{"id":27456,"date":"2024-11-27T10:48:25","date_gmt":"2024-11-27T09:48:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37059-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:48:30","modified_gmt":"2024-11-27T09:48:30","slug":"37059-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37059-01\/","title":{"rendered":"Evaluierung der modellhaften Anwendung von ORMOCER\u00ae-Beschichtungen zum Schutz wertvoller historischer Glasmalereien vor klimatischen Einfl\u00fcssen und anthropogenen Emissionen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Entwicklung von Glas-ORMOCER\u00ae als gezielt angepasstes Konservierungsmaterial liegt mehr als 30 Jahre zur\u00fcck. F\u00fcr korrosionsempfindliche, mittelalterliche Glasoberfl\u00e4chen wurde es als Korrosionsschutzbeschichtung konzipiert &#8211; auch Verbundbeschichtung genannt. In Abwandlung der Auftragstechnik hat man das Glas-ORMOCER\u00ae am Erfurter Dom auch zur fl\u00e4chigen Sicherung stark gesch\u00e4digter Glasbemalung auf modernen Echtantikgl\u00e4sern eingesetzt. Die \u00e4ltesten Pilotanwendungen der sogenannten Verbundbeschichtung zum Korrosionsschutz stammen aus dem Zeitraum von 1987 bis 1990. Seither wird das Material vor allem im Rahmen von Forschungsprojekten mit Leuchtturmcharakter eingesetzt. Die praktische Denkmalpflege steht dem Einsatz neuer Methoden und Materialien generell interessiert gegen\u00fcber, ist aber in der konkreten Anwendung sehr zur\u00fcckhaltend, solange keine zuverl\u00e4ssigen Langzeiterfahrungen vorliegen. Langlebige und nachhaltige Konservierungsmaterialien sind allseits unentbehrlich, zumal vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels, dessen korrosionsbeschleunigende Bedingungen bereits prognostiziert werden. <\/p>\n<p>F\u00fcr drei Pilotanwendungen des Glas-ORMOCER\u00aes \u0096 an der Herrgottskirche in Creglingen, am Erfurter Dom und am K\u00f6lner Dom ? liegen Zwischenbewertungen vor, deren positive Einsch\u00e4tzung nach einem weiteren Jahrzehnt und mittlerweile 30 Jahren Expositionszeit zu \u00fcberpr\u00fcfen waren. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenNeben der eingehenden visuellen Bewertung des Zustandes der beschichteten Glasoberfl\u00e4chen an allen drei Standorten durch Restauratoren sind an Beschichtungsproben schwingungsspektroskopische Untersuchungen im Labor durchgef\u00fchrt worden, um strukturelle Aussagen zum Alterungsverhalten zu erhalten. Daraus lassen sich konservatorische Empfehlungen und Rahmenbedingungen f\u00fcr einen k\u00fcnftigen Einsatz von Glas-ORMOCER\u00ae formulieren. Dies schlie\u00dft auch den Umgang mit der Reversibilit\u00e4t der \u0084Altrestaurierung\u0093 ein, also die Frage, ob und wie eine Entfernung des Glas-ORMOCER\u00ae von den behandelten Oberfl\u00e4chen m\u00f6glich ist. <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Beschichtungen auf den Glasoberfl\u00e4chen zeigen keine oder nur geringe, visuell erkennbare Ver\u00e4nderungen. Das Vorhandensein einer Au\u00dfenschutzverglasung wirkt sich nachweislich positiv auf den Erhaltungszustand aus, da gesch\u00fctzte Beschichtungen tadellos erscheinen. Mikroskopische Untersuchungen der beschichteten Glasoberfl\u00e4chen und Vergleiche mit alten Detailaufnahmen (Referenzbereiche) belegen selbst 30 Jahre nach dem Auftrag durchweg eine gute Haftung des Glas-ORMOCER\u00aes. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Korrosionsschutzbeschichtung\/Verbundbeschichtung weisen die schwingungsspektroskopischen Analysen von Beschichtungsproben mittels Infrarot- und Ramanspektroskopie nicht auf Materialver\u00e4nderungen hin. Dies trifft auch zu, wenn die Beschichtung seit mehr als 30 Jahren der direkten Witterung ausgesetzt ist. Der visuell intakte, sehr d\u00fcnne ORMOCER\u00ae-Auftrag zur fl\u00e4chigen Malschichtsicherung an Fenstern des Erfurter Doms zeigt im Schwingungsspektrum ebenfalls unver\u00e4nderte Spektren, aber an einzelnen Proben auch erste Auff\u00e4lligkeiten. Diese resultieren wahrscheinlich aus lichtinduzierten Spaltungsreaktionen des Bestanteils ParaloidTM B72, der in der Glas-OMROCER\u00ae-Mischung enthalten ist.     <\/p>\n<p>Das Alterungsverhalten des Glas-ORMOCER\u00aes kann auf der Grundlage der vorliegenden Bewertung nach wie vor positiv beurteilt werden, was der Etablierung in die Restaurierung f\u00f6rderlich ist. Zuverl\u00e4ssige Konservierungsmaterialien reduzieren k\u00fcnftige Sch\u00e4den an Objekten und verringern notwendig werdende konservatorische Ma\u00dfnahmen. Dar\u00fcber hinaus stellt die Entfernung von Altrestaurierungen einen wichtigen Aspekt dar, der f\u00fcr andere Materialgruppen teils mit gesundheitsgef\u00e4hrdenden und umweltsch\u00e4dlichen Chemikalien sowie vergleichsweise hohem Energieaufwand und materiellen Ressourcen verbunden ist. Die Reversibilit\u00e4t des gealterten Glas-ORMOCER\u00aes ist nachweislich mit unbedenklichen L\u00f6sungsmitteln m\u00f6glich (z. B. Methylethylketon aber auch Ethylacetat oder Butylacetat).<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211;\tAbschlussveranstaltung in der Glaswerkstatt des Erfurter Domes am 21.03.2023<br \/>\n&#8211;\tDeutsch\/englischer Handlungsleitfaden zum Einsatz des Glas-ORMOCER\u00aes auf der Fraunhofer ISC Website des IZKK<br \/>\n&#8211;\tGeplante Pr\u00e4sentation auf dem XII. Internationalen Forum f\u00fcr die Restaurierung und Technologie von historischen Glasmalereien des CMVA und ICOMOS, Erfurt, 17.\u0096 19.07.2024<\/p>\n<p>Ver\u00f6ffentlichungen<br \/>\n&#8211;\tAbschlussbericht nach DBU-Richtlinien, online<br \/>\n&#8211;\tF. Bornschein: Evaluierung der Malschichtsicherung an den Crodelfenstern des Erfurter Domes in den Jahren 2021\/2022. Archiv f\u00fcr Mittelrheinische Kirchengeschichte, Band 74, 2022<br \/>\n&#8211;\tF\u00fcssenich, P.: 63. Dombaubericht, K\u00f6lner Domblatt, Band 87, 2022, S. 31 f.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die vorgesehenen Projektabschnitte verliefen inhaltlich planm\u00e4\u00dfig, jedoch traten aufgrund der anhalten Corona-Pandemie zeitliche Verz\u00f6gerungen ein. Eine besondere Herausforderung stellte die analytische Untersuchung der \u00e4u\u00dferst d\u00fcnnen und nur wenige Mikrometer gro\u00dfen Beschichtungsproben dar. Hier lie\u00dfen jedoch auch wertvolle Erfahrungen zum Procedere gewinnen, von denen k\u00fcnftige Untersuchungen von kleinsten Proben profitieren k\u00f6nnen.         <\/p>\n<p>Die nachweislich guten Langzeiterfahrungen f\u00fcr den Einsatz des Glas-ORMOCER\u00aes nach mehr als 30 Jahren Exposition sind ein beruhigendes Zeichen f\u00fcr die Objekte, bei denen das Material bereits zum Einsatz kam, und zugleich Ermutigung, es k\u00fcnftig vorbehaltloser einzusetzen. Auch wenn das Konzept der Korrosionsschutzbeschichtung an Bedeutung verloren hat, so ist das Konservierungsmaterial an sich interessant &#8211; zum Beispiel f\u00fcr die Sicherung gesch\u00e4digter Malschichten auf Glasmalereien. Eine Au\u00dfenschutzverglasung, die m\u00f6glichst mit integriertem UV-Schutz kombiniert ist, wird nicht nur das Objekt, sondern auch die Lebensdauer der Beschichtung verl\u00e4ngern. Auch f\u00fcr die fl\u00e4chige Stabilisierung craquelierter Gl\u00e4ser in Bleiverglasungen kam das Glas-ORMOCER\u00ae bereits zum Einsatz oder zur Festigung glasierter Ziegel bzw. als Glasurersatz im Au\u00dfenraum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Entwicklung von Glas-ORMOCER\u00ae als gezielt angepasstes Konservierungsmaterial liegt mehr als 30 Jahre zur\u00fcck. 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