{"id":26831,"date":"2023-07-14T10:38:26","date_gmt":"2023-07-14T08:38:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/34003-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:38:27","modified_gmt":"2023-07-14T08:38:27","slug":"34003-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/34003-01\/","title":{"rendered":"Biotopverbund Grasland"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund des R\u00fcckgangs bedrohter Arten durch die zunehmende Verinselung von Biotopen in landwirtschaftlich intensiv genutzten R\u00e4umen einerseits und dem starken Fl\u00e4chendruck auf landwirtschaftlich genutzte Parzellen andererseits, erarbeitete das vorliegende Projekt neue Wege, um einen Biotopverbund im Offenland zu erm\u00f6glichen. \u00dcbergeordnetes Ziel des Projekts war es, im Sinne der Nationalen Biodiversit\u00e4tsstrategie zur biologischen Vielfalt (NBS) den zunehmenden Artenverlust im Grasland\/Gr\u00fcnland zu stoppen. Der Gr\u00fcnlandschutz gilt seit 2013 als priorit\u00e4res Handlungsfeld innerhalb der Naturschutz-Offensive 2020 seitens der Bundesregierung. Umgesetzt wurde das Projekt in Kooperation mit Akteuren der Landwirtschaft, des Naturschutzes, der Wissenschaft und der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm Projekt lag der Fokus auf wertbestimmenden Artengruppen (Gef\u00e4\u00dfpflanzen, Tagfalter und Heuschrecken), deren Vertreter teils nur geringe Ausbreitungstendenzen und -distanzen aufweisen. F\u00fcr diese wurde in ausgew\u00e4hlten Pilotgebieten in den Landkreisen Wesermarsch, Ammerland und Oldenburg ein Biotopverbundkonzept erstellt. Dabei erfolgte zun\u00e4chst eine Bestandsanalyse auf Grundlage bereits vorhandener Kerngebiete und Vernetzungselemente eines Grasland-Biotopverbundes, die in Form eines Geographischen Informationssystems (GIS) dargestellt und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Qualit\u00e4t ausgewertet wurden. Eine wissenschaftliche Analyse zum vorhandenen Kenntnisstand \u00fcber die Anspr\u00fcche der Zielarten an ihren Lebensraum und -qualit\u00e4t sowie deren Mobilit\u00e4t und Ausbreitungsverhalten bildete die Arbeitsgrundlage, um die zu schlie\u00dfenden L\u00fccken f\u00fcr den Biotopverbund sowohl quantitativ als auch qualitativ zu definieren. Begleitet von \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Koordinationstreffen der beteiligten Akteure wurden daraufhin die erforderlichen Fl\u00e4chen bzw. auch lineare Saumelemente wie Wegeseitenstreifen ausgew\u00e4hlt, die diesem L\u00fcckenschluss bestehender Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen dienen k\u00f6nnen. In einer Akteursanalyse wurden die Nutzer der Landschaft benannt, angesprochen und sensibilisiert, welche daraufhin hinsichtlich Fl\u00e4chenbereitstellung und Fl\u00e4chenmanagement bei der Umsetzung des Biotopverbundes mitgewirkt haben. Unter Einbindung aller Anspr\u00fcche an die Fl\u00e4chennutzung wurde somit ein funktionaler Biotopverbund f\u00fcr ein bis zwei Pilotgebiete je Landkreis initiiert und umgesetzt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Es zeigte sich, dass es f\u00fcr einen erfolgreichen Biotopverbund unerl\u00e4sslich ist, die unterschiedlichen Akteure (\u00f6ffentliche Verwaltung, Fl\u00e4chenverantwortliche, Interessengruppen der Landwirtschaft und des Naturschutzes) fr\u00fchzeitig in die Planung miteinzubinden. Als feste Ansprechpartner und federf\u00fchrend in der Planung und Umsetzungsbegleitung wurde diese Aufgabe durch das Projektteam in ihrer Funktion als \u0084K\u00fcmmerer\u0093 wahrgenommen. In dieser Hinsicht kann der Biotopverbund als Innovationssystem verstanden werden, da in Kooperation miteinander an der Erschaffung, Verbreitung und Anwendung wissenschaftlichen und methodischen Wissens gearbeitet wird. Ein solches Innovationssystem wird durch funktionelle Komponenten charakterisiert, die als eine Art von \u0084Innovationsmotor\u0093 Aussagen zulassen, ob ein System bislang funktioniert hat oder nicht. Mit der Schaffung von Legitimit\u00e4t, dem Zuwachs von Wissen sowie der Entstehung einer Vision f\u00fcr den Biotopverbund sind bereits drei wichtige Funktionen eines Innovationssystems innerhalb der Projektlaufzeit geschaffen worden. Hierbei hat sich herausgestellt, welch fundamentale Bedeutung die Pilotgebiete als zentrale Kooperationsplattform f\u00fcr das Von- und Miteinander-Lernen haben, um die umgesetzten Ma\u00dfnahmen zu veranschaulichen und die gewonnenen Erkenntnisse zu verbreiten und zu diskutieren. Zudem machte die Arbeit in den Pilotgebieten die Einbindung landwirtschaftlicher Nutzfl\u00e4chen und deren Bewirtschafter als Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr die Etablierung eines erfolgreichen Biotopverbundes deutlich. In Befragungen und Gespr\u00e4chen zeigten sich einmal mehr die fehlenden F\u00f6rderprogramme mit langfristiger Ausrichtung sowie die starren Auflagen bei bestehenden Ma\u00dfnahmenoptionen als wichtigstes Hemmnis f\u00fcr einen Beitrag zum Biotopverbund aus landwirtschaftlicher Sicht. Auch Akteure, die nicht wirtschaftlich abh\u00e4ngig vom Ertrag ihrer Fl\u00e4chen sind, haben sich als eine weitere entscheidende Zielgruppe herausgestellt. Sie sind intrinsisch motiviert, auf den eigenen Fl\u00e4chen f\u00fcr den Arten- und Biotopschutz t\u00e4tig zu werden, sehen sich jedoch der Herausforderung gegen\u00fcbergestellt, wie eine Nutzung des Aufwuchses der extensiv genutzten Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen erfolgen kann. Aus den Ergebnissen der Vegetationsstudien wird deutlich, dass die ausgew\u00e4hlten Kernfl\u00e4chen bereits \u00fcber eine (recht) gro\u00dfe Artenvielfalt verf\u00fcgen, die vor allem aus den Zielarten und weiteren kennzeichnenden Arten des mesophilen Gr\u00fcnlands besteht. Vor allem mit dem Ausbringen von Regio-Saatgut ist es gelungen, diese charakteristische Artenvielfalt und -zusammensetzung innerhalb von 2-3 Jahren teilweise auf die zu entwickelnden Trittsteine und Korridore zu \u00fcbertragen. Auch die Heuschreckenfauna der drei Pilotgebiete zeigt sich mit 15 von 19 im nordwestdeutschen Gr\u00fcnland potenziell vorkommenden Arten auffallend artenreich; davon sind ein Drittel (5 Arten) Bestandteil der Roten Liste Westliches Tiefland Niedersachsen. Trotz deutlich kleinerer Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfen wurden in den Vernetzungselementen weitgehend dieselben Heuschreckenarten vorgefunden wie in den Kernfl\u00e4chen, allerdings in geringerer Abundanz &#8211; ein deutliches Zeichen f\u00fcr ihren Wert im Fl\u00e4chensystem des Biotopverbunds. Hinsichtlich der Tagfalter-Fauna weisen die Kernfl\u00e4chen, Korridore und Trittsteinfl\u00e4chen im Vergleich zu den meisten Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen Nordwestdeutschlands einen teilweise h\u00f6heren Arten- und Individuenreichtum auf. Innerhalb von 2-3 Jahren ist es durch die Ma\u00dfnahmen der Artenanreicherung gelungen, den Bl\u00fctenhorizont quantitativ und qualitativ zu bereichern und damit eine erweiterte Nahrungsbasis f\u00fcr die Tagfalter zu schaffen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zeitgleich mit den Arbeiten in den Pilotgebieten wurden \u00fcber eine intensive \u00d6ffentlichkeits- und Pressearbeit zus\u00e4tzliche Fl\u00e4chenbesitzer au\u00dferhalb der genannten Pilotgebiete zur Teilnahme am Biotopverbund motiviert, um zuk\u00fcnftig weitere Biotopverbundsysteme in den jeweiligen Landkreisen etablieren zu k\u00f6nnen. Auch hier erfolgten Bestandsaufnahmen und verschiedene Aufwertungsma\u00dfnahmen. Mit der Bereitstellung eines frei verf\u00fcgbaren, webbasierten Geoinformationssystems mit Fl\u00e4cheninformationen f\u00fcr die drei untersuchten Landkreise soll die Verstetigung der Projektergebnisse unterst\u00fctzt werden. Schlie\u00dflich wurde eine Brosch\u00fcre als Anleitung zur Etablierung artenreicher Graslandfl\u00e4chen sowie zum Aufbau eines Biotopverbundes mit Steckbriefen wichtiger Zielarten f\u00fcr das nordwestdeutsche Flachland ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Projektumsetzung zeigte deutlich, dass die beteiligten Akteure in ihrer derzeitigen Ausstattung mit finanziellen und zeitlichen Ressourcen die Koordination einer Grasland-Biotopverbundplanung nicht ohne weiteres \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Die komplexe Aufgabe einer fachlichen Konzeption von lokalen und regionalen Biotopverbundplanungen, die naturschutzfachliche Begleitung in der Ma\u00dfnahmenumsetzung sowie eine angemessene Vermittlung zwischen den einzelnen Akteuren ist nur durch eine Koordinationsstelle leistbar. Um L\u00f6sungen f\u00fcr die biologische Vielfalt im Grasland auch zuk\u00fcnftig wirkungsvoll zu erarbeiten, markiert die dreij\u00e4hrige Projektlaufzeit erst den Beginn eines andauernden Kooperationsprozesses. Auf lokaler Ebene konnte gezeigt werden, wie die vier Arbeitsschritte zur Planung und Umsetzung eines Biotopverbunds im Sinne eines gemeinsamen Lern- und Entwicklungskonzepts erfolgreich durchlaufen werden k\u00f6nnen. Bislang sind jedoch wesentliche funktionelle Komponenten eines Innovationssystems und damit einer Stabilisierung und Verstetigung der geschaffenen Strukturen nur in Ans\u00e4tzen entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Vor dem Hintergrund des R\u00fcckgangs bedrohter Arten durch die zunehmende Verinselung von Biotopen in landwirtschaftlich intensiv genutzten R\u00e4umen einerseits und dem starken Fl\u00e4chendruck auf landwirtschaftlich genutzte Parzellen andererseits, erarbeitete das vorliegende Projekt neue Wege, um einen Biotopverbund im Offenland zu erm\u00f6glichen. \u00dcbergeordnetes Ziel des Projekts war es, im Sinne der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2422,50,64],"class_list":["post-26831","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-landnutzung","tag-naturschutz","tag-niedersachsen"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"34003\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"","dbu_projektdatenbank_bsumme":"249.997,00","dbu_projektdatenbank_firma":"Gr\u00fcnlandzentrum Niedersachsen\/Bremen e. 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