{"id":27641,"date":"2026-04-17T10:32:27","date_gmt":"2026-04-17T08:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37279-01\/"},"modified":"2026-04-17T10:32:27","modified_gmt":"2026-04-17T08:32:27","slug":"37279-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37279-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderinitiative Pestizide: Analyse der Nachhaltigkeitswirkung von Alternativen zum Pestizideinsatz und darauf aufbauende Untersuchung mehrdimensionaler Zielkonflikte"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Pestizideinsatz in der konventionellen Landwirtschaft ist ein wesentlicher Grund f\u00fcr den R\u00fcck-gang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und f\u00fcr Belastungen von Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern mit Pestiziden. Wesentliche Ziele der F\u00f6rderinitiative \u201eVermeidung und Verminderung von Pestiziden in der Umwelt\u201c der DBU waren daher<br \/>\n\u2022 der Schutz der Biodiversit\u00e4t durch eine Verringerung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft und<br \/>\n\u2022 die Entwicklung ressourcen- und energieeffizienter, nicht-chemischer Methoden des Pflanzenschutzes.<\/p>\n<p>In der Initiative der DBU wurden daf\u00fcr zehn Projekte gef\u00f6rdert, die auf ganz unterschiedliche Weise Beitr\u00e4ge zur Erreichung der beiden oben genannten Ziele leisten k\u00f6nnen. Im Rahmen dieser Initiative wurde zus\u00e4tzlich dieses Projekt zur Analyse der Nachhaltigkeitswirkungen gef\u00f6rdert. Es hatte folgende Ziele:<br \/>\n\u2022 Der Aufbau bzw. die St\u00e4rkung der Nachhaltigkeits-Bewertungskompetenzen der einzelnen F\u00f6rdernehmer und -nehmerinnen der F\u00f6rderinitiative;<br \/>\n\u2022 die Erfassung, Darstellung und Dokumentation der Nachhaltigkeits-Beitr\u00e4ge, die die einzelnen Teilprojekte leisten (bezogen auf Landwirtschaft\/Einsatz von Pestiziden) &#8211; ber\u00fccksichtigt werden hierbei \u00f6kobilanzielle Aspekte, gefahrstoffbezogene Aspekte (REACH Radar) und weitere qualitative Aspekte;<br \/>\n\u2022 die Identifizierung und m\u00f6glichst weitgehende Umsetzung von M\u00f6glichkeiten, innerhalb der Laufzeit der Teilprojekte die Nachhaltigkeits-Beitr\u00e4ge zu steigern;<br \/>\n\u2022 die Erarbeitung eines generellen methodischen Zugangs zur Aufarbeitung von potenziellen Zielkonflikten von Forschungsvorhaben zu Alternativen zum Pestizideinsatz, die Beschreibung positiver wie negativer Beitr\u00e4ge der einzelnen Teilprojekte in Hinblick auf die Sustainable Development Goals (SDG) der Agenda 2030 sowie das Aufzeigen von vorhandenen konkreten Zielkonflikten von M\u00f6glichkeiten ihrer L\u00f6sung;<br \/>\n\u2022 die Identifizierung von Spin-offs: \u00dcbertragungsm\u00f6glichkeiten der Ans\u00e4tze und Erfahrungen aus den Teilprojekten in verwandte Bereiche des Themenfeldes \u201cVermeidung und Verminderung von Pestiziden in der Umwelt\u201c werden herausgearbeitet, und<br \/>\n\u2022 die Erarbeitung der Grundlage f\u00fcr eine transparente Kommunikation der tats\u00e4chlich oder potenziell erreichten Nachhaltigkeitswirkungen der einzelnen F&#038;E-Projekte sowie damit einhergehend eine st\u00e4rkere Sicht-barkeit der Thematik bei wichtigen Entscheidungstr\u00e4gerinnen und Entscheidungstr\u00e4gern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr jedes Forschungsprojekt erfolgt eine Erfassung und Bewertung der Nachhaltigkeitsbeitr\u00e4ge in mehreren Stufen:<br \/>\n\u2022 Stufe 1: Orientierende Nachhaltigkeitsbetrachtung auf qualitativer Ebene<br \/>\n\u2022 Stufe 2: Schwerpunktsetzung und orientierende Quantifizierung der Nachhaltigkeitsbewertung<br \/>\n\u2022 Stufe 3: Vertiefte Quantifizierung der Nachhaltigkeitsbeitr\u00e4ge, Signifikanzanalyse und Gesamtbewertung. <\/p>\n<p>Bei der orientierenden Nachhaltigkeitsbewertung in Stufe 1 wurden als Bezugspunkt f\u00fcr die Bewertung die Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 gew\u00e4hlt. Die Schwerpunktsetzung und orientierende Quantifizierung geschah auf der Grundlage von Selbsteinsch\u00e4tzungen, die die gef\u00f6rderten Projektnehmer mit unserer Unterst\u00fctzung durchf\u00fchrten. Die vertiefte Quantifizierung erfolgte durch \u00f6kobilanzielle Auswertungen, die wir f\u00fcr mehrere der gef\u00f6rderten Projekte vorgenommen haben. Die Gesamtbewertung und die Ableitung von Handlungsempfehlungen bildeten den Abschluss der Arbeiten. <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Projekt wurden zum einen die zehn Projekte der Initiative untersucht. Zum anderen wurden methodische Hilfen f\u00fcr die Nachhaltigkeitsbewertung erarbeitet. Sie k\u00f6nnen auch in anderen Projekten, die von der DBU gef\u00f6rdert werden, eingesetzt werden. Die Projektpartner k\u00f6nnen sie auch eigenst\u00e4ndig anwenden.<br \/>\nIn mehreren der gef\u00f6rderten Projekte werden Alternativen ausgearbeitet, die zu deutlichen Verringerungen der Pestizideinsatzmengen f\u00fchren. Im Beispiel der N\u00fctzlingsrollwiese k\u00f6nnen das bis zu 100 % der sonst ben\u00f6tigten Insektizide sein. Im Beispiel des Precision Weedings kann auf das kostenaufw\u00e4ndige und f\u00fcr die Arbeiter k\u00f6rperlich sehr anstrengende manuelle J\u00e4ten verzichtet werden.<br \/>\nIn allen untersuchten F\u00e4llen sind mit diesen positiven Auswirkungen erh\u00f6hte Aufwendungen verbunden. Zum Beispiel Fl\u00e4chen, die nicht mehr f\u00fcr die Kulturen zur Verf\u00fcgung stehen bei der Rollwiese, erh\u00f6hter Wasser- und Energieverbrauch beim Precision Weeding. Dadurch kommt es zu Zielkonflikten. Das Ziel, Pestizide einzusparen, wird erreicht. Zu den Zielen, Energieverbr\u00e4uche und Wasserverbr\u00e4uche zu redu-zieren, k\u00f6nnen allerdings im Einzelfall keine positiven Beitr\u00e4ge geleistet werden, In einigen F\u00e4llen sind auch die Kosten h\u00f6her. Diese Zielkonflikte sind mehrdimensional. Die Verfahren haben gegens\u00e4tzliche Auswirkungen auf die Dimensionen Biodiversit\u00e4t, menschliche Gesundheit, Gesundheit von Tieren und Pflanzen, Fl\u00e4chenbedarf, Rohstoffeins\u00e4tze und Kosten.<br \/>\nDie im Austausch mit den Projektpartnern erzielten Ergebnisse haben best\u00e4tigt, dass es diese Zielkon-flikte gibt, aber auch Handlungsm\u00f6glichkeiten aufgezeigt. Wichtige Voraussetzung f\u00fcr einen erfolgreichen Umgang mit den Zielkonflikten ist es, sie darzustellen und nach M\u00f6glichkeit auch zu quantifizieren. Dies konnte bei den beteiligten Projekten gemacht werden. Dadurch wurde deutlich, dass in vielen F\u00e4llen der Preis f\u00fcr die Pestizid-Einsparungen annehmbar ist und es in vielen, wenn auch nicht allen F\u00e4llen, M\u00f6glichkeiten gibt, ihn auszugleichen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Projekt sind die Ergebnisse bei mehreren Gelegenheiten einer gr\u00f6\u00dferen \u00d6ffentlichkeit vorgestellt worden. Ausserdem wurden Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Kommunikation entwickelt. <\/p>\n<p>Das Vorgehen und die Ergebnisse des Projektes waren auch auch auf der von der DBU veranstalteten Woche der Umwelt (vom 4. Bis  5. Juni 2024)  in Berlin im Park Bellevue vertreten. Das Fachforum hatte den Titel: \u201eBiologische Vielfalt und Landwirtschaft: M\u00f6glichkeiten zur Vermeidung von Pestiziden\u201c. Ziel war es, den Teilnehmern die Wichtigkeit der Einsparung von Pestiziden zu verdeutlichen und M\u00f6glichkeiten hierf\u00fcr aufzuzeigen. Hierzu konnten erfreulicherweise entsprechende Erfahrungen aus den Projekten der F\u00f6rderinitiative genutzt werden. Das Thema und die verteilten Materialien fanden beim Publikum gro\u00dfes Interesse.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Projekt konnte gezeigt werden, dass es eine Vielzahl von nachhaltigen M\u00f6glichkeiten gibt, auf unterschiedlichen Wegen die eingesetzten Pestizidmengen in unterschiedlichen Kulturen zu verringern. Mit der Umsetzung dieser M\u00f6glichkeiten k\u00f6nnen wichtige Beitr\u00e4ge geleistet werden, die Belastungen von Mensch und Umwelt durch Pestizide zu senken und die biologische Vielfalt in der Agrar-landschaft zu steigern. Anhand von begleitenden \u00f6kobilanziellen Berechnungen konnte gezeigt werden, dass die mit dem Pestizidverzicht verbundenen Mehraufwendungen bei den betrachteten Methoden vertretbar sind. Einige der Methoden bieten auch die M\u00f6glichkeit, die aktuell aufw\u00e4ndige ma-nuelle Beikrautbek\u00e4mpfung zu verringern und bestehende oder zuk\u00fcnftige Wirkstoff-L\u00fccken zu schlie\u00dfen. Daher sollten die in den Projekten aufgezeigten M\u00f6glichkeiten genutzt und m\u00f6glichst umfassend eingesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Pestizideinsatz in der konventionellen Landwirtschaft ist ein wesentlicher Grund f\u00fcr den R\u00fcck-gang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und f\u00fcr Belastungen von Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern mit Pestiziden. 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