{"id":27783,"date":"2026-02-26T10:32:40","date_gmt":"2026-02-26T09:32:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37994-01\/"},"modified":"2026-02-26T10:32:41","modified_gmt":"2026-02-26T09:32:41","slug":"37994-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37994-01\/","title":{"rendered":"Infektionsbiologische und parasitologische Fortbildung (IPFo) und Diagnosetool f\u00fcr Parasiten und sich ausbreitende Zoonosen (paDIAG)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Ziel des Projekts war die Entwicklung eines umfassenden Diagnose-Tools (paDIAg) sowie eines begleitenden Fortbildungskurses (IFoM), um die Erkennung und Differenzierung von vektorbasierten Infektionskrankheiten, Parasitosen und Zoonosen zu verbessern. Angesichts globaler Entwicklungen wie Klimawandel und zunehmender Mobilit\u00e4t gewinnen diese Erkrankungen auch in Regionen au\u00dferhalb traditioneller Endemiegebiete an Bedeutung. Das Diagnose-Tool soll es Medizinern erm\u00f6glichen, schneller und gezielter Verdachtsdiagnosen zu stellen und so die Behandlungsqualit\u00e4t zu steigern sowie eine fr\u00fchzeitige Meldung relevanter Infektionsf\u00e4lle zu erleichtern. Erg\u00e4nzend dazu zielt der Fortbildungskurs darauf ab, die Sensibilisierung f\u00fcr diese Krankheitsbilder zu f\u00f6rdern und das Fachwissen gezielt zu erweitern. Durch die Integration in bestehende Weiterbildungsstrukturen \u2013 perspektivisch auch mit der M\u00f6glichkeit, CME-Punkte zu erwerben \u2013 sollen die diagnostische Kompetenz gest\u00e4rkt und das Bewusstsein f\u00fcr vektorassoziierte Erkrankungen nachhaltig gesch\u00e4rft werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchung zur Entwicklung adressatengerechter Fortbildungsangebote f\u00fcr Mediziner folgte einem mehrstufigen methodischen Ansatz. Zun\u00e4chst wurde eine Bedarfsanalyse durchgef\u00fchrt, um den bestehenden Bedarf an Fortbildungen im Bereich Parasitologie, Entomologie und Reservoirwirte zu ermitteln. Hierzu wurden qualitative Leitfadeninterviews mit Medizinern verschiedener Fachrichtungen und Erfahrungsstufen gef\u00fchrt. Die Interviews dauerten etwa 60 Minuten und behandelten Themen wie berufliche T\u00e4tigkeiten, bisherige Fortbildungserfahrungen und spezifisches Wissen zu den genannten Bereichen. Die Antworten wurden aus Datenschutzgr\u00fcnden nicht aufgezeichnet, sondern durch eine Protokollantin schriftlich festgehalten.<br \/>\nAuf Basis der qualitativen Interviewergebnisse wurde anschlie\u00dfend eine quantitative Online-Befragung entwickelt. Der Fragebogen enthielt geschlossene Fragen, die mithilfe einer Likert-Skala bewertet wurden. Er wurde an 45 Medizinstudierende und 40 \u00c4rzte verteilt. Die Teilnehmenden wurden \u00fcber E-Mail-Kontakte in Universit\u00e4ten, Kliniken und Arztpraxen rekrutiert. Die gesammelten Daten wurden statistisch ausgewertet, um Unterschiede zwischen den Gruppen zu analysieren.<br \/>\nParallel zur Bedarfsanalyse wurde das Diagnosetool paDIAG entwickelt und getestet. paDIAG dient der Diagnostik vektor\u00fcbertragener Infektionskrankheiten, Parasitosen und Zoonosen. Es wurde als webbasierte Anwendung realisiert, um einen einfachen und flexiblen Zugang zu erm\u00f6glichen. Die Systemarchitektur basiert auf Vue.js f\u00fcr das Frontend und Spring Boot mit MySQL f\u00fcr das Backend. Das Tool ber\u00fccksichtigt Symptome, Reisehistorien und Expositionsrisiken, um potenzielle Erreger gezielt einzugrenzen. Eine R\u00fcckkopplungsfunktion erm\u00f6glicht \u00c4rzten die Best\u00e4tigung oder Anpassung von Diagnosen, wodurch der Algorithmus kontinuierlich optimiert wird.<br \/>\nDie Ergebnisse beider Methoden dienten der Entwicklung eines modularen Fortbildungskonzepts mit unterschiedlichen Kursl\u00e4ngen, das den Bed\u00fcrfnissen verschiedener Zielgruppen gerecht wird. Dieses umfasst einen eint\u00e4gigen Grundlagenkurs, einen vertiefenden Wochenendkurs und einen umfassenden f\u00fcnft\u00e4gigen Kurs mit erweiterten diagnostischen und praktischen \u00dcbungen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>IFoM: Die Untersuchung ergab, dass sowohl Medizinstudierende als auch erfahrene Mediziner begrenzte Vorerfahrungen in den Bereichen Parasitologie, Entomologie und Reservoirwirte haben. Die qualitative Interviewphase zeigte, dass Mediziner im Berufsalltag zunehmend mit parasit\u00e4ren Erkrankungen konfrontiert sind, insbesondere im Zusammenhang mit Reiseaktivit\u00e4ten oder klimatischen Ver\u00e4nderungen. Gleichzeitig stellten die Befragten fest, dass entsprechende Fortbildungen nur eine untergeordnete Rolle spielen und das Wissen in diesen Bereichen oft l\u00fcckenhaft ist.<br \/>\nDie quantitative Befragung best\u00e4tigte diese Beobachtungen. Nur wenige Studierende gaben an, dass Parasitologie in ihrer Ausbildung umfassend behandelt wurde. Auch unter Medizinern war das Wissen \u00fcber Parasitologie, Reservoirwirte und Entomologie begrenzt. W\u00e4hrend Mediziner eine h\u00f6here praktische Erfahrung mit bestimmten Parasiten (z. B. Zecken, Bandw\u00fcrmer) hatten, war das theoretische Wissen nicht umfassend. Dies deutet darauf hin, dass eine gezielte Fortbildung in diesem Bereich notwendig ist.<br \/>\nEin weiteres wichtiges Ergebnis war die Bevorzugung flexibler Fortbildungsformate. Aufgrund der beruflichen Belastung bevorzugten viele Befragte Online-Seminare oder wohnortnahe Fortbildungen. Zudem spielten praxisnahe Inhalte, sinnvolles Begleitmaterial und offizielle Zertifizierungen eine wesentliche Rolle bei der Auswahl von Fortbildungen.<br \/>\nDie Erkenntnisse f\u00fchrten zur Entwicklung eines modularen Fortbildungsangebots. Der eint\u00e4gige Kurs vermittelt Basiswissen, w\u00e4hrend der Wochenendkurs vertiefte Einblicke und praktische \u00dcbungen bietet. Der f\u00fcnft\u00e4gige Kurs richtet sich an Fachkr\u00e4fte, die eine umfassende Schulung in Diagnostik und Probenanalyse ben\u00f6tigen. Diese Struktur ber\u00fccksichtigt die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse und zeitlichen Ressourcen der Zielgruppen und stellt sicher, dass Wissen gezielt vermittelt wird.<\/p>\n<p>paDIAG: Die Entwicklung von paDIAG (https:\/\/padiag.de) adressiert diesen Bedarf direkt. Durch die systematische Erfassung von Symptomen, Reisedaten und epidemiologischen Faktoren erm\u00f6glicht das Tool eine pr\u00e4zisere und effizientere Diagnosestellung. Besonders hervorzuheben ist die R\u00fcckkopplung mit Medizinern, durch die das System kontinuierlich lernt und seine Vorschl\u00e4ge verbessert. Die intuitive Benutzeroberfl\u00e4che und die Integration in bestehende IT-Strukturen erleichtern die Nutzung im klinischen Alltag.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchung wurden gezielt f\u00fcr verschiedene Zielgruppen aufbereitet, um die Relevanz der Fortbildungen zu verdeutlichen und eine breite Fach\u00f6ffentlichkeit zu erreichen. Ein zentraler Bestandteil der \u00d6ffentlichkeitsarbeit war die direkte Ansprache von Medizinern und Studierenden durch Vortr\u00e4ge. Diese dienten dazu, das Bewusstsein f\u00fcr die Bedeutung parasitologischer Inhalte in der medizinischen Ausbildung zu sch\u00e4rfen und eine fachliche Diskussion anzuregen. Zus\u00e4tzlich wurden Mediziner und Studierende systematisch befragt, um die Wahrnehmung von paDIAG zu erfassen und die Relevanz f\u00fcr IFoM zu bewerten. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, das Diagnosetool weiterzuentwickeln und optimal an die Bed\u00fcrfnisse der Zielgruppen anzupassen.<br \/>\nUm die entwickelten Fortbildungen und paDIAG bekannt zu machen, wurden gezielte Informationsveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Dabei wurden die Funktionalit\u00e4t des Tools und dessen Nutzen f\u00fcr den medizinischen Alltag praxisnah demonstriert. Der direkte Austausch mit den Zielgruppen erm\u00f6glichte es, offene Fragen zu kl\u00e4ren und Hemmschwellen gegen\u00fcber der Nutzung des Tools abzubauen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend wurde durch eine Kombination aus Vortr\u00e4gen, gezielter Befragung von Medizinern und Studierenden sowie direkter Informationsvermittlung eine effektive Strategie verfolgt, um die Bekanntheit von paDIAG zu steigern und die Relevanz f\u00fcr IFoM zu untermauern.<br \/>\ni. Vortrag (Klimawandel und Anstieg von Infektionskrankheiten) und Vorstellung IFoM\/ paDIAG durch Prof. Dr. Sven Klimpel im Rahmen der Veranstaltung Deutsches Netzwerk gegen vernachl\u00e4ssigte Tropenkrankheiten (DNTDs), 10.05.2023, Berlin<br \/>\nii. Vortrag (Vektoren und Reservoirwirte als Infektionskrankheits\u00fcbertr\u00e4ger) und Vorstellung von IFoM\/paDIAG durch Prof. Dr. Sven Klimpel im Rahmen der Veranstaltung Retreat des Fachberichs Biological Sciences, 27.09.2024, Bad Nauheim<br \/>\niii. Vortrag (Klimawandel und der Impact der Vektormodellierung) und Vorstellung von IFoM\/paDIAG durch Prof. Dr. Sven Klimpel im Rahmen der Veranstaltung jUNITE \u2013 Netzwerk Junge Infektionsmedizin, 11.10.2024, Bad Tabarz<br \/>\niv. Vortrag (Zoonosen und Infektionskrankheiten) und Vorstellung von IFoM\/ paDIAG durch Prof. Dr. Sven Klimpel im Rahmen der Veranstaltung One Health der Frankfurter B\u00fcrger-Universit\u00e4t\/ Gesundheitsamt, 24.10.2024, Frankfurt am Main<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hat erfolgreich ein praxisorientiertes Diagnose-Tool (paDIAG) sowie ein ma\u00dfgeschneidertes Fortbildungskonzept (IFoM) entwickelt, das auf die steigenden Herausforderungen durch vektorassoziierte Infektionskrankheiten, Parasitosen und Zoonosen eingeht. Die Ergebnisse der Bedarfsanalyse zeigen deutlich, dass sowohl Medizinstudierende als auch erfahrene Mediziner in diesen Bereichen oftmals \u00fcber unzureichendes Wissen verf\u00fcgen. Daher wurde ein flexibles und modulares Fortbildungsangebot geschaffen, welches den unterschiedlichen Bed\u00fcrfnissen und zeitlichen Ressourcen der Zielgruppen gerecht wird und zur Sensibilisierung und Kompetenzsteigerung beitr\u00e4gt. Die gezielte \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation der Ergebnisse trugen zur breiten Bekanntmachung der entwickelten Instrumente bei und f\u00f6rdern den Austausch innerhalb der Fachgemeinschaft. Insgesamt leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Diagnostik und der medizinischen Weiterbildung im Bereich vektor\u00fcbertragener Erkrankungen und Parasitosen, was insbesondere angesichts globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel von gro\u00dfer Bedeutung ist. Im Verlauf des Projekts traten Herausforderungen wie eine begrenzte Teilnahme des medizinischen Fachpersonals an Befragungen, die fehlende Resonanz auf Veranstaltungen f\u00fcr Medizinstudierende und eine aufw\u00e4ndigere Zulassung der Fortbildungskurse durch die \u00c4rztekammer auf, die jedoch weiterhin verfolgt werden, um die Akzeptanz des Tools und der Fortbildungsangebote zu steigern. Das Diagnose-Tool paDIAG adressiert den wachsenden Bedarf nach einer schnellen und pr\u00e4zisen Diagnostik und stellt eine wertvolle Unterst\u00fctzung im klinischen Alltag dar. Besonders hervorzuheben ist die kontinuierliche Optimierung des Tools durch R\u00fcckkopplung mit Medizinern, was zu einer fortlaufenden Verbesserung der Diagnosegenauigkeit f\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Ziel des Projekts war die Entwicklung eines umfassenden Diagnose-Tools (paDIAg) sowie eines begleitenden Fortbildungskurses (IFoM), um die Erkennung und Differenzierung von vektorbasierten Infektionskrankheiten, Parasitosen und Zoonosen zu verbessern. Angesichts globaler Entwicklungen wie Klimawandel und zunehmender Mobilit\u00e4t gewinnen diese Erkrankungen auch in Regionen au\u00dferhalb traditioneller Endemiegebiete an Bedeutung. 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