{"id":27686,"date":"2025-06-25T10:34:47","date_gmt":"2025-06-25T08:34:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37859-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:34:49","modified_gmt":"2025-06-25T08:34:49","slug":"37859-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37859-01\/","title":{"rendered":"B\u00fcrgerenergie MOE: Wissenschaftliche Untersuchung der Rahmenbedingungen f\u00fcr B\u00fcrgerenergie in L\u00e4ndern Mittel- und Osteuropas"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>B\u00fcrgerenergieprojekte gelten als ein wichtiger Baustein f\u00fcr die Transformation des Energiesystems. Urspr\u00fcnglich vor allem in L\u00e4ndern wie Deutschland, \u00d6sterreich oder auch Spanien initiiert und werden B\u00fcrgerenergieans\u00e4tze inzwischen auch von der EU Kommission aktiv gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt. Damit soll insbesondere die Wende zu einer treibhausgasneutralen Energieversorgung, die in der EU bis 2050 angestrebt wird, unterst\u00fctzt werden.<br \/>\nIn den Staaten Mittel- und Osteuropas (MOE) sind diese Transformation und eine klimaneutrale Ener-gieversorgung ebenfalls eine gro\u00dfe Herausforderung und auch hier beginnen B\u00fcrger*innen als Akteure der Energiewende an Bedeutung zu gewinnen. Erste B\u00fcrgerenergieprojekte sind auch in den Staaten Mittel- und Osteuropas bereits erfolgreich umgesetzt worden.<br \/>\nDas Projekt zielte darauf ab, die Rahmenbedingungen f\u00fcr B\u00fcrgerenergieprojekt in den Staaten Mittel- und Osteuropas zu analysieren, laufende Aktivit\u00e4ten zu identifizieren und diese aufzubereiten. Dabei wurde eine Kategorisierung der L\u00e4nder und ihrer Rahmenbedingungen f\u00fcr B\u00fcrgerenergie erarbeitet und Bedarfe f\u00fcr gezielte, vertiefende Untersuchungen beschrieben. Es wurde untersucht, inwiefern f\u00f6rdern-de oder hemmende Bedingungen f\u00fcr B\u00fcrgerenergieprojekte vorliegen. Es wurden Empfehlungen abge-leitet f\u00fcr m\u00f6gliche Beispielprojekte, um \u00fcbertragbare Erkenntnisse zu Anforderungen f\u00fcr eine weitere Verbreitung von B\u00fcrgerenergieans\u00e4tzen in den Staaten Mittel- und Osteuropas als Baustein einer Transformation der dortigen Energiesysteme zu generieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Vorhaben verfolgte das Ziel, einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber die aktuelle Situation zu B\u00fcrger-energie in den relevanten MOE L\u00e4ndern zu erstellen, diese Rahmenbedingungen zu typologisieren und darauf basierend Empfehlungen f\u00fcr Beispielprojekte abzuleiten. Entsprechend dem wissenschaftlich-koordinierenden Charakter dieses Projektes wurde ein iteratives und auch variables Vorgehen gew\u00e4hlt. Das Vorhaben umfasste zwei Projektphasen.<br \/>\nDie erste Phase diente einerseits der Konzeptionierung des Themas B\u00fcrgerenergie in Staaten Mittel- und Osteuropas sowie andererseits einer grundlegenden Charakterisierung der 19 Nationen in Bezug auf Aktivit\u00e4ten und Potenziale f\u00fcr B\u00fcrgerenergie basierend auf einer Literatur- und Dokumentenauswer-tung und Interviews mit Akteuren im Themenfeld B\u00fcrgerenergie in L\u00e4ndern Ost- und Mitteleuropas.<br \/>\nDie zweite Phase diente einerseits der Begleitung der durch die DBU vergebenen Einzelstudien zum Thema B\u00fcrgerenergie. Weiterhin wurden auf Basis der Einzelstudien Schlussfolgerungen abgeleitet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Als gemeinsamer Ausgangspunkt f\u00fcr die Beschreibung und Analyse der Situation beim Thema B\u00fcrgerenergie in den einzelnen Staaten in Mittel- und Osteuropa, wurde der \u00fcbergeordnete Rahmen als relevant eingestuft und analysiert. Dabei wurden einerseits \u00fcbergeordnete rechtliche Vorgaben, hier vor allem der Europ\u00e4ischen Union und ebenso \u00fcbergeordnete Forschungs- und Vernetzungsaktivit\u00e4ten ausgewertet. Durch die Aufnahmen von Regelungen zu B\u00fcrgerenergie mit dem \u0093Clean Energy Package\u0094 in die Erneu-erbare Energien Richtline der EU (Renewable Energy Directive, RED II) im Jahr 2018 und in die Elektri-zit\u00e4tsbinnenmarkt-Richtline (Electricity Market Design Directive, EMD) im Jahr 2019, hat das Thema in allen Mitgliedsstaaten und auch in L\u00e4ndern mit Interesse an einem EU-Beitritt an Relevanz gewonnen. Die Analysen im Projekt zeigten auf, dass die Umsetzung der EU-Vorgaben in den einzelnen Staaten in Mittel- und Osteuropa recht unterschiedlich erfolgt ist und die regulatorischen Vorgaben sich in den Details voneinander unterscheiden.<br \/>\nAuch im Hinblick auf weitere untersuchte Kontextfaktoren (u.a. Klimaschutzvorgaben, Ziele zum Ausbau Erneuerbarer Energien, gesellschaftliche Einstellung zu gemeinschaftlichen7genossenschaftlichen Aktivit\u00e4ten, Erfahrungen mit B\u00fcrgerenergieinitiativen, etc.), kann im Projekt festgehalten werden, dass sich diese sehr unterschiedlich darstellen in den einzelnen L\u00e4ndern. Weiterhin war eine gro\u00dfe Dynamik in den untersuchten L\u00e4ndern w\u00e4hrend der Projektlaufzeit zu beobachten durch die Pflicht das EU Energy-Package und die entsprechenden Vorgaben zu B\u00fcrgerenergie national umzusetzen. Damit ergaben sich im Laufe des Projektes vielfach stark ver\u00e4nderte Rahmenbedingungen durch die Verabschiedung neuer Gesetze und untergesetzlicher Vorgaben. Auch der Krieg in der Ukraine seit Februar 2022 war mit seinen Auswirkungen in Bezug auf Energiepreise und die Diskussion \u00fcber Versorgungssicherheit stark sp\u00fcrbar in den durchgef\u00fchrten Interviews und wurde zum Teil als m\u00f6gliche Argumentationslinie f\u00fcr einen verst\u00e4rkten Fokus auf eine dezentrale und durch B\u00fcrger*innen getriebene Energiewende gesehen. Langfristige Effekte konnten im Projektverlauf allerdings nicht ausgemacht werden, diese zeigen sich vermutlich erst mittel- bis langfristig. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in den untersuchten L\u00e4ndern noch diverse Hindernisse bzw. Herausforderungen bei der Etablierung von B\u00fcrgerenergie-Initiativen vorliegen. Dazu geh\u00f6ren z.B.<br \/>\n\u0095\tMangel an Vertrauen unter den B\u00fcrger*innen, Mangel an Vertrauen in die Regierung und Verwaltung, aber teilweise auch in NGOs (Interviews Kosovo, Rum\u00e4nien, Ungarn)<br \/>\n\u0095\tMangel an Orts- und Gemeinschaftsgef\u00fchl \u0096 auf dem Land und in kleinen D\u00f6rfern besser als in gro\u00dfen St\u00e4dten (Interviews Kosovo, Rum\u00e4nien, Ungarn, Ukraine)<br \/>\n\u0095\tRegulierte und somit geringe Energiepreise (Ungarn),<br \/>\n\u0095\tMangel an Regulierung unterst\u00fctzenden gesetzlichen und untergesetzlichen Vorgaben f\u00fcr B\u00fcrgerenergieprojekten und herausfordernde B\u00fcrokratie f\u00fcr die Genehmigung von EE-Anlagen (Interviews<br \/>\nUngarn, Rum\u00e4nien, Ukraine)<br \/>\n\u0095\tKein oder wenig verf\u00fcgbares Einkommen; Abneigung gegen langfristige Investitionen und Risikobereitschaft (Interviews Kosovo, Rum\u00e4nien, Ungarn)<br \/>\n\u0095\tEnergieeffizienz in armen Haushalten ist ein dr\u00e4ngenderes Problem, ein langer Weg zu bottom-up Energieinitiativen in gef\u00e4hrdeten Gebieten (Interviews Ungarn, Kosovo)<br \/>\n\u0095\tEnergieunternehmen versuchen, von den B\u00fcrgerenergie-Regulierungen zu profitieren, z.B. von entsprechenden F\u00f6rderprogrammen und k\u00f6nnen in manchen Regionen Teil von B\u00fcrgerenergiegemeinschaften werden und entsprechenden Einfluss nehmen mit wenig Fokus auf sozialem Wandel (Interviews Ungarn, Kroatien).<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigen sich aber auch viele Chancen und vielversprechende Kontextfaktoren und Entwicklungen die f\u00fcr die Etablierung von B\u00fcrgerenergie-Ans\u00e4tzen positive wirken (k\u00f6nnen) und die in den untersuchten L\u00e4ndern durchaus thematisiert und zum Teil auch bereits aktiv genutzt bzw. gef\u00f6rdert werden. Dazu geh\u00f6rten:<br \/>\n\u0095\tAnstieg der Energiepreise in den letzten Jahren \u0096 Momentum und \u0084Windows of opportunity\u0093 f\u00fcr B\u00fcrger*innen, sich mit Energiethemen zu befassen (Interviews Kosovo, Bulgarien, Rum\u00e4nien)<br \/>\n\u0095\tdie junge Generation ist gut vernetzt mit der Welt (Internet, soziale Medien, Studium\/Arbeit im Ausland), dies f\u00fchrt zur Verbreitung von Ideen und z.T. zu einer R\u00fcckkehr von Personen mit Erfahrungen im Bereich Energiewende aus anderen Regionen in ihre Heimatl\u00e4nder (Interview Kosovo)<br \/>\n\u0095\tExistenz engagierter Organisationen in fast jedem Land, die f\u00fchrend bei Kapazit\u00e4tsaufbau und Lobbyarbeit sein k\u00f6nnen bzw. bereits sind<br \/>\n\u0095\tdie Bildung eines Netzwerks mit Austausch unter MOE-Staaten und mit westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern zum Thema B\u00fcrgerenergie (Austausch bew\u00e4hrter Verfahren usw.)<br \/>\n\u0095\tRegierungen versuchen das Thema aufzugreifen und zu st\u00e4rken, in vielen L\u00e4ndern ist f\u00f6rderliche Gesetzgebung in Entwicklung.<br \/>\nAls ein klarer Schwerpunkt in Bezug auf notwendige Aktivit\u00e4ten zur Unterst\u00fctzung der Etablierung des Themas \u0093B\u00fcrgerenergie\u0094 wurde in den untersuchten L\u00e4ndern in Mittel- und Osteuropa die Lobbyarbeit, der Kapazit\u00e4tsaufbau und die finanzielle Unterst\u00fctzung von B\u00fcrger-Initiativen sowie Know-how, Etablierung und Austausch von Pilotprojekten und Erfahrungen mit bew\u00e4hrten Verfahren gesehen. Hier setzen auch die von der DBU nun im F\u00f6rderschwerpunkt \u0093B\u00fcrgerenergie\u0094 unterst\u00fctzten Projekte an, mit unterschiedlichen Fokussierungen. Ein Austausch und eine Zusammenf\u00fchrung der dort generierten Ergebnisse und Erfahrungen kann in den L\u00e4ndern Mittel- und Osteuropas die Verankerung der Idee von B\u00fcrgerenergiegemeinschaften sicherlich bef\u00f6rdern und sollte unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes kam es zur Teilnahme an diversen Veranstaltungen wie u.a. der REScoop.eu conference 2022, dem Right to energy forum 2022, der Konferenz Energiegemeinschaften 2023, Wien. Dar\u00fcber hinaus fanden mehrere Treffen mit dem Sekretariat der Karpatenkonvention (Carpathian Con-ven-tion) und dem Exekutivkomitee des Netzwerks &#8220;Science for the Carpathians&#8221; (S4C) statt.<br \/>\nIm Rahmen des Projekts wurden im Jahr 2022 zwei virtuelle Workshops f\u00fcr Akteur*innen in L\u00e4ndern Mittel- und Osteuropas zum Thema B\u00fcrgerenergie organisiert und durchgef\u00fchrt.<br \/>\nWeiterhin wurden Steckbriefe zu den untersuchten L\u00e4ndern im Bezug auf die existierenden Vorgaben und Rahmenbedingungen f\u00fcr B\u00fcrgerenergievorhaben auf der Website der DBU ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Als Fazit kann zusammengefasst werden, dass das Thema B\u00fcrgerenergie in den L\u00e4ndern Mittel- und Osteuropas eine zunehmende Rolle spielt u.a. durch entsprechende EU-Vorgaben und deren nationale Umsetzung. B\u00fcrgerenergiegemeinschaften gibt es in fast allen untersuchten L\u00e4ndern bereits, allerdings nicht als weit verbreitetes Konzept, sondern eher als Pilot- oder Pioniervorhaben. Es zeigen sich zwischen den 19 untersuchten L\u00e4ndern deutliche Unterschiede in den Rahmenbedingungen und unterschiedlich viel Erfahrung auch von zentralen Akteuren mit dem Thema B\u00fcrgerenergie. In der Konsequenz ergeben sich unterschiedliche Handlungsbedarfe, wobei das Thema Kapazit\u00e4tsbildung und Information sowie das Teilen von guten Praxiserfahrungen und erfolgreichen Pilot-B\u00fcrgerenergiegemeinschaften in allen L\u00e4ndern als wichtige Ma\u00dfnahme festgehalten werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens B\u00fcrgerenergieprojekte gelten als ein wichtiger Baustein f\u00fcr die Transformation des Energiesystems. 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