{"id":27550,"date":"2024-11-27T10:48:32","date_gmt":"2024-11-27T09:48:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37159-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:48:39","modified_gmt":"2024-11-27T09:48:39","slug":"37159-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37159-01\/","title":{"rendered":"Naturerbefl\u00e4chen interdisziplin\u00e4r kommunizieren &#8211; Weiterbildungsmodule f\u00fcr Natursch\u00fctzerInnen und MultiplikatorInnen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel und Anlass des Projekts \u0084Naturerbefl\u00e4chen interdisziplin\u00e4r kommunizieren \u0096 Leitfaden f\u00fcr Natursch\u00fctzerInnen und MultiplikatorInnen\u0093 war es, anhand ausgew\u00e4hlter Fl\u00e4chen des Nationalen Naturerbes interdisziplin\u00e4res Wissen f\u00fcr Natursch\u00fctzerInnen und weitere MultiplikatorInnen wie zum Beispiel VertreterInnen von Verb\u00e4nden oder LandschaftsbegleiterInnen erforschen und standardisiert aufbereiten. Der so entstehende Leitfaden sollte das Wissen um die \u00d6kologie der Fl\u00e4chen weiter festigen, aber vor allem Kompetenzen in der historisch-politischen Bildung mit Bezug zum Naturschutz erweitern. Auf Basis belastbarer Fakten und allgemeinverst\u00e4ndlicher Sprache sollte er den RezipientInnen erm\u00f6glichen, den gesellschaftlichen Wert der Fl\u00e4chen auch auf dieser Ebene zu vermitteln und das Naturschutzengagement weiter zu legitimieren. Beitr\u00e4ge zur Konfliktpr\u00e4vention und gegen die Vereinnahmungsversuche von Seiten extremistischer, insbesondere rechtsextremistischer Gruppen, waren ebenfalls Teil des Leitfadens.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Institut f\u00fcr Kulturwissenschaften der Universit\u00e4t Leipzig hat zun\u00e4chst mit dem Projektf\u00f6rderer, der DBU und anderen beteiligten Tr\u00e4gerInnen von Naturerbefl\u00e4chen, in einem Workshop allgemeine Kriterien f\u00fcr die Fl\u00e4chenauswahl identifiziert. Das Ziel bestand darin, Merkmale zu fixieren, um zu pr\u00fcfen, ob auf der Fl\u00e4che politisch-historische Bildung n\u00f6tig sei.<br \/>\nIn einem zweiten Schritt wurde aus dem Kriterienkatalog ein Ranking entwickelt werden, um die Identifikation von Fl\u00e4chen mit aktuell hoher Priorit\u00e4t und Fl\u00e4chen mit aktuell niederer oder keiner Priorit\u00e4t zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nDer so entstandene Kriterienkatalog wurde im Folgenden in Kooperation mit NaturschutzakteurInnen vor Ort im Zuge des Projektes auf den drei ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4chen \u00fcberpr\u00fcft, erweitert und validiert.<br \/>\nIn einem dritten Schritt wurde die Geschichte der drei ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4chen des Nationalen Naturerbes beispielhaft aufgearbeitet werden. Die historisch kritische Vorgehensweise wurde dabei dokumentiert und wurde Teil entsprechender Weiterbildungsbausteine im Leitfaden.<br \/>\nIn einem vierten Schritt wurde einerseits das Potenzial einer m\u00f6glichen extremistischen Vereinnahmung der konkreten Fl\u00e4chen analysiert und dargestellt. Andererseits wurden allgemeine, standardisierte Formulierungsbausteine entwickelt, um NaturschutzakteurInnen auf Fl\u00e4chen des Nationalen Naturerbes zu bef\u00e4higen, solchen Vorhaben aktiv entgegenzutreten.<br \/>\nDer entstandene Leitfaden wurde in der Endphase anhand einer der ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4chen mit einer spezifischen Zielgruppe, angehende LehrerInnen, zus\u00e4tzlich evaluiert. Es entstanden spezifisch \u0084didaktische Materialien\u0093 f\u00fcr diese Zielgruppe.<br \/>\nDas gesamte Vorgehen wurde auf einer Homepage dokumentiert. Das Projekt wurde au\u00dferdem von entsprechenden Fachseminaren am Institut f\u00fcr Kulturwissenschaften begleitet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es muss zun\u00e4chst unterstrichen werden, dass die Komplexit\u00e4t des Themas f\u00fcr die BearbeiterInnen Fachwissen im Bereich Naturschutz sowie Natur- und Umweltschutzgeschichte unbedingt voraussetzt. Der Projektzeitraum von 2 Jahren l\u00e4sst f\u00fcr die Beteiligten keine Einarbeitung f\u00fcr die genannten Bereiche zu.<br \/>\nZun\u00e4chst entstand eine Liste mit allgemeinen Kriterien, um die Fl\u00e4chenauswahl des Nationalen Naturerbes, die Bedarf an historisch-politischer Bildung erkennen lassen, schnell zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nDaraufhin wurden die Geschichte der Nationalen Naturerbefl\u00e4chen Peenem\u00fcnde, Prora und die Wahner Heide aus dem DBU-Naturerbe und P\u00f6tenitz aus der sogenannten \u0084Bundes-L\u00f6sung\u0093 erarbeitet.<br \/>\nDieser Projektschritt war im Umfang unterschiedlich. F\u00fcr Peenem\u00fcnde bestanden bereits Forschungsergebnisse, auf die aufgebaut werden konnte, wie auch das Historisch-Technische Museum vor Ort als Ansprechpartner. Das Gleiche betraf die Wahner Heide mit den sogenannten Heideportalen. F\u00fcr Prora besteht eine gute Literaturlage in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus, die Recherchen f\u00fcr die Nachkriegsphase von 1945 bis 1949 und die DDR waren dagegen aufwendig. Kaum historische belastbare Vorarbeiten bestanden f\u00fcr die Fl\u00e4che in P\u00f6tenitz, so dass hier der Aufwand sehr hoch war.<br \/>\nDiese Entscheidung f\u00fcr die Fl\u00e4chen erfolgte auch unter dem Aspekt der finanziellen Ausstattung des Projektes. Im R\u00fcckblick wird in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Entfernung des Standortes der Bearbeiter, \u0096 hier die Universit\u00e4t Leipzig \u0096 von den Gebieten, die Quellenlage und wiederum die Verortung der Quellen wichtige Kriterien sind, die in Zukunft vor einem solchen Projekt besser ausgeleuchtet werden k\u00f6nnten. Denn der Antragssteller hat aus der Unsicherheit, welche Gebiete als Projektinhalt definiert w\u00fcrden, das Reisebudget sehr hoch angesetzt. Dieses wurde nicht ausgesch\u00f6pft. Es w\u00fcrde deshalb Sinn machen, in Zukunft \u0096 wenn m\u00f6glich \u0096, die Einzelfl\u00e4chen fr\u00fcher zu definieren, um das Projekt finanziell konkreter fassen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nZum Projekt wurde au\u00dferdem ein Beirat herangezogen. Im Ergebnis war die umfangreiche Unterst\u00fctzung durch Fachwissen au\u00dferhalb des eigentlichen Projektteams sehr wichtig, um vor allem inhaltliche Vertiefungen zu erm\u00f6glichen, die sonst unbeachtet geblieben w\u00e4ren, Sensibilit\u00e4ten zu beachten und Zug\u00e4nge zu wichtigen Akteuren zu erm\u00f6glichen. Es soll hier im Ergebnis festgehalten werden, dass flankierende interdisziplin\u00e4re Gremien f\u00fcr ein solches komplexes Projekt sehr fruchtbar sind, wenn \u0096 wie in diesem Fall \u0096 konstruktiv und wertsch\u00e4tzend gearbeitet wird.<br \/>\nDas Wissen um die Geschichte der Fl\u00e4chen ist au\u00dferdem die Voraussetzung f\u00fcr das eigenen kompetente Auftreten als Au\u00dfenstehender bei den Akteuren der Fl\u00e4chen vor Ort. Das betrifft alle Beteiligten, die im Gespr\u00e4ch sehr schnell einsch\u00e4tzen, ob jemand sie bereits mit den lokalen Gegebenheiten auseinandergesetzt hat, und davon auch sehr oft die Entscheidung abh\u00e4ngig machen, mit welcher Ernsthaftigkeit sie am Gespr\u00e4ch teilnehmen.<br \/>\nJeweils zwei Workshops in einem relativ geringen Abstand wurden auf den Fl\u00e4chen Peenem\u00fcnde, Wahner Heide und P\u00f6tenitz durchgef\u00fchrt. Ziel war es, AkteurInnen auf den Fl\u00e4chen f\u00fcr das Thema historisch-politische Bildung zu sensibilisieren, vor allem Natursch\u00fctzerInnen mit anderen Interessensgruppen ins Gespr\u00e4ch zu bringen und zentralen Inhalte des Leitfadens partizipativ \u00fcberpr\u00fcft und erarbeitet werden.<br \/>\nDer wichtigsten Erfolge waren Konfliktbereinigung zwischen den historisch-politischen BildnerInnen und den zust\u00e4ndigen ehrenamtliche NaturschutzbetreuerInnen des Nationalen Naturerbes. Als Resultat wurde z. B. in Peenem\u00fcnde vereinbart, dass die zust\u00e4ndigen HistorikerInnen des HTM und die Naturschutzakteure gemeinsame Exkursionen in das Gebiet unternehmen w\u00fcrden, um sich weiter auszutauschen.<br \/>\nHistorisch-Politische Bildung wurde von den AkteurInnen der Workshops oft als M\u00f6glichkeit gesehen, ihre Inhalte mit der Umweltbildung zu koppeln und sie damit zu einem Instrument der BesucherInnenf\u00fchrung zu nutzen. Diese Verbindung w\u00e4re insbesondere bei der Ausbildung von zertifizierten Landschafsbegleitern auch pragmatisch m\u00f6glich und es bestand gro\u00dfes Interesse daran.<br \/>\nDer entstandene Leitfaden mit dem Titel: \u0093Leipziger Leitfaden: Geschichte von Fl\u00e4chen des Nationalen Naturerbes erfolgreich erforschen, Erinnerung und Verantwortung \u00fcber-zeugend wahrnehmen.\u0093 Ist so aufgebaut, dass er zun\u00e4chst eine Kl\u00e4rung erleichtert, ob \u00fcberhaupt historisch politische Bildung auf der Fl\u00e4che n\u00f6tig ist. Sodann werden Hilfestellungen gegeben, wie man die Geschichte der Fl\u00e4chen recherchiert unter besonderer Ber\u00fccksichtigung von Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus und der DDR. Es folgen in einem weiteren Teil Kommunikationshilfen, um Missverst\u00e4ndnisse beim Sprechen \u00fcber die Fl\u00e4chen zu vermeiden, und weitere Hilfestellungen zum historischen Arbeiten wie eine beispielhafte Quellenanalyse. Der Leitfaden ist sprachlich leicht zu rezipieren, ist selbsterkl\u00e4rend, handlich und spricht vom Layout an.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Auf das Erscheinen des Leitfadens wurden alle TeilnehmerInnen des Projekts (Beirat, Teilnehmende der Workshops) hingewiesen. Er wurde kostenfrei zugesandt. Au\u00dferdem wurde er als pdf auf der Homepage zum freien Download zur Verf\u00fcgung gestellt. Da die AutorInnen gut in der Szene der UmweltbildnerInnen vernetzt sind, wird angestrebt, das Projekt im BANU und im Naturerbe-Rat vorzustellen.<br \/>\nDes Weiteren f\u00fcgt er sich in bereits bestehende Initiative ein: Hier ist vor allem das Projekt Mensch.Natur.Gesellschaft (https:\/\/mensch-natur-gesellschaft.de\/), das sich  bundesweit mit Fl\u00e4chen besch\u00e4ftigt, in denen der Leitfaden eingesetzt und weiter erprobt werden kann, zu nennen. PD Dr. Nils M. Franke ist hier als wissenschaftlicher Berater direkt integriert.<br \/>\nDas Projekt \u0084Neues denken am Westwall\u0093 ist ebenfalls eine Initiative, die geeignet ist und in dem die AutorInnen aktiv sind. (https:\/\/umdenken.rlp.de\/de\/themen\/naturschutz-gegen-rechtsextremismus\/bildungsarbeit-am-ehemaligen-westwall\/jugendcamp-naturschutz-gegen-rechtsextremismus\/).<br \/>\nDamit bestehen umfangreiche Kontakte in die UmweltbildnerInnen-Szene, die zur Verbreitung genutzt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Als Fazit ist festzuhalten, dass dieses Projekt inhaltlich, organisatorisch und in seinem Endprodukt umfangreiche Anforderungen an die BearbeiterInnen und alle Beteiligten stellte. Die Koppelung von NaturschutzakteurInnen und historisch-politischen BildnerInnen ist nicht nur ein innovativer, sondern ein sehr fruchtbarer Ansatz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel und Anlass des Projekts \u0084Naturerbefl\u00e4chen interdisziplin\u00e4r kommunizieren \u0096 Leitfaden f\u00fcr Natursch\u00fctzerInnen und MultiplikatorInnen\u0093 war es, anhand ausgew\u00e4hlter Fl\u00e4chen des Nationalen Naturerbes interdisziplin\u00e4res Wissen f\u00fcr Natursch\u00fctzerInnen und weitere MultiplikatorInnen wie zum Beispiel VertreterInnen von Verb\u00e4nden oder LandschaftsbegleiterInnen erforschen und standardisiert aufbereiten. 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