{"id":27357,"date":"2026-03-19T10:32:32","date_gmt":"2026-03-19T09:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/36051-01\/"},"modified":"2026-03-19T10:32:33","modified_gmt":"2026-03-19T09:32:33","slug":"36051-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/36051-01\/","title":{"rendered":"Corona-Krise: Auf der Suche nach einer neuen Balance zwischen Markt\/Staat und Zivilgesellschaft f\u00fcr eine resiliente Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat viele Gewissheiten in infrage gestellt und neue Debatten zu alternativen<br \/>\nEntwicklungsrichtungen angesto\u00dfen. Ein zentrales Anliegen des Vorhabens war es, die Pandemie in<br \/>\neinen gr\u00f6\u00dferen Rahmen einzuordnen. Sie ist eng mit zentralen umweltpolitischen Herausforderungen der<br \/>\nBiodiversit\u00e4ts- und Klimakrise sowie generell dem \u00dcberschreiten der planetaren Grenzen verbunden und<br \/>\nerwies sich, zumindest in der gesellschaftlichen Wahrnehmung, als \u00fcberraschendes Ereignis. Wie mit einem<br \/>\nBrennglas wurde die Verletzlichkeit der bestehenden gesellschaftlichen Strukturen aufgezeigt. Das Vorhaben<br \/>\ngeht davon aus, dass unerwartete Ereignisse perspektivisch zunehmen werden. Somit m\u00fcssen die sozio\u00f6konomischen<br \/>\nSysteme und Strukturen resilient gestaltet werden, damit sie entsprechend reagieren k\u00f6nnen.<br \/>\nAndererseits stellt sich die Frage, wie Impulse f\u00fcr die Transformationsprozesse zur Begrenzung der Biodiversit\u00e4ts-<br \/>\nund Klimakrisen gesetzt werden k\u00f6nnen und welche Rolle dabei Institutionen wie Markt, Staat oder<br \/>\nGemeinschaft sowie die unterschiedlichen Ebenen spielen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZu Beginn erfolgte die Einordnung und Charakterisierung der Corona-Pandemie sowie der bestehenden<br \/>\nGrundherausforderungen (u. a. planetare Grenzen, zunehmende Komplexit\u00e4t, Globalisierung). Dann wurde<br \/>\nder Fokus auf die Diskussion von Risiken, Unsicherheiten und Nichtwissen sowie des Resilienz-Konzepts mit<br \/>\nBlick auf Gestaltungsorientierung f\u00fcr sozio-technische Systeme gelegt. Hierf\u00fcr erfolgten Fallstudien zur Resilienz<br \/>\nvon Zulieferketten. In einem weiteren Schritt wurden zellularen Systeme mit Selbststeuerungsf\u00e4higkeit<br \/>\nsowie der Ansatz der Polyzentralit\u00e4t betrachtet. Diese wurden mit der Debatte zu Alternativen \u00d6konomien<br \/>\nund der Foundational Economy verbunden. Die Frage, wie eine resilientere, dezentrale Produktion aussehen<br \/>\nkann, wurde anhand der drei Fallbeispiele 3D-Druck, Handwerk und solidarische Landwirtschaft beleuchtet.<br \/>\nEs erfolgte eine Analyse der wissenschaftlichen Literatur in den unterschiedlichen Bereichen, von Medienberichten<br \/>\nsowie von Publikationen zu einzelnen Branchen und Handlungsfeldern. Zudem wurden vertiefende<br \/>\nInterviews mit Wissenschaftler*innen sowie Praxisakteuren aus den Handlungsfeldern durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Corona-Pandemie ist ein Ausdruck der globalen Biodiversit\u00e4ts- und Klimakrise, die eine Folge des \u00dcberschreitens<br \/>\nder planetaren Grenzen ist. Dieses ist wiederum auf das bestehende, auf fossilen Energien basierende<br \/>\nGesellschafts- und Wirtschaftsmodell, das Umweltsch\u00e4den externalisiert hat, zur\u00fcckzuf\u00fchren. Durch<br \/>\ntechnologische Entwicklungen, die Reduktion von Transaktionskosten, Markt\u00f6ffnungen und Deregulierung<br \/>\nwurden Globalisierungsprozesse angesto\u00dfen, ohne dass zugleich \u00f6kologische Leitplanken Lenkungswirkungen<br \/>\nentfalten konnten.<br \/>\nDie Corona-Krise hat Wirtschaft und Gesellschaft unvorbereitet getroffen. \u201e\u00dcberraschungen\u201c werden zunehmen<br \/>\nsowohl vor dem Hintergrund des Klimawandels aber auch der wachsenden Komplexit\u00e4t der vielfach<br \/>\nmiteinander verkoppelten sozio-technischen Systeme in Verbindung mit geopolitischen Spannungen. Wir<br \/>\nhaben es zunehmend mit Situationen der Unsicherheit bzw. gar des Nichtwissens zu tun. In j\u00fcngerer Zeit ist<br \/>\ndie Vorstellung von \u201egr\u00fcnen Schw\u00e4nen\u201c entwickelt worden, die sich insbesondere auf bekannte oder eben<br \/>\nauch unbekannte Auswirkungen der \u00dcberschreitung der planetaren Grenzen beziehen und zugleich nach<br \/>\nden Risiken oder Ungewissheiten des Transformationsprozesses fragen.<br \/>\nDie Resilienz-Debatte hat in unterschiedlichsten wissenschaftlichen Teilgebieten an Relevanz gewonnen.<br \/>\nDamit findet eine Blickwende statt: von dem Fokus auf St\u00f6rereignisse hin zu den Systemen, die St\u00f6rungen<br \/>\nausgesetzt werden, und deren resilienzorientierte Gestaltung. Es existieren eine Reihe von Gestaltungsprinzipien<br \/>\nf\u00fcr resiliente Systeme. In dieser Studie wurde das Leitbild eines zellularen Ansatzes mit eigener Steuerungsf\u00e4higkeit<br \/>\nzu Grunde gelegt. Dieser kann mit den Ans\u00e4tzen von Ostrom zu polyzentrischen Systemen,<br \/>\nverbunden werden, die der Leitvorstellung der Subsidiarit\u00e4t folgen.<br \/>\nDer Ansatz der Alternativen \u00d6konomien fordert eine neue Balance zwischen Markt, Staat und Gemeinschaft<br \/>\nein und ist wesentlich von den Herausforderungen der Nachhaltigkeit getrieben. Die Foundational Economy<br \/>\nnimmt auf der r\u00e4umlichen Ebene unterschiedliche Steuerungsformen in den Blick. Sie thematisiert Spannungsverh\u00e4ltnisse<br \/>\nzu \u00d6konomien mit Rendite-Primat und anderen Formen der \u00d6konomie, deren St\u00e4rkung,<br \/>\nwie im Falle der Care-\u00d6konomie zum einen in der Corona-Krise als systemrelevant anerkannt wurde und<br \/>\nzum anderen die Basis f\u00fcr das gesellschaftliche Wohlbefinden darstellt. Beide Ans\u00e4tze fokussieren auf Bottom-<br \/>\nup-Prozesse und suchen die Rolle der Zivilgesellschaft zu st\u00e4rken. Sie loten neue Steuerungsformen f\u00fcr<br \/>\neine nachhaltige und demokratische Entwicklung aus. In der Studie wurden zudem Bez\u00fcge zur n\u00f6tigen Neuausrichtung<br \/>\nin der Innovations- und Regionalf\u00f6rderung hergestellt: es geht um die Unterst\u00fctzung gerichteter<br \/>\nProzesse zur L\u00f6sung gro\u00dfer gesellschaftlicher Herausforderungen. Beispielhaft wurde der Ansatz der 30-<br \/>\nMinuten-Stadt sowie das (Stadt-) Quartier als Hoffnungstr\u00e4ger der Energiewende analysiert.<br \/>\nSchlie\u00dflich wurden drei Fallbeispiele mit Blick auf ihre Resilienzpotenziale im Kontext der Corona-Krise analysiert:<br \/>\ndezentrale Produktion (3-D-Druck), Handwerk und die solidarische Landwirtschaft.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projektes wurden f\u00fcr eine breitere \u00d6ffentlichkeit aufbereitet. Im Ergebnis ist eine 25-<br \/>\nseitige, barrierefreie Brosch\u00fcre im PDF-Format entstanden. Diese ist mit grafischen Gestaltungselementen<br \/>\nversehen. Die Erstellung der Brosch\u00fcre erfolgte in Zusammenarbeit mit der Agentur Hakotowi, Berlin. Die<br \/>\nVerbreitung der Endergebnisse wird eng mit dem Pressereferat der DBU abgestimmt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Corona-Krise hat die vielf\u00e4ltigen Fehlentwicklungen offenbar werden lassen, die zur \u00dcberschreitung der<br \/>\nplanetaren Grenzen gef\u00fchrt haben. Es geht darum sowohl resiliente als auch nachhaltige Strukturen zu entwickeln.<br \/>\nAlternative Konzepte des Wirtschaftens k\u00f6nnen den gesellschaftlichen Wandel ansto\u00dfen, der neue<br \/>\nnormative Leitorientierungen und Institutionen ben\u00f6tigt sowie neue Spielregeln, die in der Praxis erprobt werden<br \/>\nm\u00fcssen. N\u00f6tig sind gro\u00df angelegte Experimentierr\u00e4ume und ein neues Innovations- und Fortschrittsverst\u00e4ndnis,<br \/>\nwelches nicht vorrangig auf Wachstum, sondern auf gesellschaftliches Wohlbefinden fokussiert.<br \/>\nZellulare Systeme mit eigener Steuerungsf\u00e4higkeit im Kontext von polyzentrischen Systemen k\u00f6nnen eine<br \/>\nelementare Rolle in diesen Suchprozessen spielen. Dazu ist erforderlich, die Handlungspotenziale \u201evor Ort\u201c<br \/>\ngerade auch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen zu erschlie\u00dfen. Im Sinne der polyzentrischen Governance<br \/>\nm\u00fcssen Strukturen geschaffen werden, die Lernprozesse des Wandels systematisch erschlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat viele Gewissheiten in infrage gestellt und neue Debatten zu alternativen Entwicklungsrichtungen angesto\u00dfen. 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