{"id":26832,"date":"2026-01-14T10:32:20","date_gmt":"2026-01-14T09:32:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34025-01\/"},"modified":"2026-01-14T10:32:21","modified_gmt":"2026-01-14T09:32:21","slug":"34025-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34025-01\/","title":{"rendered":"Querterrassierung im Steillagenweinbau: Konzept zur Erhaltung der Landschaftsbild-pr\u00e4genden Bewirtschaftung und der Biodiversit\u00e4t xerothermer Hanglagen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Weinbau in Steillagen hat das Landschaftsbild in vielen w\u00e4rmebeg\u00fcnstigten Regionen Deutschlands \u00fcber Jahrhunderte gepr\u00e4gt. Die traditionelle Bewirtschaftung der vielerorts kleinparzellierten Terrassenanlagen f\u00fchrte zu abwechslungsreichen und attraktiven Landschaften. Durch die Offenhaltung der meist waldf\u00e4higen Standorte konnten sich artenreiche, an Trockenheit und hohe Lichtintensit\u00e4t angepasste Artengemeinschaften entwickeln.  <\/p>\n<p>Im letzten Jahrhundert wurde der Weinbau durch gro\u00dffl\u00e4chig durchgef\u00fchrte Flurbereinigungen intensiviert. Die Weinberge wurden dabei in Falllinie angelegt, d. h. die Rebzeilen sind in Richtung des st\u00e4rksten Gef\u00e4lles ausgerichtet. Grund ist die Erh\u00f6hung der Rebdichte pro Fl\u00e4che, da die gesamte Fl\u00e4che f\u00fcr die Rebzeilen und den dazwischenliegenden Fahrgassen genutzt werden kann, sowie die verbesserten M\u00f6glichkeiten der Mechanisierung. Die Ver\u00e4nderungen haben vielerorts zu einer Monotonisierung der Kulturlandschaft gef\u00fchrt, da keine nennenswerten Anteile anderer Landschaftsstrukturelemente wie Hecken, S\u00e4ume und Gr\u00fcnland erhalten geblieben sind. Dort, wo eine Intensivierung nicht lohnte, z. B. aufgrund der Steilheit des Gel\u00e4ndes, wurde die weinbauliche Nutzung ganz aufgegeben. Dies hat zu einer gro\u00dffl\u00e4chigen Verbuschung und Wiederbewaldung dieser Grenzertragsstandorte gef\u00fchrt.  <\/p>\n<p>Der Prozess des Brachfallens der Hanglagen dauert bis heute an, wobei nun die in Falllinie angeordneten Weinberge betroffen sind. Vor dem Hintergrund sich verteuernder Produktionskosten und des Klimawandels ist die Wirtschaftlichkeit oft nicht mehr gegeben. Die Nutzungsaufgabe hat den Charakter vieler weinbaulich gepr\u00e4gter Kulturlandschaften stark ver\u00e4ndert. So ist z. B. in den \u00fcberwiegend durch Steillagenweinbau gepr\u00e4gten Regionen Mittelrhein und Mosel in den letzten 31 Jahren ein R\u00fcckgang der bestockten Rebfl\u00e4che von knapp 40 % bzw. knapp 30 % zu verzeichnen.  <\/p>\n<p>Auswirkungen aus naturschutzfachlicher Sicht sind der R\u00fcckgang vieler gef\u00e4hrdeter, an W\u00e4rme, Trockenheit und N\u00e4hrstoffarmut angepasster Tier- und Pflanzenarten mit ihren Offenland-Lebensr\u00e4umen. W\u00e4hrend die Prim\u00e4rhabitate dieser Arten, z. B. Felsnasen und Ger\u00f6llhalden, durch Nutzbarmachung der H\u00e4nge h\u00e4ufig zerst\u00f6rt wurden, sind durch die aktuellen Sukzessionsprozesse die Sekund\u00e4rhabitate betroffen. F\u00fcr die Erhaltung des Steillagenweinbaus sprechen aber nicht nur \u00f6kologische, sondern auch landschafts\u00e4sthetische Gr\u00fcnde (abwechslungsreiches Landschaftsbild mit hohem Erholungs- und Freizeitwert) sowie kulturhistorische Gr\u00fcnde im Kontext der 2000 Jahre alten Weinbautradition. Dar\u00fcber hinaus ist der Steillagenweinbau trotz der vermehrten Nutzungsaufgabe immer noch eine wesentliche Erwerbsquelle f\u00fcr Winzer, wobei fast ausschlie\u00dflich Qualit\u00e4tsweine produziert werden. Ferner sind diese traditionellen Kulturlandschaften Grundlage f\u00fcr den Tourismus, der eine bedeutende Einkommensquelle darstellt. Es sprechen also \u00f6kologi-sche, landschafts\u00e4sthetische, kulturhistorische und \u00f6konomische Gr\u00fcnde f\u00fcr die Erhaltung des Weinbaus in xerothermen Hanglagen.  <\/p>\n<p>Ein L\u00f6sungsansatz kann die Anlage von Querterrassen-Weinbergen sein. Die Bewirtschaftung ist in diesen Weinbergen stark erleichtert, da in den hangparallelen Gassen normale Schmalspurschlepper zum Einsatz kommen k\u00f6nnen. Gleichzeitig haben die neu angelegten B\u00f6schungen ein gro\u00dfes Potential f\u00fcr die Erhaltung und Regeneration der charakteristischen an W\u00e4rme und Trockenheit angepassten Artengemeinschaften. Allerdings gibt es eine Reihe von Fragen und Herausforderungen bei der Etablierung von Querterrassierungen, die z. B. die Begr\u00fcnung von neugeschobenen Querterrassen, elementare weinbauliche Fragen (Mikroklima f\u00fcr die Aromastoffentwicklung in Trauben, Rebengesundheit) und die Bedeutung der Querterrassenweinberge f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t betreffen. Daher spielt diese Anlageform f\u00fcr den Weinbau derzeit noch eine eher untergeordnete Rolle.  <\/p>\n<p>Das \u00fcbergeordnete Ziel des Projektes war die Erarbeitung eines Konzeptes zur Erhaltung der weinbaulich gepr\u00e4gten Kulturlandschaft in Steillagenregionen durch die Querterrassierung im Weinbau. Dabei wurden ungel\u00f6ste Fragen weinbaulicher und \u00f6kologischer Art gekl\u00e4rt und auch F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten und \u00f6konomische Aspekte beleuchtet. Die Ergebnisse wurden durch intensive Wissenstransferaktivit\u00e4ten dem Weinbau, dem Naturschutz, der Wissenschaft und der allgemeinen \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Aktivit\u00e4ten, die im Rahmen des Vorhabens zur Zielerreichung im Fokus standen, k\u00f6nnen drei Themenkomplexen zugeordnet werden. Erstens erfolgte ein Vergleich der \u00f6kologischen und weinbaulichen Charakteristika zwischen querterrassierten Weinbergen und Weinbergen in Falllinie. Diese Informationen sind f\u00fcr die F\u00f6rderung der Akzeptanz der Querterrassierung in der Winzerschaft, aber auch zur Absch\u00e4tzung der Bedeutung f\u00fcr den Naturschutz auf Seiten der Beh\u00f6rden essentiell. Zweitens war die Umsetzung in die Praxis zentraler Baustein des Projektes, d. h. die Anlage, Begr\u00fcnung und Pflege von Querterrassen-Weinbergen. Hierf\u00fcr konnten als Kooperationspartner die hessischen Staatsweing\u00fcter sowie ein weiterer hessischer und ein rheinland-pf\u00e4lzischer Weinbau-Betrieb gewonnen werden. Hinzu kam als dritte essentielle S\u00e4ule der Wissenstransfer, d.h. die Verbreitung der Projektergebnisse an alle relevanten Akteure (Betriebe, Verb\u00e4nde, Beh\u00f6rden, Politik und Studierende des Weinbaus) sowie die Kommunikation und Interaktion mit diesen. Untersuchungsregion war die UNESCO-Welterbe-Region Oberes Mittelrheintal, der L\u00f6sungsweg ist aber auf andere Steillagen-Anbaugebiete Deutschlands \u00fcbertragbar. Die Untersuchungen wurden 2018-2020 durchgef\u00fchrt. Der Schwerpunkt des Wissenstransfers und der Kommunikation mit allen relevanten Akteuren lag im ersten Jahr, um das Projekt bekannt zu machen, sowie im vierten und f\u00fcnften Jahr, um die Ergebnisse und daraus abgeleitete Empfehlungen zu kommunizieren. <\/p>\n<p>Verschiedene Studien wurden zur Beantwortung offener Fragen durchgef\u00fchrt: <\/p>\n<p>Um Empfehlungen f\u00fcr eine erfolgreiche Begr\u00fcnung der Querterrassenb\u00f6schungen geben zu k\u00f6nnen, wurden mehrere Saatmischungen, Ansaattechniken und verschiedene weitere &#8220;Starthelfer&#8221; in zwei Begr\u00fcnungsstudien an drei neu angelegten Querterrassenweinbergen getestet.  <\/p>\n<p>Um die Unterschiede in den Artengemeinschaften, der Artenvielfalt und Abundanz zwischen Querterrassen- und Falllinien-Weinbergen zu erfassen, wurden 2018-2020 in 15 Weinbergspaaren Pflanzen, Bodenarthropoden (Spinnen und Laufk\u00e4fer), fliegende Insekten (Wildbienen) und Heuschrecken nach einem standardisierten Untersuchungsdesign aufgenommen. Um gleichzeitig absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, welche Bedeutung die Weinbergsbrachen im Vergleich zu den bewirtschafteten Weinbergen haben, untersuchten wir zu jedem der 15 Paare eine nahe gelegene Brachfl\u00e4che, sodass insgesamt 45 Untersuchungsplots vorhanden waren. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Erfassung von bodenaktiven Spinnen und Laufk\u00e4fern wurden in den Jahren 2019 und 2020 jeweils 135 Bodenfallen in zwei Fangdurchg\u00e4ngen im Mai und im September f\u00fcr 10 Tage aufgestellt. Die Erfassung der Wildbienen wurde 2019 \u00fcber Farbschalen durchgef\u00fchrt. Insgesamt wurden an drei Terminen (April, Juni, August) drei Farbschalen pro Plot f\u00fcr 3 Tage ausgebracht. Zus\u00e4tzlich wurde 2019 im Fr\u00fchjahr und Sommer in allen 45 Untersuchungsplots die Vegetation \u00fcber Vegetationsaufnahmen untersucht. Heuschrecken wurden im Juli und August 2020 mit Hilfe eines modifizierten Laubsaugers und eines Isolationsquadrats in allen 45 Untersuchungsfl\u00e4chen erfasst.  <\/p>\n<p>F\u00fcr den Vergleich der weinbaulichen Charakteristika zwischen Fallinien- und Querterrassenweinbergen wurden die mikroklimatischen Besonderheiten beider Weinanbausysteme im Rebenbestand erfasst. Hierf\u00fcr zeichneten 42 Datenlogger \u00fcber die Vegetationsperiode die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit in der Laubwand auf der H\u00f6he der Traubenzone in sieben Weinbergspaaren auf. Zus\u00e4tzlich zu Messungen der in die Traubenzone einfallenden Strahlungsenergie durch eine Erfassungsmethode mit photosensitiven Filmen, wurden zu drei wichtigen Hauptstadien der Rebe (Bl\u00fcte, Reifebeginn und Lesereife) mittels Infrarotradiometern die Laubwandoberfl\u00e4chentemperatur erfasst. Des Weiteren haben ph\u00e4nologische Beobachtungen und Messungen zur vegetativen Entwicklung der Rebe den Einfluss des Mikroklimas auf die Rebe aufgezeigt.  <\/p>\n<p>Der Einfluss der ver\u00e4nderten Strahlungs- und W\u00e4rmebedingungen auf qualit\u00e4tsbestimmende Traubeninhaltsstoffe wurde f\u00fcr die Rebsorte Riesling untersucht. Hierf\u00fcr wurden mit dem Ziel der Bewertung der Einstrahlungsunterschiede die Proben getrennt nach den beiden Laubwandseiten einer Rebzeile entnommen und u.a. das Mostgewicht und die Mosts\u00e4ure, aber auch das Aminos\u00e4ureprofil und die Konzentration von Polyphenolen in der Beerenhaut analysiert. Erg\u00e4nzt wurden die Bestimmungen durch die Erfassung von Blattinhaltstoffen und der Sonnenbrandreaktion von Trauben der verschiedenen Expositionen. Ein weiterer Aspekt war die Bodenfeuchtedynamik, die \u00fcber einen Zeitraum von drei Jah-ren vergleichend untersucht wurde. Hierzu wurden direkte und indirekte physiologische Messungen an der Rebe und dem Traubenmost vorgenommen, um eine Einsch\u00e4tzung \u00fcber das Gef\u00e4hrdungspotential von Reben f\u00fcr Trockenstress in Steillagenweinbausystemen geben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ergebniszusammenfassung zur Begr\u00fcnungsstudie: <\/p>\n<p>Die Ergebnisse unserer Studie zeigen, dass eine erfolgreiche B\u00f6schungsbegr\u00fcnung insbesondere mit regionalem Saatgut und \u00fcber Nassansaat erreicht werden kann. Ansaaten mit nicht standortangepassten Arten stellen durch ein erh\u00f6htes Ausfallrisiko keinen langfristigen Erosionsschutz sicher. Mit einer artenreichen Begr\u00fcnung der B\u00f6schungen k\u00f6nnen Querterrassen einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Steillagenweinbau mit Naturschutzzielen gewinnbringend zu verkn\u00fcpfen.  <\/p>\n<p>Ergebniszusammenfassung zu den \u00f6kologischen Untersuchungen der verschiedenen Weinbergstypen: <\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Biodiversit\u00e4tsuntersuchungen mit den Artengruppen Wildbienen, Carabiden, Spinnen, Heuschrecken, Ameisen und Pflanzen verdeutlichen, dass f\u00fcr die F\u00f6rderung verschiedener Gruppen unterschiedliche Habitatstrukturen von Bedeutung sind und sowohl die Offenhaltung durch Bewirtschaftung als auch naturnahe Habitate wie Weinbergsbrachen und auch Wald f\u00fcr die F\u00f6rderung von Biodiversit\u00e4t eine gro\u00dfer Bedeutung haben.  <\/p>\n<p>Die Gruppe der Carabiden, Ameisen und Heuschrecken profitiert von den durch Bewirtschaftung offen gehaltenen Strukturen mit krautiger Vegetation. Die mehrj\u00e4hrigen, krautigen Pflanzenarten sowie die Heuschrecken und eine Vielzahl an Einzelarten in den unterschiedlichen Artengruppen werden insbesondere von den Querterrassen mit ihren weitgehend ungest\u00f6rten B\u00f6schungen gef\u00f6rdert. Vor dem Hintergrund zunehmender Nutzungs-aufgabe ist der Erhalt des Steillagen-Weinbaus vor allem f\u00fcr viele Offenlandarten wichtig. F\u00fcr viele seltene Spinnenarten, f\u00fcr oberirdisch nistende Wildbienenarten und auch f\u00fcr weitere Artengruppen wie V\u00f6gel, sind jedoch auch die ungest\u00f6rten Weinbergsbrachen als Nist-, Nahrungs- und R\u00fcckzugsraum wichtig. <\/p>\n<p>Die bisherigen Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung heterogener Landschaftsstrukturen f\u00fcr die F\u00f6rderung von Biodiversit\u00e4t in der weinbaugepr\u00e4gten Kulturlandschaft am Mittelrhein und machen deutlich, dass Terrassenweinberge daf\u00fcr eine gro\u00dfe Rolle spielen. <\/p>\n<p>Ergebniszusammenfassung zu den weinbaulichen Untersuchungen der verschiedenen Weinbergstypen: <\/p>\n<p>Die Untersuchungsergebnisse wie auch die Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass die Querterrassierung ein geeignetes Mittel zur Produktion gesunder Trauben in Steillagenweinbergen darstellt. Die ge\u00e4nderte Anlagengeometrie und die Zeilenf\u00fchrung entlang, statt entgegen der H\u00f6henlinie ver\u00e4ndern das Mikroklima im Bestand. Die Untersuchungen belegen, dass eine Abmilderung von Extremwetterereignissen, seien es Starkniederschl\u00e4ge (Gefahr der Reduktion der Bodenfruchtbarkeit durch Bodenerosion) oder Hitzewellen (Gefahr der Ertrags- und Qualit\u00e4tsminderung durch Sonnenbrand und bedingt durch Trockenstress), durch eine Querterrassierung der Weinberge m\u00f6glich sind. Hierbei spielen jedoch auch anbautechnische Faktoren und vor allem das Alter der Rebanlage eine Rolle. Die Querterrassierung erm\u00f6glicht durch den h\u00f6heren Mechanisierungsgrad in der Weinbergsbewirtschaftung eine kosteneffizientere Traubenproduktion und einen besseren Arbeitsschutz. <\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz erfordert eine Querterrassierung von Weinbergen in den ersten Jahren bis zur angemessenen Entwicklung des Wurzelsystems der jungen Reben eine Unterst\u00fctzung, um den hohen Konkurrenzdruck gegen\u00fcber der Begleitflora und den intensiven Besonnungsverh\u00e4ltnissen stand zu halten. Wie dies umgesetzt werden kann, muss weiter untersucht werden. Jedoch zeigen Erfahrungen aus der Praxis, dass eine vollst\u00e4ndig etablierte Querterrassenanlage hohe Qualit\u00e4ten und sichere Ertr\u00e4ge gew\u00e4hrleistet. \u00dcber die Standzeit eines Weinbergs betrachtet rechnen sich Querterrassenweinberge im Vergleich zu Falllinienweinbergen unter vielen Rahmenbedingungen betriebswirtschaftlich. Trotzdem reichen sie nicht an Weinberge der Hang- und Flachlagen heran, was sich durch die h\u00f6here Rebdichte bei einfacherer Bewirtschaftung ergibt.   <\/p>\n<p>Winzerinnen und Winzer, die durch Querterrassierungen nachweislich Natur- und Umweltschutzleistungen erbringen, sollten angemessen f\u00fcr diese Leistungen honoriert werden. Nur wenn sich mehr Biodiversit\u00e4t und andere Umweltleistungen lohnen, werden sie diese Gemeinwohlleistungen langfristig f\u00fcr die Gesellschaft erbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Um das Projekt bekannt zu machen, stand am Anfang der \u00d6ffentlichkeitsarbeit eine erste Pressemitteilung, die von verschiedenen regionalen Zeitungen aufgegriffen wurde, der Aufbau einer Projekt-Webpage (www.BioQuiS.de), die Entwicklung eines Logos sowie eine Auftakt-Veranstaltung mit allen relevanten Akteuren.  <\/p>\n<p>Im Laufe des Projektes kamen zahlreiche Aktivit\u00e4ten des Wissenstransfers und der \u00d6ffentlichkeitsarbeit hinzu. Es handelte sich um Vortr\u00e4ge auf Tagungen, Fachveranstaltungen und Veranstaltungen f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit. Hinzu kamen Pressemitteilungen, Interviews f\u00fcr Rundfunk und das regionale Fernsehen sowie Exkursionen f\u00fcr die (Fach-) \u00d6ffentlichkeit. Die Corona-Pandemie hat dazu gef\u00fchrt, dass viele der Veranstaltungen und Pr\u00e4sentationen online abgehalten werden mussten. Dies hat aber der generellen Zielstellung, intensiv Wissenstransfer zu betreiben, keinen Abbruch getan.  <\/p>\n<p>Ein weiterer Baustein war die Produktion eines Wissenstransferfilms zum Projekt, der vom europ\u00e4ischen Fonds f\u00fcr regionale Entwicklung gef\u00f6rdert und mit Hilfe einer Agentur f\u00fcr Filmproduktion und der Wissenstransferabteilung der Hochschule Geisenheim umgesetzt wurde (https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qAR4lmM89Zs). <\/p>\n<p>Eine im Jahr 2021 aufgestellte Schautafel an einem stark frequentierten Wanderweg (Rheinsteig), der an Querterrassenweinbergen der Hessischen Staatsweing\u00fctern vorbeif\u00fchrt, informiert \u00fcber die Artenvielfalt im Weinberg und macht auf die Bedeutung der Querterrassierung im Weinbau aufmerksam. <\/p>\n<p>Im Rahmen eines Projektwettbewerbs zur UN-Dekade Wiederherstellung von \u00d6kosystemen,  wurde das Projekt au\u00dferdem als &#8220;Hervorragendes Beispiel&#8221; ausgezeichnet (https:\/\/www.undekade-restoration.de\/projekte\/bioquis\/). In diesem Wettbewerb w\u00e4hlt das Bundesumweltministerium (BMUV) gemeinsam mit dem Bundesamt f\u00fcr Naturschutz (BfN) aktuelle, repr\u00e4sentative Projekte zur Wiederherstellung, Erhaltung oder Pflege von \u00d6kosystemen aus und macht sie \u00f6ffentlichkeitswirksam bekannt. Die ausgezeichneten Projekte dienen als Best-practice-Beispiele und sollen weitere Aktivit\u00e4ten zur Wiederherstellung von \u00d6kosystemen in Deutschland anregen. Wir haben uns in der ersten Bewerbungsrunde 2022 beworben, in der Projekte aus dem Bereich Kultur- und Agrarlandschaften ausgezeichnet wurden. <\/p>\n<p>Anfang September 2022 wurde die Abschlusstagung mit 70 Teilnehmenden durchgef\u00fchrt. Es wurden zum einen die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen und der praktische Umsetzung der Querterrassierung durch die BioQuiS-Praxispartner vorgestellt. Weitere Fachleute beleuchteten das Thema au\u00dferdem aus \u00f6konomischer Sicht und erl\u00e4uterten F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten sowie die Effekte des Klimawandels auf den Steillagenweinbau. Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden mit den Fachleuten an f\u00fcnf Thementischen vertieft diskutieren.  <\/p>\n<p>Zentrale Ergebnisse wurden in bisher 7 Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften international ver\u00f6ffentlicht. Ein weiterer Artikel steht kurz vor der Einreichung:  <\/p>\n<p>\u2022 Wersebeckmann, Vera; Entling, Martin H.; Leyer, Ilona (2022): Revegetation of vineyard terrace embankments: A matter of seed mixture and seeding technique. Journal of Environmental Management 317, p. 115409. DOI: 10.1016\/j.jenvman.2022.115409. <\/p>\n<p>\u2022 Wersebeckmann, Vera; Kolb, Sebastian; Entling, Martin H.; Leyer, Ilona (2021): Maintai-ning steep slope viticulture for spider diversity. Global Ecology and Conservation 29, e01727 DOI: 10.1016\/j.gecco.2021.e01727. <\/p>\n<p>\u2022 Wersebeckmann, Vera; Warzecha, Daniela; Entling, Martin H.; Leyer, Ilona (2023): Contrasting effects of vineyard type, soil and landscape factors on ground\u2010 versus abovegroundnesting bees. Journal of Applied Ecology, Article 1365-2664.14358. DOI: 10.1111\/1365-2664.14358. <\/p>\n<p>\u2022 Wersebeckmann, Vera; Biegerl, Carolin; Leyer, Ilona; Mody, Karsten (2023): Orthopteran Diversity in Steep Slope Vineyards: The role of vineyard type and vegetation Management. Insects 14 (1). DOI: 10.3390\/insects14010083. <\/p>\n<p>\u2022 Wersebeckmann, Vera; Burstedde, Kirsten; Leyer, Ilona (in prep.) Promoting plant diversity and habitat heterogeneity through vineyard terracing.  <\/p>\n<p>\u2022 Strack, Timo; Schmidt, Dominik; Stoll, Manfred (2021): Impact of steep slope management system and row orientation on canopy microclimate. Comparing terraces to downslope vineyards. Agricultural and Forest Meteorology 307, DOI: 10.1016\/j.agrformet.2021.108515 <\/p>\n<p>\u2022 Strack, Timo; Stoll, Manfred (2022): Soil water dynamics and drought stress response of Vitis vinifera L. in steep slope vineyard systems. Agricultural Water Management 274, DOI: 10.1016\/j.agwat.2022.107967 <\/p>\n<p>\u2022 Strack, Timo; Stoll, Manfred (2021): Implication of Row Orientation Changes on Fruit Parameters of Vitis vinifera L. cv. Riesling in Steep Slope Vineyards. Foods 10 (11) DOI: 10.3390\/foods10112682 <\/p>\n<p>Im Jahr 2023 werden au\u00dferdem noch zwei Artikel in einem deutschsprachigen Weinbau-Fachmagazin und ein Praxisleitfaden zur Umsetzung und der Bedeutung der Querterrassierung im Kontext \u00f6kologischer, weinbaulicher und \u00f6konomischer Belange erscheinen.  <\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Insgesamt betrachtet war das BioQuiS-Projekt sehr erfolgreich, da durch unsere Untersuchungen umfangreiche Informationen zur Umsetzung der Querterrassierung und zu deren \u00f6kologischen, weinbaulichen und \u00f6konomischen Eigenschaften im Vergleich zum Falllinienweinbau zusammengetragen wurden. Trotz Corona-Pandemie war es uns m\u00f6glich, durch eine Vielzahl von Vortr\u00e4gen, Exkursionen und unterschiedlichen Medienformaten (PM, Po-dcasts, Radio- und Fernsehinterviews, Wissenstransfer-Film) die Ergebnisse an alle relevanten regionalen Akteure weiterzugeben. Mit bisher sieben wissenschaftlichen Publikationen in internationalen Zeitschriften wurde auch die Wissenschafts-Community erfolgreich adressiert und der wissenschaftliche Nachwuchs durch zwei Promotionen, die kurz vor dem Abschluss stehen, qualifiziert. Der in Bearbeitung befindliche Praxisleitfaden zum Projekt (geplante Fertigstellung Mitte 2023) und die Implementierung der Inhalte in die Lehre sind weitere wichtige Bausteine des Wissenstransfers. Dies ist auch notwendig, denn der Umsetzung von Querterrassen-Weinbergen gehen umfangreiche Planungs- und Genehmigungsprozesse voraus, weshalb Querterrassierungen h\u00e4ufig in Flurbereinigungsverfahren eingebettet und sehr langwierig sind. Trotzdem konnten w\u00e4hrend der Projektlaufzeit weitere Querterrassierungen durch unsere Praxispartner umgesetzt werden.  <\/p>\n<p>Eindeutig hat das Projekt die Akzeptanz f\u00fcr die Querterrassierung in der Region erh\u00f6ht. Das Bewusstsein f\u00fcr die Vorteile dieser Anlagenart sowie f\u00fcr die Wichtigkeit der Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderung im Weinbau ist deutlich gestiegen. Dies zeigt sich u. a. an der stetigen Zunahme von Anfragen f\u00fcr Beratung zur Umsetzung von Querterrassierungen und zur Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderung im Weinbau, auch \u00fcber die Steillagenregion des Rheingaus und des Mittelrheintals hinaus. Das Projekt konnte einen wichtigen Beitrag zur zuk\u00fcnftigen Sicherung der weinbaugepr\u00e4gten Kulturlandschaft und der Biodiversit\u00e4t xerothermer Hanglagen leisten und wird in diesem Sinne langfristig Wirkung erzielen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Weinbau in Steillagen hat das Landschaftsbild in vielen w\u00e4rmebeg\u00fcnstigten Regionen Deutschlands \u00fcber Jahrhunderte gepr\u00e4gt. 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