{"id":27315,"date":"2025-09-09T10:32:27","date_gmt":"2025-09-09T08:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35273-01\/"},"modified":"2025-09-09T10:32:30","modified_gmt":"2025-09-09T08:32:30","slug":"35273-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35273-01\/","title":{"rendered":"Zentrum f\u00fcr Metropolinnovationen in Bratislava: Modellprojekt einer \u00f6kologisch und sozial nachhaltigen Geb\u00e4udemodernisierung der Stiftung Nov\u00e1 Cvernovka in Bratislava, Slowakei"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Forschungsprojekts war die Entwicklung einer architektonisch, sozial-\u00f6kologisch und energie-technisch nachhaltigen Konzeption f\u00fcr den Umbau des Wohnheims einer ehemaligen chemischen Fachmittelschule aus den 1950er und 1960er Jahren zum ersten Plusenergiegeb\u00e4ude in der Slowakei.<br \/>\nDas Wohnheim wird heute von Nov\u00e1 Cvernovka genutzt, einem bedeutsamen soziokulturellen Zentrum in einem n\u00f6rdlichen Stadtteil von Bratislava. F\u00fcr das bestehende Wohnheim mit einer Gesamtgeschossfl\u00e4che von ca. 6.500 m2 waren als programmatische Nutzungen neue gemeinschaftliche sowie kosteng\u00fcnstige Wohnformen (CoHousing), B\u00fcro- und Ateliernutzungen f\u00fcr Nichtregierungsorganisationen und soziale Innovationen sowie \u00f6ffentliche Erg\u00e4nzungsfunktionen (Kindertagesst\u00e4tte, Caf\u00e9) zu ber\u00fccksichtigen. Mit dem Konzept wird ein innovativer, nachhaltiger und resilienter Umbau des Bestandgeb\u00e4udes beabsichtigt: Aus energetischer Sicht soll ein Plusenergiegeb\u00e4ude realisiert werden, das durch die Nutzung erneuerbarer Energiequellen im Jahresmittel mehr Energie erzeugt als verbraucht (\u00f6kologischer Nutzen),  aus wirtschaftlicher Sicht werden g\u00fcnstige Mieten sowie niedrige Betriebs- und Lebenszykluskosten angestrebt (\u00f6konomischer Nutzen) und durch die partizipatorische Entwicklung und gemeinschaftliche Nutzung der Wohn- und Dienstleistungsfl\u00e4chen werden die Bedingungen f\u00fcr eine verantwortungsvolle und inklusive Gemeinschaft von Bewohnerinnen und Bewohnern geschaffen (sozialer Nutzen). F\u00fcr die Slowakei stellt die Nachnutzung brachliegender Geb\u00e4ude unter Ber\u00fccksichtigung hoher \u00f6kologischer Nachhaltigkeitsziele unter intensiver Beteiligung der k\u00fcnftigen Nutzerinnen und Nutzer &#8211; hier vor allem Akteure aus der Kreativindustrie und Bewohnerinnen und Bewohner in Gemeinschaftswohnungen &#8211; eine gro\u00dfe soziale Innovation dar.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDem Forschungsprojekt liegt ein sozial-\u00f6kologischer Ansatz angewandter und transformativer Forschung zugrunde, bei dem Methoden der integralen und partizipativen Planung f\u00fcr eine ganzheitliche Projektentwicklung eingesetzt wurden. Die enge Beteiligung der Stiftung sowie der Bewohnerinnen und Bewohner am Prozess war ein wichtiger Bestandteil des stark wissenstransfer- und umsetzungsorientierten Vorhabens. Die Projektbearbeitung erfolgte in acht Arbeitspaketen (AP), die jeweils unter Federf\u00fchrung der zust\u00e4ndigen Projektpartner des interdisziplin\u00e4ren Teams durchgef\u00fchrt und von der FHP als Hauptantragstellerin koordiniert wurden. Die Erstellung des \u00f6kologischen Gesamtkonzepts und die Steuerung der integralen Planung (AP1), die Konzeption und Umsetzung der Homepage (AP2) sowie die Projektleitung und -administration (AP8) lagen bei der Fachhochschule Potsdam. Die Erarbeitung eines Konzepts f\u00fcr gemeinschaftliche Wohnformen und die Begleitung des Partizipationsprozesses (AP3) erfolgten durch id22: Institut f\u00fcr kreative Nachhaltigkeit. F\u00fcr die Ermittlung des energetischen Zustandes (AP4) und die Konzeption eines Plusenergiegeb\u00e4udes (AP5) war das Passivhausinstitut Slowakei (iEPD) zust\u00e4ndig und die Erstellung der abschlie\u00dfenden Planungsdokumentation f\u00fcr das Projekt (A6) sowie die Koordination von Kommunikation und \u00d6ffentlichkeitsarbeit (AP7) lagen bei der Stif-tung Cvernovka.<\/p>\n<p>Methodisch waren neben qualitativen Interviews und quantitativen Umfragen bei den derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohnern des Wohnheims vor allem die Recherche, Analyse und Besichtigungen von sozial-\u00f6kologischen Modellprojekten von besonderer Bedeutung f\u00fcr die Entwicklung des CoHousing-Konzepts und der \u00f6kologischen Ma\u00dfnahmen. Die energetischen Berechnungen zur Optimierung zum Passivhaus-Standard wurden mit der Software PHPP durchgef\u00fchrt, f\u00fcr thermodynamische Simulationen und Berechnungen der PV-Anlage wurde lES-ve verwendet. Die Wissensintegration aller Konzepte sowie r\u00e4umlichen, baulichen, technischen und sozialen Ma\u00dfnahmen in den Entwurf erfolgte von den beauftragten Architekten im Kontext einer integralen Planung. <\/p>\n<p>Als ein zentraler Bestandteil zur Wissensvermittlung und als Inspirationen des Entwurfsprozesses dient eine Homepage mit dem Namen \u0084Building Social Ecology\u0093. Auf der Homepage wurden bestehende sozial-\u00f6kologische Bauprojekte und typische Gestaltungselemente dokumentiert, die in diesen Projekten vorkommen. Als konzeptionelle Grundlage zur Gestaltung der Homepage diente die Methodik der \u0084Mustersprache\u0093 (&#8220;A Pattern Language&#8221;) von Christopher Alexander, Sara Ishikawa und Murray Silverstein (Alexander et al. 1977). In verallgemeinerter Form sind Muster miteinander kombinierbare, in Beziehung stehende und Synergien bildende Gestaltungselemente, die Architekten, Projektentwickler und Bewohnern als Inspirationsquelle f\u00fcr die Entwicklung eigener sozial-\u00f6kologischer Projekte dienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>\u00d6kologisches Gesamtkonzept und Plusenergiegeb\u00e4ude: Zur Realisierung des Umbaus zum Plusenergiegeb\u00e4ude sind eine w\u00e4rmetechnische Ert\u00fcchtigung der H\u00fcllfl\u00e4chen zum Passivhausstandard einschlie\u00dflich neuer Fenster, eine L\u00fcftungsanlage mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung sowie die Installation von Niedertemperatur-Deckenpaneelen f\u00fcr Heizung und K\u00fchlung erforderlich. Die geplante PV-Anlage mit einer Leistung von ca. 100 kW liefert im Jahresmittel mehr als ausreichend Strom f\u00fcr den Betrieb der W\u00e4rmepumpe zur W\u00e4rmeerzeugung und gew\u00e4hrleistet so den Plusenergie-Standard. Die PV-Anlage ist als vollst\u00e4ndig in der Shed-Dach-Konstruktion der geplanten Dachaufstockung integrierte Ausf\u00fchrung geplant und ein sichtbares Zeichen f\u00fcr die Nutzung erneuerbarer Energien.<\/p>\n<p>Als gr\u00fcn-blaue Infrastrukturen sind Fassadenbegr\u00fcnungen, Hydroponik, ein Dachgew\u00e4chshaus sowie Anlagen zur Regen- und Grauwassernutzung mit Retentionsfl\u00e4chen geplant. Durch den Erhalt des Geb\u00e4udebestands, einer \u0084Strategie der minimalen Interventionen\u0093 und ein kreislaufgerechtes Materialkonzept bleibt die vorhandene Graue Energie weitgehend erhalten und das Aufkommen an Bauabf\u00e4llen sowie weiterer Grauer Energien wird im Vergleich zu einem Neubau oder einer st\u00e4rkeren Renovierung reduziert. Ein weiterer \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Nutzen ist durch die gemeinsame Nutzung gemeinschaftlicher R\u00e4ume, Services und Gegenst\u00e4nden zu erwarten, z. B. in Form von Optionsr\u00e4umen, Cluster-Wohnen oder durch die geplanten Sharing-Angebote im Mobilit\u00e4tsbereich.<\/p>\n<p>CoHousing und Partizipation: In einer partizipativen Planung mit der Stiftung Cvernovka und den derzeitigen Bewohnerinnen und Bewohnern wurde eine ortssensible Mischung an Wohnformen entwickelt, die als Kleinstwohnungen, Wohngemeinschaften und Cluster-Wohnungen umgesetzt werden sollen. Die Geb\u00e4udestruktur erweist sich als sehr geeignet und flexibel f\u00fcr die geplanten Umbauten, es sind nur minimale Eingriffe f\u00fcr Installationskerne, die Anpassung des Innenausbaus und brandschutztechnisch erforderlichen neuen Treppen erforderlich. <\/p>\n<p>Der Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinschaft in Nov\u00e1 Cvernovka hat gezeigt, wie wichtig wirksame Strategien und Instrumente sind, um die Bewohnerinnen und Bewohner einzubinden, insbesondere im Hinblick auf die digitale Kommunikation und Online-Sitzungen und um sie zur kontinu-ierlichen Teilnahme am Planungs- und Umsetzungsprozess zu motivieren. <\/p>\n<p>Wissenstransfer und Homepage: Die Analyse von gebauten Beispielen und insbesondere die Besichtigungen bereits realisierter Modellprojekte in Berlin und Wien waren wichtige Erfahrungen, um die im Entwurfsprozess getroffenen Entscheidungen zu bewerten. Erst nach langj\u00e4hriger Praxis l\u00e4sst sich eine Aussage dar\u00fcber treffen, ob sich bestimmte r\u00e4umliche, technologische oder soziale L\u00f6sungen und Innovationen bew\u00e4hren oder nicht. Auf der Homepage https:\/\/www.buildingsocialecology.org\/ sind 24 Modellprojekte und ein Katalog mit 27 sozial-\u00f6kologischen Entwurfsmustern dokumentiert, die sich als ein n\u00fctzliches Werkzeug bei der Planung erwiesen haben und von anderen Projektentwicklern, Archi-tektinnen und Architekten sowie weiteren Akteuren beim Entwurf eigener Projekte genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Oktober 2021 erfolgte in Bratislava eine \u00f6ffentliche Pr\u00e4sentation der Ergebnisse des Forschungsprojekts vor verschiedenen politischen Verantwortlichen der Stadt Bratislava, der Selbstverwaltungsregion sowie vor anderen institutionellen Vertretern aus Bratislava. Die im Berichtsanhang vorliegende Projektdokumentation ist Grundlage f\u00fcr die weiteren genehmigungsrechtlichen Schritte. Im Herbst 2022 werden die \u00d6ffentlichkeit und die Beh\u00f6rden \u00fcber weitere Entwicklungsphasen des Projekts informiert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt zeigt, dass eine Geb\u00e4udemodernisierung des ehemaligen Wohnheims zu einem Plusenergiegeb\u00e4ude mit vielf\u00e4ltigen Nutzungsmischung und gemeinschaftlichen Wohnformen mit einem vertretbaren Aufwand m\u00f6glich ist. Das Projekt hat das Potential f\u00fcr \u00e4hnliche Modernisierungsvorhaben in der Slowakei zu dienen. Zielkonflikte wie h\u00f6here Investitionskosten f\u00fcr \u00f6kologische und energietechnische Standards (\u0084Plusenergiegeb\u00e4ude\u0093) versus einer sozialvertr\u00e4glichen Finanzierung (\u0084bezahlbares Wohnen\u0093) lie\u00dfen sich im Rahmen der Forschung nicht aufl\u00f6sen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Forschungsprojekts war die Entwicklung einer architektonisch, sozial-\u00f6kologisch und energie-technisch nachhaltigen Konzeption f\u00fcr den Umbau des Wohnheims einer ehemaligen chemischen Fachmittelschule aus den 1950er und 1960er Jahren zum ersten Plusenergiegeb\u00e4ude in der Slowakei. 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