{"id":27449,"date":"2024-11-27T10:46:56","date_gmt":"2024-11-27T09:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35728-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:47:03","modified_gmt":"2024-11-27T09:47:03","slug":"35728-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35728-01\/","title":{"rendered":"Klima-Bewusstsein im Hammbachgebiet (NRW): Nachhaltiges Wassermanagement f\u00fcr Landwirtschaft, Landschaft und Wasserversorgung (KlimaBeHageN)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das Projektgebiet liegt in Dorsten\/NRW im s\u00fcdwestlichen M\u00fcnsterland und \u00dcbergang zum n\u00f6rdlichen Ruhrgebiet. Vielf\u00e4ltige Nutzungsanspr\u00fcche an das Grundwasser \u00fcberschneiden sich und in Jahren mit Niederschlagsmangel fallen oberirdische Gew\u00e4sser heute schon zeitweise trocken. Im Zusammenhang mit dem erwarteten fortschreitenden Klimawandel kann sich diese Situation noch versch\u00e4rfen.<br \/>\nDer Raum ist f\u00fcr die Trinkwassergewinnung von hoher Bedeutung. Rund 350.000 Menschen werden von hier aus mit Trinkwasser versorgt. Die \u0084M\u00fcnsterl\u00e4nder Parklandschaft\u0093 ist \u00fcberdies eine von Mooren und Feuchtgebieten einerseits und intensiver landwirtschaftlicher Nutzung andererseits gepr\u00e4gte Kulturlandschaft. In Trockenjahren ist bereits heute nicht genug Wasser verf\u00fcgbar, um die vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzungen aufrecht zu erhalten. Auch andere Nutzungen im Landschaftsraum sind von Trockenheit betroffen.<br \/>\nDer mittlerweile nicht mehr aktive Steinkohle-Bergbau hat in den zur\u00fcckliegenden Jahrzehnten zu Oberfl\u00e4chenver\u00e4nderungen gef\u00fchrt, die auch im Wasserregime als \u0084Ewigkeitslasten\u0093 zu bewirtschaften sind.<br \/>\nDie Aufrechterhaltung des mengenm\u00e4\u00dfig guten Zustands des Grundwasserk\u00f6rpers im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie ist von erheblicher umweltpolitischer Relevanz. In der Summe dieser Nutzungs- und Bewirtschaftungsanspr\u00fcche wird deutlich, dass die Anspruchs- und Akteursgruppen nur gemeinsam zu L\u00f6sungen kommen. Die vorliegenden Probleme und Nutzungskonkurrenzen bestehen durchaus auch in anderen Regionen, so dass auch L\u00f6sungsans\u00e4tze im Idealfall \u00fcbertragbar w\u00e4ren.<br \/>\nInnerhalb des Projektes arbeiteten unterschiedliche Akteure zusammen an diesen L\u00f6sungen: Neben dem Projektleiter Lippeverband (als regionaler Wasserwirtschaftsverband f\u00fcr die Gew\u00e4sserunterhaltung, Regulierung der Bergbaufolgen, Grundwasserbewirtschaftung und Abwasserbeseitigung zust\u00e4ndig) sind als unterst\u00fctzende Partner die RWW Rheinisch-Westf\u00e4lische Wasserwerksgesellschaft mbH (als regionaler Wasserversorger), der Landwirtschaftliche Kreisverband Recklinghausen und der Wasser- und Bodenverband Rhader Bach\/Wienbach sowie die Landwirtschaftskammer NRW beteiligt. Als wissenschaftlich-technische Partner haben die Lippe Wassertechnik GmbH (Ingenieurdienstleistungen), die Universit\u00e4t Kassel mit dem Fachgebiet Agrartechnik und die Fachhochschule Ruhr-West mit dem Fachbereich Wirtschaft, Wasser- und Energie\u00f6konomik) am Projekt mitgewirkt. Weitere beteiligte Akteure wie Beh\u00f6rden, Landes- und Kommunalpolitik, Naturschutz und B\u00fcrger wurden zum Thema unterst\u00fctzt, sensibilisiert und \u0084mitgenommen\u0093.<br \/>\nErarbeitet wurde i.R. des Projektes<br \/>\n\u0095\teine Studie zur Umsetzbarkeit technischer Ma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung des Grundwasserdargebotes mit einer Kostenannahme,<br \/>\n\u0095\tdie konkrete Umsetzung von Ma\u00dfnahmen zum Wasserr\u00fcckhalt im Deutener Moor mit Wirkung bis in die benachbarten Feuchtgebiete,<br \/>\n\u0095\tdie Ermittlung eines konkreten landwirtschaftlichen Wasserbedarfs zur Bew\u00e4sserung in Trockenzeiten sowie sozial\u00f6kologische Aspekte m\u00f6glicher Ma\u00dfnahmen,<br \/>\n\u0095\tMa\u00dfnahmen zur Minimierung des Bew\u00e4sserungsbedarfs sowie<br \/>\n\u0095\tModelle zur Organisation und Finanzierung infrastruktureller Bew\u00e4sserungsma\u00dfnahmen.<br \/>\nPraktisch hat sich aus der Projektbearbeitung KlimaBeHageN ergeben, dass eine Stabilisierung des Grundwasserk\u00f6rpers im Interesse aller Nutzungsanforderungen nur mithilfe infrastruktureller Ma\u00dfnahmen gedeckt werden kann, die jedoch nicht allein von einer Seite finanziert werden k\u00f6nnen. Der erarbeitete L\u00f6sungsvorschlag zur Anreicherung des Grundwassers ist ingenieurtechnisch machbar und aus Sicht der Partnerschaft zur Deckung des erwarteten Wasserbedarfs w\u00fcnschenswert. Da eine Umsetzung jedoch noch einen erheblichen zeitlichen Vorlauf erfordert (Tr\u00e4gerschaftsstruktur, Finanzierung, ggf. weitere Gutachten z.B. zur Wasserqualit\u00e4t, Planung, Genehmigung, Bau, Inbetriebnahme) und die Problemlage Handeln erfordert, wurden eine Reihe von \u0084no regret\u0093-Ma\u00dfnahmen identifiziert, mit denen zeitnah begonnen werden k\u00f6nnte:<br \/>\nDazu geh\u00f6ren Schulungs- und Beratungsangebote f\u00fcr die Landwirtschaft, die Identifikation von Gr\u00e4ben\/Drainagen und die Ermittlung von besonders abflusswirksam bewirtschafteten Fl\u00e4chen, um dort R\u00fcckhaltema\u00dfnahmen in der Landschaft umzusetzen. Des Weiteren wird die Erarbeitung einer Studie zur Abkopplung befestigter Fl\u00e4chen von der Mischwasserkanalisation (insbesondere in den nordwestlichen Stadtgebieten von Dorsten) als ein weiterer praktischer Schritt gesehen.<br \/>\nWeitere wichtige Aspekte sind die verbesserte Datengrundlage und Steuerungsinstrumente f\u00fcr die Wasserwirtschaftsbeh\u00f6rden und die Entwicklung eines regionalen Wassermanagements. Hier ist die Politik gefordert, Ressourcen bereitzustellen.<br \/>\nIm Ergebnis k\u00f6nnen bis zur Realisierung einer Grundwasseranreicherung die genannten \u0084no-regret\u0093-Ma\u00dfnahmen sowie die Entwicklung und schrittweise Umsetzung eines regionalen Wassermanagements zu einer geringeren Belastung des Grundwasserhaushaltes beitragen \u0096 die KlimaBeHageN-Partner wollen L\u00f6sungen konsequent verfolgen und unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie \u0084Arbeitsanteile\u0093 der Partner am Gesamtprojekt \u0096 neben der Projektleitung durch den Lippeverband \u0096 bestanden im Wesentlichen aus drei Kategorien:<br \/>\n1)\tIn sich geschlossene, jedoch aufeinander aufbauende Fachbeitr\u00e4ge, die aus der Expertenperspektive jeweils Teilaspekte der Problematik und damit verbundene L\u00f6sungen behandeln: Im Herbst 2020 erfolgte durch die Landwirtschaftskammer mit Unterst\u00fctzung durch die Universit\u00e4t Kassel die Strukturierung und Vorbereitung einer Befragung der im Projektgebiet gelegenen 380 landwirtschaftlichen Betriebe; der Fragebogen wurde Anfang 2021 verschickt, im Verlauf des Jahres 2021 ausgewertet und m\u00fcndete in einen Fachbeitrag. In Summe konnten rund ? der landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen erfasst und die Bew\u00e4sserungsmengen somit abgesch\u00e4tzt bzw. hochgerechnet werden als Grundlage der wasserwirtschaftlichen Analysen und Planungen.<br \/>\nUnter Zuhilfenahme dieser Erkenntnisse wurde durch die Lippe Wassertechnik eine wasserwirtschaftliche Studie entwickelt, die mit Wassermengen, Technik, Standorten, Kosten etc. und in Abstimmung mit den Beh\u00f6rden zu einem realistischen Planungskonzept verdichtet wurde.<br \/>\nMit den so ermittelten Kosten und organisatorischen Leitplanken konnten im weiteren Projektverlauf durch die Hochschule Ruhr-West Modelle zur \u0084verursachergerechten Wasserpreisbildung\u0093 bearbeitet werden, um sowohl Bau als auch Betrieb und Instandhaltung zu kostendeckenden Preisen und unter Ber\u00fccksichtigung einer potenziellen Landesf\u00f6rderung abzubilden.<br \/>\nDie ermittelten Sachverhalte wurden auch mit Projektverantwortlichen anderer Bundesl\u00e4nder reflektiert, um politische Rahmenbedingungen, Genehmigungs- und Finanzierungsfragen  oder Akzeptanz auf Seiten der Landwirtschaft, \u00d6ffentlichkeit oder des Naturschutzes zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nNeben der wasserwirtschaftlichen Konzeption wurden f\u00fcr Pilotma\u00dfnahmen mit ausgew\u00e4hlten landwirtschaftlichen Betrieben durch die Universit\u00e4t Kassel Bew\u00e4sserungsmethoden und die Pflanzenauswahl thematisiert, um Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine dauerhaft ressourcenschonende und betriebswirtschaftlich funktionsf\u00e4hige Landwirtschaft zu entwickeln.<br \/>\n2)\tEin Praxisprojekt mit Nachweis der Wirksamkeit der Verd\u00e4mmung von Gr\u00e4ben: Zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes wurde im Rahmen einer ersten konkreten Umsetzung  bereits im Herbst 2020 durch die Lippe Wassertechnik mit den baulichen R\u00fcckhaltema\u00dfnahmen im Deutener Moor begonnen, die in den Folgemonaten evaluiert und als erfolgreich bewertet wurden.<br \/>\n3)\tDie fachliche Begleitung und der Input aller Projektbeteiligten innerhalb der Arbeitspakete und in der Gesamtpartnerschaft: Die inhaltliche Abstimmung in der Gesamtpartnerschaft erfolgte im monatlichen \u0084jour fixe\u0093, der \u00fcberwiegend digital stattfand. Daneben war ein nach Arbeitsfortschritt einberufener \u0084projektbegleitender Arbeitskreis\u0093 gebildet worden, in dem \u00fcber den Projektstand informiert und insbesondere genehmigungsrechtliche Sachverhalte diskutiert und abgestimmt wurden. An diesem Arbeitskreis waren rund 30 Externe aus Beh\u00f6rden, Naturschutz, Landwirtschaft, Bergbau, Kommunalverwaltung und als Waldbesitzer der Regionalverband Ruhrgebiet beteiligt; \u00fcber die Projektlaufzeit wurden dreimal Zwischenergebnisse vorgestellt und diskutiert. Dar\u00fcber hinaus fanden viele Einzeltermine vor Ort statt.<br \/>\nDie projektbegleitenden Beh\u00f6rdengespr\u00e4che haben jenseits erforderlicher Entscheidungshilfen zum Thema Erlaubnisse\/Entnahmerechte offenbart, dass essenzielle Defizite in der Erfassung und Bewertung von projektrelevanten Grundlagendaten bestehen und hier \u0096 jenseits von KlimaBeHageN \u0096 landesweit und dringend Handlungsbedarf besteht. W\u00e4hrend der Projektlaufzeit wurden in der Umweltministerkonferenz der L\u00e4nder im November 2022 die Erfassungsdefizite und regulatorischen Unterschiede bei der Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen in Deutschland auch thematisiert und m\u00fcndeten in Beschl\u00fcsse zu einer Harmonisierung und ressourcenschonenderen Bewirtschaftungspolitik.<br \/>\nNachbemerkung: Der Projektantrag KlimaBeHageN war \u0096 mit Revision \u0096 Stand 29.05.2020 eingereicht und am 23.09.2020 f\u00f6rmlich bewilligt worden. Da ein Gro\u00dfteil der Bearbeitungszeit lag in der Zeit der Corona-Pandemie, wodurch Pr\u00e4senztermine, Events und Austausche den jeweiligen gesetzlichen bzw. arbeitgeberbedingten Beschr\u00e4nkungen unterlagen sowie auch durch Erkrankungen beeintr\u00e4chtigt wurden. Entsprechend musste zweimal die Verl\u00e4ngerung der Projektlaufzeit beim F\u00f6rdermittelgeber beantragt werden und wurde in beiden F\u00e4llen von der DBU bewilligt. Der urspr\u00fcnglich Endtermin 30.07.2022 verschob sich damit auf den 28.02.2023.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Projekt KlimaBeHageN hatte eine politisch-administrative sowie eine praxisorientierte Dimension. Der Praxisteil \u0096 Erh\u00f6hung des Grundwasserstandes durch Grabenverd\u00e4mmungen sowie die Machbarkeitsstudie f\u00fcr eine ingenieurtechnische Grundwasseranreicherung \u0096 wurden erfolgreich abgeschlossen. Auf der politisch-administrativen Seite wurden L\u00f6sungsans\u00e4tze aufgezeigt, die ungleich schwieriger realisierbar und durch viele Akteure zu unterst\u00fctzen sind, um in der Gesamtheit Wirkung zu entfalten.<br \/>\nMit der F\u00f6rderantragstellung bei der DBU zielte das Projekt auf die Erf\u00fcllung der Anforderungen der DBU ab \u0084\u0085nachhaltige Effekte in der Praxis [zu] erzielen, Impulse [zu] geben und eine Multiplikatorwirkung [zu] entfalten.\u0093<br \/>\nDie KlimaBeHageN-Partner haben sehr unterschiedliche Hintergr\u00fcnde und Motivationen, da jeder andere Interessensgruppen repr\u00e4sentiert. Allen gemeinsam ist die erkannte Handlungsnotwendigkeit einer zukunftsgerichteten Ressourcenbewirtschaftung. Nach nunmehr drei Jahren der Zusammenarbeit stehen die Projektergebnisse als Gemeinschaftswerk auch zur \u00f6ffentlichen Diskussion \u00fcber erforderliche weitere Schritte. KlimaBeHageN adressiert mit den L\u00f6sungsans\u00e4tzen sehr aktuelle und zeitnah anzugehende zentrale Herausforderungen des Umweltschutzes.<br \/>\nDas Ansinnen \u0084Impulse [zu] geben und eine Multiplikatorwirkung [zu] entfalten\u0093 ist von KlimaBeHagen erf\u00fcllt worden: Das Feedback der landwirtschaftlichen Betriebe im Verlaufe der Befragung und Zusammenarbeit ging deutlich in die Richtung, dass zugunsten des Erhalts der naturr\u00e4umlichen und wirtschaftlichen Existenzgrundlagen Handlungserfordernisse gesehen und Initiativen begr\u00fc\u00dft werden. Die hier gesetzten Impulse und die Bereitschaft zum Umdenken, Zusammenarbeiten und die im Folgenden zu entwickelnden Strukturen sind als Muster f\u00fcr weitere Kooperationsvorhaben beim Grundwassermanagement geeignet.<br \/>\nDie \u00dcbertragbarkeit von KlimaBeHageN-L\u00f6sungsans\u00e4tzen auf Regionen mit \u00e4hnlichen Herausforderungen ist allerdings wegen oft unterschiedlicher Rahmenbedingungen nicht eins-zu-eins sinnvoll bzw. m\u00f6glich. Die L\u00f6sungsans\u00e4tze<br \/>\n?\tWasser in der Landschaft zur\u00fcckhalten und Niederschlagsversickerung forcieren,<br \/>\n?\tBewirtschaftung umstellen (wie Technik, Bodenbearbeitung, Kulturenauswahl),<br \/>\n?\tregionales Wassermanagement zur Steuerung und flexiblen Bewirtschaftung des Grundwasserdargebots und<br \/>\n?\tSt\u00e4rkung der Grundwasserk\u00f6rper durch Speisung aus Oberfl\u00e4chengew\u00e4ssern in niederschlagsreicheren Monaten (nur wenn Gew\u00e4sser mit ausreichendem Abfluss verf\u00fcgbar)<br \/>\nk\u00f6nnen jedoch in unterschiedlicher Priorisierung bzw. Intensit\u00e4t auf viele Problemregionen \u00fcbertragbar sein, denn Wassermangel ist eine wachsende und interdisziplin\u00e4re Herausforderung.<br \/>\nDa Bauma\u00dfnahmen einen langen Vorlauf haben und zeitverz\u00f6gert wirken, sind vor allem zeitnahe Bewirtschaftungsumstellungen, lokaler Wasserr\u00fcckhalt und Niederschlagsmanagement auf allen geeigneten Fl\u00e4chen (unterschiedlicher Eigent\u00fcmer) eher m\u00f6glich, durch eine Vielzahl von Akteuren umsetzbar und vor Ort auch unmittelbar sp\u00fcrbar. Dies ist der Schritt vom Projekt in die Praxis.<br \/>\nAuf die \u0084nachhaltigen Effekte in der Praxis\u0093 sind die KlimaBeHageN-Akteure auf Kooperationen und Unterst\u00fctzung seitens der lokalen Beh\u00f6rden (Bezirksregierung, Untere Wasser- und Untere Naturschutzbeh\u00f6rde) angewiesen, die nicht nur f\u00fcr Genehmigungen konkreter baulicher Eingriffe zust\u00e4ndig sind, sondern auch f\u00fcr das Grundwassermonitoring und die Erteilung der Entnahmerechte. In der Umweltministerkonferenz vom 25.11.2022 wurde bereits die unzureichende Datenlage vieler Beh\u00f6rden bundesweit konstatiert. Eine solide Datenbasis ist jedoch ma\u00dfgeblich f\u00fcr effektive Verbesserungen im Wasserhaushalt, doch nicht nur in NRW stellt sich diese Datenlage in Beh\u00f6rden als defizit\u00e4r heraus. Hier besteht Handlungsbedarf auf politisch-administrativer Ebene, an die von der KlimaBeHageN-Partnerschaft nur Appelle gerichtet werden k\u00f6nnen.<br \/>\nIn der Quintessenz hat die Projektpartnerschaft die selbst gesteckten Ziele erreicht. Mit Blick auf die zwingend erforderlich praktische Umsetzung des im Projekt Erarbeiteten offenbaren sich dennoch Vollzugshemmnisse:<br \/>\nWer ergreift die erforderliche Initiative f\u00fcr den Bau einer grundwasserst\u00fctzenden Infrastruktur? Wie und in welcher H\u00f6he ist eine \u00f6ffentliche F\u00f6rderung m\u00f6glich und wer \u0084besorgt\u0093 Zuwendungen? Wer organisiert den Prozess einer rechtlich, personell und administrativ arbeitsf\u00e4higen neuen Verbandsstruktur? Wer entwickelt mit den Beh\u00f6rden ein regionales Wassermanagement mit den notwendigen Datenerfassungs- und Controllinginstrumenten?<br \/>\nSeitens des Lippeverbandes werden f\u00fcr die \u0084no-regret\u0093-Ma\u00dfnahmen (siehe \u0084Fazit\u0093) bereits Schritte eingeleitet, um z.B. mit der Stadtverwaltung Dorsten Niederschlagswasserabkopplungen zu veranlassen. Auch weiterf\u00fchrende Gespr\u00e4che mit dem ehrenamtlichen Naturschutz und Beh\u00f6rden dienen der Umsetzung des Erarbeiteten. Letztlich h\u00e4ngt der Erfolg des Ganzen jedoch auch am \u0084Tropf\u0093 weiterer Entscheidungen der Umweltminister sowie der F\u00f6rderlandschaft.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Projektpartnerschaft, insbesondere die Au\u00dfenkommunikation, war vom Pandemiegeschehen beeintr\u00e4chtigt. Durch z.B. ausfallende Termine politischer Gremien, \u00f6ffentlicher Veranstaltungen und nicht zur Verf\u00fcgung stehender R\u00e4umlichkeiten w\u00e4hrend der Lockdown-Phasen konnte Kommunikation nur begrenzt stattfinden.<br \/>\nIm September 2020 wurde die Internetseite www.klimabehagen.de als Unterseite des Lippeverbandsauftritts freigeschaltet und eine Basisinformation \u00fcber das Projekt erstellt. Die Projektpartner haben \u00fcber die Webseiten ihrer Institutionen ebenfalls Links gesetzt. Insgesamt f\u00fcnf Newsletter wurden im Projektverlauf publiziert, die Fachbeitr\u00e4ge der Partner sind ebenfalls als Download verf\u00fcgbar sowie bei Veranstaltungen gezeigte Poster mit einem \u00dcberblick \u00fcber das Vorhaben.<br \/>\nDie Poster auch zu den Partnerbeitr\u00e4gen wurden zum \u0084Tag der offenen T\u00fcr\u0093 am RWW-Wasserwerk Dorsten-Holsterhausen am 08.05.2022 erstellt. KlimaBeHageN war mit einem Infostand auf dem Gel\u00e4nde pr\u00e4sent. \u00dcber 800 Besucher des Familienfestes informierten sich hier \u00fcber Wasserthemen.<br \/>\nWeiterhin wurden in Fachzeitschriften Artikel publiziert und in Fachrunden der Partnerinstitutionen Vortr\u00e4ge \u00fcber das Projekt gehalten und das Projekt auf der Lippeverbandsversammlung an einem Infostand den kommunalen und gewerblichen Akteuren der Lipperegion pr\u00e4sentiert.<br \/>\n\u00dcber eine intensive Prozessbeteiligung des EU-LIFE-Netzwerkvorhabens Evolving Regions haben der LV und die LWK die Arbeitsweise und ersten Erkenntnisse aus KlimaBeHageN \u00fcber Workshops bereits im Nachbarkreis Coesfeld kommuniziert: Ziele dort sind nachhaltige, klimawandelangepasste Landnutzungsformen insbesondere in der Landwirtschaft, so dass gro\u00dfes Interesse an Ergebnissen aus Dorsten besteht. Der Prozess im Kreis Coesfeld wurde coronabedingt zwar im Wesentlichen auch digital abgewickelt, jedoch mit enger Taktung und professioneller Moderation. Die gekn\u00fcpften Kontakte werden auch nach beiden Projektenden durch den LV und die LWK weitergef\u00fchrt.<br \/>\nW\u00e4hrend der Befragungsphase der landwirtschaftlichen Betriebe durch die LWK sollte urspr\u00fcnglich begleitende Pressearbeit stattfinden. Um jedoch Vorbehalten zuvorzukommen, dass die z.T. sensiblen Betriebsdaten publik werden k\u00f6nnten und dadurch R\u00fcckmeldungen der Betriebe zu gef\u00e4hrden, hat die Partnerschaft einvernehmlich beschlossen, die Phase zugunsten besserer Befragungsergebnisse ohne Pressearbeit durchzuf\u00fchren.<br \/>\nUm die betroffenen Landwirte \u00fcber das Projektvorhaben zu informieren, wurde ein Newsletter an die WLV-Mitglieder versandt.<br \/>\nDas Projekt wurde im Dorstener Umwelt- und Planungsausschuss mit Zwischenst\u00e4nden und abschlie\u00dfend am 28.03.2023 vorgestellt und diskutiert. Die politische Beratung sollte auf Wunsch der Stadtverwaltung auch zu einer grunds\u00e4tzlichen Zustimmung zu der erarbeiteten infrastrukturellen L\u00f6sung wie in der Machbarkeitsstudie priorisiert sowie einem kommunalen Appell an alle B\u00fcrger und Betriebe zum sparsamen Umgang mit Wasserressourcen kommen. Hier zeigte sich die Lokalpolitik engagiert und aufgeschlossen gegen\u00fcber einer wassersensiblen Stadtentwicklung.<br \/>\nInsgesamt stellte sich \u00d6ffentlichkeitsarbeit in diesem Thema als schwierig heraus, dies zeigten auch z.T. kontroverse Diskussionen der Besucher untereinander am Infostand beim o.g. \u0084Tag der offenen T\u00fcr\u0093:<br \/>\nDas berechtigte Interesse der Landwirte an Grundwassernutzungen trifft in der \u00f6ffentlichen Auseinandersetzung auf Unverst\u00e4ndnis f\u00fcr sichtbare, gro\u00dffl\u00e4chige Beregnung, w\u00e4hrend gleichzeitig Privathaushalten im Sommer bereits Einsparempfehlungen gegeben werden. Diese Diskussion ist \u0096 wenngleich auf niedrigem Niveau \u0096 ein Zeichen f\u00fcr die potenzielle k\u00fcnftige Auseinandersetzung \u00fcber Privilegierungen bei der Wasserzuteilung, die ohne gegensteuernde Ma\u00dfnahmen in Trockenjahren drohen k\u00f6nnen.<br \/>\nMit der hybrid veranstalteten Abschlusskonferenz am 27. Februar 2023 ist formal das Projektende erreicht.<br \/>\nF\u00fcr die KlimaBeHageN-Partner bleibt die Herausforderung, nach Projektabschluss die erzielten Ergebnisse im Sinne einer nachhaltigen Wasserwirtschaft zu kommunizieren und hierbei die unterschiedlichen Interessensgruppen ad\u00e4quat zu adressieren. Die Stadt Dorsten unterst\u00fctzt dabei auch nach Projektende die Partner, \u00fcber die laufenden Dorfentwicklungsprozesse in den Ortsteilen Rhade und Lembeck die Ergebnisse in die b\u00fcrgerschaftliche Diskussion zu bringen.<br \/>\nDer n\u00e4chste Schritt \u0096 auch mit Blick auf die \u00d6ffentlichkeit \u0096 ist im Idealfall die Umsetzung der erarbeiteten L\u00f6sungsans\u00e4tze. Dabei kommen im Jahr 2023 sehr konkret auf die Landwirte bzw. die sie betreuenden Institutionen die Fragen der Schulung und Bewusstmachung von Verhaltens\u00e4nderungen in Richtung nachhaltigem Bew\u00e4sserungseinsatz oder Kulturenauswahl zu.<br \/>\nHier sieht die Projektpartnerschaft auch die Landespolitik in NRW in der Pflicht, sowohl in der Kommunikation wie auch bei konkreten (investiven) Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzend t\u00e4tig zu werden. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Konkrete Ma\u00dfnahmen zur dauerhaften Sicherung der Daseinsvorsorge sind nur im Schulterschluss aller Akteure und unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft m\u00f6glich.<br \/>\nUm tragf\u00e4hige L\u00f6sungen f\u00fcr Landwirtschaft, Naturhaushalt und Trinkwasserversorgung zu etablieren bedarf es intensiver Kommunikation sowie transparenter Strukturen und Finanzierungsmodelle. Der Umbau bestehender Strukturen zu einer Bew\u00e4sserungs-Solidargemeinschaft, an der sich alle Akteure beteiligen, hat eine starke Wirkung auch au\u00dferhalb des Gebiets und sendet politische Signale zu verantwortungsbewusstem, nachhaltigem Umgang mit unseren Ressourcen.<br \/>\nDurch die erarbeiteten ingenieurbaulichen Ma\u00dfnahmen entstehen Kosten, die von den profitierenden Nutzern zu tragen sind (nicht nur [Grund-] Wasserentnehmer, sondern ggf. auch andere Beg\u00fcnstigte von Grundwasserstandserh\u00f6hungen).<br \/>\nFAZIT 2<br \/>\nDie Beh\u00f6rden m\u00fcssen in die Lage versetzt werden, ein regionales Wassermanagement aktiv zu begleiten.<br \/>\nDazu ist die Bereitstellung entsprechender Ressourcen und Steuerungsinstrumente und die Mitwirkung auch \u00fcber den administrativen Zust\u00e4ndigkeitsbereich bei \u0084grenz\u00fcberschreitenden\u0093 Grundwasserk\u00f6rpern hinaus notwendig. Zu den Ressourcen und Steuerungsinstrumenten geh\u00f6ren:<br \/>\n\u0095\teine deutliche Verbesserung der Datenlage und Werkzeuge zur Prognose des Wasserhaushalts,<br \/>\n\u0095\tdas Monitoring von Wasserentnahmen ,<br \/>\n\u0095\teine Synchronisierung des Vorgehens auf Bundes- und Landesebene,<br \/>\n\u0095\tLeitlinien f\u00fcr den Umgang mit Wasserknappheit,<br \/>\n\u0095\teinschlie\u00dflich von Regeln und Kriterien f\u00fcr die Priorisierung sowie Anreize \u0096 inklusive preislicher Anreize \u0096 und Mindeststandards f\u00fcr eine effiziente Wassernutzung nach einem noch zu entwickelnden Stand der Technik zu schaffen.<br \/>\nDas Ziel muss sein: Bei einem knappen Gut Wasser sollten alle Stellschrauben genutzt werden, das vorhandene Wasserdargebot effizient zu nutzen.<br \/>\nFAZIT 3<br \/>\nDie Umsetzbarkeit der technischen Ma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung des Grundwasserdargebotes wurde mit der durchgef\u00fchrten Machbarkeitsstudie best\u00e4tigt. Der Bau einer Versickerungsanlage ist ein wichtiger Bestandteil eines mehrschichtigen Ma\u00dfnahmenkonzeptes zur nachhaltigen Grundwasserbewirtschaftung. Der Grundwasserk\u00f6rper eignet sich besonders als Wasserspeicher, denn es herrschen kaum Verdunstungsverluste und er bietet eine hohe Flexibilit\u00e4t f\u00fcr alle Nutzer und Nutzungsarten. Zur zeitnahen Verbesserung des Grundwasserdargebots sind dar\u00fcber hinaus weitere Ma\u00dfnahmen wichtig wie: Beratungsangebote f\u00fcr die Landwirtschaft, die Pr\u00fcfung der Notwendigkeit vorhandener Gr\u00e4ben und Dr\u00e4nagen sowie die Ermittlung von besonders abflusswirksam bewirtschafteten Fl\u00e4chen, um dort R\u00fcckhaltema\u00dfnahmen umzusetzen. Des Weiteren ist Regenwasserversickerung ein wichtiger Beitrag zur St\u00e4rkung des Grundwasserdargebots.<br \/>\nFAZIT 4<br \/>\nFl\u00e4cheneigent\u00fcmer und \u00f6ffentlich-rechtliche Institutionen m\u00fcssen alle abflusswirksamen Ma\u00dfnahmen auf den Pr\u00fcfstand stellen und den R\u00fcckhalt in der Fl\u00e4che konsequent umsetzen.<br \/>\nZeitnahes Handeln erfordert eine Reihe von \u0084no-regret\u0093-Ma\u00dfnahmen in den jeweiligen Zust\u00e4ndigkeitsbereichen. Die Gr\u00fcndung einer neuen \u00f6ffentlich-rechtlichen Struktur auf Grundlage eines finanziellen Commitments, die genehmigungs- und umsetzungsreife Planung einer neuen Infrastruktur und deren bauliche Realisierung mit anschlie\u00dfend (verz\u00f6gert wirksamer) Infiltration \u0096 bis zur faktischen Wirksamkeit von Ma\u00dfnahmen wird es auch bei gr\u00f6\u00dfter Anstrengung und Unterst\u00fctzung aller Akteure mehrere Jahre dauern.<br \/>\nF\u00fcr landwirtschaftliche Betriebe ist die aktuelle Bew\u00e4sserungspraxis (sowohl in Bezug auf die Bew\u00e4sserungsmenge als auch auf die verwendete Infrastruktur) nicht zukunftstr\u00e4chtig. \u00dcber Schulungen und Anschauungsmaterial (innovative Bew\u00e4sserungstechnik, Nutzung digitaler Services, etc.) k\u00f6nnen kurz- und mittelfristig betriebswirtschaftliche Effekte generiert werden, die den Wasserverbrauch optimieren.<br \/>\nZudem ist die Notwendigkeit der verbesserten Datenlage auch Teil der Wissensvermittlung, um \u00fcber ein digitales Messsystem mit Kommunikation in beide Richtungen z.B. die Entnahmesituation transparent zu machen und (preisliche) Anreizsysteme aufzubauen.<br \/>\nDie praktischen Verd\u00e4mm-Ma\u00dfnahmen im Deutener Moor und das nachfolgende Monitoring haben schon fr\u00fchzeitig gezeigt, dass abflussreduzierende Ma\u00dfnahmen im nahen Umfeld den Grundwasserspiegel positiv beeinflussen. Insofern ist die logische Konsequenz, im Projektgebiet systematisch zu erfassen, wo Gr\u00e4ben oder Bewirtschaftungsweise eine dr\u00e4nende Wirkung entfalten und hier gemeinsam durch Fl\u00e4cheneigent\u00fcmer wie auch wasserwirtschaftliche Akteure den R\u00fcckhalt in der Landschaft praktisch umzusetzen. Hierzu adressiert die Partnerschaft auch Lokalpolitik und Kommunalverwaltung (Schwerpunkt Planung\/Tiefbau), die Weichen f\u00fcr eine ge\u00e4nderte Niederschlags- und Fl\u00e4chenbewirtschaftung zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das Projektgebiet liegt in Dorsten\/NRW im s\u00fcdwestlichen M\u00fcnsterland und \u00dcbergang zum n\u00f6rdlichen Ruhrgebiet. Vielf\u00e4ltige Nutzungsanspr\u00fcche an das Grundwasser \u00fcberschneiden sich und in Jahren mit Niederschlagsmangel fallen oberirdische Gew\u00e4sser heute schon zeitweise trocken. 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