{"id":27333,"date":"2024-11-27T10:48:25","date_gmt":"2024-11-27T09:48:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/37036-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:48:28","modified_gmt":"2024-11-27T09:48:28","slug":"37036-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/37036-01\/","title":{"rendered":"Umweltbewusstsein und Risikowahrnehmung in Zeiten der SARS-CoV-2-Pandemie in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Aufgrund des aktuell noch immer ungebremst voranschreitenden Klimawandels, verbunden mit Starkregen und D\u00fcrren, wird das Auftreten von Pandemien und anderer krisenhafter Ereignisse zuk\u00fcnftig wahrscheinlicher. Damit erh\u00f6ht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Bev\u00f6lkerung in steigendem Ausma\u00df von den vielf\u00e4ltigen Konsequenzen dieser Ereignisse betroffen ist. Das vorliegende Forschungsvorhaben erfolgt vor dem Hintergrund der seit 2020 weltweit auftretenden SARS-CoV-2-Pandemie (Corona-Pandemie) sowie der fortschreitenden Klimakrise und analysiert die Wahrnehmung der Bev\u00f6lkerung bez\u00fcglich der beiden Prozesse.<br \/>\nDas Projekt fokussiert vor allem das Umweltbewusstsein und die Risikowahrnehmung in Bezug auf die Corona-Pandemie und den Klimawandel sowie m\u00f6gliche Einflussfaktoren. Ziel war es zum einen zu erfassen, inwiefern die Bev\u00f6lkerung in Nordrhein-Westfalen (NRW) aufgrund der Ausnahmesituationen w\u00e4hrend der Corona-Pandemie ihr individuelles und das generelle Risiko bez\u00fcglich einer COVID-19-Erkrankung und des Klimawandels wahrnehmen. Zudem sollte ermittelt werden, ob das Bewusstsein eines Zusammenhangs von Klimawandel und Pandemie besteht. Dabei war ebenso von Interesse, ob sich das Umweltbewusstsein und die Risikowahrnehmung bei Betroffenen einer SARS-CoV-2-Infektion oder bei einer pandemiebedingten wirtschaftlichen Betroffenheit von Nicht-Betroffenen unterscheiden.<br \/>\nDa im Juli 2021 (u. a.) auch Starkregen- und Hochwasserereignisse zahlreiche Menschen in NRW in Ausnahmesituationen brachten, wurde diesbez\u00fcglich der Effekt der Betroffenheit auf das Umweltbewusstsein und die Risikowahrnehmung des Klimawandels analysiert. Im Rahmen der Studie erfolgte zudem eine Analyse m\u00f6glicher Zusammenh\u00e4nge zwischen der individuellen Risikowahrnehmung bzgl. der SARS-CoV-2- Pandemie bzw. der Klimakrise sowie der Bef\u00fcrwortung von Ma\u00dfnahmen zur Pandemieeind\u00e4mmung bzw. zum Klimaschutz.<br \/>\nDie Ergebnisse k\u00f6nnen einen Beitrag zur Erarbeitung verbesserter Strategien und Dialogstrukturen in der Risikokommunikation leisten. Damit soll nicht nur in akuten Krisenf\u00e4llen eine Steigerung der Bef\u00fcrwortung von notwendigen (Schutz-)Ma\u00dfnahmen erreicht werden, sondern insbesondere auch eine Verbesserung der Bef\u00fcrwortung und des Verst\u00e4ndnisses f\u00fcr die Umsetzung von pr\u00e4ventiven Ma\u00dfnahmen zum Klimaschutz erreicht werden. Bei der Studienplanung wurde davon ausgegangen, dass mit dem gew\u00e4hlten Befragungszeitpunkt die maximale Belastungssituation der Bev\u00f6lkerung im gesamten Pandemieverlauf abgebildet werden kann. Da sich die Pandemiesituation in 2021 aber nicht nur verl\u00e4ngert, sondern mit der dritten Welle und dem harten Lockdown im Februar 2021 weiter intensiviert hat, wurde der Befragungszeitraum auf die Sommer\/Herbstmonate 2021 ausgeweitet. Durch die Follow-Up-Erhebung im August\/September 2021 war eine Analyse von Ver\u00e4nderungen der Einstellungen und Wahrnehmung von Pandemie- und Umweltthemen im Pandemieverlauf m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Befragung der repr\u00e4sentativen Stichprobe (n=1049) aus Nordrhein-Westfalen erfolgte im Februar 2021 zur Zeit des zweiten bundesweiten Lockdowns. Im August\/September 2021 erfolgte dann eine wiederholte Befragung von (n=637) Teilnehmende im Rahmen einer Follow-Up-Erhebung. F\u00fcr das Projekt wurde ein Onlinefragebogen entwickelt, der neben sozio\u00f6konomischen Aspekten, allgemeine Aspekte zur Corona-Pandemie und zur pers\u00f6nlichen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Betroffenheit durch die SARS-CoV-2-Pandemie behandelt. Die Erfassung des Umweltbewusstseins erfolgte mittels eines etablierten Instruments aus der Umweltbewusstseinsstudie von 2018 (Geiger und Holzhauer 2020). Dieses Instrument bildet das Umweltbewusstsein durch verschiedene Komponenten ab (Affekt, Kognition, Verhalten). Fragen zu Umwelt und Umweltverhalten (z. B. bzgl. Mobilit\u00e4t, Konsum) sowie zum Thema Klimawandel wurden allgemein und im Zusammenhang mit der Pandemie gestellt. Weitere Fragen umfassten die Bef\u00fcrwortung von Einschr\u00e4nkungsma\u00dfnahmen zur Pandemie und von Ma\u00dfnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz. Des Weiteren erfolgte die Erfassung der subjektiven Risikowahrnehmung der Teilnehmenden bez\u00fcglich der Corona-Pandemie und des Klimawandels. Dazu diente ein Messinstrument, welches eine subjektive Erfassung von thematisch unterschiedlichen Risiken erm\u00f6glicht (Wilson et al. 2019). Das Instrument bildet die Risikowahrnehmung durch verschiedene Komponenten ab (allgemein, pers\u00f6nlich, Affekt, Wahrscheinlichkeit, Konsequenzen). Die Daten wurden deskriptiv ausgewertet. Zum anderen wurde der Einfluss der Pandemie-Betroffenheit auf die Komponenten des Umweltbewusstseins analysiert sowie Unterschiede der Risikowahrnehmung des Klimawandels von Betroffenen und Nicht-Betroffenen statistisch analysiert.<br \/>\nZur Erfassung der Dynamik im Pandemieverlauf wurden bei der Follow-Up-Erhebung im August\/September 2021 ausgew\u00e4hlte Themen erneut abgefragt und statische Analysen entsprechend der ersten Befragung durchgef\u00fchrt. Zus\u00e4tzlich wurden die Teilnehmenden zu ihrer pers\u00f6nlichen und\/oder indirekten Betroffenheit (d. h. Betroffenheit nahestehender Personen) durch die Starkregen- und Flutereignisse im Juli 2021 befragt. In diesem Zusammenhang wurde der Einfluss der Betroffenheit auf die Komponenten des Umweltbewusstseins und Unterschiede der Risikowahrnehmung des Klimawandels von Betroffenen und Nicht-Betroffenen analysiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Effekt der Betroffenheit auf das Umweltbewusstsein<br \/>\nEine gesundheitliche Betroffenheit durch die Pandemie hatte im Februar 2021 einen positiven Einfluss auf die Komponenten des Umweltbewusstseins. Dieser Effekt trat in der Follow-Up-Befragung im August\/September 2021 nicht mehr auf. Bei einer wirtschaftlichen Betroffenheit konnten hingegen an beiden Befragungszeitpunkten eine negative Wirkung auf umweltbezogene Einstellungen festgestellt werden. Die Betroffenheit durch die Starkregen- und Flutereignisse im Juli 2021 ergab starke, positive Effekte auf alle Komponenten des Umweltbewusstseins.<\/p>\n<p>Effekt der Betroffenheit auf die Risikowahrnehmung<br \/>\nGesundheitlich Betroffene sch\u00e4tzten die Wahrscheinlichkeit einer Gef\u00e4hrdung durch die Corona-Pandemie im Durchschnitt h\u00f6her ein als nicht-betroffene Personen. Daneben hat eine wirtschaftliche Betroffenheit einen signifikanten Effekt auf die pers\u00f6nliche Risikowahrnehmung der Pandemie. Wirtschaftlich stark Betroffene sch\u00e4tzen zudem die Wahrscheinlichkeit einer pers\u00f6nlichen Gef\u00e4hrdung durch die Pandemie als gr\u00f6\u00dfer ein und sind emotional st\u00e4rker involviert als nicht betroffene Teilnehmer*innen Die Betroffenheit durch die Flutereignisse ergab bei der Wahrnehmung des pers\u00f6nlichen Risikos sowie der Affekt?, Wahrscheinlichkeits- und der Komponente der Konsequenzen signifikante Unterschiede zwischen Betroffenen und Nicht-Betroffenen. Demnach kann die Betroffenheit durch die Folgen einer Krise die Risikowahrnehmung der Krise insgesamt erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Zusammenhang der Risikowahrnehmung von unterschiedlichen Krisen<br \/>\nEine st\u00e4rkere emotionale Besch\u00e4ftigung mit den Risiken der Corona-Pandemie ist mit einer st\u00e4rker ausgepr\u00e4gten Risikowahrnehmung des Klimawandels assoziiert. Die generelle Risikowahrnehmung und die Wahrnehmung in Bezug auf die Konsequenzen der Pandemie stehen dar\u00fcber hinaus in einem signifikanten Zusammenhang mit der generellen Risikowahrnehmung des Klimawandels bzw. den m\u00f6glichen Konsequenzen des Klimawandels.<\/p>\n<p>Risikowahrnehmung der Pandemie und Bef\u00fcrwortung von Ma\u00dfnahmen<br \/>\nEs konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Risikowahrnehmung der Pandemie und der Bef\u00fcrwortung von Ma\u00dfnahmen zur Pandemieeind\u00e4mmung festgestellt werden. Zudem bestehen auch signifikante Zusammenh\u00e4nge zwischen der Risikowahrnehmung des Klimawandels und der Bef\u00fcrwortung von Umweltschutzma\u00dfnahmen. Bez\u00fcglich der Bef\u00fcrwortung von Umwelt- und Klimaschutzma\u00dfnahmen konnte hier allerdings auch festgestellt werden, dass Ma\u00dfnahmen, die eher mit m\u00f6glichen Kosten verbunden sind, insgesamt weniger Zustimmung erhielten. Die Bef\u00fcrwortung der betrachteten Umwelt- und Klimaschutzma\u00dfnahmen blieb \u00fcber den Pandemieverlauf konstant, w\u00e4hrend sich die Bef\u00fcrwortung verschiedener Ma\u00dfnahmen zur Pandemieeind\u00e4mmung im Pandemieverlauf ver\u00e4ndert hat. Insbesondere Ma\u00dfnahmen, die Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens betreffen, erhielten bei der Follow-Up-Befragung im August\/September 2021 deutlich weniger Zustimmung als im Februar 2021.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Eine unmittelbare mit einer Krisensituation assoziierte Betroffenheit, genauso wie eine krisenunabh\u00e4ngige pers\u00f6nliche Belastungssituation, kann sich auf das Umweltbewusstsein und die Relevanz der Themen Klimawandel und Umweltschutz auswirken. Die vorliegenden Studienergebnisse zeigen, dass abh\u00e4ngig von der jeweiligen Art einer pers\u00f6nlichen Betroffenheit (z. B. gesundheitlich oder wirtschaftlich) durch eine Krisensituation wie der Pandemie, die subjektive Einstellung zu einer anderen Krise, wie dem parallel fortschreitenden Klimawandel, beeinflusst werden kann. Das bedeutet, durch eine Krise wie der Corona-Pandemie k\u00f6nnen Einstellungen beg\u00fcnstigt werden, die entweder umwelt-protektiv oder auch weniger zugunsten der Umwelt ausgerichtet sind. Eine krisenbedingte Betroffenheit, die eindeutiger mit dem Klimawandel zu verbinden ist, wie die \u00dcberflutungen im Juli 2021, hat jedoch insgesamt einen st\u00e4rkeren Einfluss auf die Risikowahrnehmung, als bspw. die Pandemie.<br \/>\nGrunds\u00e4tzlich steht die Risikowahrnehmung, sowohl der Pandemie als auch des Klimawandels, in einem Zusammenhang mit (selbst-)sch\u00fctzendem Verhalten sowie der Akzeptanz von (politischen) Schutzma\u00dfnahmen. Die Corona-Pandemie kann demnach potentiell zur Sensibilisierung der Menschen f\u00fcr die Klimakrise und den m\u00f6glichen Folgen beitragen sowie zum Verst\u00e4ndnis zur Umsetzung notwendiger (Schutz)Ma\u00dfnahmen. Inwieweit das die Handlungsbereitschaft f\u00fcr pr\u00e4ventives umwelt- und klimasch\u00fctzendes Verhalten insgesamt erh\u00f6ht, gilt es noch zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Konzepte zur Erh\u00f6hung der Risikowahrnehmung einer Krise, bspw. durch eine gute, nachvollziehbare Informationspolitik, k\u00f6nnen zur Verbesserung der Akzeptanz von notwendigen sch\u00fctzenden Ma\u00dfnahmen beitragen. Dabei ist es jedoch erforderlich, die \u0084Kosten und Nutzen\u0093 der Beibehaltung der eingef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen im Verlauf der Krisensituation stetig abzuw\u00e4gen, um deren Akzeptanz zu erhalten. Eine umfassendere Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die weitreichenden Folgen der weltweit fortschreitenden Umweltzerst\u00f6rung und des Klimawandels, wie der Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, kann zu einem h\u00f6heren Bewusstsein f\u00fcr die Risiken und Folgen der Klimakrise beitragen. Zudem k\u00f6nnten dadurch ggf. nicht nur die Einstellungen zugunsten der Umwelt insgesamt gest\u00e4rkt, sondern auch die Bereitschaft zur Anpassung des individuellen Verhaltens erh\u00f6ht werden. Daf\u00fcr ist eine sozial-wirtschaftliche Stabilit\u00e4t jedoch eine essentielle Voraussetzung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Aufgrund des aktuell noch immer ungebremst voranschreitenden Klimawandels, verbunden mit Starkregen und D\u00fcrren, wird das Auftreten von Pandemien und anderer krisenhafter Ereignisse zuk\u00fcnftig wahrscheinlicher. 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