{"id":27096,"date":"2023-07-13T15:32:28","date_gmt":"2023-07-13T13:32:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34725-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:32:28","modified_gmt":"2023-07-13T13:32:28","slug":"34725-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34725-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderung der Artenvielfalt auf dem Acker durch Streifenanbau"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren wird in der Wissenschaft diskutiert, wie durch unterschiedliche Zusammensetzung (Komposition) und Anordnung (Konfiguration) von Agrarfl\u00e4chen die Artenvielfalt erh\u00f6ht werden kann \u0096 ganz ohne Hinzunahme von naturnahen Lebensr\u00e4umen, deren Bereitstellung mit einem Verlust an landwirtschaftlicher Fl\u00e4che einherginge (Fahrig et al. 2011, Ecol Letters). In aktuellen Arbeiten zeigten zum Beispiel Batary et al. (2017, Nature Ecol Evol), dass kleine Ackerfl\u00e4chen rund 50 % mehr Arten aufweisen als gro\u00dfe Ackerfl\u00e4chen. Hass et al. (2018, Proc Roy Soc B) belegten in ihrer Arbeit, dass kleine Felder mehr Bienenarten und eine bessere Best\u00e4ubung erm\u00f6glichen.<br \/>\nDie zentrale Forschungsfrage lautet: K\u00f6nnen Anzahl und Artenvielfalt von Insekten und V\u00f6geln durch den Anbau zweier Fruchtarten in alternierenden Streifen von Raps und Getreide auf einem Acker erh\u00f6ht werden?<br \/>\nEine untergeordnete Fragestellung ist, ob der Streifenanbau das Vorkommen und \u00dcberleben von Schadinsekten wie Rapsglanzk\u00e4fern und L\u00e4usen beeinflusst.<br \/>\nBisher war ein solcher Anbau wegen der Mehrkosten selbst in F\u00f6rderprogrammen nicht realistisch. Mit automatischen Lenksystemen, die sich seit einigen Jahren immer st\u00e4rker in der Landwirtschaft durchsetzen, kann Streifenanbau mit deutlich geringeren Zusatzkosten umgesetzt werden als fr\u00fcher. Diese Systeme erm\u00f6glichen die zentimetergenaue und dadurch kosteng\u00fcnstige Anlage von rechteckigen Teilfl\u00e4chen in einem gro\u00dfen Acker.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst wurden die Landwirt:innen und ihre Fl\u00e4chen ausgew\u00e4hlt. Die Landwirt:innen drillten dann die Saaten ein. Danach wurden mit unterschiedlichen Fallen (Bodenfallen, Gelbschalen) Insekten gefangen. Dies erfolgte auf den Streifenfl\u00e4chen und jeweils einer Raps- und einer Getreidevergleichsfl\u00e4che. Im Fr\u00fchjahr erfolgten zwei Vogelz\u00e4hlungen. Anschlie\u00dfend wurden die Insekten gez\u00e4hlt und bestimmt. Es folgten statistische Auswertungen zur Artenvielfalt und Individuenanzahl zwischen Streifen- und Vergleichsfl\u00e4chen.  <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Auf Streifenfl\u00e4chen wurden die meisten V\u00f6gel und die meisten Vogelarten beobachtet. Signifikant und ungef\u00e4hr doppelt so viele Exemplare und Arten wie im Getreide, und etwas mehr, aber nicht signifikant mehr als im Raps. Dieses Gesamtergebnis gilt auch f\u00fcr zwei unterschiedliche Erhebungszeitr\u00e4ume. Insektenfressende V\u00f6gel wurden doppelt so oft auf der Streifenfl\u00e4che beobachtet wie in den Reinkulturen (signifikant). Streifenfl\u00e4chen haben doppelt so viele Lerchenbeobachtungen wie Rapsfelder (nicht signifikant), Weizenstreifen heben die Rapsfl\u00e4chen (= Rapsstreifen) hinsichtlich der Lerchenbeobachtung auf das Getreideniveau. Bei Bodenbr\u00fctern konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Anbauvarianten beobachtet werden. F\u00fcr die drei letztgenannten Gruppen wurde auch nachgewiesen, dass die Zahl der beobachteten V\u00f6gel mit der Zahl der gefangenen Arthropoden ansteigt. In der Tendenz zeigt sich hier, dass der Streifenanbau die Vorz\u00fcge von Raps und Getreide f\u00fcr die Vogelarten kombiniert und damit pro Fl\u00e4che mehr Arten und Exemplare im Streifenanbau beobachtet werden k\u00f6nnen als im Raps oder Getreide.<br \/>\nAnfang Juli sind im Weizenstreifen jeweils signifikant mehr Bodenarthropoden, also Laufk\u00e4fer-, Kurzfl\u00fcgelk\u00e4fer- und Spinnenarten, als im reinen Weizen. \u00dcber alle drei Gruppen sind es ca. 30 % mehr Arten im Streifen. Damit weisen die Weizenfl\u00e4chen eine vergleichbare Artenvielfalt wie die Rapsfl\u00e4chen auf. Wichtig ist dabei, dass diese Vielfalt im gesamtem Weizenstreifen gleich hoch ist und nicht nur am Rand zum Raps. Im Umkehrschluss ergab sich aber auch, dass im Raps keine Effekte bei diesen Artengruppen gefunden wurden. Die Individuenzahl ist zu beiden Erhebungszeitpunkten bei fast jeder der drei Tieruntergruppen im Streifen \u0096 und oftmals signifikant \u0096 h\u00f6her als in der entsprechenden Reinkultur, mit Ausnahme der Laufk\u00e4fer im Juli im Weizen.<br \/>\nHinsichtlich Wanzen (Heteroptera) und K\u00e4fern (Coleoptera) \u0096 also fliegende Insekten ohne best\u00e4ubende Insekten wie Wildbienen \u0096 waren zwischen der jeweiligen Kultur im Streifen- bzw. im Reinanbau keine substanziellen Unterschiede bei Arten- und Individuenzahl zu finden.<br \/>\nWeder die Anzahl der gefundenen Rapsglanzk\u00e4fer-Larven noch ihre Parasitierung unterschieden sich signifikant zwischen Reinkultur und Streifenanbau. Es wurde \u00fcberraschenderweise festgestellt, dass der Anteil abgefressener Halme in der Rapsreinkultur niedriger war als im Rapsstreifen.<br \/>\nSowohl bez\u00fcglich Vorkommen als auch Pr\u00e4dation von Bodenarthropoden an L\u00e4usen in Weizen und gezielten Pr\u00e4dationsexperimenten konnte in Raps und Weizen kein substanzieller Effekt des Streifenanbaus gefunden werden. Allerdings waren sowohl die Befallsst\u00e4rke (0,28 Blattl\u00e4usen pro Halm) als auch die Befallsh\u00e4ufigkeit mit L\u00e4usen (9 % der Halme) so gering, dass messbare, substanzielle Effekte kaum erwartet werden k\u00f6nnen.<br \/>\nErtragseffekte konnten nicht untersucht werden.<br \/>\nDie Befragung der Landwirt:innen ergab insbesondere, dass ein Drittel der Landwirt:innen Ertragsverluste bis 5 % in Raps und Getreide durch den Streifenanbau erwarten, zus\u00e4tzliche Arbeits- und Maschinenkosten von bis zu 100 \u0080\/ha im Raps und bis zu 150 \u0080\/ha im Getreide. Vorfruchtverluste durch einen einj\u00e4hrigen Anbau wurden von den meisten Landwirt:innen je Hektar Streifenanbaufl\u00e4che mit unter 30 \u0080\/ha angegeben. Grob zusammengefasst bedeutet das, dass etliche Landwirt:innen Kosten f\u00fcr den Streifenanbau von bis zu 250 \u0080\/ha und Jahr angeben. Allerdings bedeutet es auch, dass der Streifenanbau f\u00fcr mehr als die H\u00e4lfte der befragten Landwirt:innen nach eigenen Angaben mit \u00fcber 250 \u0080\/ha recht teuer ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Presseecho auf dieses kleine Projekt sowohl in der landwirtschaftlichen Fachpresse als auch in den Tagesmedien ist bemerkenswert. Es sind mindestens f\u00fcnf ganz- oder mehrseitige Berichte in \u00fcberwiegend deutschlandweit erscheinenden landwirtschaftlichen Fachzeitschriften erschienen sowie ein Beitrag, der Paxisempfehlungen gibt, wie interessierte Ackerb\u00e4uerinnen und -bauern Streifenanbau flexibel realisieren k\u00f6nnen. In t\u00e4glichen Medien wurde das Projekt in drei Radiobeitr\u00e4gen des NDR, WDR und Deutschlandfunk erw\u00e4hnt, im SAT1 Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen wurden einmal zwei Fotos gezeigt. In Kreiszeitungen wurden mindestens f\u00fcnf mindestens halbseitige Beitr\u00e4ge \u00fcber Fl\u00e4chen und teilnehmende Landwirt:innen ver\u00f6ffentlicht. <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Als Ergebnis der Studie l\u00e4sst sich festhalten, dass Streifenanbau bspw. von Raps und Getreide ein Baustein f\u00fcr den modernen Ackerbau sein kann, um die Artenvielfalt bei geringen Produktionsr\u00fcckg\u00e4ngen zu erh\u00f6hen. Wichtige Ma\u00dfnahmen wie Bl\u00fchstreifen, Brachen und mehr dauerhafte Grasrand- und Geh\u00f6lzstrukturen kann der Streifenanbau nicht ersetzen, aber sehr wohl erg\u00e4nzen. Die Bereitschaft f\u00fcr Streifenanbaus d\u00fcrfte bei einem substanziellen Anteil der Landwirt:innen ab 200 \u0080\/ha gegeben sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Seit einigen Jahren wird in der Wissenschaft diskutiert, wie durch unterschiedliche Zusammensetzung (Komposition) und Anordnung (Konfiguration) von Agrarfl\u00e4chen die Artenvielfalt erh\u00f6ht werden kann \u0096 ganz ohne Hinzunahme von naturnahen Lebensr\u00e4umen, deren Bereitstellung mit einem Verlust an landwirtschaftlicher Fl\u00e4che einherginge (Fahrig et al. 2011, Ecol Letters). 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