{"id":27400,"date":"2025-11-07T10:32:07","date_gmt":"2025-11-07T09:32:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37049-01\/"},"modified":"2025-11-07T10:32:07","modified_gmt":"2025-11-07T09:32:07","slug":"37049-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37049-01\/","title":{"rendered":"Stresstest resilientes Quartier &#8211; Betroffenheit von Quartieren durch Epidemien und Strategien zur Erh\u00f6hung der Resilienz &#8211; am Beispiel der SARS-CoV-2-Pandemie"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die aktuelle COVID-19-Pandemie ber\u00fchrt nach wie vor grundlegend alle Lebensbereiche. Die hohe Infektionsgefahr erfordert aufgrund von Abstandsgeboten einen neuen Umgang mit der Nutzung des privaten Raums, vor allem der Wohnung und des Wohnumfelds, und von \u00f6ffentlichen Innen- und Freir\u00e4umen. Das vorliegende Forschungsprojekt hat sich mit den unterschiedlichen Auswirkungen einer Epidemie einer respiratorischen Infektionskrankheit auf die kleinr\u00e4umigen Raumnutzungsmuster befasst. Zielsetzung des Forschungsprojekts war es, die Resilienz unterschiedlich strukturierter Quartiere gegen\u00fcber dem Stresstest einer Epidemie bzw. Pandemie zu bewerten, um die Notwendigkeit und Anpassungsf\u00e4higkeit bestehender st\u00e4dtebaulicher Strukturen zu identifizieren. Zentrale Fragestellung war, welche Konsequenzen sich daraus f\u00fcr die Ausgestaltung und Anwendung formeller und informeller Instrumente, v.a. des St\u00e4dtebaus sowie des \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienstes ergeben, um die Resilienz von Quartieren gegen\u00fcber zuk\u00fcnftigen Epidemien von infekti\u00f6sen respiratorischen Krankheiten zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn einem ersten Schritt wurde eine umfangreiche Recherche nationaler und internationaler wissenschaftlicher Literatur durchgef\u00fchrt zur Identifizierung von sozio\u00f6konomischen und st\u00e4dtebaulichen Faktoren, die mit SARS-CoV-2-Infektionen bzw. COVID-19-Erkrankungen assoziiert sind, sowie von m\u00f6glichen negativen Folgen der Infektionsschutzma\u00dfnahmen insbesondere hinsichtlich der Versch\u00e4rfung sozialer Ungleichheiten. Eine erg\u00e4nzende Presserecherche f\u00fcr mehrere St\u00e4dte gab Hinweise auf \u00c4nderungen z.B. im Mobilit\u00e4tsverhalten, Nutzung von \u00f6ffentlichen Freir\u00e4umen und auf kurzfristige Ma\u00dfnahmen.<br \/>\nAuf dieser Grundlage wurden Indikatoren abgeleitet, die kategorisiert und in ihrem Begr\u00fcndungskontext zusammengestellt wurden. Diese wurden mit ausgew\u00e4hlten gesundheitsrelevanten Handlungsfeldern der Stadtentwicklung \u0096 Wohnumfeld und \u00f6ffentlicher Raum, Mobilit\u00e4t, Versorgung und soziale Infrastruktur sowie Wohnen \u0096 verkn\u00fcpft mit einem besonderen Fokus auf vulnerable Gruppen im Quartier. Dabei zeigte sich, dass Gesundheit als Begr\u00fcndungszusammenhang bei vielen Indikatoren nur implizit besteht.<br \/>\nIn einem weiteren Schritt wurde die Verf\u00fcgbarkeit raumbezogener Daten auf st\u00e4dtischer Ebene in Deutschland sowohl hinsichtlich von Inzidenzdaten als auch von Daten f\u00fcr die Indikatoren der Resilienzbewertung umfassend gepr\u00fcft. Hier bestanden H\u00fcrden wie fehlende Datenerfassung und  fortschreibung, eingeschr\u00e4nkter Datenzugang oder unklare Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr die Datenbereitstellung. Geeignete Daten wurden beschafft und f\u00fcr die Analyse aufbereitet.<br \/>\nDie Auswahl von f\u00fcnf Fallstudien-Quartieren erfolgte nach \u00c4hnlichkeits- und Differenzkriterien in Gro\u00dfst\u00e4dten in unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Diese f\u00fcnf Stadtquartiere bildeten die Grundlage f\u00fcr die konkrete Anwendung der Indikatoren. F\u00fcr die Quartiere wurden charakterisierende Quartiersprofile mit den zentralen quantitativen und qualitativen Merkmalen erstellt und durch Experten*innengespr\u00e4che qualifiziert. Anhand der identifizierten Indikatoren wurde eine Bewertung der f\u00fcnf Quartiere hinsichtlich ihrer Resilienz vorgenommen. Hier wurde deutlich, dass alle Quartiere unterschiedlich in Art und Umfang sowohl resiliente Strukturen als auch Defizite aufwiesen. Die f\u00fcr die ausgew\u00e4hlten Handlungsfelder relevanten Instrumente der Stadtplanung \u0096 hier vor allem solche, die sich auf den st\u00e4dtebaulichen Bestand orientieren \u0096 und von Public Health (insbesondere des \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienstes) wurden anhand ihrer Einflussm\u00f6glichkeiten auf die Resilienz in den Quartieren und in ihrer wechselseitigen Verkn\u00fcpfung betrachtet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Wichtigstes Ergebnis des Projekts ist eine praxisorientierte Arbeitshilfe \u0084Stresstest Resilientes Quartier. Arbeitshilfe f\u00fcr die kommunale Praxis zur F\u00f6rderung der Robustheit und Anpassungsf\u00e4higkeit bei Epidemien\u0093, die sich den zentralen raumbezogenen Aspekten von Resilienz im Quartier und generell im urbanen Raum im Kontext von Epidemien widmet und eine Methode zur Bewertung der Resilienz des Quartiers anhand abgeleiteter und kategorisierter Indikatoren vorstellt und beispielhaft erl\u00e4utert. Instrumente und Ma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung der Resilienz sind nach Handlungsfeldern differenziert und mit \u00f6ffentlichen und privaten Akteuren verkn\u00fcpft. Die Arbeitshilfe richtet sich an Planungs- und Bauverwaltungen, private Unternehmen der Stadt- und Infrastrukturplanung (in der Regel KMU) und den \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienst sowie alle Fach\u00e4mter im Sinne des Ansatzes Health in All Policies, um zu einer Resilienzsteigerung in Stadtquartieren und weitergehend Verankerung von Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention als Querschnittsthema in allen Politikfeldern beizutragen.<br \/>\nDie Arbeitshilfe wurde in einer Entwurfsfassung in einem Workshop mit Expert*innen aus der Stadtplanung und Public Health diskutiert und anschlie\u00dfend entsprechend \u00fcberarbeitet. Sie ist als PDF-Datei online abrufbar auf der Internetseite des Instituts f\u00fcr Public Health und Pflegeforschung der Universit\u00e4t Bremen. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen der Disseminationsstrategie des Projekts wird die Arbeitshilfe aktiv in die Fach\u00f6ffentlichkeit kommuniziert. Dies erfolgt in Form von Artikeln in Fachzeitschriften, die sich in erster Linie an die Planungspraxis und die Praxis des \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienstes richten. Dazu z\u00e4hlt beispielsweise die Fachzeitschrift PLANERIN, in der 2022 ein Beitrag erschien. Eine Projektbeschreibung wurde auf der Homepage des Instituts f\u00fcr Public Health und Pflegeforschung (IPP) sowie in dem Newsletter des Instituts, IPP-Info Nr. 18 \/ 2021 ver\u00f6ffentlicht. Methodik und Ergebnisse des Projektes wurden auf Fachtagungen vorgestellt wie der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozialmedizin und Pr\u00e4vention (DGSMP) 2021, der ARL &#8211; Akademie f\u00fcr Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft 2021 und auf der Abschlusskonferenz zur DBU-F\u00f6rderinitiative \u0084Corona und Nachhaltigkeit &#8211; Lernen aus der Krise f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung\u0093 2022. Der umfangreiche Abschlussbericht des Projektes wurde als IPP-Schrift 19 im Jahr 2022 ver\u00f6ffentlicht und ist online auf der Homepage des Instituts f\u00fcr Public Health und Pflegeforschung verf\u00fcgbar. Auf die unterschiedlichen M\u00f6glichkeiten des Downloads der PDF-Dateien des Berichtes und der Arbeitshilfe wird bei Workshops oder Tagungen hingewiesen. Dar\u00fcber hinaus bestand bereits Interesse seitens der Interviewpartner*innen, die Ergebnisse des Projekts vor Ort im Quartier vorzustellen. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit von Stadtplanung und Public Health wurde eine Vorgehensweise entwickelt, wie die Robustheit von Stadtquartieren hinsichtlich von Epidemien im jeweils innerst\u00e4dtischen Vergleich beurteilt werden kann. In dem Projekt wurde die umfassende, praxisorientierte Arbeitshilfe \u0084Stresstest Resilientes Quartier. Arbeitshilfe f\u00fcr die kommunale Praxis zur F\u00f6rderung der Robustheit und Anpassungsf\u00e4higkeit bei Epidemien\u0093 erarbeitet. Sie bezieht sich auf zentrale raumbezogene Aspekte von Resilienz im Quartier und generell im urbanen Raum im Kontext von Epidemien. Es wird eine Methode zur Bewertung der Resilienz eines Quartiers anhand abgeleiteter und kategorisierter Indikatoren vorgestellt und beispielhaft erl\u00e4utert. Durch die niedrigschwellige Kommunikation der Ergebnisse des Projekts in die Planungspraxis zielt die Arbeitshilfe auf eine unmittelbare Anwendung. Daher sind m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen zur Erh\u00f6hung der Resilienz nach Handlungsfeldern differenziert dargestellt mit Verweis auf die jeweiligen Instrumente und \u00f6ffentlichen und privaten Akteure.<br \/>\nDie Arbeitshilfe richtet sich an Planungs- und Bauverwaltungen, private Unternehmen der Stadt- und Infrastrukturplanung (in der Regel KMU) und den \u00d6ffentlichen Gesundheitsdienst sowie alle Fach\u00e4mter im Sinne des Ansatzes Health in All Policies, um zu einer Resilienzsteigerung in Stadtquartieren und weitergehend Verankerung von Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention als Querschnittsthema in allen Politikfeldern beizutragen. Die Praxistauglichkeit der Arbeitshilfe wurde im Rahmen des Projekts in einem Workshop von Fachleuten aus den Bereichen Stadtplanung und Public Health positiv bewertet. Welchen Beitrag die Arbeitshilfe f\u00fcr eine weitergehende Auseinandersetzung mit der Resilienz von Quartieren leisten kann, wird sich nach deren Bekanntmachung und Verbreitung in der Zukunft zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die aktuelle COVID-19-Pandemie ber\u00fchrt nach wie vor grundlegend alle Lebensbereiche. Die hohe Infektionsgefahr erfordert aufgrund von Abstandsgeboten einen neuen Umgang mit der Nutzung des privaten Raums, vor allem der Wohnung und des Wohnumfelds, und von \u00f6ffentlichen Innen- und Freir\u00e4umen. 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