{"id":27476,"date":"2023-07-14T10:38:38","date_gmt":"2023-07-14T08:38:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34426-02\/"},"modified":"2023-07-14T10:38:40","modified_gmt":"2023-07-14T08:38:40","slug":"34426-02","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34426-02\/","title":{"rendered":"Der Geb\u00e4udebestand steht vor einer Sanierungswelle &#8211; D\u00e4mmstoffe m\u00fcssen sich den Materialkreislauf erschlie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser Studie erfolgt eine Analyse der Verwertungswege der D\u00e4mmstoffe Stein- und Glaswolle, Expandiertes Polystyrol (EPS), Extrudiertes Polystyrol (XPS), Polyurethan (PU) sowie Holzfaserd\u00e4mmstoffe. Ziel ist die Identifikation der organisatorischen, technischen und wirtschaftlichen Hemmnisse, die einer stofflichen Verwertung entgegenstehen. Dabei gewonnene Erkenntnisse und Daten wurden zudem dazu genutzt, die \u00f6kologische Bewertung der verschiedenen f\u00fcr die D\u00e4mmstofftypen zur Verf\u00fcgung stehenden Entsorgungsoptionen neu zu bewerten und damit die \u00d6kobilanzen aus dem vorangegangen Forschungsprojekt (DBU AZ 34426_01) ggf. fortzuschreiben. Um sich der Relevanz der Kreislauff\u00fchrung von D\u00e4mmstoffen bewusst werden zu k\u00f6nnen, erfolgt zudem eine rechenmodellbasierte Prognose der zu erwartenden D\u00e4mmstoffmengen aus dem R\u00fcckbau bis 2050.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDiese Analysen erfolgen entlang der Akteurskette vom R\u00fcckbau bzw. der Anfallstelle der D\u00e4mmstoffabf\u00e4lle bis zum D\u00e4mmstoffhersteller. Im engen Austausch mit den Akteuren werden L\u00f6sungsans\u00e4tze herausgearbeitet und bewertet und wichtige Schnittstellen zwischen den Akteuren identifiziert.<br \/>\nDie Analyse erfolgt dabei \u0084von hinten\u0093, beginnend bei den D\u00e4mmstoffherstellern. Die f\u00fcr eine R\u00fcckf\u00fchrung in die Produktion erforderlichen Qualit\u00e4ten werden erfasst und entlang der Akteurskette \u00fcber Spezifikationen bis zur Baustelle weitergegeben. Die betrachteten Akteure sind: D\u00e4mmstoffhersteller, Sekund\u00e4rrohstoffhersteller, Sortierer\/Entsorger, Containerdienste und R\u00fcckbau-\/Abrissunternehmen sowie Akteure auf Sanierungsbaustellen (Bauhandwerk, Bauwirtschaft). Die Untersuchung ist auf Baden-W\u00fcrttemberg ausgerichtet, wobei auch D\u00e4mmstoffhersteller einbezogen wurden, die ihre Standorte au\u00dferhalb der Landesgrenzen haben, um alle D\u00e4mmstofftypen in die Untersuchung einbeziehen zu k\u00f6nnen. Im Rahmen des Projektes wurden auch Anlagenbesuche durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die Berechnungen der \u00d6kobilanzen kommt die Software Umberto zum Einsatz. Die Mengenprognosen erfolgen durch das Geb\u00e4udemodellierungstool (GEMOD) vom ifeu.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bis dato werden D\u00e4mmstoffe entweder energetisch genutzt (\u00fcber M\u00fcllverbrennungsanlagen oder als Ersatzbrennstoff) oder im Falle Mineralwollen auf Deponien abgelagert. Andere mineralische D\u00e4mmstoffe, die bislang nur in kleinen Mengen zum Einsatz kommen, sind Bestandteil der Entsorgung von mineralischen Bauabf\u00e4llen, haben dort aber keinen dezidierten Nutzen.<\/p>\n<p>Aus \u00f6kologischer Sicht ist eine stoffliche Verwertung insbesondere von synthetischen D\u00e4mmstoffen vorteilhaft. Noch besser w\u00e4re eine Wiederverwendung. F\u00fcr die in der Entsorgungswirtschaft aktuell relevanter werdenden D\u00e4mmstoffe EPS und Mineralwollen konnten erste stoffliche Verwertungswege aus dem R\u00fcckbau und der Sanierung von Geb\u00e4uden identifiziert werden. <\/p>\n<p>F\u00fcr in  Produktion und auf Baustellen anfallende Verschnittreste bestehen f\u00fcr die betrachteten D\u00e4mmstofftypen stoffliche Verwertungsverfahren, die aus technischer Sicht auch f\u00fcr r\u00fcckgebaute D\u00e4mmstoffe m\u00f6glich  w\u00e4ren, sofern die erforderlichen Reinheitsgrade und stofflichen Zusammensetzungen beachtet werden. Diese unterscheiden sich innerhalb der D\u00e4mmstofftypen.<\/p>\n<p>Ein wesentliches Hemmnis ist die Verunreinigung der D\u00e4mmstoffe, die eine stoffliche Verwertung erschwert. Der Grad der Verunreinigung geht vorrangig mit der Verbauweise der D\u00e4mmstoffe einher. D\u00e4mmstoffe, die aktuell in Verbundsystemen verbaut sind, k\u00f6nnen nicht ohne Anhaftungen von Putz und M\u00f6rtel (Kleber) r\u00fcckgebaut werden. Hier sind nachfolgend weitere gezielte Aufbereitungsschritte erforderlich.<\/p>\n<p>Ein sortenreiner und m\u00f6glichst r\u00fcckstandsfreier R\u00fcckbau der D\u00e4mmstoffe ist Aufgabe der Baustellenakteure und erleichtert die anschlie\u00dfende Aufbereitung oder macht sie dadurch erst m\u00f6glich. Auf Baustellen ist eine sortenreine Bereitstellung der D\u00e4mmstoffe trotz Platzmangel mit Zusatzaufwand m\u00f6glich, wenn auf bspw. Big Bags zur\u00fcckgegriffen wird und eine gute Zusammenarbeit mit Containerdiensten etabliert ist. Containerdienste k\u00f6nnen sich auch \u00fcber verschiedene Containergr\u00f6\u00dfen und Fahrzeuggr\u00f6\u00dfenklassen flexibel auf die verschiedenen Anforderungen an Baustellen ausrichten.<\/p>\n<p>Werden D\u00e4mmstoffe ab Baustelle als gemischte Bauabf\u00e4lle erfasst, gelangen diese in Vorbehandlungsanlagen. Diese sind nicht immer auf eine umfassende Sortierung ausgelegt. Selbst moderne technisch gut ausger\u00fcstete Anlagen separieren D\u00e4mmstoffe derzeit nicht, da f\u00fcr diese Sortierfraktionen zur stofflichen Verwertung noch kein Absatzmarkt vorhanden ist. <\/p>\n<p>In der Branche werden Anlagen entwickelt und erforscht, um D\u00e4mmstoffsysteme, die nicht r\u00fcckstandsfrei r\u00fcckbaubar sind, bereits ab Baustelle ausreichend vorzubehandeln. Ob mobile Anlagen die erw\u00fcnschten Reinheitsgrade erreichen, bleibt abzuwarten. Eine umfassende Aufbereitung u.a. von D\u00e4mmstoffen in Verbundsystemen und deren Nachsortierung kann wahrscheinlich nur bei Sortieren\/Entsorgern in station\u00e4ren Anlagen erfolgen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die logistischen Herausforderungen etablieren sich erste L\u00f6sungen, indem Sammelstellen eingerichtet und Kooperationen zwischen Herstellern und Aufbereitern eingegangen werden. Eine Sammlung kann u.a. bei Sortierern \/ Entsorgern erfolgen.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Hersteller besteht ein zentrales Hemmnis f\u00fcr eine hochwertige stoffliche Verwertung und R\u00fcckf\u00fchrung in die Produktion in fehlenden Regelungen zum Abfallende. Denn selbst wenn D\u00e4mmstoffabf\u00e4lle in ausreichend guter Qualit\u00e4t vorliegen, d\u00fcrfen diese nur dann zur\u00fcck in die Produktion gef\u00fchrt werden, wenn die Anlage \u00fcber eine entsprechende immissionsschutzrechtliche Genehmigung verf\u00fcgt. Bereits bei der R\u00fccknahme von Baustellenverschnitt herrscht vereinzelt Unsicherheit bei dieser Thematik.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Erfolg der stofflichen Verwertung der D\u00e4mmstoffe ist abh\u00e4ngig von dessen Reinheitsgrad in der Bereitstellung ab Baustelle. Selbst lose verbaute D\u00e4mmstoffe werden oftmals nicht ausreichend sauber getrennt. Hier sind R\u00fcckbauunternehmen sowie das Bauhandwerk gefordert, den gesetzlichen Pflichten gem\u00e4\u00df GewAbfV zur Getrennthaltung nachzukommen. Eine diesbez\u00fcglich standardisierte Vergabepraxis w\u00fcrde deren Umsetzung unterst\u00fctzen und sicherstellen, dass gesetzliche Standards im Wettbewerb nicht unterlaufen werden k\u00f6nnen. Zur St\u00fctzung der stofflichen Verwertung und Getrennthaltung ab Baustelle w\u00e4re eine Erweiterung der Abfallschl\u00fcssel nach Abfallverzeichnisverordnung hilfreich, um nach D\u00e4mmstofftypen unterscheiden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Hemmnis ist zudem die aufw\u00e4ndige R\u00fcckbaubarkeit von WDVS. Hier bedarf es weiterer Forschung, die es erm\u00f6glicht, die D\u00e4mmstoffe ab Baustelle in den erforderlichen Qualit\u00e4ten bereitzustellen. Ob diese Aufbereitung in mobilen Anlagen vor Ort stattfinden kann, ist abh\u00e4ngig vom D\u00e4mmstofftyp und der Gr\u00f6\u00dfe der Baustelle. Zielf\u00fchrender scheint eine gezielte Ausrichtung der etablierten Entsorgungswirtschaft auf eine fl\u00e4chendeckende Aufbereitung von D\u00e4mmstoffen. Die Aufbereiter dienen damit auch als regionale Sammelstelle. Hierzu werden in der Branche und Forschung bereits erste Konzepte erarbeitet.<\/p>\n<p>Die Gewinnung von Sekund\u00e4rrohstoffen ist h\u00e4ufig mit h\u00f6heren Kosten verbunden als die Gewinnung von Prim\u00e4rrohstoffen. L\u00f6sungen zur Aufbereitung von D\u00e4mmstoffen und die Entwicklung neuer Produkte mit Sekund\u00e4rrohstoffanteil m\u00fcssen unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert werden. Parallel dazu sollte entsprechend den gesetzlichen Vorgaben des Kreislaufwirtschaftsgesetzes zur Abfallhierarchie die sonstige (energetische) Verwertung oder Beseitigung der Abfallmassen nur im Ausnahmefall erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p>Sobald ein Absatzmarkt f\u00fcr Sekund\u00e4rrohstoffe etabliert ist, erschlie\u00dfen sich f\u00fcr die Entsorger neue Absatzwege und regen diese zu neuen Investitionen an. Andersherum warten die Produkthersteller auf ein ausreichendes Angebot von hochwertigen Sekund\u00e4rrohstoffen auf dem Markt, bevor in neue Techniken und Verarbeitungsverfahren investiert wird. Erste Kooperationen zwischen Herstellern und Entsorgern zeichnen sich ab. Diese gilt es zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>D\u00e4mmstoffe wie z.B. diejenigen aus nachwachsenden Rohstoffen sind erst seit vergleichsweise kurzer Zeit auf dem Markt und k\u00f6nnen daher nur auf sehr geringe Mengen an Post-Consumer D\u00e4mmstoffen als Abfallmassen zur\u00fcckgreifen. Hier gilt es, weiterhin das Bewusstsein der Kreislauff\u00fchrung zu st\u00e4rken und bereits fr\u00fchzeitig Verwertungskonzepte zu etablieren und zu pr\u00fcfen, wie sich diese dann auf weitere Regionen \u00fcbertragen lassen.<\/p>\n<p>Schon bei Konstruktion und Bau sollte darauf geachtet werden, D\u00e4mmstoffe so zu verbauen, dass sie sp\u00e4ter m\u00f6glichst zerst\u00f6rungsfrei und r\u00fcckstandsfrei r\u00fcckgewonnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Akteure in der gesamten Verwertungskette m\u00fcssen \u00fcber neue Entwicklungen und L\u00f6sungsans\u00e4tze informiert werden und ein gegenseitiges Verst\u00e4ndnis entwickeln. Sich etablierende gute Praxisbeispiele zur stofflichen Verwertung von r\u00fcckgebauten D\u00e4mmstoffen sollten kommuniziert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Im Rahmen dieser Studie erfolgt eine Analyse der Verwertungswege der D\u00e4mmstoffe Stein- und Glaswolle, Expandiertes Polystyrol (EPS), Extrudiertes Polystyrol (XPS), Polyurethan (PU) sowie Holzfaserd\u00e4mmstoffe. Ziel ist die Identifikation der organisatorischen, technischen und wirtschaftlichen Hemmnisse, die einer stofflichen Verwertung entgegenstehen. 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