{"id":27278,"date":"2025-11-12T10:32:03","date_gmt":"2025-11-12T09:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35408-01\/"},"modified":"2025-11-12T10:32:04","modified_gmt":"2025-11-12T09:32:04","slug":"35408-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35408-01\/","title":{"rendered":"Umwelt-, denkmal- und sicherheitsgerechter Umgang mit Schweinfurter Gr\u00fcn &#8211; Modellhafte innovative Ma\u00dfnahmen zur Konfliktl\u00f6sung im Schnittbereich von Denk- und Umweltschutz"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das hochgiftige historische Pigment Schweinfurter Gr\u00fcn kommt in einer Vielzahl von Denkmalobjekten an verschiedensten Stellen, meist in der Wandgestaltung, gelegentlich aber auch an mobilen Ausstattungsst\u00fccken vor. Es herrscht gro\u00dfe Unsicherheit, wie mit diesen Stoff unter gleichzeitiger Ber\u00fccksichtigung aller modernen Denkmal-, Sicherheits- und Umweltkriterien umgegangen werden sollte. Schon f\u00fcr die Identifikation des Pigmentstoffs besteht Aufkl\u00e4rungsbedarf. Das Projekt soll zu vielen dieser Fragen Antworten liefern und L\u00f6sungswege anbieten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt ist in f\u00fcnf Arbeitspakete untergliedert:<br \/>\nAP 1 Recherchen, Verbreitung, Objekte, Stand des Wissens<br \/>\nSchweinfurter Gr\u00fcn ist einerseits als Pigment bekannt sowie auch seine Entstehungs- und Wirtschaftsgeschichte. Da Schweinfurter Gr\u00fcn als Pigment schon lange nicht mehr hergestellt und verbreitet werden darf, wurde versucht, noch Gebinde des Pigments f\u00fcr weitergehende Untersuchungen zu finden.<br \/>\nAP 2 Analysen\/Tests und Empfehlungen<br \/>\nDie aktuell m\u00f6glichen und mehr oder weniger in diesem Fachbereich einfach verf\u00fcgbaren Analysemethoden werden im Hinblick auf Ihre Eignung zur Identifikation von Schweinfurter Gr\u00fcn insbesondere an Analysenmaterial aus oder im Denkmal evaluiert. Die Methoden werden erfasst, erkl\u00e4rt und Vor- sowie Nachteile im Bezug auf die Eignung dargelegt. Erg\u00e4nzend werden eigene Untersuchungen durchgef\u00fchrt.<br \/>\nAP3 Untersuchungen zu gasf\u00f6rmigen Arsens u.a. durch Pilzwachstum<br \/>\nDurch Laborexperimente und chemische Berechnungen sowohl an Tapetenmaterial als auch mit Pr\u00e4paraten aus Reinproben werden die biotischen und abiotischen Prozesse, die zur Bildung der gasf\u00f6rmigen Arsenspezies Arsenwasserstoff und Trimethylarsin f\u00fchren nachvollzogen.<br \/>\nDie Prozesse sind komplex und k\u00f6nnen ausschlie\u00dflich unter<br \/>\nAP 4 Verbreitung Ergebnisse, Ver\u00f6ffentlichung<br \/>\nAP 5 Projektmanagement letztes Arbeitspaket kommuniziert werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Vor Beginn des Projektes zeigte sich vielf\u00e4ltig immer eine ausgepr\u00e4gte Verunsicherung bei \u0084Betroffenen\u0093, hier: Beteiligten, die durch einen Befund von Schweinfurter Gr\u00fcn in ihrem Verantwortungsbereich damit umzugehen hatten. Durch die im Projekt erarbeiteten Arbeitsschritte und die neuen Kompetenzen der Projektbearbeiter wurde es schnell m\u00f6glich, diese aktuell \u0084Beteiligten\u0093 durch Vermittlung des aktuellen Wissens, durch gezielte Fragestellungen und durch angepasst Hilfestellungen diese gro\u00dfe Unsicherheit zu nehmen und die Schritte, die einen Erhalt m\u00f6glich machen lassen, vorgeschlagen. Auch f\u00fcr notwendige<br \/>\nR\u00fcckbauarbeiten wurden Hilfestellungen zur Gew\u00e4hrleistung des Gesundheitsschutzes und Arbeitsg\u00e4nge, die weitestgehend denkmalgerecht sind gegeben. Zwar gibt es keine immer gleiche Universall\u00f6sung f\u00fcr alle F\u00e4lle, aber nun gibt es vorgeschlagene Handlungsschritte,<br \/>\nwie das Thema anzugehen ist. Die Bereitschaft, das Vorgehen so zu w\u00e4hlen, ist nicht an allen<br \/>\nBaustellen gleichm\u00e4\u00dfig vorhanden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Projekt waren mehrstufige differenzierte \u00d6ffentlichkeitsaktivit\u00e4ten zu erarbeiten. Denn die Herausforderungen im Umgang mit Schweinfurter Gr\u00fcn werden einerseits untersch\u00e4tzt, gelegentlich aber auch \u00fcbersch\u00e4tzt. Zun\u00e4chst gilt es, das Bewusstsein, dass das historische Pigment in Wandfassungen vorkommen kann, und bei denen, die an solchen Objekten arbeiten, stark zu sch\u00e4rfen. Sollte der Verdacht aufkommen, muss sich zwingend eine Analyse anschlie\u00dfen. Analysen an Wandfassungen bei restauratorischen Befunduntersuchungen sind noch nicht selbstverst\u00e4ndlich etabliert. Im Fall des Schweinfurter<br \/>\nGr\u00fcns geht es neben der Denkmalrelevanz zus\u00e4tzlich um Gesundheitsaspekte. Das Projekt tr\u00e4gt seinen Teil dazu bei, dieses Bewusstsein weiterzuentwickeln.<br \/>\nSo wurde erreicht, dass der Arbeitsausschuss Arbeitssicherheit des Verbandes der Restauratoren (VDR) das Thema aufgenommen und Informationen zur Aufkl\u00e4rung auf seine Webseite gestellt hat.<br \/>\nAuf der als Online-Konferenz von St. Augustin aus ausgerichteten Tagung \u0084Fokus Gefahrstoffe\u0093, eine Gemeinschaftsveranstaltung der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) und des Instituts f\u00fcr Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), wurde am 29. Juni 2021 ein Vortrag gehalten: \u0084Schweinfurter Gr\u00fcn: Arsenhaltiges Farbpigment in historischen Geb\u00e4uden\u0093.<br \/>\nAm 19. Januar 2022 wurde in Pr\u00e4senz ein Vortrag: Arsen in historischen Wandfarben Schweinfurter Gr\u00fcn, Problembenennung Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz und zum Erhalt auf dem DCONex Fachkongress: Schadstoffmanagement, Abbruch &#8211; Analyse &#8211; Entsorgung &#8211; Sanierung &#8211; Pr\u00e4vention in Essen gehalten.<br \/>\nDas Thema Schweinfurter Gr\u00fcn wurde an der BTU Cottbus in Lehrveranstaltungen zum Studiengang &#8220;Forensic Sciences and Engineering&#8221; aufgenommen: Module Forensische Untersuchungs- und Analyseverfahren 1 und 2 (Module 11183 und 11184) im Modulkatalog der BTU.<br \/>\nAuch am Kompetenzzentrum f\u00fcr Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) der Otto-Friedrich-Universit\u00e4t Bamberg wurde das Thema in die Lehre mit eingetragen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Schweinfurter Gr\u00fcn ist ein historisches hochgiftiges Pigment, das immer noch und immer wieder in Denkmalen und Kulturgutobjekten aus dem 19. Jahrhundert gefunden wird. Dabei sind mehrere Beobachtungstr\u00e4nge interessant:<br \/>\ni) Unwissenheit f\u00fchrt in einigen F\u00e4llen dazu, dass ein romantisierendes historisches Verst\u00e4ndnis v\u00f6llig untersch\u00e4tzt, welche Giftstoffe an &#8220;alten Sachen&#8221; sein k\u00f6nnen und auch hier im Umgang besondere Kenntnisse erforderlich sind. Beispielsweise bei der \u0084Rettung\u0093 von (Guts-)H\u00e4usern aus dem 19. Jh durch engagierte Laien werden h\u00e4ufig in Eigenleistung stauintensive Sanierungsarbeiten durchgef\u00fchrt ohne die Gesundheits- und Umweltgef\u00e4hrdung, die dabei entsteht, auch nur zu erahnen.<br \/>\nii) Die Geschichte von Schweinfurter Gr\u00fcn ist ein wesentlicher Mosaikstein in der Entwicklung des modernen Umweltverst\u00e4ndnisses. Die ersten wichtigen und wesentlichen Schritte im Zusammenspiel und zum Teil Wechselspiel zwischen Medizin, Naturwissenschaften, Industrie und staatlichen Institutionen wurden im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert an dem Industrie und Wirtschaftsprodukt Schweinfurter Gr\u00fcn und seiner Anwendung bis hin zur endg\u00fcltigen Durchsetzung seines Verbots entwickelt. Dennoch sind eine ganze Reihe von Aspekten beispielsweise seiner Reaktionen in der Umwelt bis heute nicht ausreichend erforscht und somit ein aktuelles Desiderat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das hochgiftige historische Pigment Schweinfurter Gr\u00fcn kommt in einer Vielzahl von Denkmalobjekten an verschiedensten Stellen, meist in der Wandgestaltung, gelegentlich aber auch an mobilen Ausstattungsst\u00fccken vor. Es herrscht gro\u00dfe Unsicherheit, wie mit diesen Stoff unter gleichzeitiger Ber\u00fccksichtigung aller modernen Denkmal-, Sicherheits- und Umweltkriterien umgegangen werden sollte. 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