{"id":27157,"date":"2023-07-14T10:39:00","date_gmt":"2023-07-14T08:39:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/35144-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:39:01","modified_gmt":"2023-07-14T08:39:01","slug":"35144-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/35144-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung eines neuen nachhaltigen Holzbausystems aus Sengon-Leichtholz f\u00fcr subtropische Klimazonen am Beispiel Borneo (Indonesien)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In Kalimantan, auf Borneo (Indonesien) werden, wie in vielen anderen subtropischen Regionen der Erde, in gro\u00dfem Stil Urw\u00e4lder abgeholzt. H\u00e4ufig m\u00fcssen diese W\u00e4lder f\u00fcr Palm\u00f6lplantagen weichen. Die katastrophalen Auswirkungen, sowohl auf das \u00d6kosystem, Flora wie Fauna gleicherma\u00dfen, als auch auf die Sozialstruktur und Lebensbedingungen der ans\u00e4ssigen indigenen Bev\u00f6lkerungsgruppen, erfordern ein Umdenken.<br \/>\nDie Nichtregierungsorganisation Fairventures Worldwide (FvW) hat es sich zur Aufgabe gemacht, abgeholzte Fl\u00e4chen wieder aufzuforsten. Innerhalb deren Programm wird f\u00fcr und mit der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung und lokalen Bauern schnell wachsendes Leichtholz angepflanzt. Besonders ergiebig sind Sengonb\u00e4ume, die bereits nach ca. sieben Jahren einen Umfang von 90 cm erreichen. Das Leichtholz kann somit regelm\u00e4\u00dfig geerntet und in lokalen Firmen zu Brettern geschnitten werden, die wiederum zu Mehrschicht- oder Leimholzplatten verarbeitet werden. Aktuell werden diese Produkte gro\u00dfteils im M\u00f6belbau oder zur Inneneinrichtung verwendet.<\/p>\n<p>Das Ziel des Vorhabens war es, den Defiziten der aktuell verbreiteten Bauweise mit klima- und ressourcenschonendem Bauen zu begegnen. Dazu wird der Anwendungszweck von Leichtholz erweitert, sodass es auch im Hochbau eingesetzt werden kann. Die Leichtholzplatten werden Ausgangsprodukt f\u00fcr die Errichtung von Geb\u00e4uden, um Potentiale aufzuweisen und zur Verbesserung der Ressourceneffizienz im Bauwesen beizutragen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Leichtholzplatten aus Sengon, die das Ausgangsprodukt des Projekts darstellten, galt es zu Beginn auf deren Materialkennwerte am Karlsruhe am Institut f\u00fcr Technologie (KIT) zu pr\u00fcfen. Es wurde von L\u00f6ffler_Schmeling Architekten ein Grundsystem geplant, das aus statisch wirksamen Rahmen aus Holz besteht, um das eine nichttragende H\u00fclle und Dach gezogen werden. Nach Ermittlung der Materialkenndaten wurden von Bla\u00df &#038; Eberhart Ingenieuren geeignete Dimensionen und Verbindungsmittel festgelegt. Auf den ersten Entwurf des Systems und die Materialpr\u00fcfung der Platten, folgte die Fertigung von Elementen nach erarbeiteten Pl\u00e4nen f\u00fcr einen Musteraufbau am KIT, der dann Belastungstests ausgesetzt werden konnte und Erkenntnisse zur Montage und Dimensionierung brachte. Diese Erkenntnisse erlaubten material- und kostensparende Optimierungen. Es folgte die Detailentwicklung des Bausystems durch Erstellen von Leitdetails, das L\u00f6sen der Anschl\u00fcsse und das Kl\u00e4ren von bautechnischen und konstruktiven Aspekten des Systems. Hierbei wurde mit dem Kooperationspartner Transsolar Energietechnik GmbH an einem Klima- und Versorgungskonzept gearbeitet, das den innovativen Aspekten einer passiven Klimatisierung entspricht. Werkpl\u00e4ne sowohl von Architektenseite, als auch vom Ingenieurb\u00fcro und in Kooperation mit den Werkstoff- und Bauteilproduzenten vor Ort wurden angefertigt und erm\u00f6glichten die Umsetzung eines Pilotprojekts. Auch nach dem F\u00f6rderzeitraum soll das Pilotprojekt \u00fcberwacht und begleitet werden und diese Ergebnisse in k\u00fcnftige Weiterentwicklungen einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>An einem Pilotprojekt in Indonesien wurde das Holzbausystem erprobt. Ausgew\u00e4hlter Standort f\u00fcr das Reallabor war zu Beginn des Projekts das Areal der Aufzuchtstation in Gunung Mas, Kalimantan. Nach Planung, Testaufbau in Deutschland und Kooperation und Austausch mit Partnern vor Ort, ergab sich die einmalige Gelegenheit, das Pilotprojekt auf dem Grundst\u00fcck des Forstministeriums in Palangka Raya aufzubauen und damit mehr Aufmerksamkeit zu erlangen und die innovative Bauidee durch das Musterprojekt an die zum Teil sehr prominenten Multiplikatoren zu bringen.<br \/>\nEs fiel zudem die Entscheidung, die Rahmenkonstruktion aus Leimholz herzustellen, statt aus Holzfurnierplatten. Grund daf\u00fcr war die Verf\u00fcgbarkeit und leichtere Handhabung von Jarbonholz, ebenfalls ein lokal angebautes Leichtholz aus der Wiederaufforstung. In diesem Schritt sind wir au\u00dferdem auf eine Zangenkonstruktion umgestiegen, die den Aufbau &#8211; im Vergleich zum Musteraufbau am KIT &#8211; deutlich vereinfacht. Durch diese Ver\u00e4nderung konnten wir im Rahmen des Projekts gleich mehrfache Verwendungsm\u00f6glichkeiten von Leichtholz abbilden (Plattenwerkstoffen und Leimholz).<br \/>\nUm auf kosteng\u00fcnstigere Platten in Indonesien zur\u00fcckgreifen zu k\u00f6nnen, wurden die Plattendimensionen der Fassade angepasst. Die Plattenst\u00e4rke von 40 mm wurde auf 36 mm reduziert, was die Beschaffung einfacher und kosteng\u00fcnstiger machte. Bei Weiterentwicklung besteht hier Potential zu Optimierung.<\/p>\n<p>Der Standortwechsel des Pilotprojekts, sowie sp\u00e4tes Anpassen der Tragkonstruktion und Werkstoffma\u00dfe haben dem Projekt nicht geschadet, im Gegenteil: Durch das Einbeziehen von lokalem Know-how und die Konsultation lokaler Experten war das Ergebnis erfolgreich und erhielt Anerkennung vor Ort. Insbesondere die Entscheidung, Brettschichtholztr\u00e4ger anstelle von Sperrholztr\u00e4gern zu verwenden, f\u00fchrte zu erheblichen Kosten- und Zeiteinsparungen bei der Herstellung und Montage. Es ist ein Zeichen von Qualit\u00e4t und Robustheit, dass unser Bausystem solche lokalen Anpassungen ohne Problem und Qualit\u00e4tsverluste und mit minimalem Planungsaufwand vertr\u00e4gt. <\/p>\n<p>Obwohl die \u00d6kobilanz zeigt, dass Sengon-Sperrholz nicht CO2-neutral ist, sind die Umweltleistungen hervorragend, insbesondere im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen Baumaterialien wie Beton, Stahl und Aluminium. Die F\u00e4higkeit von Holzwerkstoffen, Kohlenstoff und dar\u00fcber hinaus CO2 zu speichern, ist ein starkes Merkmal von Holz als Baumaterial, das Aussagen \u00fcber das enorme Potenzial modularer Leichtholzkonstruktionen in Bezug auf positive Umweltauswirkungen beweist. Dies wurde in einer Lebenszyklusanalyse dargestellt.<\/p>\n<p>Das Pilotprojekt entstand unter Aufsicht einer Bauleiterin, die in Kommunikation mit den Planenden (Architekten, Ingenieuren) vermittelte und koordinierte. Der Ablauf und die Ergebnisse werden im Abschlussbericht und dessen Anh\u00e4ngen ausf\u00fchrlicher aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im Rahmen von genehmigten kostenneutralen Laufzeitverl\u00e4ngerungen k\u00f6nnte das Projekt wie angesetzt und durch zu Beginn festgelegte Arbeitspakete zum 23.10.2022 abgeschlossen werden. Bedingt durch die Covid-19 Pandemie, wurde eine Nachbewilligung in H\u00f6he von 20% des urspr\u00fcnglichen Antrags genehmigt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt wurde im gesamten Zeitraum umfassend von allen Kooperationspartnern dokumentiert und bereits im Rahmen von Tagungen und in lokalen Medien pr\u00e4sentiert. Darunter eine Ver\u00f6ffentlichung in den Badischen Neusten Nachrichten (BNN) mit dem Titel: \u0093Nachhaltig bauen mit Segon-Holz\u0094. <\/p>\n<p>In der DGNB Sustainability Challenge 2022 ist das Projekt als Finalist in der Kategorie Innovation gek\u00fcrt worden. Im Rahmen der Veranstaltung \u0084Tag der Nachhaltigkeit\u0093 der DGNB am 08. Juli 2022 hatten wir au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit, das Forschungsprojekt erneut in Form einer Kurzpr\u00e4sentation und auf dem Marktplatz der Ideen vorzustellen und vielen Interessierten n\u00e4herzubringen.<\/p>\n<p>Das Er\u00f6ffnungsevent des Pilotprojekts in Palangka Raya, Indonesien fand am 30.10.2022 unter Anwesenheit von deutschen Bundestagsabgeordneten (Mitglieder des Ausschusses f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sowie Vertretern der indonesischen Regierung auf nationaler und regionaler Ebene statt. Johannes Schwegler, der Gr\u00fcnder von Fairventures, stellte das Modulhaus in einer Pr\u00e4sentation vor.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit dem Projekt wurde das Ziel verfolgt, zukunftsf\u00e4hige Konzepte und technologische Ans\u00e4tze im Bau mit Leichtholz zu entwickeln und zu erproben, um dessen Potentiale aufzuweisen und zur Verbesserung der Ressourceneffizienz im Bauwesen beizutragen. Innovativ ist dabei besonders, die Nutzung von aufgeforstetem schnellwachsendem Holz und dessen Anwendung im Bauwesen. Die Praxisbezogenheit durch direkte Kooperation mit lokalen Experten stellt einen bedeutsamen Aspekt des Projekts dar. Trotz Verz\u00f6gerungen in der Materialtestung, Zusammenbrechen der Lieferkette durch die Pandemie und der Entscheidung, die tragende Konstruktion sp\u00e4t im Projektverlauf zu optimieren, ist das Projekt zu einem gelungenen Abschluss gekommen.<\/p>\n<p>Dank der interdisziplin\u00e4ren und internationalen Zusammenarbeit innerhalb des Projekts konnte das Projektteam das Pilotprojekt erfolgreich umsetzen und dabei neue Erkenntnisse im Umgang mit Leichtholz im Bauwesen gewinnen. Res\u00fcmierend kann festgestellt werden, dass die Entwicklung der nachhaltigen Konzepte und technologischen Ans\u00e4tze und deren Erprobung der Zielsetzung gerecht werden. Wir glauben, dass dieses Pilotprojekt einen neuen Meilenstein in der Entwicklung des Holzbaus in Indonesien setzt. Es zeigt, dass Leichtholz aus wiederaufgeforsteten Gebieten ein konkurrenzf\u00e4higer Baustoff sein kann, der im Vergleich zu anderen Baustoffen umweltfreundlicher ist. Daher \u00f6ffnet die beispielhafte Umsetzung dieses modularen Hauses eine neue T\u00fcr f\u00fcr die Entwicklung einer nachhaltigen Leichtholzindustrie im Land. Der verst\u00e4rkte Einsatz von Holz als nachwachsendem Rohstoff kann einen Hebel zur Verbesserung der Ressourceneffizienz darstellen. Dies ist nur der Anfang, den Bausektor zu erneuern, damit er wirtschaftlich und \u00f6kologisch immer nachhaltiger wird.<\/p>\n<p>Basierend auf der durchgef\u00fchrten Forschung wird weitere Forschung zur Optimierung des Bausystems und seiner breiteren Anwendung in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfstab dringend empfohlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In Kalimantan, auf Borneo (Indonesien) werden, wie in vielen anderen subtropischen Regionen der Erde, in gro\u00dfem Stil Urw\u00e4lder abgeholzt. H\u00e4ufig m\u00fcssen diese W\u00e4lder f\u00fcr Palm\u00f6lplantagen weichen. 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