unserer Sicht wichtigen Meilenstein dar, wobei wir eine kontinuierliche Weiterentwicklung begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Gesundheitssektor tr\u00e4gt mit rund 5% zum nationalen CO2-Fu\u00dfabdruck bei. Auf Klinikebene wurden Treibhausgas-Emissionen (THG) jedoch kaum berechnet, frei verf\u00fcgbare Protokolle zur Berechnung existieren nicht. Fokus der Emissionen sind die indirekten Emissionen im Bereich der Lieferketten, wo jedoch kaum produkt-\/prozessbasierte Emissionsrechnungen auf Detailebene vorhanden sind. 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