{"id":27267,"date":"2026-03-13T10:32:37","date_gmt":"2026-03-13T09:32:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35353-01\/"},"modified":"2026-03-13T10:32:37","modified_gmt":"2026-03-13T09:32:37","slug":"35353-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35353-01\/","title":{"rendered":"Optimierung der Effekte einfacher Intensivdachbegr\u00fcnung auf Geb\u00e4ude- und Stadtklima, Wasserhaushalt und Vegetationsvielfalt im urbanen Umfeld durch Bew\u00e4sserung mit aufbereitetem Grauwasser"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Gr\u00fcnd\u00e4cher k\u00f6nnen zur Verbesserung des thermischen Milieus in Stadtgebieten beitragen, wobei der K\u00fchleffekt durch Evapotranspiration ein wichtiger Teilaspekt ist. Die Nutzung dieser Verdunstungsleistung in l\u00e4ngeren Trocken- und Hitzeperioden ist bei geringschichtigen Begr\u00fcnungsformen bedingt durch limitiertes Retentionsverm\u00f6gens stark eingeschr\u00e4nkt. Eine Anpassung des Schichtaufbaus hin zu gr\u00f6\u00dferen Aufbauh\u00f6hen sowie eine erg\u00e4nzende Bew\u00e4sserung k\u00f6nnen diesem Umstand entgegenwirken. Die Verwendung von Trinkwasser f\u00fcr die Bew\u00e4sserung ist dabei jedoch weder nachhaltig noch \u00f6konomisch sinnvoll.<br \/>\nZiel des Projektes ist zu untersuchen, ob sich die prognostizierten bzw. unter unterschiedlichen Versuchsbedingungen in vorangegangenen Forschungsprojekten sektoral und f\u00fcr Extensivbegr\u00fcnungen nachgewiesenen Effekte f\u00fcr eine einfache Intensivbegr\u00fcnung in einer typischen, gebauten Dachbegr\u00fcnungssituation unter realen klimatischen Bedingungen durch eine Bew\u00e4sserung mit aufbereitetem Grauwasser verstetigen und optimieren lassen. Der Fokus liegt auf der Untersuchung der erforderlichen Quantit\u00e4ten zur Erzielung m\u00f6glichst gro\u00dfer Synergien der Effekte bzw. zur m\u00f6glichen Optimierung eines Teilaspektes nach Bedarf im Anwendungsfall.<br \/>\nHierf\u00fcr wird in Langzeitversuchen eine einfache Intensivdachbegr\u00fcnung unter realen Einbau-, unterschiedlichen Betriebsbedingungen und dem Einfluss wechselnder hydraulischer Belastungen untersucht. Mit dem Einsatz von vorbehandeltem Grauwasser als nachhaltige Bew\u00e4sserungsoption wird dar\u00fcber hinaus die durch den Stoffeintrag bedingte Einflussnahme auf die Leistungsf\u00e4higkeit des Bodenk\u00f6rpers beschrieben. Mit den Versuchen soll eine eigene Datengrundlage aufgebaut und bereits vorhandene, unter Laborbedingungen gewonnenen Forschungsergebnisse validiert und ggf. erg\u00e4nzt werden. Die Ergebnisse sollen in der Zusammenschau Auskunft \u00fcber den Umfang der Auswirkung von Bew\u00e4sserung auf das Retentionsverm\u00f6gen, das Evapotranspirationspotenzial und die Bauklimatik sowie das Erscheinungsbild von Gr\u00fcnd\u00e4chern mit einfacher Intensivbegr\u00fcnung geben. F\u00fcr die prognostizierte Entwicklung der klimatischen Gegebenheiten in St\u00e4dten will das Projekt Ans\u00e4tze zum Erhalt der Vitalit\u00e4t und dem optimierten Beitrag zu Stadtklima und Urbanhydrologie von Gr\u00fcnd\u00e4chern entwickeln. Die Besonderheit des Forschungsansatzes liegt in der Untersuchung und Auswertung aller Teilaspekte in einer Anlage, welche die Identifikation von Synergien und Divergenzen zwischen den genannten Potenzialen und Einflussfaktoren erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie 21 je 3,5 m\u00b2 gro\u00dfen Versuchsfl\u00e4chen in drei Expositionssituationen wurden im Fr\u00fchjahr 2020 hergestellt und bepflanzt und zur Erfassung des zulaufenden Wassers, der Wassergehalte im Dachsubstrat sowie des \u00dcberlaufs mit Sensoren ausgestattet. Zus\u00e4tzlich werden die Temperaturen an der Dachhaut, in verschiedenen Niveaus des Gr\u00fcndachaufbaus und des Pflanzenbestandes erfasst. Eine Klimastation stellt Informationen zu Niederschlag und verdunstungsrelevanten atmosph\u00e4rischen Messgr\u00f6\u00dfen bereit, ein Infrarotsensor erfasst W\u00e4rmestr\u00f6me der Pflanzung auf dem Dach. Die Wasserqualit\u00e4t im Zulauf und Ablauf des Daches sowie im Substrat werden regelm\u00e4\u00dfig sowie ereignisbezogen beprobt. <\/p>\n<p>Im Arbeitspaket 2 Vitalit\u00e4t und \u00c4sthetik wird der Zustand der Vegetation in den Forschungsfeldern im zweiw\u00f6chentlichen Turnus erfasst und dokumentiert. Ver\u00e4nderliche Vegetationsphysiologische Parameter werden \u00fcber Boniturb\u00f6gen erfasst und bewertet. Im Ergebnis k\u00f6nnen R\u00fcckschl\u00fcsse auf Vitalit\u00e4t und \u00e4sthetisches Erscheinungsbild wie z. B. Bl\u00fcten-, Blatt- und Volumenentwicklung bei unterschiedlichen Bew\u00e4sserungsregimen gezogen werden.<\/p>\n<p>Im Arbeitspaket 3 Wasserbilanz, Stoffbilanz und Abflussprozesse wird eine Langzeit- und Intensivmesskampagne von Zu-\/ Ablaufkonzentrationen der Wasserqualit\u00e4tsparameter durchgef\u00fchrt und ausgewertet. Dar\u00fcber hinaus werden die Messungen inkl. hydraulische und stoffliche Bilanzierung, Reinigungsleistung und Mengenbilanzierung (Stundenwerte, Niederschlagsanteil, Grauwasser aufkommen) ausgewertet.<\/p>\n<p>Im Arbeitspaket 4 Bauklimatische Untersuchung des K\u00fchlpotenzials werden aufbauend auf einer Laboranalyse verbauter Materialien der Versuchsfl\u00e4chen ein Hygrothermisches Monitoring durchgef\u00fchrt. Dazu werden die Randbedingungen und ausgew\u00e4hlte Messdaten innerhalb der Konstruktionen f\u00fcr Nachrechnungen mit der Simulationssoftware DELPHIN aufgenommen und dokumentiert sowie die W\u00e4rmestrommessungen durchgef\u00fchrt und analysiert. Weiterhin erfolgt anhand der erfassten Messdaten eine vergleichende Absch\u00e4tzung des K\u00fchlpotenzials der einfachen intensiven Dachbegr\u00fcnung bei den verschiedenen Bew\u00e4sserungsregimen. <\/p>\n<p>Im Arbeitspaket 5 Stadtklimatische Bewertung des K\u00fchlpotenzials erfolgt eine Analyse der station\u00e4ren Klimamessungen im Umfeld des Gr\u00fcndachs sowie mobile Klimamessungen zur raum-zeitlichen Verdichtung der station\u00e4ren Messungen. Unter anderem werden der Zusammenhang von Gr\u00fcndachbew\u00e4sserung, Pflanzenbewuchs und Oberfl\u00e4chentemperatur untersucht, aber gleicherma\u00dfen auch z. B. der Einfluss der Bew\u00f6lkung und des Geb\u00e4udeschattens ausgewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Arbeitspaket 2 Vitalit\u00e4t und \u00c4sthetik<br \/>\nIn der dem Bericht zu Grunde liegenden Auswertung der Vegetationsperiode 2022 erzielten s\u00e4mtliche ausgewerteten Parameter wie z. B. Gesamterscheinungsbild, Deckungsgrad, Bl\u00fctenmenge und Blattgr\u00f6\u00dfe in Feldern mit maximalem Bew\u00e4sserungsregime (2,4 mm\/d) die besten Bewertungen. Auch die minimal (0,6 mm\/d) bew\u00e4sserten Felder zeigen jedoch durchg\u00e4ngig mindestens ein mittleres Erscheinungsbild bei \u00fcberwiegend gr\u00fcnem Blattwerk und \u00fcberstehen Trocken- und Hitzeperioden, wenn auch mit deutlichen Einbu\u00dfen z. B. in Bezug auf den Deckungsgrad (62 % gegen\u00fcber 95 % bei maximaler Bew\u00e4sserung). In der Auswertung wurde deutlich, dass keine Linearit\u00e4t zwischen Vitalit\u00e4t und Bew\u00e4sserungsmenge besteht, sondern mit der medialen Bew\u00e4sserung (Regime Medial = 1,2 mm\/d) Bewertungen erzielt werden konnten, welche z. T. nur leicht hinter der maximalen Bew\u00e4sserung zur\u00fccklag.<br \/>\nMit den erh\u00f6hten Bew\u00e4sserungsmengen konnten artspezifisch gesteigerte Wuchsh\u00f6hen festgestellt werden. Daraus l\u00e4sst sich schlussfolgern, dass das verdunstende Vegetationsvolumen proportional mit der Bew\u00e4sserungsmenge steigt. Bei den in den Sommermonaten bl\u00fchenden Arten, wie z. B. Bistorta, wurden wesentlich gr\u00f6\u00dfere Bl\u00fctenmengen in den maximal bew\u00e4sserten Feldern festgestellt, als in denen mit minimaler Bew\u00e4sserung (durchschnittlich 3 Stufen bessere Bewertung). Demgegen\u00fcber zeigen die mit vermeintlich trockenheitsvertr\u00e4glichen Arten bepflanzten Nebenfl\u00e4chen im hei\u00dfen und trockenen Sommer 2022 bereits im Juni \u00fcberwiegend braunes Blattwerk sowie ein Ausbeleiben weiterer Bl\u00fctenentwicklung. Die Bew\u00e4sserung f\u00fchrt demnach zu einem \u00e4sthetischen Mehrwert und gleicherma\u00dfen ist in den Sommermonaten von einem erh\u00f6hten Nahrungsangebot f\u00fcr Insekten auszugehen.<\/p>\n<p>Arbeitspaket 3 Wasserbilanz, Stoffbilanz und Abflussprozesse<br \/>\nDachbegr\u00fcnungen weisen auf Grund der geringen Substratdicke und der guten Wasserleitf\u00e4higkeit nur eine begrenzte Speicherf\u00e4higkeit auf. Dadurch ist auch die Wasserverf\u00fcgbarkeit in Trockenperioden limitiert. Die Bew\u00e4sserung erm\u00f6glich es, die Verdunstungsleistung von Dachbegr\u00fcnungen deutlich zu steigern und diese Komponente des Wasserhaushalts an nat\u00fcrliche Fl\u00e4chen anzun\u00e4hern. Die untersuchten Bew\u00e4sserungsmengen wurden in Trockenperioden weitgehend verdunstungswirksam. Bei Bew\u00e4sserungsmengen von 5 mm\/d entstanden auch bei unges\u00e4ttigten Substraten Abfl\u00fcsse, so dass bei dem verwendeten typischen Dachbegr\u00fcnungssubstrat h\u00e4ufige geringe Bew\u00e4sserungsgaben empfehlenswert sind. Die Messung des Wassergehaltes in Dachsubstraten und der Abflussdynamik f\u00fcr die Messfelder erwies sich als herausfordernd und erfordert weitere Untersuchungen zur Sensorauswahl.<br \/>\nDie erh\u00f6hten Wassergehalte in Folge der Bew\u00e4sserung bewirken gleichzeitig eine geminderte Speicherverf\u00fcgbarkeit bei Regenereignissen und in Folge erh\u00f6hte Abflussvolumen und Spitzenabfl\u00fcsse. Diese treten allerdings bei kurzen Trockenperioden zwischen Regenereignissen und im Winterhalbjahr auch ohne Bew\u00e4sserung auf. Dadurch ist die systematische Abminderung des Spitzenabflusses von Dachbegr\u00fcnungen limitiert und sollte nicht pauschal angesetzt werden.<br \/>\nDie Konzentration von organischen Stoffen und Stickstoffkomponenten lag im Ablaufwasser der Dachbegr\u00fcnungen signifikant \u00fcber den Werten im unbehandeltem Grauwasser und Bew\u00e4sserungswasser. In Bezug auf die Stoffkonzentrationen muss der Ablauf der Dachbegr\u00fcnungen also als Eintragsquelle angesehen werden. Verschiedene Prozesse k\u00f6nnen die hohen Ablaufkonzentrationen verursachen: durch die Verdunstung werden mit dem Bew\u00e4sserungswasser aufgebrachte Stoffe aufkonzentriert und bei Regenereignissen ausgetragen. Pflanzenwachstum und -metabolismus setzen organische Stoffe frei, die aus dem Substrat ausgesp\u00fclt werden und schlie\u00dflich stellen die Kompostanteile in der Substratmischung selbst eine Quelle f\u00fcr organische Verbindungen und Stickstoff dar. Die Bedeutung dieser Prozesse und die Frachtbezogene Betrachtung der stofflichen Belastung sollen in zuk\u00fcnftigen Projekten untersucht werden.<\/p>\n<p>Arbeitspaket 4 Bauklimatische Untersuchung des K\u00fchlpotenzials<br \/>\nDie bauklimatischen Analysen fokussierten zun\u00e4chst auf den Einfluss der unterschiedlichen Konstellationen von Gr\u00fcndachaufbauten und Bew\u00e4sserungsformen auf den Feuchte- und W\u00e4rmehaushalt innerhalb der Konstruktionen. Auch aus diesen Analysen konnte geschlussfolgert werden, dass die temperaturausgleichende und temperaturabsenkende Wirkung einer verst\u00e4rkten Bew\u00e4sserung im medialen Bew\u00e4sserungsregime mit den vorhandenen Standortbedingungen eine gro\u00dfe Verbesserung gegen\u00fcber dem minimalen Bew\u00e4sserungsregime aufweist und f\u00fcr die maximale Bew\u00e4sserung nur noch geringe Performance-Steigerungen vorhanden waren. Zwei Effekte sind f\u00fcr die K\u00fchlwirkung von Gr\u00fcnd\u00e4chern ma\u00dfgebend, erstens die deutlich gesteigerte W\u00e4rmespeicherf\u00e4higkeit in Folge des erh\u00f6hten Wassergehaltes. Diese f\u00fchrt zu einer erheblichen Amplitudend\u00e4mpfung in der Dachkonstruktion mit einer resultierenden Temperaturabsenkung tags\u00fcber von ca. 13\u00b0C im Mittel des Monats August 2022 des maximal bew\u00e4sserten gegen\u00fcber dem nicht bew\u00e4sserten extensiv begr\u00fcnten Feld. Zweitens f\u00fchrt die Evapotranspiration der Pflanzen zu einer permanenten Temperaturabsenkung des Feldes von ca. 2 \u00b0C im Mittel des Monats August 2022. Diese Temperaturabsenkung ist jedoch keine alleinige Konsequenz der Evapotranspiration, sondern auch Folge einer ver\u00e4nderten Strahlungsbilanz. So ist der kurzwellige Strahlungseintrag in die Substratschicht bei vitaler Bepflanzung und hohem Pflanzenbedeckungsgrad erheblich reduziert, gleiches gilt f\u00fcr die langwellige Abstrahlung. Hier ist auch zu ber\u00fccksichtigen, dass das vitale Bl\u00e4tterdach eine Schutzebene f\u00fcr die Verdunstung von der Substratoberfl\u00e4che bildet und damit dem Erhalt eines hohen Wassergehaltes im Substrat zutr\u00e4glich ist. \u201eUngeachtet dessen ist der Einfluss der erh\u00f6hten W\u00e4rmespeicherf\u00e4higkeit der dominante K\u00fchleffekt bei bew\u00e4sserten Gr\u00fcnd\u00e4chern. Er nimmt zus\u00e4tzlich auch einen Einfluss auf das Frostbildungsrisiko, welches mit zunehmendem Wassergehalt erheblich reduziert ist. So zeigen s\u00e4mtliche Dachfl\u00e4chen mit Bew\u00e4sserung innerhalb der Konstruktion keine Temperaturen unter der Frostgrenze. Eine Abbildung dieser Effekte im hygrothermsischen Modell war mit den bisherigen Modellen noch nicht m\u00f6glich. Hier besteht Forschungsbedarf. Die lose Struktur des Substrates stellt eine Herausforderung f\u00fcr die Modellierung von Speicher- und Transporteigenschaften dar, die feuchtegehaltsabh\u00e4ngige Evapotranspiration stellt eine weitere H\u00fcrde dar. So existieren aktuell nur stark vereinfachte Evapotranspirations-Modelle, welche den Zeitverlauf des Wassergehaltes vernachl\u00e4ssigen und permanente Wasserverf\u00fcgbarkeit annehmen. Auch hier besteht Forschungsbedarf.<\/p>\n<p>Arbeitspaket 5<br \/>\nDie Mikroklimauntersuchungen auf dem Gr\u00fcndach zeigen einen klaren Zusammenhang von unterschiedlich intensiver Bew\u00e4sserung und der daraus resultierenden Gr\u00fcnvolumendichte mit der Verteilung der Gr\u00fcndachtemperatur. Je nach Bew\u00e4sserungsintensit\u00e4t treten an einem sonnigen Sommertag Temperaturunterschiede von 1,5 \u00b0C im Mittel und bis 10 \u00b0C im Maximum auf. Im Vergleich zum unbew\u00e4sserten Bereich reduziert sich die Temperatur auf dem Gr\u00fcndach bis zu 5,2 \u00b0C im Mittel und um bis zu 28 \u00b0C im Maximum. Die gr\u00f6\u00dften Tempertaturunterschiede ergeben sich zwischen Feldern mit mittlerer und geringer Bew\u00e4sserung. Hohe Wasserzugaben f\u00fchren nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer linearen Absenkung der Gr\u00fcndachtemperatur. Der Geb\u00e4udeschatten wirkt sich ebenso reduzierend auf Temperatur und Verdunstung und damit g\u00fcnstig auf das Pflanzenwachstum aus. Dies sollte bei der Planung von Gr\u00fcnd\u00e4chern beachtet werden. Sowohl das Geb\u00e4ude als auch die sich im Umfeld befindlichen hohen B\u00e4ume beeinflussen das Windfeld auf dem Gr\u00fcndach und auch den mit dem Wind verdrifteten Niederschlag. Von einem m\u00f6glichen \u201eNiederschlagsschatten\u201c sind v. a. die s\u00fcdlichen Randfelder des Gr\u00fcndachs betroffen. Aufgrund fehlender Vergleichswerte von Wind und Niederschlag auf dem Gr\u00fcndach l\u00e4sst sich dieser Effekt jedoch nicht nachweisen. Die Daten der neben dem Gr\u00fcndach installierten Klimastation spiegeln die unmittelbaren Mikroklimaverh\u00e4ltnisse am Gr\u00fcndach wider. Die Fernwirkung des Gr\u00fcndachs auf das Mikroklima konnte mit der bestehenden Messkonfiguration nicht belastbar nachgewiesen werden. Hierf\u00fcr ist eine Erweiterung mit einer r\u00e4umlich und zeitlich flexiblen Messsensorik erforderlich.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Arbeitspaket \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurde zur allgemeinen Information sowohl f\u00fcr Wissenschaft als auch f\u00fcr die Lehre und interessierte \u00d6ffentlichkeit eine Webseite eingerichtet (https:\/\/tu-dresden.de\/bu\/architektur\/ila\/labau\/forschung\/laufende-forschungsprojekte\/modellprojekt-integrales-wassermanagement). Auf wissenschaftlicher Ebene wurde das Projekt auf verschiedenen Konferenzen pr\u00e4sentiert u. a. auf novatech-Konferenz 2019 in Lyon, im NEXUS-Seminars der UNU-FLORES Akademie, und auf dem Bundeskongress Geb\u00e4udegr\u00fcn.<br \/>\nIm Rahmen der Umweltbildung wurde das Gr\u00fcndaches mehrfach in sogenannte Gartenrundg\u00e4nge des Botanischen Gartens sowie der Stadt Dresden eingebunden. Das Forschungsgr\u00fcndach ist seit Herbst 2020 fester Bestandteil der Lehre in den Studieng\u00e4ngen der Landschaftsarchitektur und Siedlungswasserwirtschaft. Dar\u00fcber hatten verschiedene studentische (Abschluss-)Arbeiten das Forschungsgr\u00fcndach sowie die Auswertung der ermittelten Messdaten zum Gegenstand.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Arbeitspaket 2 Vitalit\u00e4t und \u00c4sthetik<br \/>\nDie Ergebnisse des hinsichtlich des Witterungsverlaufs sehr extremen Jahres 2022 zeigen deutlich, dass die Vitalit\u00e4t und \u00c4sthetik Einfacher Intensivdachbegr\u00fcnungen im Vergleich zu den geringer bzw. nicht bew\u00e4sserten Referenzfeldern verbessert werden kann, je kontinuierlicher das Wasserdargebot im Bereich der maximalen Feldkapazit\u00e4t gehalten wird. In der Auswertung wurde jedoch auch deutlich, dass keine Linearit\u00e4t zwischen Vitalit\u00e4t und Bew\u00e4sserungsmenge besteht, sondern mit der medialen Bew\u00e4sserung Bewertungen erzielt werden konnten, welche z. T. nur leicht hinter der maximalen Bew\u00e4sserung zur\u00fccklagen. Selbst in Feldern mit minimalem Bew\u00e4sserungsregime k\u00f6nnen im Vergleich zu Fl\u00e4chen mit trockenheitsvertr\u00e4glichen Arten ganzj\u00e4hrig noch ein zufriedenstellendes Erscheinungsbild und eine sommerliche Bl\u00fctenbildung erreicht werden.<br \/>\nMit den erh\u00f6hten Bew\u00e4sserungsmengen kann dar\u00fcber hinaus die artspezifisch die Wuchsh\u00f6he, respektive das potenziell verdunstende Vegetationsvolumen gesteigert werden. Nachteilige Auswirkungen auf das Erscheinungsbild durch die Bew\u00e4sserung mit vorgefiltertem Grauwasser konnten bis zur Vegetationsperiode 2022 nicht festgestellt werden. Im Fr\u00fchjahr 2023 kam es jedoch zum Ausfall eines gr\u00f6\u00dferen Teils an Standort III gepflanzter Heuchera. Ursache k\u00f6nnte ein festgestellter Befall mit Dickmaulr\u00fcsslern sein. Die Untersuchungen laufen derzeit.<\/p>\n<p>Arbeitspaket 3 Wasserbilanz, Stoffbilanz und Abflussprozesse<br \/>\nDachbegr\u00fcnungen k\u00f6nnen ein wichtiger Baustein eines urbanen Wasserhaushalts sein, der an nat\u00fcrliche Verh\u00e4ltnisse angen\u00e4hert ist. Dabei steigert Bew\u00e4sserung die Verdunstungskomponente deutlich und gleicht die geringe Speicherf\u00e4higkeit des Dachsubstrats aus. Kontinuierlich anfallendes Grauwasser eignet sich f\u00fcr die Bew\u00e4sserung und die Bew\u00e4sserungsmengen k\u00f6nnen im Hinblick auf eine maximale Verdunstungsleistung optimiert werden. Durch die durchschnittlich h\u00f6here Wasserspeicherung des Substrats in Folge der Bew\u00e4sserung, kann aber bei Regen weniger Wasser zur\u00fcckgehalten werden und es kommt zu h\u00f6heren Abflussspitzen und -volumen. Eine Optimierung, die Regenr\u00fcckhalt und Verdunstungssteigerung ber\u00fccksichtigt, muss also zwischen diesen beiden Zielen ausgleichen. Die Stoffumsatzprozesse und Aufkonzentrierung bewirken hohe Nitrat und organische Stoffgehalte im Abflusswasser aus Dachbegr\u00fcnungen, die f\u00fcr eine Wiederverwendung oder Einleitung in Gew\u00e4sser oder Boden ber\u00fccksichtigt werden sollten.<\/p>\n<p>Arbeitspaket 4 Bauklimatische Untersuchung des K\u00fchlpotenzials<br \/>\nGr\u00fcnd\u00e4cher werden aktuell vornehmlich als extensive Konstruktionen, d. h. in d\u00fcnnschichtiger Bauweise mit trockenheitsresistenter Bepflanzung und ohne Bew\u00e4sserung realisiert. Die bauklimatischen Untersuchungen zeigen, dass eine erhebliche K\u00fchlwirkung von Gr\u00fcndachkonstruktionen nur dann vorhanden ist, wenn eine geeignete Bew\u00e4sserung umgesetzt wird. Der Hauptanteil der K\u00fchlwirkung kann auf die deutlich erh\u00f6hte W\u00e4rmespeicherf\u00e4higkeit zur\u00fcckgef\u00fchrt werden, welche im vorliegenden Projekt mit der medialen Bew\u00e4sserung schon fast die maximale Wirkung zeigt. Die Maximalbew\u00e4sserung bringt im Vergleich dazu nur noch einen marginalen Effekt. Der K\u00fchleffekt aus der Verdunstung von den Blattoberfl\u00e4chen (Evapotranspiration) steht einem strahlungseintrags- und abstrahlungsvermindernden Effekt des Bl\u00e4tterdachs gegen\u00fcber und ist betragsm\u00e4\u00dfig weit unter dem Effekt der Speicherf\u00e4higkeit angeordnet. Dennoch ist das vitale Bl\u00e4tterdach auch f\u00fcr die Erhaltung des gespeicherten Wassers im Substrat zutr\u00e4glich, weil es die direkte Verdunstung aus dem Substrat reduziert.<\/p>\n<p>Arbeitspaket 5<br \/>\nDie Ergebnisse der Mikroklimamessungen leisten einen wichtigen Beitrag zum Erkenntnisgewinn hinsichtlich der Wirkung einer kontrollierten Bew\u00e4sserung auf die thermischen Verh\u00e4ltnisse auf einem Gr\u00fcndach. Die Installation einer ortsfesten Dauererfassung der r\u00e4umlich verteilten Oberfl\u00e4chentemperatur des Gr\u00fcndachs hat sich als entscheidende Datenquelle f\u00fcr den Erkenntnisgewinn ergeben. Auf Basis der Temperaturmessungen auf dem Gr\u00fcndach der verschiedenen Projektpartner ist es m\u00f6glich, eine Absch\u00e4tzung des K\u00fchlpotentials des Gr\u00fcndachs zu liefern. F\u00fcr die Bestimmung der Randwirkung des K\u00fchleffektes werden kleinr\u00e4umig verdichtete Messungen von Temperatur und Feuchte mit einem Netz aus Mikrologgern ben\u00f6tigt. Weitere mobile Strahlungsmessungen sollten dazu dienen, den Schatteneffekt des Geb\u00e4udes mit seinen positiven Auswirkungen auf Temperatur und Verdunstung zu quantifizieren, um damit eine Datenbasis f\u00fcr Verdunstungsmodelle zu schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Gr\u00fcnd\u00e4cher k\u00f6nnen zur Verbesserung des thermischen Milieus in Stadtgebieten beitragen, wobei der K\u00fchleffekt durch Evapotranspiration ein wichtiger Teilaspekt ist. Die Nutzung dieser Verdunstungsleistung in l\u00e4ngeren Trocken- und Hitzeperioden ist bei geringschichtigen Begr\u00fcnungsformen bedingt durch limitiertes Retentionsverm\u00f6gens stark eingeschr\u00e4nkt. 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