{"id":27354,"date":"2026-03-14T10:32:20","date_gmt":"2026-03-14T09:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/36002-01\/"},"modified":"2026-03-14T10:32:20","modified_gmt":"2026-03-14T09:32:20","slug":"36002-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/36002-01\/","title":{"rendered":"Die Coronakrise als \u201eGamechanger\u201c f\u00fcr die Transformation zur Nachhaltigkeit?"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anlass des Projektes war die beginnende Corona-Krise. Es sollten die durch die Krise ausgel\u00f6sten, nachhaltigkeitsrelevanten gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungsprozesse untersucht werden. Der Fokus lag auf dem Individuum in seiner soziophysischen Umwelt, als wichtige\/r Akteur*in in den Ver\u00e4nderungsprozessen der Gro\u00dfen Transformation (in den Rollen Konsument*in, B\u00fcrger*in und Nischenakteur*in). Ziel war die Identifikation von Gelegenheitsfenstern und Herausforderungen f\u00fcr die Gro\u00dfe Transformation, um Einsch\u00e4tzungen dar\u00fcber treffen zu k\u00f6nnen, ob und durch welche Ma\u00dfnahmen Nachhaltigkeitseffekte durch die Corona-Krise ggf. verst\u00e4rkt werden k\u00f6nnen, bzw. wo entgegengewirkt werden sollte.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Juni\/ Juli 2020 wurden eine deutschlandweite repr\u00e4sentative Befragung (Abk\u00fcrzung: COR20; N = 3092) und eine Sachsen-Anhalt-weite Befragung (Abk\u00fcrzung: LSA20; N = 300) durchgef\u00fchrt. Ausgehend von eigenen Datens\u00e4tzen (Erhebung im Land Sachsen-Anhalt zu Nachhaltigkeitsengagement und Wohlbefinden, Schulte et al., 2016) bzw. von \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Datens\u00e4tzen (z. B. UBA-Studien Umweltbewusstsein in Deutschland 2016, 2018) wurden im Juni\/Juli 2020 parallele Erhebungen durchgef\u00fchrt, um Hauptver\u00e4nderungslinien im nachhaltigkeitsrelevanten Alltagsverhalten und in Politikakzeptanz zu identifizieren.<br \/>\nEs wurden Items aus Vorerhebungen verwendet, in Teilen zus\u00e4tzlich retrospektiv und prospektiv. Der Fokus lag auf den Bereichen Mobilit\u00e4t, Ern\u00e4hrung, Politikunterst\u00fctzung und Ma\u00dfnahmenakzeptanz, nachhaltigem Engagement, wahrgenommener Umweltqualit\u00e4t und Lebenszufriedenheit. Zus\u00e4tzlich wurden moderierende bzw. mediierende Konstrukte erhoben (z. B. pers\u00f6nliche Klimaschutznorm, Wertorientierungen). F\u00fcr Juli 2021 ist eine zweite Befragung der COR20-Stichprobe geplant, um Kausalschl\u00fcsse zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der COR20-Befragung zu Ver\u00e4nderungen w\u00e4hrend der Corona-Krise zeigen wie erwartet eine Verringerung individueller Mobilit\u00e4t f\u00fcr nahezu alle Verkehrsmittel f\u00fcr April bis Ende Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Besonders geteilte Mobilit\u00e4t (Flugreisen, \u00d6PNV) nahm ab, individuelle Mobilit\u00e4t (Fahrrad, Auto) sank verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig weniger. Mobilit\u00e4tsw\u00fcnsche und -pl\u00e4ne zeigen keine starken Kompensationstendenzen, die Befragten wollen zuk\u00fcnftig umweltfreundlicher unterwegs sein. F\u00fcr den Umstieg auf das Fahrrad und die Ver\u00e4nderung der k\u00fcnftigen Urlaubsplanung (Flugreisen) wurden per Regressionsanalysen externe Faktoren identifiziert, die Verhaltens\u00e4nderungen langfristig stabilisieren k\u00f6nnten. Die pers\u00f6nliche Klimaschutznorm erwies sich hierbei als relevanter Moderator (Matthies et al., 2020; Schmidt et al., under review). Dar\u00fcber hinaus legen die Ergebnisse beider Befragungen (COR20 und LSA20) ebenfalls potenziell Ver\u00e4nderungen beim Einkauf und der Verwendung von Lebensmitteln w\u00e4hrend der Corona-Krise nahe. So zeigen sich beispielsweise ein verringerter Fleischkonsum sowie eine geringere h\u00e4usliche Lebensmittelverschwendung f\u00fcr April bis Ende Juni 2020 im Vergleich zum Vorjahr. Zudem erweist sich die pers\u00f6nliche Klimaschutznorm auch im Ern\u00e4hrungsbereich als relevanter Moderator f\u00fcr nachhaltigkeitsf\u00f6rderliche Ver\u00e4nderungen in den Corona-Monaten und dar\u00fcber hinaus.<br \/>\nDie Bedeutung vieler Politikthemen hat sich gegen\u00fcber 2016 und 2018 ge\u00e4ndert, bspw. hat der Zustand des Gesundheitssystems an Bedeutung gewonnen. Die Einsch\u00e4tzung der Dringlichkeit des Klimaschutzes hat sich durch die Corona-Krise nicht abgeschw\u00e4cht, die Akzeptanz einschr\u00e4nkender umweltbezogener Ma\u00dfnahmen nahm sogar leicht zu (Matthies et al., 2020).<br \/>\nIn der LSA20-Befragung zeigten sich Parallelen in der Wahrnehmung von und im Umgang mit der Coronaund der Klimakrise (Wallis et al., eingereicht.). In beiden Krisen spielte f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der jeweiligen krisenmitigierenden Ma\u00dfnahmen (Corona-Ma\u00dfnahmen, CO2-Bepreisung) die soziale Identifikation mit anderen, die sich f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der jeweiligen Krise einsetzen, sowie eine gemeinsame Wertorientierung (Selbsttranszendenz) eine relevante Rolle. Es konnte auch best\u00e4tigt werden, dass die lokale Umweltqualit\u00e4t in den ersten drei Corona-Monaten positiver wahrgenommen wurde als in den Vorjahren (sowohl retrospektiv als auch im Vergleich mit Vorjahresdaten). Die wahrgenommene positive lokale Umweltqualit\u00e4t schien im Lebenszufriedenheitskontext zudem ein kompensatorischer Faktor f\u00fcr Bedrohungserleben in der Corona-Krise zu sein.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Erste Ergebnisse der COR20-Befragung wurden in dem Zwischenbericht \u201eSt\u00e4rken die Corona-Ma\u00dfnahmen den dringend notwendigen Wandel zu einer nachhaltigen Mobilit\u00e4t und einer st\u00e4rker regulierenden Klimaschutzpolitik?\u201c (Matthies et al., 2020) ver\u00f6ffentlicht. Die Projektergebnisse wurden in wissenschaftlichen und \u00f6ffentlichen Kontexten vorgestellt und diskutiert (siehe Abschnitt 6). Es wurden im Januar und M\u00e4rz 2021 zwei Paper f\u00fcr internationale Fachzeitschriften eingereicht (Wallis et al., eingereicht) und befinden sich teils im Begutachtungsprozess (Schmidt et al., under review), zwei weitere Paper werden aktuell fertiggestellt (Schmidt et al., i. Vorb., Wallis et al., i. Vorb.).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch den Vergleich mit Vorherdaten konnten in einer fr\u00fchen Pandemiephase Hauptver\u00e4nderungslinien f\u00fcr nachhaltigkeitsrelevantes Verhalten identifiziert werden. Die Ergebnisse zeigen eine generell gesunkene Mobilit\u00e4t und Ver\u00e4nderung der Mobilit\u00e4tsmuster sowie nachhaltigkeitsf\u00f6rderliche Ver\u00e4nderungen beim Einkauf und der Verwendung von Lebensmitteln. Der Klimawandel hat f\u00fcr die Befragten nicht an Relevanz und Ernsthaftigkeit verloren, und die Akzeptanz einschr\u00e4nkender Ma\u00dfnahmen zum Klima- und Umweltschutz nahm teilweise sogar zu. Es konnte best\u00e4tigt werden, dass die lokale Umweltqualit\u00e4t in den ersten drei Corona-Monaten positiver wahrgenommen wurde als in den Vorjahren; die positiv wahrgenommene lokale Umweltqualit\u00e4t schien zudem ein kompensatorischer Faktor f\u00fcr Bedrohungserleben in der Corona-Krise zu sein.<br \/>\nDie vielf\u00e4ltigen Befunde best\u00e4tigen die Vermutung, dass die Corona-Ma\u00dfnahmen in den fr\u00fchen drei Monaten (April bis Juni 2020) sich nicht negativ auf nachhaltigkeitsf\u00f6rderliche Verhaltensweisen und Umwelterleben ausgewirkt haben. Teils scheinen sich Gelegenheitsfester ge\u00f6ffnet zu haben (Radmobilit\u00e4t, klimabewusste Ern\u00e4hrung), insbesondere f\u00fcr Individuen mit ausgepr\u00e4gter pers\u00f6nlicher Klimaschutznorm. Die Vermutungen \u00fcber Kausalzusammenh\u00e4nge sollten durch l\u00e4ngsschnittliche Erhebungen validiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anlass des Projektes war die beginnende Corona-Krise. Es sollten die durch die Krise ausgel\u00f6sten, nachhaltigkeitsrelevanten gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungsprozesse untersucht werden. Der Fokus lag auf dem Individuum in seiner soziophysischen Umwelt, als wichtige\/r Akteur*in in den Ver\u00e4nderungsprozessen der Gro\u00dfen Transformation (in den Rollen Konsument*in, B\u00fcrger*in und Nischenakteur*in). 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