{"id":27539,"date":"2025-10-21T10:32:24","date_gmt":"2025-10-21T08:32:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35662-01\/"},"modified":"2025-10-21T10:32:24","modified_gmt":"2025-10-21T08:32:24","slug":"35662-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35662-01\/","title":{"rendered":"Materialextrusion von biobasierten Kunststoffgranulaten mit der multi-axialen additiven Fertigung zur ressourcenschonenden Produktion von Anwendungen aus der Automobilindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Einsatz von Additive Manufacturing (AM) bringt zahlreiche Vorteile mit sich, wie verk\u00fcrzte Time-to-Market Zyklen, hohe Produktinnovation und Individualisierung. Es wird erwartet, dass diese Technologie zuk\u00fcnftig zu einer \u00f6kologischen nachhaltigeren Produktion beitr\u00e4gt, um Verbesserungen durch Materialeinsparungen, Abfallvermeidung und neue Recyclingtechniken zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nZiel des Projektes war es daher\u0085<br \/>\na) \u0085einen Granulatextruder zur Verarbeitung von biobasierten Kunststoffen zu entwickeln<br \/>\nb) \u0085einen 5-Achsigen 3D-Drucker zur st\u00fctzstrukturfreien Herstellung von Bauteilen zu entwickeln und aufzubauen<br \/>\nc) \u0085Anwendungen aus dem automobilen Betriebsmittelbau additiv herzustellen<\/p>\n<p>Das Extrusionskonzept wurde auf einem 5-Achs-Bearbeitungszentrum erarbeitet, um neben der Extrusion von Kunststoffgranulaten, eine Bahnplanungsstrategie zu entwerfen, die einen st\u00fctzstrukturfreien Druck von Bauteilen anhand eines formelement-orientierten Fertigungsansatzes erm\u00f6glicht. Das Konsortium bestehend aus Anlagenentwickler, Systemhersteller und Forschungseinrichtung sah vor, einen Demonstrator der Anlage aufzubauen, um insbesondere das Extrusionskonzept und das Bahnpla-nungsmodell physisch zu untersuchen und in das Unternehmensportfolio der KMUs aufzunehmen. So wurde das Potential einer nachhaltigen Produktion im Umgang mit Kunststoffen am Beispiel des automobilen Betriebsmittelbaus dargestellt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAP1: Extrusionskonzept und Maschinenstruktur<br \/>\nDas Arbeitspaket 1 A war unterteilt in Vorarbeiten im Bereich der Anforderungsanalyse und die eigentliche Entwicklung des Extruders. Im Kontext des Projektes BioME wurden Anforderungen aus verschiedenen Perspektiven an das Extrusionskonzept gestellt. Diese betrafen die Eingangsmaterialien, den Prozess und den Anwendungsfall. Der zweite Schwerpunkt des ersten Arbeitspaketes lag in der Anlagenplanung und Maschinenkonzeption. Ausgehend von ausgew\u00e4hlten Betriebsmitteln wurden die Anlagenmodule dimensioniert und die notwendigen Bewegungsfreiheitsgrade ausgelegt.<\/p>\n<p>AP2: Aufbau eines Demonstrators (3D-Drucker)<br \/>\nDas zweite Arbeitspaket beinhaltete den Aufbau eines Anlagendemonstrators. Im Gegensatz zu einem hohen Simulationsaufwand zur Analyse des Flie\u00dfverhaltens von Kunststoffschmelze bei der Extrusion bestand das Alleinstellungsmerkmal dieses Projekts in einer physischen Validierung des Extrusionskonzepts in einer fr\u00fchen Projektphase. Das Ergebnis des zweiten Arbeitspakets war der Aufbau einschlie\u00dflich der Inbetriebnahme der Extrusionsanlage, sodass die Extrusion und die Bahnplanung physisch getestet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>AP3: Bahnplanung zur Reduzierung von St\u00fctzstruktur<br \/>\nZur Verbesserung der Ressourceneffizienz wurden im n\u00e4chsten Arbeitspaket der Prozess zur Herstellung von supportfreien Betriebsmitteln mittels des Extruders zur Verarbeitung von Kunststoffgranulaten und hochvolumigen Extrusionsraten untersucht. Dazu wurde in einer Zusammenarbeit mit der Firma ModuleWorks eine sich in Entwicklung befindliche Bahnplanungssoftware auf die Anlage angepasst. Zudem wurde die Anlagentechnik auf Grundlage von Versuchsergebnissen weiter optimiert und die Leistungsf\u00e4higkeit das Systems \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>AP4: Demonstration ressourceneffizienter 3D Druck f\u00fcr den Betriebsmittelbau<br \/>\nAbschlie\u00dfend erfolgten anhand der entwickelten Anforderungen Testdrucke der Betriebsmittel und anschlie\u00dfende Evaluierung der Druckqualit\u00e4t in Form von Testberichten. Dazu wurden verschiedene Polymere aus den Bereichen Referenz, Biobasiert und Rezykliert identifiziert und getestet. Abschlie\u00dfend wurden aus den Materialien gedruckte Bauteile hinsichtlich des Grads der Lebensdauer auf der Grundlage von Bauteildefekten bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Im Zuge des Forschungsprojekts ist eine Extrudereinheit modelliert und physisch aufgebaut worden. Drucktests gaben Aufschluss \u00fcber das Plastifizierungs- und Austragsverhaltens. Zudem konnte die Extrudereinheit in eine selbst entwickelte multiaxiale Anlagentechnik erfolgreich integriert werden. F\u00fcr die Extrusionsanlage wurde ebenfalls die Bettanhaftung von Druckbauteilen untersucht, da diese f\u00fcr den multiaxialen Druck von besonderer Wichtigkeit ist. Im Rahmen des dritten Arbeitspakets wurde die Anlagentechnik optimiert und eingefahren. Zudem erfolgte im Zuge dieses Arbeitspaketes die Auslegung der Bahnplanung. Im Zuge dessen wurde eine anwendungsfreundliche Bahnplanung als essenziell identifiziert, dem wurde mithilfe einer Mittelumwidmung zum Erhalt weiterer Kompetenzen des externen Partners ModuleWorks Rechnung getragen. Au\u00dferdem wurden \u00c4nderungen am Extruder vorgenommen, um diesen besser auf den Anwendungsfall abzustimmen. Im Zuge dessen wurde auch die Steuerung in die Anlagetechnik integriert. Die Hardware wurde im Rahmen des dritten Arbeitspakets ebenfalls optimiert, indem die Schneckengeometrie angepasst und das Dichtungskonzept verbessert wurde. Bei der Erstellung von Softwarel\u00f6sungen zur Erstellung von Maschinencode, stellte die Abstimmung zwischen Software und Steuerung eine Herausforderung dar. Insgesamt haben die Arbeiten im dritten Arbeitspaket die Anlage bef\u00e4higt, Bauteile herzustellen. Im Zuge des vierten Arbeitspakets wurden ausgew\u00e4hlte Bauteile und Betriebsmittel f\u00fcr die Fahrzeugproduktion demonstriert. Anhand einer Anforderungsanalyse wurden ein Dreifachverteiler, ein Grundk\u00f6rper eines 3D-Shim-Knotens und ein Schraubendom f\u00fcr den Druck ausgew\u00e4hlt. Mit PLA, PE-Wood Compound und PETG Rezyklat wurden drei verschiedenen Granulate als Versuchsmaterialien ausgew\u00e4hlt. Die, aus den ausgew\u00e4hlten Materialien, gedruckten Bauteile wurden auf charakteristische Defekte und ihre Lebensdauer untersucht. Diese Ergebnisse machten einen direkten Vergleich der Lebensdauer und der Fertigbarkeit der Materialien m\u00f6glich. Beispielsweise konnte festgestellt werden, dass eine niedrigere Drucktemperatur die Lebensdauer des PE-Wood Compounds verbesserte. Au\u00dferdem konnten verschiedene Ursachen f\u00fcr Bauteildefekte identifiziert werden. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Der Beitrag \u0084Nachhaltiger 3-D-Druck durch multiaxiale Maschinensysteme und neue Stoffkreisl\u00e4ufe\u0093 erschien am 15. Oktober 2021 in Ausgabe 5 der Zeitschrift maschinenbau. Weiterhin erfolgte zu Beginn des Projekts eine Pressemitteilung (https:\/\/www.wzl.rwth-aachen.de\/cms\/WZL\/Das-WZL\/Presse-und-Medien\/Aktuelle-Meldungen\/~oazih\/Nachhaltiger-3D-Druck-durch-multiaxiale\/). Auf der Formnext 2021 wurde der erste Demonstrator (Ender 3) pr\u00e4sentiert und erhielt gro\u00dfes Interesse. Weiterhin wurden in den Folgejahren auf der Formnext 2022 und 2023 Jahren 5-achsig gedruckte Bauteile von beiden Anlagen pr\u00e4sentiert sowie das Forschungsprojekt BioME vorgestellt. Auf der TCT 3SIXTY in Birmingham, UK wurde am 19. April 2022 der Vortrag \u0084Material extrusion of bio-based plastic pellets with multi-axial additive manufacturing for resource-saving production of applications from the automotive industry\u0094 \u00fcber das Forschungsprojekt BioME gehalten. Auf dem Aachener Werkzeugmaschinenkolloquium (AWK) mit dem Titel \u0084Empower Green Production\u0093 wurde am 11. und 12. Mai 2023 die BioME-Anlage und das Forschungsprojekt vor-Ort und in einem digitalen Rundgang als Demonstrator vorgestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Innerhalb des Forschungsprojektes BioME wurden w\u00e4hrend des Aufbaus des Gesamtsystems von Bahnplanung bis fertigem Bauteil einige Herausforderungen aufgedeckt und bew\u00e4ltigt. Dabei wurde eine funktionale Anlagentechnik erstellt, mit der Kunststoffgranulate verarbeitet werden k\u00f6nnen. Mit der F\u00fclle der adressierten Themen war es m\u00f6glich, ein Gesamtbild zum Forschungsthema aufzuzeigen, es konnte jedoch nicht jedes Thema mit gro\u00dfer Tiefe erforscht und mit gleich gro\u00dfem Erfolg umgesetzt werden. <\/p>\n<p>Neben Corona und damit verbundenen Lieferengp\u00e4ssen stellten auch die Beschaffung von geeignetem Granulatmaterial, die komplizierte Programmierung der Siemenssteuerung und Personalwechsel w\u00e4hrend des Projekts Herausforderungen dar.<\/p>\n<p>Aus den Ergebnissen des Forschungsprojekts BioME ergeben sich praktische Themenstellungen und weitere Forschungsfelder. Die Anlagentechnik kann weiter optimiert werden, insbesondere im Hinblick auf eine Kostenoptimierung von Komponenten, z. B. der Steuerung oder der Dreh- und Schwenkeinheit. Auch das Extruderkonzept besitzt weiteres Potential, das beispielsweise in einen noch leistungsf\u00e4higeren Extruder umgesetzt werden kann. Die Software zur Bahnplanung besitzt ebenfalls weiteres Potential, das erschlossen werden kann.<\/p>\n<p>Aus der Betrachtung der gesamten Prozesskette eines Recyklings ergeben sich die weiteren Forschungsfelder. W\u00e4hrend BioME sich auf die Fertigung und Nutzung von biobasierten Material konzentrierte, wurden die Forschungsfelder des Recyclings und Rohmaterials nur am Rande betrachtet. Hier bieten sich weitere potentielle Forschungsfelder an, sowohl in der tieferen Betrachtung einzelner Bereiche als auch in der gesamtheitlichen Betrachtung des Materialzyklus<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Einsatz von Additive Manufacturing (AM) bringt zahlreiche Vorteile mit sich, wie verk\u00fcrzte Time-to-Market Zyklen, hohe Produktinnovation und Individualisierung. 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