{"id":27778,"date":"2026-08-13T10:32:10","date_gmt":"2026-08-13T08:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37431-01\/"},"modified":"2026-08-13T10:32:11","modified_gmt":"2026-08-13T08:32:11","slug":"37431-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37431-01\/","title":{"rendered":"Integrale Planung eines qualitativ wie quantitativ nachhaltigen Regen- und Grauwassermanagements am Beispiel des neuen Stadtquartiers \u201eAubuckel\u201c in Mannheim"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Mit ReSource:Mannheim wurde am Adolf-Damaschke-Ring 17\u201333 in Mannheim-Feudenheim ein Modellvorhaben zur klimaangepassten und ressourcenschonenden Stadtentwicklung umgesetzt. Das Projekt wurde nach den Prinzipien der wassersensitiven Stadtgestaltung konzipiert. Ziel war die Entwicklung und Realisierung eines integrierten Wasserkonzeptes, das Regenwasser, Grauwasser und oberirdische Wasserfl\u00e4chen zu einem geschlossenen urbanen Wasserkreislauf verbindet. Durch bewusst gestaltete Schnittstellen zwischen Wasser, Freiraum und Architektur wird Wasser als erlebbares Gestaltungselement in das Quartier integriert und zugleich die Aufenthaltsqualit\u00e4t gesteigert. Nachrangig zu der sichtbaren Schnittstelle wird das aufbereitete Grauwasser genutzt, um ein Servicewassernetz zu betreiben, welches die Wohnungen mit Servicewasser versorgt, welches sowohl in der WC-Sp\u00fclung als auch auf freiwilliger Basis in der Waschmaschine eingesetzt wird. Durch dieses Servicewassernetz werden ca. 40 % Trinkwasser eingespart, zuz\u00fcglich einer enormen Menge f\u00fcr die Bew\u00e4sserung der Freianlagen, die ebenfalls an das Servicewassernetz angeschlossen ist.<br \/>\nIm Mittelpunkt des Forschungsprojektes stand die Frage, wie quartiersbezogene Wasserstr\u00f6me, insbesondere Niederschlags- und Grauwasser, k\u00fcnftig als wertvolle Ressource zur Verbesserung des Stadtklimas, zur Entlastung der Kanalisation und zur Erh\u00f6hung der urbanen Resilienz genutzt werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig sollte aufgezeigt werden, wie technische Wasserinfrastruktur und qualit\u00e4tsvolle Freiraumgestaltung zu einem ganzheitlichen System zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nDas Vorhaben verfolgt damit konsequent den Ansatz einer wassersensitiven Stadtentwicklung und leistet einen praktischen Beitrag zur Vision der \u201eZero Water City\u201c, in dem Wasser m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig lokal bewirtschaftet, mehrfach genutzt und als identit\u00e4tsstiftendes Element des Stadtraums verstanden wird.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>St\u00e4dtebauliche Konzeption<br \/>\nZu Beginn des Projekts wurde der st\u00e4dtebauliche Entwurf unter den Anforderungen einer wassersensitiven Stadtentwicklung weiterentwickelt. Dabei wurden unterschiedliche Konzepte untersucht, welche Rolle Wasser innerhalb der aus sieben Wohnzeilen bestehenden Wohnanlage einnehmen kann. Aufgrund der r\u00e4umlichen und technischen Rahmenbedingungen wurde das integrierte Wasserkonzept schlie\u00dflich f\u00fcr die drei s\u00fcdlichen Wohnzeilen umgesetzt. Neben der technischen Integration stand insbesondere der Erhalt des bestehenden Baumbestandes im Vordergrund, sowie die Integration in den vorhandenen Gr\u00fcnraum der gesamten Wohnanlage. Daraus entstand ein Konzept, das die wasserbezogenen Ma\u00dfnahmen \u00fcberwiegend im Innenhof der s\u00fcdlichen Wohnzeilen konzentriert und Wasser als sichtbares Gestaltungselement in den Freiraum integriert.<\/p>\n<p>Entwicklung eines Wassermanagement und klimatische Simulationen<br \/>\nAuf Grundlage der aktuellen Regelwerke, insbesondere des DWA-Merkblatts M 277, wurden zun\u00e4chst die Potenziale einer Grauwassernutzung untersucht und die zu erwartenden Grauwassermengen ermittelt. Diese wurden gemeinsam mit den Niederschlagsdaten bilanziert und bildeten die Grundlage f\u00fcr die Dimensionierung der Teichanlage sowie des gesamten urbanen Wasserkreislaufs.<br \/>\nBegleitend hierzu wurden umfangreiche hydraulische und mikroklimatische Simulationen durchgef\u00fchrt. Mithilfe des Modells SWMM wurde untersucht, wie das als Nullabflusssystem konzipierte Wasserkonzept die Kanalisation sowohl im Regelbetrieb als auch bei Starkregen- und \u00dcberlastungsereignissen entlastet. Erg\u00e4nzend wurden PET-Simulationen durchgef\u00fchrt, um die Auswirkungen der offenen Wasserfl\u00e4chen und der umgebenden Freiraumgestaltung auf das lokale Mikroklima zu bewerten und die klima\u00f6kologischen Potenziale des Konzepts nachzuweisen.<\/p>\n<p>Realisierung eines Prototypen<br \/>\nIm Rahmen der Ausf\u00fchrungsplanung wurden anschlie\u00dfend die technischen Komponenten f\u00fcr Regenwasserspeicherung, Wasseraufbereitung, Grauwassernutzung sowie die Mess-, Steuer- und Regeltechnik entwickelt und in den Bauablauf integriert. W\u00e4hrend der Realisierung erfolgte eine fachliche Begleitung der Umsetzung sowie die Bewertung von Abweichungen zwischen Planung und Ausf\u00fchrung. Die Inbetriebnahme wurde schrittweise begleitet und erste Betriebserfahrungen dokumentiert.<br \/>\nIm Rahmen der Ausf\u00fchrungsplanung wurden die technischen Komponenten f\u00fcr Regenwasserspeicherung, Wasseraufbereitung, Grauwassernutzung sowie Mess-, Steuer- und Regeltechnik entwickelt und in den Bauablauf integriert. W\u00e4hrend der Realisierung erfolgte eine fachliche Begleitung der Umsetzung sowie die Bewertung von Abweichungen zwischen Planung und Ausf\u00fchrung. Die Inbetriebnahme wurde schrittweise begleitet und erste Betriebserfahrungen dokumentiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit ReSource:Mannheim konnte erstmals im verdichteten Wohnungsbau ein integriertes Wasserkonzept umgesetzt werden, das Regenwasserbewirtschaftung, offene Wasserfl\u00e4chen, klimaadaptive Freiraumgestaltung und Grauwassernutzung zu einem ganzheitlichen urbanen Wasserkreislauf verbindet. Die Besonderheit des Projekts liegt dabei nicht allein in der technischen Mehrfachnutzung von Wasser, sondern in der r\u00e4umlichen und sichtbaren Integration des Wasserkreislaufs in den Freiraum. Wasser wird dadurch vom rein technischen Infrastrukturelement zu einem sichtbaren und f\u00fcr die BewohnerInnen erlebbaren Bestandteil des Quartiers.<br \/>\nDie mikroklimatischen und hydraulischen Simulationen zeigen eine deutliche Verringerung des Oberfl\u00e4chenabflusses und eine sp\u00fcrbare Entlastung der Kanalisation bei Starkregenereignissen. Gleichzeitig tragen die offenen Wasserfl\u00e4chen und die umgebende Vegetation zur Verbesserung des lokalen Mikroklimas bei. Das Projekt verdeutlicht, dass wassersensitive Stadtgestaltung nicht nur wasserwirtschaftliche und klimatische Vorteile bietet, sondern zugleich die Aufenthaltsqualit\u00e4t sowie die \u00f6kologische Qualit\u00e4t urbaner Freir\u00e4ume nachhaltig verbessert.<br \/>\nEin weiteres wesentliches Projektergebnis ist die au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Akzeptanz des Wasserkonzepts durch die Bewohnerinnen und Bewohner. W\u00e4hrend der Projektentwicklung wurde davon ausgegangen, dass sich etwa die H\u00e4lfte der Haushalte freiwillig an das Servicewassernetz anschlie\u00dfen w\u00fcrde. Nach der Inbetriebnahme zeigte sich jedoch, dass nahezu alle Haushalte ihre Waschmaschinen an das bereitgestellte Servicewassernetz angeschlossen haben. Die tats\u00e4chliche Anschlussquote \u00fcbertraf die urspr\u00fcnglichen Erwartungen damit deutlich und belegt, dass ressourcenschonende Wasserkonzepte bei einer \u00fcberzeugenden technischen und gestalterischen Umsetzung auch im Geschosswohnungsbau auf eine sehr hohe Akzeptanz sto\u00dfen.<br \/>\nDie Inbetriebnahme hat zugleich gezeigt, dass integrierte Wassersysteme eine enge Abstimmung zwischen Planung, Ausf\u00fchrung und Betrieb erfordern. Insbesondere die schrittweise Aktivierung einzelner Systemkomponenten sowie \u00c4nderungen w\u00e4hrend der Ausf\u00fchrung machten deutlich, wie wichtig eine kontinuierliche fachliche Begleitung und Betriebsoptimierung f\u00fcr komplexe wassertechnische Infrastrukturen ist.<\/p>\n<p>Die Technische Universit\u00e4t Darmstadt wird die Anlage \u00fcber mehrere Jahre im Rahmen eines Monitoringkonzeptes wissenschaftlich begleiten. Ziel ist es, insbesondere Erkenntnisse zur \u00f6kologischen Resilienz des Teichsystems sowie zum Zusammenspiel zwischen technischen und nat\u00fcrlichen Prozessen innerhalb des integrierten Wasserkreislaufs zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden die Teichanlagen durch den Bauherrn mit umfangreicher Messtechnik ausgestattet, die eine kontinuierliche Er-fassung \u00f6kologischer und limnologischer Kenngr\u00f6\u00dfen erm\u00f6glicht. Die gewonnenen Daten sollen dazu beitragen, die langfristige Funktionsf\u00e4higkeit des Systems zu bewerten und die Schnittstelle zwischen Natur und Technik f\u00fcr zuk\u00fcnftige wassersensitive Stadtentwicklungsprojekte besser zu verstehen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde im Rahmen zahlreicher Fachveranstaltungen, Workshops, Vortr\u00e4ge und Konferenzen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene vorgestellt und dient als Demonstrationsvorhaben f\u00fcr eine wassersensitive Stadtentwicklung.<br \/>\nDie Projektergebnisse wurden in Fachpublikationen ver\u00f6ffentlicht und in die Lehre am Fachgebiet Entwerfen und Stadtentwicklung der Technischen Universit\u00e4t Darmstadt integriert. Dar\u00fcber hinaus produzierte die Bundesstiftung Bauakademie, im Rahmen der Reihe \u201eAnders Bauen\u201c einen Film \u00fcber das Projekt, der die Ziele, den Planungsansatz und die Umsetzung von ReSource:Mannheim einer breiten \u00d6ffentlichkeit vermittelt.<br \/>\nAus den im Projekt gewonnenen Erkenntnissen entstand gemeinsam mit einem regionalen Immobilienunternehmen aus Darmstadt eine weiterf\u00fchrende Studie zum Potenzial wassersensitiver Quartierssanierungen im Geb\u00e4udebestand. Hier wurde untersucht, welche Trinkwassereinsparungen und klima-\u00f6kologischen Potenziale sich durch die \u00dcbertragung des Konzeptes auf vergleichbare Wohnsiedlungen der 1950er bis 1970er Jahre erzielen lassen (Schulze et al., 2024: From District to City Scale: The Potential of Water-Sensitive Urban Design (WSUD)).<br \/>\nZur Unterst\u00fctzung des Wissenstransfers wurden verschiedene Informationsmaterialien entwickelt. Das Projekt wurde unter anderem auf der IFAT in M\u00fcnchen vorgestellt und mit Abschluss des Vorhabens eine eigene Projektwebsite eingerichtet (www.resourcewater.de), \u00fcber die die Ergebnisse dauerhaft \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht werden.<br \/>\nDie im Projekt entwickelten Ans\u00e4tze und Erkenntnisse flossen zudem in weiterf\u00fchrende Forschungs- und Planungsvorhaben zur klimaangepassten und wassersensitiven Stadtentwicklung ein.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>ReSource:Mannheim zeigt, dass sich die Prinzipien einer wassersensitiven Stadtentwicklung erfolgreich in den Geschosswohnungsbau \u00fcbertragen lassen, auch in einem Wohnquartier mit einem Anteil von rund 40 % \u00f6ffentlich gef\u00f6rderter Wohnungen. Das Projekt verdeutlicht damit, dass innovative und ressourcenschonende Wasserkonzepte nicht auf exklusive Neubauquartiere beschr\u00e4nkt sind, sondern ebenso im bezahlbaren Wohnungsbau einen wichtigen Beitrag zur klimaresilienten Stadtentwicklung leisten k\u00f6nnen.<br \/>\nDas Projekt verbindet Regenwasserbewirtschaftung, Grauwassernutzung, klimaadaptive Freiraumgestaltung und Architektur zu einem integrierten urbanen Wasserkreislauf, in dem Wasser nicht ausschlie\u00dflich als technische Infrastruktur, sondern als gestaltendes und identit\u00e4tsstiftendes Element des Quartiers verstanden wird.<br \/>\nDie Ergebnisse belegen, dass eine wassersensitive Stadtentwicklung nicht nur wasserwirtschaftliche und klimatische Vorteile bietet, sondern zugleich die Aufenthaltsqualit\u00e4t, die \u00f6kologische Qualit\u00e4t urbaner Freir\u00e4ume und die Resilienz von Wohnquartieren nachhaltig verbessert. Besonders die au\u00dfergew\u00f6hnlich hohe Akzeptanz des Servicewassernetzes durch die Bewohnerinnen und Bewohner verdeutlicht, dass ressourcenschonende Wasserkonzepte auch im Alltag funktionieren und auf breite Zustimmung sto\u00dfen.<br \/>\nReSource:Mannheim liefert damit einen praxisnahen Beitrag zur Weiterentwicklung der wassersensitiven Stadt und zeigt, wie integrierte Wasserkreisl\u00e4ufe als verbindendes Element zwischen Wasserwirtschaft, Architektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung umgesetzt werden k\u00f6nnen. Das Projekt schafft belastbare Grundlagen f\u00fcr die \u00dcbertragung vergleichbarer Konzepte auf weitere und leistet einen wichtigen Beitrag zur Vision einer \u201eZero Water City\u201c, in dem Wasser m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig lokal bewirtschaftet, mehrfach genutzt und als wertvolle Ressource des urbanen Raums verstanden wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Mit ReSource:Mannheim wurde am Adolf-Damaschke-Ring 17\u201333 in Mannheim-Feudenheim ein Modellvorhaben zur klimaangepassten und ressourcenschonenden Stadtentwicklung umgesetzt. Das Projekt wurde nach den Prinzipien der wassersensitiven Stadtgestaltung konzipiert. Ziel war die Entwicklung und Realisierung eines integrierten Wasserkonzeptes, das Regenwasser, Grauwasser und oberirdische Wasserfl\u00e4chen zu einem geschlossenen urbanen Wasserkreislauf verbindet. 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