{"id":27722,"date":"2026-05-23T10:38:16","date_gmt":"2026-05-23T08:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37480-01\/"},"modified":"2026-05-23T10:38:16","modified_gmt":"2026-05-23T08:38:16","slug":"37480-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37480-01\/","title":{"rendered":"Die Hutew\u00e4lder Rum\u00e4niens in Transsylvanien: \u00d6kologie, landbauliche Perspektiven und nachhaltige Einbindung in die Kulturlandschaftsentwicklung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsherausforderungen f\u00fcr heutige und k\u00fcnftige Gesellschaften ist die Frage, wie die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die landwirtschaftliche Produktion und die soziokulturellen Werte in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen. In dieser Hinsicht bieten die traditionellen Agrarlandschaften Europas ideale Voraussetzungen. Innerhalb dieser Landschaften stellen die alten Hudew\u00e4lder Schl\u00fcsselelemente der \u00f6kologischen und kulturellen Identit\u00e4t Europas dar (Vera 2000, Plieninger et al. 2015).<br \/>\nDas \u00fcbergeordnete Ziel dieses Projektes war es daher, eine umfassende Bestandsaufnahme der rum\u00e4nischen Hudew\u00e4lder in Siebenb\u00fcrgen mit ihren Best-Practice-Beispielen durchzuf\u00fchren und Empfehlungen f\u00fcr die Praxis und den dort zu verankernden angewandten Naturschutz zu erarbeiten. Zwei Arbeitsgruppen der Babes-Bolyai-Universit\u00e4t und der Hochschule Trier arbeiten und erg\u00e4nzen sich bei der Bearbeitung der Hudew\u00e4lder in \u00f6kologischen, biologischen, \u00f6konomischen und sozialen Themen.<br \/>\nAuf der Ebene Europas weisen die Hudew\u00e4lder eine sehr unterschiedliche Physiognomie auf, die von verstreuten bis zu dichteren B\u00e4umen und Str\u00e4uchern auf den Weiden reicht (K\u00fcster 2010, Ellenberg &#038; Leuschner 2010, Hartel &#038; Plieninger 2014), aber ihre Gemeinsamkeiten sind, dass (i) die Waldvegetation ein charakteristisches Merkmal dieser Systeme ist und (ii) die Weidehaltung der Tiere ein wesentliches Element ihrer Bewirtschaftung darstellt (oft erg\u00e4nzt durch kleine Acker- oder Heufl\u00e4chen) (Moreno et al. 2018). Die aktuell dramatischen und nicht mehr kurzfristig reversiblen Verluste alter Hudew\u00e4lder durch F\u00e4llung z.T. uralter B\u00e4ume werden aktuell \u00fcberwiegend durch die Aktivierung der Fl\u00e4chenpr\u00e4mie \u00fcber die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europ\u00e4ischen Union, und hier \u201enur\u201c f\u00fcr eine kurzfristige landwirtschaftliche Ertragssteigerung, ausgel\u00f6st. Diese paradoxe Situation einer subventionierten Zerst\u00f6rung dieser einzigartigen Kulturg\u00fcter in Europa muss so schnell wie m\u00f6glich gestoppt werden. Denn das Naturerbe der Europ\u00e4ischen Union (= gr\u00fcnes Kulturerbe) wird z.T. durch die Landwirtschaftspolitik im eigenen Haus irreversibel gesch\u00e4digt, insofern muss diese au\u00dfergew\u00f6hnliche Bedrohung sehr ernst genommen werden. Es macht keinen Sinn, erst Geldmittel (wenn auch indirekt und nicht mit dieser Absicht) f\u00fcr die Zerst\u00f6rung von Europ\u00e4ischen Natursch\u00e4tzen auszugeben, um dann wiederum Geldmittel in den Jahrhunderte w\u00e4hrenden Wiederaufbau dieser gr\u00fcnen Kulturg\u00fcter zu investieren (das sind verschwendete Europ\u00e4ische Steuergelder aufgrund falscher staatlicher Anreize). Es ist durchaus angebracht, die au\u00dfergew\u00f6hnliche biologische und biogeographische Vielfalt Rum\u00e4niens mit dem Reichtum des Amazonas zu vergleichen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>Aus akademischer Sicht hat das DBU-Projekt acht wissenschaftliche Artikel hervorgebracht, die in Fachzeitschriften mit wissenschaftlichen Begutachtungsverfahren (Peer-Review) ver\u00f6ffentlicht wurden. Alle Fachartikel basieren auf umfangreichen Erhebungen in 110 Hudew\u00e4ldern.<br \/>\nAus formaler politischer Sicht trug das DBU-Projektteam zur Entwicklung eines neuen Gesetzes bei, das sich speziell mit den gro\u00dfen alten B\u00e4umen Rum\u00e4niens befasst (d. h. das Gesetz 97\/2023 zum Schutz bemerkenswerter B\u00e4ume), und ein Teammitglied trug auch zur Entwicklung eines neuen Forstgesetzes (2024) bei.<br \/>\nUnter dem Gesichtspunkt der Einbindung der lokalen Gemeinschaften f\u00fchrte das DBU-Projekt ein umfangreiches Feldforschungsprogramm durch, das den direkten Austausch mit den Menschen beinhaltete, die in den Hudewald-Landschaften leben und arbeiten. Im Rahmen dieser Arbeiten f\u00fchrte das Forschungsteam 32 halbstrukturierte Interviews und Fokusgruppen mit 55 Teilnehmern an 16 Orten in Siebenb\u00fcrgen durch. In diesen Interviews wurden lokales Wissen, kulturelle Bedeutungen und Erfahrungen in Bezug auf die Nutzung, die Umwandlung und den symbolischen Wert von Hudew\u00e4ldern erfasst. Zu den Befragten geh\u00f6rten Bauern, Hirten, F\u00f6rster, Gemeinschaftsland-Verwalter (Allmende) und andere Gemeindemitglieder mit langfristigen Verbindungen zu diesen Landschaften.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus wurden im Rahmen des DBU-Projekts drei Aktivit\u00e4ten auf Gemeindeebene durchgef\u00fchrt, an denen jeweils mindestens 20 Teilnehmer mitwirkten. Zun\u00e4chst wurde im Juli 2023 in Deutschwei\u00dfkirch eine zweit\u00e4gige Zukunftswerkstatt organisiert, die sich mit der Vision einer Zukunft der Hudew\u00e4lder befasste. Die Veranstaltung pr\u00e4sentierte die wichtigsten Ergebnisse der Feldbefragungen, Interviews und Fokusgruppen und brachte 25 Teilnehmer aus drei verschiedenen Kulturregionen Siebenb\u00fcrgens zusammen. Zweitens fand in Sf\u00e2ntu Gheorghe (Sepsiszentgy\u00f6rgy) ein zweit\u00e4giger Workshop zur partizipativen Kartierung statt, der darauf abzielte, die soziokulturellen Werte des nahe gelegenen Hudewaldes zu erforschen und zu visualisieren. An dieser Veranstaltung im Jahr 2023 nahmen rund 70 B\u00fcrger aus der Region teil. Drittens wurde im Jahr 2024 in Deutschwei\u00dfkirch eine dreit\u00e4gige Aktion zur Restitution des Hudewaldes durchgef\u00fchrt, an der 20 Studenten und Senioren der Babe\u0219-Bolyai-Universit\u00e4t in Zusammenarbeit mit und unter Anleitung von Mitgliedern der lokalen Bauerngemeinschaft teilnahmen. An den Interviews, Fokusgruppen und den drei Aktivit\u00e4ten auf Gemeindeebene nahmen 167 Personen teil.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bis September 2025 konnte das Projektteam im Rahmen des Projekts sieben wissenschaftliche Artikel ver\u00f6ffentlichen (Open Access). Ein weiteres wichtiges Manuskript \u00fcber die Koexistenz von B\u00e4ren und Menschen ist aktuell im Begutachtungsverfahren bei der Fachzeitschrift \u201eEcology and Society\u201c (Bear feeding in wood-pastures varies by landscape naturalness, ancientness, and local density, without direct links to electric fences; Article code: ES-2025-16231). Damit werden vor. insgesamt acht wissenschaftliche Artikel die Ergebnisse dieses Projekts dokumentieren.<br \/>\nAlle Publikationen entstanden in enger Zusammenarbeit des gesamten Teams und sind frei zug\u00e4nglich. Wir haben gezielt auch wichtige lokale Partner eingebunden, um die Ergebnisse aus unserer Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft sichtbar zu machen. Denn diese Partner haben mit ihren Beitr\u00e4gen einen echten bemerkenswerten Mehrwert f\u00fcr die Arbeiten geschaffen.<br \/>\n2023: Artikel in Frontiers in Environmental Science, geleitet von Masterstudentin Diana Murariu. Rele-vanz: AP1 und AP2.<br \/>\n2023: Artikel in Trends in Ecology and Evolution, geleitet von Tibor Hartel. Relevanz: AP2 und AP3. Die-se Zeitschrift gilt als die wichtigste im Bereich \u00d6kologie und Evolution und es war das erste Mal, dass eine rum\u00e4nische Hauptautorenschaft dort vertreten war. Der Artikel wurde von der Redaktion sogar unter die 16 herausragendsten Beitr\u00e4ge des Jahres 2023 gew\u00e4hlt. Entstanden ist er in Kooperation mit der Leuphana Universit\u00e4t in Deutschland, die ebenfalls DBU-F\u00f6rdermittel erhalten hat.<br \/>\n2023: Artikel in Applied Vegetation Science, geleitet von Regina Lindborg. Relevanz: AP1. Dieser Beitrag z\u00e4hlte \u00fcber sechs Monate hinweg zu den meistgelesenen Artikeln der Zeitschrift. Er zeigt den hohen \u00f6ko-logischen Wert von halbnat\u00fcrlichem Gr\u00fcnland, insbesondere von Hudew\u00e4ldern.<br \/>\n2023: Artikel in Conservation Science and Practice, passend zur Projektkomponente \u201eAlte B\u00e4ume\u201c. Relevanz: AP1. Hier wurde eines unserer wichtigsten Projektergebnisse vorgestellt: ein neues Gesetz zum Schutz alter B\u00e4ume. Seit April 2023 sind damit gro\u00dfe, alte B\u00e4ume in Hudew\u00e4ldern offiziell gesch\u00fctzt (Gesetz 97\/2023 zum Schutz bemerkenswerter B\u00e4ume Rum\u00e4niens, entwickelt mit unserem TWP-Team).<br \/>\n2024: Artikel in Scientific Reports, gemeinsam mit Kollegen der Physikfakult\u00e4t der BBU. Relevanz: AP1. Hier wurden unsere Baumdaten genutzt, um eine neuartige Gleichung zur Erkl\u00e4rung der Baumgr\u00f6\u00dfenverteilung zu testen.<br \/>\n2024: Artikel in Ecosystems and People, der auf Daten von 110 untersuchten Hudew\u00e4ldern basiert. Relevanz: AP1, AP2 und AP3. Der Artikel ist ein weiteres zentrales Ergebnis aus unserem Projekt und untersucht, welche \u00d6kosystemleistungen Hudew\u00e4lder bereitstellen. Eine Zusammenfassung ist auf unserer Webseite abrufbar.<br \/>\n2025: Artikel in People and Nature als wissenschaftliche Referenz f\u00fcr das gesamte Projekt: Es handelt sich um die erste biokulturelle Bewertung von Hudew\u00e4ldern in Europa und weltweit. Mit einem klaren Konzept und neuen Methoden zeigt der Artikel, wie sich biokulturelle Systeme erfassen und bewerten lassen. Autoren sind hier alle Mitglieder unseres TWP-Teams. Relevanz: AP1, AP2 and AP3.<br \/>\n2025 im Begutachtungsverfahren: Artikel in Ecology and Society der die Bedeutung einer integrierten Landschaftsplanung und eines adaptiven Managements f\u00fcr eine nachhaltige Koexistenz von Menschen und B\u00e4ren in Kulturlandschaften unterstreicht. Titel: Bear feeding in wood-pastures varies by landscape naturalness, ancientness, and local density, without direct links to electric fences (Article code: ES-2025-16231). Relevanz: AP1, AP2 and AP3.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Aus der Perspektive der \u00d6ffentlichkeitsarbeit haben wir ein Logo, eine eigene Internetseite und ein Videokanal in vier Sprachen (Ro, Hu, En, De) aufgebaut. Die Videofilme wurden in einer der vier Sprachen gedreht und mit Untertiteln der drei weiteren Sprachen ausgestattet. Diese wurden aus einem Pool von insgesamt 76 besuchten Orten und Interviews, die gefilmt und damit dokumentiert wurden, hergestellt.<br \/>\nInternetseite: https:\/\/transylvanian-wood-pastures.eu\/<br \/>\nYouTube-Kanal: https:\/\/www.youtube.com\/@transylvanian-wood-pastures\/videos<br \/>\nAm 14.06.2022 wurde der Kanal eingerichtet, verf\u00fcgt \u00fcber 228 Abonnenten und verzeichnete bisher 10.443 Aufrufe (Stichtag: 24.09.2025).<\/p>\n<p>Im Mai 2024 nahmen wir mit einigen weiteren KollegInnen aus unserem Hudewald-Netzwerk an einem Workshop der Hochschule Eberswalde in Deutschwei\u00dfkirch teil. Hier konnten wir unser Wissen aus den bisherigen Ergebnissen f\u00fcr den Biodiversit\u00e4tsschutz und eine nachhaltige Regionalentwicklung in S\u00fcdosteuropa in einer partizipativen Analyse der Potenziale und Herausforderungen unterschiedlicher raum-zeitlicher F\u00f6rderans\u00e4tze einbringen (DBU Aktenzeichen 38697).<br \/>\nDie Ergebnisse des DBU-Projektes wurden von unserem Team auf dem internationalem LIFE-Plattformtreffen zur Waldrestaurierung in Europa im Juni 2025 in Kronstadt vor 90 Teilnehmern aus 17 EU-Mitgliedstaaten, Gro\u00dfbritannien und Serbien vorgestellt, die 38 LIFE-Projekte sowie relevante Horizon- und Interreg-Initiativen vertraten. In Kombination mit den beiden LIFE-Projekten AFaktive und ZENAPA spannten wir das Thema von den Hudew\u00e4ldern bis zu den modernen Agroforstsystemen in Deutschland auf und verdeutlichten den unsch\u00e4tzbaren Wert der Lern- und Entwicklungsprozesse aus traditionellen hin zu neu entwickelten Systemen auf Acker und Weidefl\u00e4chen. So gelang es uns, unsere Ergebnisse und lessons learnt \u00fcber die rum\u00e4nische und deutsche Agroforstwirtschaft auch der Europ\u00e4ischen Exekutivagentur Klima-, Infrastruktur und Umwelt (CINEA), der Generaldirektion Umwelt (GD ENV) der Europ\u00e4ischen Kommission und der Stiftung Naturschutz Carpathia (FCC) vorzustellen. (Link: https:\/\/www.carpathia.org\/life-platform-meeting-on-forest-restoration-in-europe\/).<br \/>\nDaneben gab es mindestens 5 Auftritte in den Massenmedien (Fernsehen und Zeitungen) und mehr als 5 Workshops und Vortr\u00e4ge in weiteren Fachtreffen. Dar\u00fcber hinaus muss auch erw\u00e4hnt werden, dass in unserem DBU-Projekt drei Masterstudenten (aus Rum\u00e4nien, Deutschland und der Schweiz) ihre Abschlussarbeiten zu verschiedenen Aspekten der siebenb\u00fcrgischen Hudew\u00e4lder angefertigt haben.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Als Gesamtfazit stellen wir fest, dass sich unsere Vorgehensweise bew\u00e4hrt hat und eine hohe Ergebnisqualit\u00e4t und -dichte erarbeitet werden konnte. Netzwerke sind entstanden, die eigenst\u00e4ndig und nun mit mehr Verbindungen und Beziehungen ausgestattet weiter an und in den Hudew\u00e4ldern arbeiten. Diese Grundlagen werden auch in Zukunft einen gro\u00dfen Nutzen f\u00fcr die Erhaltung und Revitalisierung der Hudew\u00e4lder Rum\u00e4niens haben. Aus europ\u00e4ischer Sicht ist es nicht nur dringend, diese unsch\u00e4tzbaren gr\u00fcnen Kulturg\u00fcter zu erhalten, sondern auch geboten, daf\u00fcr rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen und ein unkompliziertes und effektives F\u00f6rderprogramm aufzulegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Eine der wichtigsten Nachhaltigkeitsherausforderungen f\u00fcr heutige und k\u00fcnftige Gesellschaften ist die Frage, wie die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die landwirtschaftliche Produktion und die soziokulturellen Werte in Einklang gebracht werden k\u00f6nnen. In dieser Hinsicht bieten die traditionellen Agrarlandschaften Europas ideale Voraussetzungen. 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