{"id":27760,"date":"2026-05-22T11:52:35","date_gmt":"2026-05-22T09:52:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37461-01\/"},"modified":"2026-05-22T11:52:38","modified_gmt":"2026-05-22T09:52:38","slug":"37461-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37461-01\/","title":{"rendered":"Management und Resilienz verschiedener Gr\u00fcndachsysteme bei Starkregenereignissen und Trockenperioden im urbanen Raum"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die fortschreitende Versiegelung von Fl\u00e4chen bringt f\u00fcr Kanalisation, Kl\u00e4ranlagen und Vorfluter in zahlreichen St\u00e4dten und Gemeinden erhebliche Herausforderungen mit sich, insbesondere bei extremen oder au\u00dfergew\u00f6hnlichen Niederschlagsereignissen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen ausbleibende Niederschl\u00e4ge ebenfalls zu Problemen im urbanen Wasserhaushalt f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ebenso ist zu festzustellen, dass der Anteil von Wasser- und Gr\u00fcnfl\u00e4chen in St\u00e4dten immer kleiner wird. Das f\u00fchrt zu ung\u00fcnstigeren Luftfeuchtigkeitsverh\u00e4ltnissen, W\u00e4rmeinseln und schlechte Luftqualit\u00e4t sind die Folge.<\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, den genannten Ph\u00e4nomenen entgegenzuwirken, ist der verst\u00e4rkte Einsatz von Gr\u00fcnd\u00e4chern. Sie tragen zur Klimaverbesserung bei, haben positive Auswirkungen auf die Biodiversit\u00e4t und treten nicht in Konkurrenz zu ebenerdigen Fl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Im Zuge des Klimawandels kommt es immer h\u00e4ufiger zu Wetterereignissen wie Starkregen und Trockenperioden, die sich auf Gr\u00fcnd\u00e4cher im urbanen Raum und insbesondere auf deren Effektivit\u00e4t bez\u00fcglich des R\u00fcckhaltes von Niederschl\u00e4gen unterschiedlich auswirken. L\u00e4ngere Trockenperioden f\u00fchren zum v\u00f6lligen Durchtrocknen des Gr\u00fcndachsubstrates und ver\u00e4ndern das Wiederbefeuchtungsverhalten bei darauffolgendem Starkregen oder wiederholten Niederschlagsereignissen mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t und Dauer. <\/p>\n<p>Ziel des Vorhabens war es, belastbare Aussagen zum R\u00fcckhalteverm\u00f6gen unterschiedlicher Gr\u00fcndachsysteme unter variierenden Niederschlagsbelastungen zu erarbeiten. Dabei sollten sowohl h\u00e4ufige als auch seltene Starkregenereignisse unterschiedlicher Intensit\u00e4t und Zeitdauer ber\u00fccksichtigt werden.<br \/>\nErg\u00e4nzend dazu war es Ziel, wesentliche physikalische Eigenschaften der eingesetzten Substrate, wie Speicherkapazit\u00e4t und Porenvolumen, systematisch zu erfassen und in eine ganzheitliche Wasserbilanz verschiedener Gr\u00fcndachtypen zu integrieren.<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse sollten zudem eine fundierte Grundlage liefern, um Einsparpotenziale bei der Dimensionierung von Kanalisationen aufzuzeigen und Gr\u00fcnd\u00e4cher als Alternative oder Erg\u00e4nzung bewerten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nBegleitend war die Entwicklung von Informations- und Beratungsangeboten f\u00fcr unterschiedliche Zielgruppen vorgesehen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>Zur Erreichung der genannten Ziele wurden im Rahmen des Vorhabens acht Gr\u00fcnd\u00e4cher mit unterschiedlichen Systemaufbauten und zwei Normald\u00e4cher errichtet. Dabei wurde in folgenden Punkten variiert:<br \/>\n\u2022\tverschiedene Hersteller<br \/>\n\u2022\textensive und intensive Gr\u00fcnd\u00e4cher<br \/>\n\u2022\tSubstratm\u00e4chtigkeit zwischen 6 cm und 30 cm<br \/>\n\u2022\tRetentionsr\u00e4ume zwischen 2,5 cm und 8 cm<br \/>\n\u2022\tSedumsprossen als Matte und als Keime<br \/>\n\u2022\tBepflanzung mit unterschiedlichen Stauden <\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnd\u00e4cher wurden mit Hilfe einer Beregnungsanlage definierten, variierenden Niederschlagsmengen ausgesetzt:<br \/>\n\u2022\t1-j\u00e4hrlicher Regen (T1a)<br \/>\n\u2022\t5-j\u00e4hrlicher Regen (T5a)<br \/>\n\u2022\t100-j\u00e4hrlicher Regen (T100a) <\/p>\n<p>Ebenso wurden verschiedene Vors\u00e4ttigungsszenarien betrachtet:<br \/>\n\u2022\tGes\u00e4ttigte Bedingungen: Versuch 1 h nach Vors\u00e4ttigung<br \/>\n\u2022\tTeilges\u00e4ttigte Bedingungen: Versuch 4 h nach Vors\u00e4ttigung<br \/>\n\u2022\tUnges\u00e4ttigte Bedingungen: Versuch 72 h nach Vors\u00e4ttigung<\/p>\n<p>Um repr\u00e4sentative Ergebnisse zu erhalten, wurden die Beregnungsversuche f\u00fcr jedes Dach zweimal durchgef\u00fchrt, somit liegen Ergebnisse von insgesamt 222 Versuchen vor.<\/p>\n<p>Das Messprogramm beinhaltete die Erfassung von Niederschlagsmengen, Abflussraten, Speicherzust\u00e4nden und weiteren relevanten Parametern. Die gewonnenen Messdaten wurden ausgewertet, miteinander verglichen und mit Ergebnissen aus Realobjekten sowie aus parallelen Forschungsprojekten abgeglichen. Auf dieser Grundlage erfolgte die Ableitung von Bewertungskriterien und Handlungsempfehlungen f\u00fcr den Einsatz von Gr\u00fcnd\u00e4chern.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend dazu wurden das Niederschlags-Abfluss-Modell und das Regenwassermanagementmodell SWMM (Storm Water Management Model) angewendet, um die Abflussprozesse auf Gr\u00fcnd\u00e4chern und deren Auswirkungen auf das Kanalnetz unter variierenden Niederschlagsbedingungen zu simulieren und zu analysieren. <\/p>\n<p>Die gewonnenen Erkenntnisse wurden komprimiert in einer Handlungsempfehlung f\u00fcr den Einsatz von Gr\u00fcnd\u00e4chern f\u00fcr Planer, Kommunen und Ingenieurb\u00fcros dargestellt und in verschiedenen Fachveranstaltungen pr\u00e4sentiert. <\/p>\n<p>Parallel entstand ein Netzwerk \u201eGr\u00fcnd\u00e4cher\u201c in Mitteldeutschland.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Untersuchungen zeigen, dass Gr\u00fcnd\u00e4cher ein wirksames Instrument zur klimaangepassten Regenwasserbewirtschaftung im urbanen Raum darstellen. Vor dem Hintergrund zunehmender Fl\u00e4chenversiegelung und h\u00e4ufigerer Starkregenereignisse leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Entlastung von Kanalisation und Gew\u00e4ssern.<\/p>\n<p>Die durchgef\u00fchrten Versuche belegen, dass Gr\u00fcnd\u00e4cher Abflussspitzen deutlich d\u00e4mpfen und zeitlich verz\u00f6gern k\u00f6nnen. Besonders intensive und gedrosselte Systeme erreichen hohe R\u00fcckhaltewirkungen, w\u00e4hrend auch einfache extensive Aufbauten relevante Effekte zeigen. Die hydraulische Leistungsf\u00e4higkeit h\u00e4ngt dabei ma\u00dfgeblich vom Systemaufbau ab, insbesondere von Substrattiefe, Drainage und Drosselung. Folgende Empfehlungen k\u00f6nnen gegeben werden:<\/p>\n<p>\u2022\tZielstellung Abflussd\u00e4mpfung im Kanal:<br \/>\n\tJedes extensives und intensives Gr\u00fcndach ist daf\u00fcr geeignet.<\/p>\n<p>\u2022\tZielstellung Abflussverz\u00f6gerung im Kanal:<br \/>\n\tIntensive D\u00e4cher, gedrosselte extensive D\u00e4cher (geringer Dauerstau) und extensive D\u00e4cher mit flie\u00dfwegverl\u00e4ngernder Dr\u00e4nage sind daf\u00fcr einsetzbar.<\/p>\n<p>\u2022\tZielstellung Abflussverz\u00f6gerung und Abflussd\u00e4mpfung im Kanal:<br \/>\n\tIntensive Gr\u00fcnd\u00e4cher und gedrosselte extensive D\u00e4cher (geringer Dauerstau) erf\u00fcllen diese Anforderungen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse verdeutlichen zudem, dass ein erheblicher Anteil des Niederschlags nicht direkt abflie\u00dft, sondern im System gespeichert und zeitverz\u00f6gert abgegeben oder durch Evapotranspiration umgesetzt wird. Langfristige Betrachtungen zeigen, dass der \u00fcberwiegende Teil des Wassers im System verbleibt bzw. verdunstet.<\/p>\n<p>Die Modellierungen best\u00e4tigen diese Erkenntnisse grunds\u00e4tzlich, zeigen jedoch auch, dass bestehende Standardans\u00e4tze die Abflussbildung von Gr\u00fcnd\u00e4chern h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzen. Das im Projekt entwickelte Ersatzmodell erm\u00f6glicht eine deutlich realit\u00e4tsn\u00e4here Abbildung des Abflussverhaltens und ist f\u00fcr die Anwendung in g\u00e4ngigen Kanalnetzmodellen geeignet.<\/p>\n<p>Neben den hydrologischen Vorteilen ergeben sich f\u00fcr Grundst\u00fcckseigent\u00fcmerinnen und -eigent\u00fcmer \u00f6konomische Effekte. Die Reduktion der abflusswirksamen Fl\u00e4che wirkt sich unmittelbar auf die Bemessung der Niederschlagswassergeb\u00fchren aus und erm\u00f6glicht in vielen Kommunen erhebliche Geb\u00fchreneinsparungen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ein zentraler Bestandteil des Projektes war die begleitende \u00d6ffentlichkeitsarbeit sowie der Wissenstransfer in Fachpraxis, Verwaltung und Beh\u00f6rden. Auftakt bildete am 31. Mai 2024 die feierliche Inbetriebnahme der Gr\u00fcndachversuchsanlage am BDZ in Leipzig. An der Er\u00f6ffnungsveranstaltung nahmen rund 80 Personen aus Verwaltung, Wissenschaft, Planungspraxis und Wasserwirtschaft teil.<\/p>\n<p>Das Projekt und die Versuchsanlage wurden in verschiedenen Fachveranstaltungen pr\u00e4sentiert. Dabei standen neben der Wirkungsweise von Gr\u00fcnd\u00e4chern auch die praktischen Ableitungen f\u00fcr Planung und Genehmigung im Fokus.<\/p>\n<p>\u2022\tVortrag im Rahmen des BuGG-Tages der Forschung und Lehre \u201eGeb\u00e4udegr\u00fcn 2024\u201c im Leipziger KU-BUS (September 2024)<br \/>\n\u2022\tVortrag und F\u00fchrung f\u00fcr das Netzwerk Baukultur Leipzig der Ingenieurkammer Sachsen (Oktober 2024)<br \/>\n\u2022\tVortrag und Exkursion f\u00fcr Mitglieder des LEADER-Projektes \u201eStarkregenvorsorge und Schutz vor Bodenerosion\u201c (Oktober 2024)<br \/>\n\u2022\tMitwirkung beim 5. Leipziger Gr\u00fcndachkolleg mit Vortrag und F\u00fchrung (Oktober 2024 &#8211; Januar 2025)<br \/>\n\u2022\tTeilnahme am 1. Mitteldeutschen Gr\u00fcndachtag mit Poster und Ausstellung (Januar 2025)<br \/>\n\u2022\tInformationsveranstaltung \u201eWassersensible Kommunen\u201c (August 2025)<br \/>\n\u2022\tInformationsveranstaltungen zur nachhaltigen Regenwasserbewirtschaftung im Landkreis Leipzig und Landkreis Mei\u00dfen (August, Oktober 2025)<br \/>\n\u2022\tVortrag und F\u00fchrung f\u00fcr Teilnehmende des Studium Generale der HTWK Leipzig (Dezember 2025)<br \/>\n\u2022\tOnline-Abschlussworkshop mit 60 Teilnehmenden (M\u00e4rz 2026)<\/p>\n<p>Parallel wurden im Vorfeld der Er\u00f6ffnung der Versuchsanlage und nach Abschluss des Projekts Pressemit-teilungen ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Die Weiternutzung der Gr\u00fcndachanlage als Demonstrations- und Versuchsstandort ist folgenderma\u00dfen geplant:<\/p>\n<p>\u2022\tF\u00fchrungen \/ \u00d6ffentlichkeitsarbeit rund um das Thema Niederschlagswasserbewirtschaftung und Gr\u00fcnd\u00e4cher f\u00fcr Fachleute und private B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger<br \/>\n\u2022\tEinbindung in Weiterbildungsveranstaltungen, Studienmodule und Vorlesungen<br \/>\n\u2022\tDurchf\u00fchrung weiterer Versuchsreihen<br \/>\n\u2022\tDokumentation der Erfahrungen mit Pflege und Wartung der Gr\u00fcnd\u00e4cher<br \/>\n\u2022\tGgf. Um- und Ausbau von ausgew\u00e4hlten Gr\u00fcnd\u00e4chern<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Es konnte nachgewiesen werden, dass Gr\u00fcnd\u00e4cher einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung von Abflussspitzen, zur Verz\u00f6gerung des Abflusses und zur Stabilisierung des urbanen Wasserhaushalts leisten k\u00f6nnen. Entscheidend f\u00fcr ihre Wirksamkeit ist die Art der Ausf\u00fchrung. <\/p>\n<p>F\u00fcr eine zuverl\u00e4ssige Integration in die Planung der Niederschlagsbewirtschaftung ist eine differenzierte Betrachtung der Systemparameter sowie eine angepasste Modellierung erforderlich. Die im Projekt generierten Daten schaffen hierf\u00fcr eine fundierte Grundlage f\u00fcr Entw\u00e4sserungsbetriebe, Kommunen sowie Planungs- und Ingenieurb\u00fcros, um den Einsatz von Gr\u00fcnd\u00e4chern fachlich zu beurteilen und in Planungs- und Genehmigungsprozesse zu integrieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die fortschreitende Versiegelung von Fl\u00e4chen bringt f\u00fcr Kanalisation, Kl\u00e4ranlagen und Vorfluter in zahlreichen St\u00e4dten und Gemeinden erhebliche Herausforderungen mit sich, insbesondere bei extremen oder au\u00dfergew\u00f6hnlichen Niederschlagsereignissen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen ausbleibende Niederschl\u00e4ge ebenfalls zu Problemen im urbanen Wasserhaushalt f\u00fchren. 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