{"id":26882,"date":"2024-11-27T10:44:06","date_gmt":"2024-11-27T09:44:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34260-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:44:09","modified_gmt":"2024-11-27T09:44:09","slug":"34260-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34260-01\/","title":{"rendered":"Form- und kraftschl\u00fcssiges Holzbau-System &#8211; Zusammenwirken von Tragwerk, Brandschutz, Schallschutz und Bauphysik"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung eines innovativen Holz-Skelett-Bausystems, bei dem Knotenpunkte als form- und kraftschl\u00fcssige, geometrische Verbindungen der Tragelemente aus Holz konstruiert sind. Es wird ein prototypisches Wohngeb\u00e4ude (Modellvorhaben) entwickelt, geplant und gebaut. Begleitet wird das Vorhaben durch die Erarbeitung allgemeiner Grundlagen und einer Planungsmethodik, sodass die Innovation z\u00fcgig in die allgemeine Baupraxis und Baukultur \u00fcberf\u00fchrt werden kann. Im Modellvorhaben wird eine Skelettbauweise aus Holz erprobt, die f\u00fcr den mehrgeschossigen, innerst\u00e4dtischen Wohnungsbau geeignet ist.<br \/>\nZwei wichtige Teilziele konnten durch die Entwicklung des Systems unmittelbar adressiert werden: Die Erh\u00f6hung des Anteils an nachwachsenden Rohstoffen (Holz) in modernen Bauweisen und die Verbesserung der Wiederverwendbarkeit von Baumaterialien.<br \/>\nHolz ist der einzige lokale und nachwachsende Baustoff, der in gro\u00dfen Mengen vorhanden ist und lokal und nachhaltig produziert wird. Im Hinblick auf die Schonung der Ressourcen und den Klimawandel ist Holzbau das mit Abstand geeignetste Baumaterial. Holz belastet die Ressourcen und die Umwelt in Bezug auf Emissions- und Abfallaufkommen weniger als nicht-nachwachsende Baustoffe. Holzverbindungen, die ohne metallische Verbindungsmittel hergestellt wurden, waren bis zur vor-industriellen Zeit die verbreitete Holzbautechnik. Traditionelle Zimmermanns-Bauweisen aus vorindustrieller Zeit besitzen ein hohes Ma\u00df an Integrit\u00e4t: Material, Handwerk und Baukultur vereinen sich in einer Architektur von hohem Identifikationswert, Dauerhaftigkeit und Atmosph\u00e4re.<br \/>\nIm zeitgen\u00f6ssischen Holzbau geht diese Integrit\u00e4t teilweise verloren, weil Holz mit anderen Baustoffen hybridisiert wird. Ziel des Projekts ist es, eine neue Bauweise zu entwickeln, die unter der Nutzung der neuesten Planungs- und Fertigungsmethoden an die traditionelle Baukultur ankn\u00fcpft, die f\u00fcr die St\u00e4dte Mitteleuropas und Asien lange die pr\u00e4gendste Bauform war. Durch computergesteuerte Fertigung lassen sich solche Zimmermanns-Verbindungen heutzutage kosteng\u00fcnstig herstellen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt definiert sich als angewandte Bauforschung mit hohem Entwicklungsanteil. Am Beispiel eines Modellvorhabens wird eine innovative Bauweise entwickelt, erprobt und optimiert, um die Anwendbarkeit f\u00fcr den mehrgeschossigen, innerst\u00e4dtischen Wohnungsbau zu pr\u00fcfen. Die Planung und Testaufbauten sind integraler Bestandteil der Forschungsarbeit.<\/p>\n<p>Dabei wird von folgenden Pr\u00e4missen ausgegangen:<\/p>\n<p>Das entwickelte System gliedert die Anforderungen an die Nachhaltigkeit so weit, dass sie zum integralen Bestandteil des Bausystems werden. Gleichzeitig bietet das Bausystem die M\u00f6glichkeit sowohl auf die spezifischen Anforderungen des Kontexts als auch die (ver\u00e4nderlichen) Bed\u00fcrfnisse der BewohnerInnen zu reagieren. Die Architektur muss flexibel genug sein, um auf unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse und Gegebenheiten reagieren zu k\u00f6nnen und gleichzeitig hohe Anspr\u00fcche an Nachhaltigkeitsaspekte zu erf\u00fcllen.<br \/>\nAus den Erkenntnissen der Forschung und der Planung werden allgemeine Grundlagen und eine Planungsmethodik erarbeitet. Anhand von theoretischen, baukonstruktiven und statischen Modellierungen, Untersuchungen und Berechnungen werden die Dimension, F\u00fcgung und die Montage der Bauteile entwickelt.<br \/>\nDie Entwicklung des Bausystems erfolgte in der Exploration einer Reihe von Case Studies (Fallstudien), die mit einer weitgehend einheitlichen Methode untersucht und verglichen wurden. Daf\u00fcr wurden Methoden und Erfahrungen aus der Geb\u00e4udekunde, den Natur- und Sozialwissenschaften eingesetzt. Diese Prozesse f\u00fchren zu einem inkrementellen, aber zielgerichteten Fortschritt. Durch die kontrollierte Ver\u00e4nderung der Parameter innerhalb eines Systems wird dieses von Projekt zu Projekt optimiert. Idealerweise w\u00fcrden bei der Iteration nur die Teile in Frage gestellt, die den grunds\u00e4tzlichen Anforderungen an das System oder den Anforderungen f\u00fcr den Anwendungsfall nicht gen\u00fcgen.<br \/>\nBeim Bausystem wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, um die Redundanzen des konventionellen Vorgehens zu vermeiden und gleichzeitig mehrere Innovationsbereiche abzudecken, die sowohl technische und konstruktive Aspekte als auch \u00f6konomische und \u00f6kologische Faktoren sowie die soziale Nachhaltigkeit einbeziehen.<br \/>\nIm Hinblick auf das nachhaltige Bauen wurden in den vergangenen Jahrzehnten gro\u00dfe Fortschritte bei der Reduzierung des Energiebedarfs von Geb\u00e4uden gemacht. Diese Entwicklungen beziehen sich allerdings in erster Linie auf den Energiebedarf im Geb\u00e4udebetrieb. Sie haben in der Baupraxis bereits Grenzen erreicht. Im damit erzielten Standard des Nullenergiehauses beschr\u00e4nkt sich der Prim\u00e4renergiebedarf letztendlich ausschlie\u00dflich auf die Baukonstruktion. An dieser Stelle besteht also das entscheidende Optimierungspotential im nachhaltigen Bauen und genau hier setzt auch die vorliegende Forschung an.<\/p>\n<p>Das Vorgehen stellt sich wie folgt dar:<\/p>\n<p>Im ersten Teil werden die Ziele der Arbeit definiert, die Forschungsfragen und Methoden beschrieben. Auch andere Bausysteme werden kurz vorgestellt und analysiert, um folgende Parameter eingrenzen zu k\u00f6nnen:<br \/>\n\u0095\tEruierung der Rahmenbedingungen.<br \/>\n\u0095\tEingrenzung des Forschungsgegenstands und der Forschungsziele.<br \/>\n\u0095\tRecherche zu historischen und zeitgen\u00f6ssischen Bauformen und Techniken, auf die das erarbeitete System referiert [architektonische und baugeschichtliche Referenzen; zeitgen\u00f6ssische technische Referenzen und andere Bausysteme]).<br \/>\nDer zweite Teil der Arbeit besch\u00e4ftigt sich mit der eigentlichen Entwicklung des Bausystems. Dabei werden zuerst die strukturellen, d.h. geometrischen und baukonstruktiven Grundlagen erarbeitet. Im Anschluss werden die einzelnen technischen Aspekte \u0096 Tragwerk, Brandschutz, Schallschutz, thermische Bauphysik und Feuchteschutz, sowie Herstellung und Montage &#8211; betrachtet und exemplarisch baukonstruktiv umgesetzt.<br \/>\nDie M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Anwendung des Systems werden \u00fcber eine Reihe von Fallstudien aufgezeigt, bei den das Bausystem eingesetzt wurde (strukturelle Systementwicklung; technische und baukonstruktive Systementwicklung; Fallstudien und Darstellung bereits vorhandener Forschungsprojekte, die auf das neue System einzahlen).<br \/>\n\u0095\tDas Bausystem wird als Resultat dieser Vorarbeiten auf den Anwendungsfall \u0084Wohnungsbau\u0093 eingeschr\u00e4nkt.<br \/>\n\u0095\tDas System wird als Holzsystem entwickelt, da Holz die Pr\u00e4missen (Erh\u00f6hung des Anteils von recyclingf\u00e4higem Material und an nachwachsenden Rohstoffen) am besten erf\u00fcllt. Es hat einen geringer Prim\u00e4r-Energieinhalt und geringe CO2-Emmissionen, ist einfach in der Verarbeitung, hat ein geringes Gewicht (was pragmatische und wirtschaftliche Vorteile in der Logistik bringt und weswegen sich Holz besonders f\u00fcr Anpassungen im Betrieb eignet).<br \/>\n\u0095\tEs werden ausschlie\u00dflich orthogonale Systeml\u00f6sungen betrachtet.<br \/>\nSorgf\u00e4ltig wurden aber auch die Nachteile der Holzbauweise in der Entwicklung des Systems bedacht, die sich wie folgt darstellen: Schlechter Schallschutz, Brandschutz, Brennbarkeit, ebenso wie Feuchtebest\u00e4ndigkeit, Holzschutz. Diesen systemkritischen Faktoren wurden im Verlauf der Entwicklung besondere Aufmerksamkeit gewidmet, um eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Praxistauglichkeit des Systems zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Ansatz der Systementwicklung ist die Involvierung und Ber\u00fccksichtigung s\u00e4mtlicher, am Prozess der Konstruktion beteiligter Gewerke zu einem fr\u00fchen Zeitpunkt der Planung. Nachhaltigkeitsaspekte sollen so von Beginn an Teil des konstruktiven Prozesses sein. Um dies zu gew\u00e4hrleisten, werden die beteiligten Gewerke einzelnen Hierarchieebenen und zugeh\u00f6rigen funktionalen Subsysteme zugeordnet.<\/p>\n<p>Jeder Hierarchieebene und damit den einzelnen Subsystemen wird je ein geometrischer Raum zugewiesen, in dem die entsprechenden Bauteile mit allen zur Erf\u00fcllung funktionaler Anforderungen notwendigen Schichten angeordnet sind. Dabei ist zun\u00e4chst nicht bestimmt, ob sich diese geometrischen R\u00e4ume \u00fcberschneiden beziehungsweise in Teilbereichen \u00fcberlagern oder vollst\u00e4ndig voneinander getrennt sind. Aus den jeweiligen Konstellationen ergeben sich die unterschiedlichen Strategien f\u00fcr die Gestaltung des Bausystems nach Anwendungsfall und f\u00fcr die Definition einer geometrischen Ordnung.<br \/>\nIm Fokus stehen die entgegengesetzten Strategien einer integrierten und einer differenzierten Bauweise. F\u00fcr den Ansatz eines integrierten Systems wird angenommen, dass sich die geometrischen R\u00e4ume der Subsysteme so weit wie m\u00f6glich \u00fcberlagern, w\u00e4hrend die differenzierte Strategie von einer gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Trennung in einzelne Komponenten ausgeht (orientiert am Ansatz der \u0082Assembly Hierarchies\u0091 nach N.J.Habraken. aber auf einzelne Montage-Elemente erweitert):<\/p>\n<p>\u0095\tSubsystem I: Tragwerk.<br \/>\n\u0095\tSubsystem II: Geb\u00e4udeh\u00fclle.<br \/>\n\u0095\tSubsystem III:<br \/>\n\tInnenausbau<br \/>\n\tTGA<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Abschnitt wurden die unterschiedlichen technischen Aspekte im Zusammenhang betrachtet und im Hinblick auf die hemmende oder f\u00f6rdernde Wirkung beschrieben. Die Ergebnisse werden zum einen allgemein beschrieben. Zum anderen werden sie in einem Bauteil-Katalog zusammengefasst, der sich an der Ausf\u00fchrung des Modellvorhabens Collegium Academicum \u0096 IBA Heidelberg orientiert (Interaktionen, Synergien, Dyssynergien; Bewertung des Entwicklungsstands; Betrachtung m\u00f6glicher Forschungsderivate).<br \/>\nAm einen Ende der grunds\u00e4tzlich als flie\u00dfend zu betrachtenden Skala, der differenzierten Ausf\u00fchrungsvariante, hat die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Trennung der Subsysteme zur Folge, dass sich jeweils eigenst\u00e4ndige Montagemodule ausbilden lassen, die prinzipiell im \u0084Baukastensystem\u0093 vor Ort zusammengef\u00fcgt werden k\u00f6nnen.<br \/>\nBez\u00fcglich der technischen und baukonstruktiven Systementwicklung wurden Anforderungen an die einzelnen Subsysteme ausformuliert, die in der Erarbeitung eines Bauteilekatalogs m\u00fcnden (gesondert betrachtet in Bezug auf Tragwerk, Brandschutz, Schallschutz, thermische Bauphysik und die Frage der jeweiligen Herstellung und Montage mit zugeh\u00f6riger Montage-Strategie [integriert oder differenziert]).<\/p>\n<p>Zum Abschluss der Forschungsarbeit wurden die theoretisch erarbeiteten Annahmen anhand der konkreten Umsetzung in die Praxis vorgestellt (Case studies). Vornehmliches Forschungs- und Modellprojekt war das zwischenzeitlich mehrfach ausgezeichnete Projekt \u0084dgj223 Collegium Academicum (CA)\u0093, das unter anderem den Holzbaupreis Baden-W\u00fcrttemberg 2024 erhielt.<br \/>\nBeim CA wurde in der Prim\u00e4rkonstruktion ausschlie\u00dflich mit form- und kraftschl\u00fcssigen Zimmermannsverbindungen gearbeitet. Die Konstruktion erm\u00f6glicht auf einem St\u00fctzenraster die Herstellung und Versetzung der Innenw\u00e4nde in Selbstbauweise zu jeder Zeit und bei laufendem Betrieb. Die Grundform jeder Wohnung besteht aus einem zentralen Gemeinschaftsraum, um den sich die Individualr\u00e4ume und der Sanit\u00e4rbereich gruppieren. Die Individualr\u00e4ume bestehen jeweils aus zwei Teilen mit einer Fl\u00e4che von je 7 m\u00b2: einer Kernzone und einer offenen Zone, die zun\u00e4chst r\u00e4umlich nicht vom Gemeinschaftsbereich der Wohnung getrennt ist. Die flexible Zone kann je nach individuellen Lebensgewohnheiten offenbleiben, durch Raumteiler (Tisch, Regal) teilweise abgetrennt oder durch Versetzen der Wand der Kernzone oder durch eine zweite Wand r\u00e4umlich abgetrennt werden. Die Bewohnerinnen und Bewohner k\u00f6nnen sich also daf\u00fcr entscheiden, 7 m\u00b2 der Wohngemeinschaft zur Verf\u00fcgung zu stellen, anstatt sie ausschlie\u00dflich individuell zu nutzen. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen die Studierenden in der hauseigenen Werkstatt neben den Innenw\u00e4nden ihre eigenen M\u00f6bel bauen. Ein Gro\u00dfteil der Wohnungen ist so konzipiert, dass sie in Zukunft beispielsweise auch f\u00fcr seniorengerechtes Wohnen genutzt werden k\u00f6nnen. Insgesamt leben die Studierenden im Neubau in 46 Wohngemeinschaften zusammen, die im Grundriss, als 80 m2 gro\u00dfe Wohneinheiten, konzipiert sind. Die acht Dreier- und 38 Vierer-WGs verf\u00fcgen jeweils \u00fcber eine eigene Wohnk\u00fcche und ein gemeinsames Bad.<br \/>\nDas Tragwerk ist eine Hybridkonstruktion aus einem Skelettbau mit aussteifenden Wandscheiben um die Sanit\u00e4rkerne. Auch Teile der Au\u00dfenw\u00e4nde und ein Teil der Wohnungstrennwand haben aussteifende Funktion. Der Laubengang und die au\u00dfenliegenden Treppen sind aufgrund des Brandschutzkonzepts aus nichtbrennbarem Material in Stahlbeton konstruiert. Diese Bauteile sind jedoch konstruktiv nicht mit dem Holzbau gekoppelt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wurde die Umsetzung des Bausystems an folgenden, weiteren Praxisprojekten evaluiert:<br \/>\n\u0095\t dgj228 Gemeinsam Suffizient Leben, Frankfurt am Main<br \/>\n\u0095\tdgj253 Wohngruppe Mannheim<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Bei der Beurteilung des Entwicklungsstands wurde im Kerngebiet des Forschungsvorhaben &#8211; Entwicklung eines Tragwerks mit form- und kraftschl\u00fcssigen Verbindungen &#8211; der Nachweis der Praxisreife der Bauweise erbracht. Drei Geb\u00e4ude in der Geb\u00e4udeklasse 4 und 5 wurden in Baden-W\u00fcrttemberg und Hessen umgesetzt. Der Verzicht auf die metallischen Verbindungsmittel hat dabei nicht zu wesentlichen Kostensteigerungen gef\u00fchrt, wie in dem vorgelagerten Forschungsvorhaben nachgewiesen werden konnte.<\/p>\n<p>Dabei wurden unter anderem folgende Hilfsmittel erarbeitet:<br \/>\n\u0095 Die erarbeiteten Berechnungsmodelle f\u00fcr das Tragwerk wurden in ein Planungstool \u00fcbertragen, mit dessen Hilfe PlanerInnen schon in einer fr\u00fchen Projektphase verschiedene Konfigurationen der Tragstruktur des Bausystems erproben k\u00f6nnen. Dieses Planungstool wurde von DGJ Architektur und dem Forschungspartner Pirmin Jung erarbeitet.<br \/>\n\u0095 Erarbeitung eines Katalogs von Standarddetails<br \/>\n\u0095 Matrix der Interaktionen: Durch qualitative Analysen konnten die Interaktionen und Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Planungsfeldern dargelegt werden. So wird beschrieben, ob die jeweils zum Einsatz kommenden Strategien zur Erreichung der Planungsziele eines Forschungsfelds f\u00fcr die Planungsziele der anderen Teilaspekte f\u00f6rderlich oder hemmend wirken. Diese qualitative Analyse zeigt Synergien zwischen den unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien. <\/p>\n<p>Im Hinblick auf diese Synergien zu den anderen, untersuchungsgegenst\u00e4ndlichen Aspekten \u0096 Brandschutz, Schallschutz, thermische Bauphysik (W\u00e4rmeschutz, Feuchteschutz und Luftdichtheit) \u0096 haben durch die Novellierung der Muster-Richt-linie \u00fcber brand-schutz-technische Anforderungen an Bauteile und Au\u00dfenwandbekleidungen in Holzbauweise &#8211; MHolzBauRL:2020-10 im Laufe des Forschungsprojekt eine grundlegende Ver\u00e4nderung erfahren. Bis zu der Einf\u00fchrung der MHolzBauRL im Jahr 2020 waren auch Geb\u00e4ude in Geb\u00e4udeklasse 4 und 5 auch ohne eine Brandschutzbekleidung denkbar, wenn ein entsprechendes Brandschutzkonzept erarbeitet wurde. Die MHolzBauRL:2020-10 begrenzt den m\u00f6glichen Anteil an sichtbarem Holz deutlich, indem nur 25 % der W\u00e4nde oder die Decken holzsichtig sein d\u00fcrfen. Durch diese Vorgaben wird auch die M\u00f6glichkeit von sortenreinen Holzkonstruktion in den Geb\u00e4udeklassen 4 und 5 stark eingeschr\u00e4nkt. So lassen sich die zus\u00e4tzlichen Bekleidungen aus Gipsfaser nur mit metallischen Verbindungsmittel befestigen. Durch die Bekleidungen lassen sich aber andere Anforderungen, wie Schallschutz, W\u00e4rmeschutz und Luftdichtheit verbessern. Das Ergebnis ist ein Hybrid, der in Hinblick auf die Anforderungen leistungsf\u00e4hig ist, aber nicht der Grundidee einer Nur-Holz-Bauweise entsprechen.<\/p>\n<p>Weitere Knotenpunkte und Anschlussdetails<br \/>\nIn der bisherigen Forschung wurden eine Reihe von Anschlusspunkte (Knoten) und Details entwickelt, welche f\u00fcr die gew\u00e4hlten Tragwerke notwendig waren. F\u00fcr die weitere Forschung ist es sinnvoll, einen Katalog von Bauteilen und Anschl\u00fcssen zu erarbeiten, auf denen weitere Projekte zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Herausfordernd haben sich insbesondere Zugverbindungen z. B. bei zugbelasteten St\u00fctzen erwiesen. Auch die Durchleitung von Drucklasten durch Tr\u00e4ger und Decken, die in den Modelvorhaben mit einem Schwert aus Furnierschichtholz mit h\u00f6herer Druckfestigkeit gel\u00f6st wurden, lassen sich weiter optimieren. <\/p>\n<p>Luftdichtheit<br \/>\nSinnvoll w\u00e4re es, lineare Bauteilanschl\u00fcsse zu entwickeln, die kraft\u00fcbertragend wirken, aber gleichzeitig dauerhaft und verformungsstabil einen luft- und rauchdichten Anschluss gew\u00e4hrleisten. Es sind L\u00f6sungen wie Vers\u00e4tze, sowie Nut-und-Feder denkbar. Der Aufwand f\u00fcr Herstellung und Montage m\u00fcsste reduziert werden. <\/p>\n<p>Brandschutz<br \/>\nDer weitere Forschungsbedarf f\u00fcr die Bauweise liegt vor allem im Bereich des Brandschutzes. Das \u00f6kologische und \u00f6konomische Potential der Nur-Holz-Bauweisen liegt in der Sortenreinheit, Einfachheit und sich der daraus ergebenden R\u00fcckbau- und Wiederverwendbarkeit. Wenn durch die Anforderungen des Brandschutzes Bekleidungen \u0096 unabh\u00e4ngig von der darunterliegenden Holzbauweise notwendig sind, dann werden diese Vorz\u00fcge konterkariert. Die Frage des Brandschutzes und die Erforschung und Optimierung des Brandverhaltens von Holzgeb\u00e4uden ist ganz unabh\u00e4ngig von der forschungsgegenst\u00e4ndlichen Bauweise ein wesentliches Forschungsfeld f\u00fcr den Holzbau. <\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das durch die vorliegende Forschung erarbeitete Bausystem ist vor allem indirekt, durch seine konkreten Umsetzungsbeispiele, bekannt geworden. Insbesondere das Leuchtturmprojekt dgj223 Collegium Academicum ist durch sein Gesamtkonzept, seine innovative Wohnungsform und die Holzbauweise Gegenstand vieler, \u00f6ffentlichkeitswirksamer Artikel und Beitr\u00e4ge in Print- und in den sozialen Medien geworden. Auf dieser Ebene wurde vor allem die breite \u00d6ffentlichkeit angesprochen, aber es wurden auch zahlreiche Beitr\u00e4ge in Fachmedien ver\u00f6ffentlicht (s. untenstehende Liste).<\/p>\n<p>Besondere Aufmerksamkeit erzielen und erzielten die umgesetzten Projekte vor allem auch durch Auszeichnungen und Preise und die sich daran anschlie\u00dfenden Publikationen (Print und Web).<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich wurde dgj223 Collegium Academicum mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet (Stand: Mai 2024):<br \/>\n\u0095\tHolzbaupreis Baden-W\u00fcrttemberg 2024<br \/>\n\tCONSTRUMAT Audience Award Sustainability 2024 (Auszeichnung der CONSTRUMAT internationalen Baumesse Barcelona als Organisator, kuratiert von der Fundaci\u00f3 Mies van der Rohe)<br \/>\n\u0095\t\u0084Beispielhaftes Bauen 2024\u0093 (Auszeichnung der Architektenkammer Baden-W\u00fcrttemberg)<br \/>\n\u0095\tNominierung f\u00fcr den \u0084Staatspreis Baukultur Baden-W\u00fcrttemberg\u0093 (Preistr\u00e4ger noch nicht bekannt gegeben).<br \/>\n\u0095\tDAM-Preis 2025 (Nominierung f\u00fcr die Longlist)<\/p>\n<p>dgj228 Gemeinsam Suffizient Leben wurde 2018 mit dem \u0084Hessischer Preis f\u00fcr Innovation und Gemein sinn im Wohnungsbau\u0093 in der Kategorie \u0084Konzepte\u0093 ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Auswahl an Zeitschriften-Beitr\u00e4ge in Fachmagazinen (chronologisch nach Erscheinungszeitraum; alle drei Beispiel-Projekte):<br \/>\n&#8211;\tArtikel: \u0084Bausystem Open Architecture\u0093 im Rahmen der Auswahl f\u00fcr die \u0084BDAcalls \u0096 Wirtschaftsideen f\u00fcr ein Postwachstum im Bauen\u0093 in: Die Architekt \u0096 Form-Grundlagen der Architektur, Juni 2022, Autor: Benedikt Hotze, Herausgeber: Deutscher Bund Architektinnen und Architekten BDA, Verlag: Res Publica Verlags GmbH<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Suffizient Leben\u0093 in: QUARTIER &#8211; Fachmagazin f\u00fcr urbanen Wohnungsbau, April 2024, Autorin: Michaela Allgeier (dgj228).<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Mehr oder weniger \u0096 Wohnheim in Heidelberg\u0093 in: BAUKULTUR &#8211; Zeitschrift des Verbands Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V., Februar 2024, Autorin: Christine Ryll (dgj223).<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Low-Tech-Green Fassadenbegr\u00fcnung\u0094 in: QUARTIER &#8211; Fachmagazin f\u00fcr urbanen Wohnungsbau, Januar 2024, Autorin: Dr. Isabelle Drexler (dgj253).<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Pour Hout \u0096 Collegium Academicum in Heidelberg\u0093 in: Het Houtblad, Juni 2023, Autorin: Jacqueline Knudsen (dgj223).<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Wohnprojekte in Eigeninitiative \u0096 \u00d6kologische Wohnen f\u00fcr 256 Studierende\u0093 in: CRADLE \u0096 Sustainable Design: Architektur.Bauen.Wohnen, M\u00e4rz 2023, Autorinnen: Nina Gyger, Olivia Bruns (dgj223).<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Collegium Academicum \u0096 innovatives Wohnheim in Eigenregie\u0093 in: PJ Pirmin Jung Journal, Dezember 2023, Autorinnen: Britta Bach, Jonas Langbehn (dgj223).<br \/>\n&#8211;\tArtikel \u0084Bezahlbar, anpassbar, nachhaltig\u0093 in: QUARTIER &#8211; Fachmagazin f\u00fcr urbanen Wohnungsbau, Januar 2022, Autorin: Sabine Dohm-Pfahler (dgj223).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Am Beispiel praktischer Modellvorhaben konnte eine innovative Bauweise entwickelt, erprobt und optimiert werden, die den Praxistest f\u00fcr den mehrgeschossigen, innerst\u00e4dtischen Wohnungsbau erfolgreich bestanden hat. Die Bearbeitung der einzelnen Forschungsfelder \u0096 Tragwerk, Brandschutz, Schallschutz, Thermische Bauphysik und Luftdichtheit \u0096 erfolgte mit eingef\u00fchrten planerischen und ingenieurwissenschaftlichen Methoden, die sich an der Entwicklungsarbeit f\u00fcr das Modellvorhaben in Heidelberg orientierten.<br \/>\n\u00dcber die \u00fcblichen Planungsprozesse hinausgehend, wurden innovative Konstruktionen entwickelt und eine gro\u00dfe Bandbreite von konstruktiven M\u00f6glichkeiten erarbeitet, dargestellt und verglichen. Diese ausf\u00fchrliche Entwicklungsarbeit an unterschiedlichen Konstruktionsprinzipien geht weit \u00fcber die M\u00f6glichkeiten einer konventionellen Geb\u00e4udeplanung hinaus und war nur im Rahmen der hier gegenst\u00e4ndlichen Forschungsarbeit m\u00f6glich. Insbesondere die Vergleiche unterschiedlicher Konstruktionsprinzipien untereinander, die Betrachtung von deren Wechselwirkung und Auswirkungen im Hinblick auf die jeweiligen Planungsthemen stellt aus Sicht der Forschenden den gr\u00f6\u00dften Zugewinn des Vorhabens dar. Es werden eine ganze Reihe von prototypischen L\u00f6sungen vorgestellt, die sowohl f\u00fcr zuk\u00fcnftige Bauvorhaben als auch f\u00fcr weiterf\u00fchrende Forschungsprojekte eine wertvolle Grundlage darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Forschungsprojekts ist die Entwicklung eines innovativen Holz-Skelett-Bausystems, bei dem Knotenpunkte als form- und kraftschl\u00fcssige, geometrische Verbindungen der Tragelemente aus Holz konstruiert sind. Es wird ein prototypisches Wohngeb\u00e4ude (Modellvorhaben) entwickelt, geplant und gebaut. 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