{"id":27155,"date":"2025-06-25T10:34:05","date_gmt":"2025-06-25T08:34:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34990-01\/"},"modified":"2025-06-25T10:34:07","modified_gmt":"2025-06-25T08:34:07","slug":"34990-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34990-01\/","title":{"rendered":"Insektenverluste durch den Einsatz von Konditionierern bei der Behandlung von M\u00e4hgut"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Einsatz von Konditionierern bei der Wiesenmahd stellt eine bisher wenig erforschte m\u00f6gliche Ursache des Insektensterbens im Gr\u00fcnland dar. Konditionierer zerquetschen das frisch geschnittene Gras und zerst\u00f6ren dabei die verdunstungshemmende Wachsschicht. Dadurch trocknet das M\u00e4hgut schneller ab, was einen positiven Einschluss auf den Ertrag und die Qualit\u00e4t des M\u00e4hguts hat. Gleichzeitig ist zu vermuten, dass der mechanische Vorgang erhebliche negative Auswirkungen auf die Insektengemeinschaften und andere wirbellose Tiere im Gr\u00fcnland hat.<br \/>\nDas Projekt dient dazu, die sp\u00e4rlichen Erkenntnisse der Auswirkungen des Konditionierereinsatzes auf Insekten zu vertiefen und zu verstehen, unter welchen agrarbetriebswirtschaftlichen und landschaftlichen Bedingungen Konditionierer eingesetzt werden. Die Gegen\u00fcberstellung der agrarbetriebswirtschaftlichen Vorteile und der \u00f6kologischen Nachteile des Konditionierereinsatzes erm\u00f6glicht die Entwicklung von deutschlandweit relevanten Handlungsempfehlungen zum Schutze von Insekten im Gr\u00fcnland.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm die Auswirkungen des Konditionierereinsatzes auf Insektengemeinschaften und andere wirbellose Tiere zu untersuchen, f\u00fchrte das Projekt \u00f6kologische Feldstudien auf intensiv und extensiv bewirtschafteten Wiesen in der Allerniederung im Heidekreis in Niedersachsen im November 2019 und im Juni 2020 durch. Durch Probenahmen wurde untersucht, ob sich der prozentuale Besch\u00e4digungsgrad von Arthropoden auf Fl\u00e4chen mit und ohne Konditionierereinsatz signifikant unterscheidet und inwiefern die Bewirtschaftungsintensit\u00e4t hierbei eine Rolle spielt.<br \/>\nZur Ermittlung der Verbreitung des Konditionierereinsatzes und zur Identifizierung von Faktoren, die den Konditionierereinsatz beg\u00fcnstigen, wurde eine Literaturrecherche betrieben, Gr\u00fcnlandexperten und Experten aus der Landtechnikherstellerbranche in semistrukturierten Interviews befragt und ein Fragebogen an 752 im Landkreis Heidekreis ans\u00e4ssige Landwirte verschickt. Dar\u00fcber hinaus erfolgten betriebliche Beispielrechnungen, um Aufschluss \u00fcber die Rentabilit\u00e4t des Einsatzes von Konditionierern f\u00fcr verschiedene Bewirtschaftungsszenarien zu erhalten. Dadurch konnten approximativ Kompensationszahlungen bestimmt werden, die Landwirten bei einem Verzicht auf Konditionierer, der m\u00f6glicherweise Teil von Ver-tragsnaturschutzprogrammen sein k\u00f6nnte, gezahlt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nAnschlie\u00dfend wurden die Erkenntnisse der \u00f6kologischen und agrarbetriebswirtschaftlichen Untersuchungen integriert, um sechs naturschutzpolitische Empfehlungen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mittlerweile wurden alle Phasen des 22-monatigen Projekts erfolgreich abgeschlossen.<br \/>\nIn der \u00f6kologischen Feldstudie wurden insgesamt 21.584 Arthropoden gesammelt und untersucht. Eine statistische Auswertung der Besch\u00e4digungsgrade lieferte folgende Ergebnisse:<br \/>\n\u0095\tDer prozentuale Anteil besch\u00e4digter Individuen in verschiedenen Arthropodengruppen unterscheidet sich nicht signifikant zwischen intensiver und extensiver Wiesenbewirtschaftung; allerdings wurden im extensiv bewirtschafteten Gr\u00fcnland pro Probe 1,7 mal mehr Arthropoden gez\u00e4hlt als im intensiv bewirtschafteten Gr\u00fcnland.<br \/>\n\u0095\tDer Einsatz des Konditionierers beeinflusste den prozentualen Anteil besch\u00e4digter Individuen im Rahmen der Wiesenmahd deutlich und erh\u00f6hte ihn \u00fcber alle untersuchten Gruppen von 50 % ohne Konditionierereinsatz auf 70 % mit Konditionierereinsatz.<br \/>\n\u0095\tDie folgenden Arthropodengruppen wurden dabei in zunehmendem Ma\u00dfe besonders stark beeinflusst: Heuschrecken (Orthoptera, von 72 % auf 86 %), Fransenfl\u00fcgler (Thysanoptera, von 32 % auf 56 %), K\u00e4fer (Coleoptera, von 58 % auf 85 %), Pflanzenl\u00e4use (Stenorrhyncha, von 52 % auf 78 %) und Milben (Acari, von 18 % auf 48 %).<\/p>\n<p>In der agrar\u00f6konomischen Untersuchung ergaben die Literaturrecherche, die Befragung von Experten und landwirtschaftlichen Betrieben im Heidekreis und die betrieblichen Beispielrechnungen folgende Ergebnisse:<br \/>\n\u0095\tHersteller von M\u00e4hwerkstechnik beziffern die Ausstattungsrate von M\u00e4hwerken mit Konditionierern in Deutschland durchschnittlich mit 15 bis 20 %. Im Heidekreis setzen 20,8 % der Landwirte Konditionierer ein.<br \/>\n\u0095\tDie Verbreitung des Konditioniereinsatzes nahm bis zur Jahrtausendwende in Deutschland kontinuierlich zu. In j\u00fcngerer Zeit ist kein eindeutiger Trend bei der Ausstattung von M\u00e4hwerken mit Konditionierern auszumachen.<br \/>\n\u0095\tGro\u00dffl\u00e4chenm\u00e4hwerke wie Butterfly-M\u00e4hkombinationen sind \u00fcberdurchschnittlich mit Konditionierern ausgestattet. Heckm\u00e4hwerke sind unterdurchschnittlich ausgestattet. Gezogene M\u00e4hwerke sind in der Regel mit einem Konditionierer ausgestattet.<br \/>\n\u0095\tIm weltweiten und europ\u00e4ischen Vergleich ist der Konditionierereinsatz in Deutschland aufgrund der geringen Verbreitung von gezogenen M\u00e4hwerken unterdurchschnittlich.<br \/>\n\u0095\tAgrarbetriebswirtschaftliche Faktoren, die den Konditionierereinsatz beg\u00fcnstigen, sind die Betriebsgr\u00f6\u00dfe, der Mechanisierungsgrad, die Gr\u00f6\u00dfe der zu bewirtschaftenden Fl\u00e4chen, \u00fcberbetriebliche Maschinenverwendung und der Einsatz von Lohnunternehmern<br \/>\n\u0095\tJe nach Ertragslage und eingesetzter Maschinentechnik l\u00e4sst sich der wirtschaftliche Vorteil des Konditionierers auf 35 bis 120 \u0080 pro Hektar und Jahr sch\u00e4tzen. Zwar verteuert der Konditionierereinsatz den M\u00e4hvorgang, hat aber gleichzeitig das Potenzial, die M\u00e4hgutwerbung insgesamt zu verbilligen, da durch den Einsatz von Aufbereitern Zett- und Wendevorg\u00e4nge eingespart werden k\u00f6nnen. Zudem erh\u00f6ht der Konditionereinsatz den Ertrag und verbessert die Energiedichte des M\u00e4hguts.<br \/>\n\u0095\tLaut unseren Berechnungen ist der Einsatz von Konditionierern auf intensiv genutzten Fl\u00e4chen f\u00fcr Landwirte aufgrund der intensiveren Nutzung und der damit einhergehenden h\u00f6heren Ertragslage besonders vorteilhaft.<\/p>\n<p>Die Studie zeigt, dass der Konditionierereinsatz mehrere Insektengruppen signifikant sch\u00e4digt. Gleichzeitig hat der Einsatz des Konditionierers wirtschaftliche Vorteile. Die Vor- und Nachteile des Konditionierereinsatzes m\u00fcssen bei Ma\u00dfnahmen gegen den Konditionierereinsatz sorgf\u00e4ltig aufgewogen werden. Wir sprechen uns f\u00fcr folgende naturschutzpolitischen Empfehlungen aus:<br \/>\n\u0095\tKonditioniererverzicht auf extensiv genutzten Fl\u00e4chen anstreben<br \/>\n\u0095\tUnerw\u00fcnschte Ausweichreaktionen der Landwirte auf alternative M\u00e4htechniken im Falle eines Konditioniererverzichts im Blick behalten<br \/>\n\u0095\tKonditioniererverzicht auf intensiv bewirtschafteten Wiesen nicht unbedingt notwendig<br \/>\n\u0095\tAufnahme des Konditioniererverzicht in Managementpl\u00e4nen f\u00fcr Naturschutzgebiete<br \/>\n\u0095\tWeitere Forschung und Sammeln von Erfahrung erforderlich<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Folgende Aspekte der \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurden unternommen:<br \/>\n\u0095\tAufbau einer Projektwebseite, Erstellung einer BTU-Pressemitteilung zum Projekt, Zeitungsartikel \u00fcber Projektergebnisse \u0084Sanfte Mahd zum Schutz von Insekten\u0093 in Landvolk L\u00fcneburger Heide, Ausgabe 1, Januar 2021<br \/>\n\u0095\tAbhalten eines Abschlussworkshops um deutschlandweit \u00fcber die Ergebnisse zu informieren in Kooperation mit der der Alfred Toepfer Akademie f\u00fcr Naturschutz (www.nna.niedersachsen.de\/startseite\/veranstaltungen\/va20023-182030.html)<br \/>\n\u0095\tUnter anderem auch aufgrund der Studie wurde der Verzicht auf Konditionierer im Ma\u00dfnahmenkatalog Insektenschutz Brandenburg (durchgef\u00fchrt vom Leibniz-Zentrum f\u00fcr Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. unter Beteiligung des FG \u00d6kologie, BTU) in die Ma\u00dfnahmen GL 6 \u0084Insektenschonende M\u00e4htechnik verwenden\u0093 und U2 \u0084Mahdregime \u00e4ndern\u0093 aufgenommen (https:\/\/mluk.brandenburg.de\/sixcms\/media.php\/9\/Projektbericht%20Insektenschutzma%C3%9Fnahmen%20Brandenburg.pdf)<br \/>\n\u0095\tEinreichen einer deutschsprachigen und internationalen wissenschaftlichen Publikation in Fachzeitschriften<br \/>\n\u0095\tErstellung eines Policy Briefs mit Empfehlungen zum Konditionierereinsatz<br \/>\n\u0095\tTeilnahme am 35. Deutschen Naturschutztag war geplant, war aber nicht m\u00f6glich, da der Naturschutztag coronabedingt abgesagt wurde.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt konnte mit einer viermonatigen, im Wesentlichen coronabedingten Verz\u00f6gerung insgesamt erfolgreich nach 22 Monate abgeschlossen werden. Durch erfolgreiche Durchf\u00fchrung der \u00f6kologischen Feldstudien und der agrar\u00f6konomischen Untersuchungen konnten die Nachteile und die agrarbetriebswirtschaftlichen Vorteile belastbar ermittelt und gegen\u00fcbergestellt werden. Die Untersuchungen zum Verbreitungsgrad des Konditionierereinsatzes identifizierten zudem seinen Gebrauch als nicht zu vernachl\u00e4ssigend und insektenschutzrelevant. Die Projektergebnisse konnten durch Veranstaltungen und Publi-kationen erfolgreich vermittelt werden und flossen in den Ma\u00dfnahmenkatalog Insektenschutz Brandenburg ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Einsatz von Konditionierern bei der Wiesenmahd stellt eine bisher wenig erforschte m\u00f6gliche Ursache des Insektensterbens im Gr\u00fcnland dar. Konditionierer zerquetschen das frisch geschnittene Gras und zerst\u00f6ren dabei die verdunstungshemmende Wachsschicht. Dadurch trocknet das M\u00e4hgut schneller ab, was einen positiven Einschluss auf den Ertrag und die Qualit\u00e4t des M\u00e4hguts hat. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[59,2422,50],"class_list":["post-27155","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-brandenburg","tag-landnutzung","tag-naturschutz"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"34990\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"124.800,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Brandenburgische Technische Universit\u00e4t Cottbus-\nSenftenberg\nCottbus-Senftenberg\nFG Volkswirtschaftslehre, insb. Umwelt\u00f6konomie","dbu_projektdatenbank_strasse":"Erich-Weinert-Str. 1","dbu_projektdatenbank_plz_str":"03044","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Cottbus","dbu_projektdatenbank_p_von":"2019-06-24 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"2021-04-24 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"1 Jahr und 10 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0355 69 2813","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Brandenburg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"173","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"DBU-Abschlussbericht-AZ-34990_01-Hauptbericht.pdf","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/27155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/27155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":43684,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/27155\/revisions\/43684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=27155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=27155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=27155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}