{"id":27644,"date":"2025-06-25T10:34:40","date_gmt":"2025-06-25T08:34:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37463-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:34:40","modified_gmt":"2025-06-25T08:34:40","slug":"37463-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37463-01\/","title":{"rendered":"Untersuchung der Ausbreitungsdynamik von Gelb- und Blankaalen zwecks Optimierung des Aalschutzes an Wasserkraftstandorten"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Best\u00e4nde des Europ\u00e4ischen Aals (Anguilla anguilla) sind im Verlauf der vergangenen Dekaden so stark eingebrochen, dass sie sich aktuell au\u00dferhalb sicherer biologischer Grenzen bewegen. Deshalb werden von der Europ\u00e4ischen Aalschutzverordnung von den Mitgliedsstaaten Ma\u00dfnahmen gefordert, damit es mindestens 40 % der Aale gelingt, aus dem Binnenland zur Reproduktion ins Meer abzuwandern. Daraus folgt, dass geeignete Ma\u00dfnahmen f\u00fcr diese als \u0084Blankaale\u0093 bezeichneten Migrationsstadien vor einer Sch\u00e4digung durch Wasserkraftwerke zu ergreifen sind, z. B. mit Hilfe eines aalsch\u00fctzenden Betriebsmanagements auf der Basis von Alarmen des Fr\u00fchwarnsystems MIGROMAT\u00ae (DBU-Projekt Az 17627). J\u00fcngste Erkenntnisse u. a. aus \u0084Fish Trek: Ein \u00f6ffentliches Melderegister mit Datenbank zur Identifikation individuell markierter Fische\u0093 (DBU-Projekt Az 36055) unterstreichen nun allerdings Zweifel an der fischereiwissenschaftlich tradierten und selbst in neueren Publikationen wiederholte Vorstellungen (www.fischlexikon.eu, TESCH 1983,ACOU et al. 2005, DURIF et al. 2005, 2009), dass es sich nur bei Blankaalen um das abwanderbereite Entwicklungsstadium handelt. Im Gegensatz dazu w\u00fcrden sich die j\u00fcngeren, aufgrund ihrer F\u00e4rbung als Gelbaal bezeichneten Stadien, standorttreu verhalten und damit einem geringeren Risiko unterliegen, an den Einlaufrechen in Wasserkraftwerke und in deren Turbinen verletzt und get\u00f6tet zu werden.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund gilt es mit Hilfe des vorliegenden bis Juli 2024 laufenden DBU-Projekts Freilanduntersuchungen zur Beantwortung folgender Fragen durchzuf\u00fchren:<\/p>\n<p>1.\tLassen sich die Entwicklungsstadien von Gelb- und Blankaal anhand ihrer der F\u00e4rbung zuverl\u00e4ssig voneinander unterscheiden?<br \/>\n2.\tIst die Umf\u00e4rbung vom Gelb- zum Blankaal stabil oder aber reversibel?<br \/>\n3.\tKorreliert die F\u00e4rbung mit einem Abwanderverhalten der Aale, d. h. sind Gelbaale tats\u00e4chlich station\u00e4r und Blankaale mobil?<br \/>\n4.\tWelche Verbesserungsm\u00f6glichkeiten ergeben sich aus den gewonnenen Erkenntnissen f\u00fcr den Betrieb des Fr\u00fchwarnsystems MIGROMAT\u00ae, z. B. bez\u00fcglich<br \/>\n            der Betriebsdauer pro Saison oder der Verwendung von Indikatoraalen mit speziellen Charakteristika?<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Rahmen der Felduntersuchungen an der Lahn f\u00fcr das vorliegende Projekt wurden die telemetrisch zu besendernden Aale mit einem Mindestma\u00df von 50 cm Totall\u00e4nge per Elektrofang dem rheinland-pf\u00e4lzischen Abschnitt der Lahn entnommen und in eine mobile H\u00e4lterung \u00fcberf\u00fchrt. Nach der individuellen Markierung von insgesamt 162 Aalen mit je einem telemetrischen Sender wurden die Fische am stromaufw\u00e4rtigsten Punkt des Untersuchungsgebietes, d. h. im Oberwasser der Staustufe Hollerich wieder in die Lahn entlassen. Im Ober- und Unterwasser der sieben folgenden Staustufen in dem ca. 70 km langen rheinland-pf\u00e4lzischen Unterlauf der Lahn bis zur M\u00fcndung in den Rhein waren insgesamt 14 Hydrophone exponiert. Diese Empf\u00e4nger haben etwa drei Jahre lang rund um die Uhr das Abwanderverhalten besenderter Aale zeitlich und r\u00e4umlich aufgezeichnet. <\/p>\n<p>Im Rahmen der Markierung wurde f\u00fcr jeden Aal ein individuelles Protokoll angelegt, um folgende ph\u00e4notypischen Merkmale m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zu dokumentieren:<\/p>\n<p>1.\tIdentifikationscode des Individuums anhand seines telemetrischen Senders oder PIT-Tags.<br \/>\n2.\tTotall\u00e4nge auf 5 mm genau mit Messbrett gemessen.<br \/>\n3.\tK\u00f6rperumfang auf 2 mm genau mit Ma\u00dfband vermessen.<br \/>\n4.\tGewicht auf 5 g genau mit einer elektronischen Waage gewogen.<br \/>\n5.\tDurchmesser des Auges in vertikaler und horizontaler Achse auf 1 mm genau<br \/>\n6.\tL\u00e4nge der Brustflossen auf 2 mm<br \/>\n7.\tErkennbarkeit dunkler Punkte, d. h. Neuromasten entlang der Seitenlinie (ja\/nein) <\/p>\n<p>Analog dazu, wurden \u00fcber die gesamte Projektlaufzeit j\u00e4hrlich jeweils 60 Indikatoraale an zehn MIGROMAT\u00ae Standorten in gleicher Art und Weise erfasst und dokumentiert. Die Unterschiede bestanden lediglich darin, dass diese Aale stets aus dem Fluss stammten, an dem das Fr\u00fchwarnsystem eingesetzt war, die Markierung mittels PIT-Tag erfolgte sowie das nach Ende der Betriebssaison die ph\u00e4notypischen Merkmale der Aale erneut aufgenommen wurden, um eventuelle Ver\u00e4nderungen zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Im Anschluss wurden die Bewegungsmuster der Telemetrie Aale mit ihren dokumentierten ph\u00e4notypischen Merkmalen verschnitten und die Aale aus den Fr\u00fchwarnsystemen wurden auf ph\u00e4notypische Ver\u00e4nderungen w\u00e4hrend des Zeitraums der Aalabwanderung (hier: September bis Februar) hin untersucht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Auswertungen und Analysen haben eine F\u00fclle wirklich neuer Erkenntnisse zur Biologie des Aals und seines Abwanderverhaltens erbracht:<\/p>\n<p>1.\tUnter allen in der Literatur beschriebenen und im Rahmen des vorliegenden Projekts untersuchten ph\u00e4notypischen Merkmalen hat sich nur die Pr\u00e4senz von Neuromasten in Formschwarzer Punkte entlang der Seitenlinie als gut erkennbares und einigerma\u00dfen verl\u00e4ssliches Merkmal f\u00fcr Blankaale erwiesen.<br \/>\n2.\tDie Farbpigmente in der Haut von Aalen bestehen gem\u00e4\u00df dem Spektrum im CMYK-Farbraumaus gelb (Y) mit etwas beigemischtem margenta (M) und schwarz (K).<br \/>\n3.\tGelbaale weisen einen gelb-Anteil (Y) von bis zu 37 % und einen schwarz-Anteil (K) von unter 20 % auf, Blankaale hingegen haben einen messbaren gelb-Anteil (Y) von weniger als 16 % und Null Anteil an schwarz (K). Alle Aale mit dazwischen liegenden Farbanteilen sind als \u0084intermedi\u00e4r gef\u00e4rbt\u0093                           anzusprechen. Allerdings ist die Differenzierung der Entwicklungsstadien Gelb- und Blankaal mit erheblichen Unsicherheiten behaftet.<br \/>\n4.\t19,5 % der Blankaale die 7 Monate geh\u00e4ltert wurden, haben wieder eine intermedi\u00e4re F\u00e4rbung angenommen. Hingegen haben sich nur 3 von 730 der blanken Indikatoraalen wieder gelb zur\u00fcckgef\u00e4rbt. Damit ist die F\u00e4rbung eines \u0084echten\u0093 Blankaals als relativ stabil zu betrachten.<br \/>\n5.\tAuf Abwanderer in der Lahn entfielen etwa 85 % der zuvor als Blankaale angesprochenen Exemplare, die die o. g. ph\u00e4notypischen Merkmale aufwiesen.<br \/>\n6.\tAllerdings haben die telemetrischen Befunde auch gezeigt, dass zwar viele der ph\u00e4notypisch als Blankaal angesprochenen Exemplare, aber keineswegs alle, stromabw\u00e4rts wandern.<br \/>\n7.\tAbwanderung findet keineswegs wie fischereilich tradiert beschrieben, nur im 4. Quartal eines Jahres statt, sondern auch im 2. Quartal von April bis Juni.<br \/>\n8.\tSchlie\u00dflich bleibt festzustellen, dass nur 1 % der besenderten Aale die Passage von 17 Wehrstandorten mit Wasserkraftnutzung bis zur M\u00fcndung \u00fcberlebt hat<br \/>\n9.\tFerner hat sich gezeigt, dass die Besatzflucht ein methodisches Problem telemetrischer Untersuchungen darstellt, dass bisher nicht erkannt und bei der Auswertung von Bewegungsaufzeichnungen ber\u00fccksichtigt wurde.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Inhalte des vorliegenden DBU Endberichtes wurden bisher nicht ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mittels Korrelation des Abwanderverhaltens telemetrisch besenderter Aale in der Lahn, deren F\u00e4rbung vor der Freilassung im Fluss subjektiv-optisch tradiert durch die Bearbeiter und physikalisch-objektiv mit einem Spektrometer untersucht worden war, wurde das Wanderverhalten der Fische in Abh\u00e4ngigkeit von ihren ph\u00e4notypischen Merkmalen evaluiert. Danach setzt sich die bauchseitige Hautf\u00e4rbung der meisten Aalev aus einer Mischung der Pigmente gelb (Y = yellow), schwarz (K = black) und magenta (M = magenta) zusammen, w\u00e4hrend blau (C = cyan) stets fehlt. Eine zutreffende optisch-subjektiv Ansprache der meisten Exemplare gelingt aufgrund der zumeist gemischten Pigmentanteile nicht. Vielmehr weisen die meisten Aale eine intermedi\u00e4re F\u00e4rbung auf und m\u00fcssten deshalb als Gelbaale angesprochen werden. Zudem f\u00e4rben sich etwa 20 % der bereits intermedi\u00e4r gelb-silbrigen Exemplare wieder zu Gelbaalen zur\u00fcck. Lediglich rein silbig-wei\u00dfe Aale, die einen gelb-Anteil von weniger als 16 % bei vollst\u00e4ndig fehlendem schwarz-Anteil in der Haut sowie deutlich erkennbare schwarze Neuromasten entlang ihrer Seitenlinie aufweisen, sollten als Blankaale bezeichnet werden. Deren F\u00e4rbung hat sich zudem als stabil erwiesen. Doch auch solche Exemplare wandern nach ihrer Umf\u00e4rbung vom Gelb- zum Blankaal oft erst nach Jahren stromabw\u00e4rts. Ungeachtet dessen wird empfohlen, nur echte Blankaale mit den beschriebenen Farbmerkmalen als Indikatorfische f\u00fcr das Fr\u00fchwarnsystem MITGROMAT\u00ae einzusetzen, da diese die gr\u00f6\u00dfte Neigung zur Abwanderung gezeigt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Best\u00e4nde des Europ\u00e4ischen Aals (Anguilla anguilla) sind im Verlauf der vergangenen Dekaden so stark eingebrochen, dass sie sich aktuell au\u00dferhalb sicherer biologischer Grenzen bewegen. 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