{"id":27708,"date":"2026-06-07T10:32:14","date_gmt":"2026-06-07T08:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35765-01\/"},"modified":"2026-06-07T10:32:14","modified_gmt":"2026-06-07T08:32:14","slug":"35765-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35765-01\/","title":{"rendered":"Optimierung der Einsatzm\u00f6glichkeit von Lasertechnik zur Reinigung von historischen Oberfl\u00e4chen von Ablagerungen sowie von mikrobiologisch aktiven Besiedlungen am Halberst\u00e4dter Dom"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Seit den 1990iger Jahren ist der Halberst\u00e4dter Dom ein wichtiger zentraler Forschungsgegenstand im Rahmen der Restaurierung von Bauzier und Ausstattungsschmuck aus Kalkstein. Kernproblem ist die Umwandlung des Kalksteines in Gips, verursacht durch schwefelsaure Luftverschmutzung der Industrialisierung und des Hausbrandes in Regionen mit hoher Bev\u00f6lkerungsdichte. Die Verwitterungsmechanismen sowie die sich daraus ergebenden Schadensbilder sind vielf\u00e4ltig und waren wiederholt Gegenstand umfangreicher Forschungsarbeiten auch am Dom in Halberstadt. Als entscheidende Voraussetzung f\u00fcr die Konservierbarkeit dieser Oberfl\u00e4chen ist kontrollierte D\u00fcnnung bis hin zur Abnahme der aufliegenden Schmutzkrusten sowie die \u00d6ffnung der in Gips umgewandelten, informationstragenden, originalen Natursteinoberfl\u00e4chen. In diesem Zusammenhang spielt die Reinigungstechnologie f\u00fcr den Substanzerhalt der Oberfl\u00e4che, aber auch die Verbesserung der physikalischen Eigenschaften, wie der Verbesserung der Penetrationsf\u00e4higkeit sowie die Reduzierung der hygrischen und thermischen Dehnung, eine zentrale Rolle. Als eine der am h\u00e4ufigsten eingesetzten Reinigungstechnologie nimmt in diesem Zusammenhang die Laserreinigung einen immer h\u00f6heren Stellenwert ein. Dar\u00fcber hinaus zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass auf dem Gebiet der Laserreinigung am Denkmal und Kunstgut spezifischer ger\u00e4tetechnischer sowie technologischer Optimierungs- und Anpassungsbedarf besteht. Leider liegen bisher keine auf die Art der Schmutzkrusten schriftlichen Parameterempfehlungen der Lasertechnik vor. Zus\u00e4tzlich erschwert wird dies durch die Weiterentwicklung verschiedenster Ger\u00e4te, welche im Bereich der Denkmalpflege zum Einsatz kommen. An dieser Stelle will das Forschungsvorhaben ansetzen und einen ersten Entwicklungsschritt vollziehen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>Im Projekt wurden aktuell in der Denkmalpflege f\u00fcr verschiedene Reinigungsaufgaben eingesetzte Laserger\u00e4te anhand von unterschiedlichen Musterfl\u00e4chen vergleichend getestet. Welches Ger\u00e4t ist f\u00fcr welchen Zweck geeignet, und was sind erfolgversprechende Einstellparamater? Im Mittelpunkt der Betrachtungen stand der Halberst\u00e4dter Dom mit seinen stark verkrusteten Kalksteinoberfl\u00e4chen. Aber auch Sandsteine an den Domen in Magdeburg und Halle sowie Alabasteruntergr\u00fcnde wurden systematisch untersucht. Ein wesentlicher Pfeiler f\u00fcr die Erfassung umfassender Ergebnisse bildeten verschiedene Qualifikationsarbeiten im Studiengang Konservierung und Restaurierung der FH Potsdam. <\/p>\n<p>Die Projektbearbeitung erfolgte in drei Bearbeitungsphasen<\/p>\n<p>1. Phase \u2013 Erarbeitung der Konzeption des \u201eOffenen Anwendungskataloges\u201c:<br \/>\n    Hierzu mussten folgende Einzelfragen beantwortet werden:<br \/>\n    &#8211; Erarbeitung der Auswahl exemplarischer Schmutzkrusten auf unterschiedlichen Oberfl\u00e4chen im Au\u00dfen- und Innenbereich des Halberst\u00e4dter Domes \u2013 Katalog;<br \/>\n    &#8211; Auswahl m\u00f6glicher Laserger\u00e4te, die zum Einsatz kommen konnten;<br \/>\n    &#8211; Festlegung und Beschreibung der zur Verf\u00fcgung stehenden Einstellungsparameter an Lasertechnik;<br \/>\n    &#8211; Festlegung und Erprobung des Spektrums der Vor- und Nachuntersuchung der zu reinigenden Oberfl\u00e4chen;<br \/>\n    &#8211; Entwicklung der Struktur des Anwenderkatalogs;<br \/>\n    &#8211; Vor- und Optimierungsversuche an bereits bestehenden alten Musterfl\u00e4chen im Kreuzgang;<br \/>\n    &#8211; Erprobung des Ablaufschemas, bestehend aus Voruntersuchung, Optimierung der Laserreinigung, Nachuntersuchung der gereinigten Oberfl\u00e4che und Dokumentation mit der Erstellung des Datenblattes f\u00fcr die beprobte Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p>2. Phase \u2013 Reinigung der festgelegten Auswahl exemplarischer Schmutzkrusten am Dom:<br \/>\n    Dazu sollten die Arbeitsschritte der Voruntersuchung, der optimierten Laserreinigung, der Nachuntersuchung und Dokumentation entsprechend dem Ablaufschema zumindest bei den ersten exemplarischen Schmutzkrusten nacheinander erfolgen, um das Ablaufschema immer wieder kritisch zu evaluieren.<\/p>\n<p>    Hierzu mussten folgende Einzelfragen bearbeitet werden:<br \/>\n    &#8211; Auswahl der exemplarischen Schmutzkrusten am Halberst\u00e4dter Dom;<br \/>\n    &#8211; Voruntersuchung der Schmutzkrusten;<br \/>\n    &#8211; Optimierung der Laserreinigung;<br \/>\n    &#8211; Nachuntersuchung der gereinigten Oberfl\u00e4che;<br \/>\n    &#8211; Dokumentation und Erstellung des Datenblattes;<br \/>\n    &#8211; Fortsetzung und Wiederholung dieses Ablaufschemas bis eine gewisse Sicherheit bestand, dass diese Vorgehensweise von Bestand war;<br \/>\n    &#8211; \u00dcbergang zur parallelen Arbeitsweise;<br \/>\n    &#8211; Auswahl einer festzulegenden Anzahl exemplarischer Schmutzkrusten;<br \/>\n    &#8211; parallele Voruntersuchung der Eigenschaften der Schmutzkrusten;<br \/>\n    &#8211; optimierte Laserreinigung der Oberfl\u00e4chen;<br \/>\n    &#8211; parallele Nachuntersuchung der gereinigten Oberfl\u00e4chen;<br \/>\n    &#8211; Dokumentation und Erstellung der Datenbl\u00e4tter f\u00fcr die gereinigten Oberfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>3. Phase \u2013 Die entwickelte Vorgehensweise sollte an Referenzobjekten, wie z. B. an den Domen in Magdeburg und Halle, erprobt werden. Es war geplant, die f\u00fcr diese Objekte zust\u00e4ndigen Restaurator*innen in dieser Bearbeitungsphase aktiv in die Bearbeitung der optimierten Laserreinigung einzubeziehen sowie auch in die Erstellung der Datenbl\u00e4tter f\u00fcr den Anwendungskatalog. F\u00fcr den Verlauf der dritten Bearbeitungsphase war ein Erfahrungstransfer in Form eines Kolloquiums vor Ort geplant.<\/p>\n<p>Den Projektabschluss bildete die Erstellung eines Projektberichtes. Es war zus\u00e4tzlich angestrebt worden, dass es sich bei dem Anwendungskatalog um ein offenes Dokument bzw. eine Datenbank handelt, welche zuk\u00fcnftig durch die angestrebte gr\u00f6\u00dfere Anwenderzahl unter Vertragsaufsicht und Kontrolle erg\u00e4nzt wurden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Rahmen der Untersuchungen wurden unterschiedliche Lasersysteme sowie variierende Prozessparameter an verschiedenen Natursteinen, insbesondere Sand- und Kalkstein, erprobt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Laserreinigung grunds\u00e4tzlich eine hohe Wirksamkeit hinsichtlich der Entfernung von Schmutzauflagerungen sowie mikrobiologischen Besiedlungen aufweist. Insbesondere bei moderaten Leistungsparametern konnten reproduzierbar gute Reinigungsergebnisse erzielt werden. Demgegen\u00fcber f\u00fchrte eine Erh\u00f6hung der Energiedichte vereinzelt zu unerw\u00fcnschten Nebenwirkungen, wie ggf. Farbver\u00e4nderungen oder auch einer zu hohen \u00d6ffnung des Porenraums, vor allem beim Sandstein. Hier besteht jedoch weiterer Untersuchungsbedarf.<\/p>\n<p>Ein weiterer Untersuchungsgegenstand war der Vergleich zwischen Trocken- und Nassreinigung. Dabei konnte festgestellt werden, dass die Nassreinigung in vielen F\u00e4llen eine h\u00f6here Reinigungsleistung erzielt, jedoch zugleich mit einer st\u00e4rkeren Ver\u00e4nderung der oberfl\u00e4chennahen Materialstruktur einhergehen kann. Der Reinigungserfolg erwies sich stark abh\u00e4ngig von den jeweiligen Ausgangsbedingungen der Oberfl\u00e4chen. Insbesondere bei stark salzbelasteten, durch kompakte Krusten \u00fcberpr\u00e4gten Bereichen waren die erzielten Ergebnisse teilweise eingeschr\u00e4nkt. Erg\u00e4nzend wurden physikalische Parameter, wie die kapillare Wasseraufnahme und der Luftpermeationswiderstand, untersucht, um Ver\u00e4nderungen der Materialeigenschaften infolge der Laserbehandlung zu quantifizieren. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Reinigung h\u00e4ufig mit einer Zunahme der Porosit\u00e4t einhergeht, was konservatorische Chancen impliziert. Zudem erweist sich die Untersuchungsmethode des Luftpermeationswiderstands als weiteres Instrument der Bewertung des Reinigungserfolges.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend erfolgten Untersuchung zur Laserabnahme von Graffiti auf lackierten Holzoberfl\u00e4chen sowie verru\u00dften Holzoberfl\u00e4chen. Hier zeigte sich, dass diese Methode grunds\u00e4tzlich sehr effektiv sein kann. Im Vergleich zu traditionellen Reinigungsverfahren, wie z.B. dem Einsatz von L\u00f6semitteln, bietet die Laserablation entscheidende Vorteile. Dazu z\u00e4hlen die selektive und kontrollierte Entfernung, die M\u00f6glichkeit, die Reinigungseinstellungen pr\u00e4zise zu wiederholen, und ein geringer Umwelteinfluss. Besonders vorteilhaft ist die ber\u00fchrungslose Bearbeitung, wodurch der Untergrund nur minimal besch\u00e4digt wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig wurde in der regionalen und \u00fcberregionalen Presse durch abgehaltene Pressetermine \u00fcber das Projekt informiert. Es erfolgten zudem Radio- und Fernsehbeitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Um diese Technologie einem noch gr\u00f6\u00dferen Kreis anwendender Restaurator*innen zug\u00e4nglich zu machen, bedarf es eines systematischen Erfahrungstransfers, der im Rahmen des DBU-Projekts im Sommer 2024 mit den \u201eLaser-Tagen\u201c an der FH-Potsdam erfolgreich begonnen wurde. Die f\u00fcr viele Anwender*innen interessanten Ergebnisse sind zus\u00e4tzlich in vorbildlicher Weise in eine Datenbank im Sinne eines \u201eOffenen Anwendungskataloges\u201c eingeflossen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse wurden insgesamt in einem \u00f6ffentlichkeitswirksamen Abschlusskolloquium am 20.11.2025 vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich feststellen, dass die Laserreinigung ein hohes Potenzial f\u00fcr die Anwendung in der Denkmalpflege besitzt. Gleichzeitig erfordert ihr Einsatz eine differenzierte, material- und schadensabh\u00e4ngige Anwendung. Die Auswahl geeigneter Ger\u00e4te sowie die pr\u00e4zise Abstimmung der Prozessparameter sind entscheidend f\u00fcr den Erhalt der Originalsubstanz und die Qualit\u00e4t des Reinigungsergebnisses. Das Projekt leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung praxisorientierter Leitlinien und f\u00f6rdert den Wissenstransfer innerhalb der restauratorischen Fachpraxis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Seit den 1990iger Jahren ist der Halberst\u00e4dter Dom ein wichtiger zentraler Forschungsgegenstand im Rahmen der Restaurierung von Bauzier und Ausstattungsschmuck aus Kalkstein. Kernproblem ist die Umwandlung des Kalksteines in Gips, verursacht durch schwefelsaure Luftverschmutzung der Industrialisierung und des Hausbrandes in Regionen mit hoher Bev\u00f6lkerungsdichte. 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