{"id":26814,"date":"2024-11-27T10:42:18","date_gmt":"2024-11-27T09:42:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/32853-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:42:22","modified_gmt":"2024-11-27T09:42:22","slug":"32853-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/32853-01\/","title":{"rendered":"Aufbau einer Herkunftsdatenbank f\u00fcr Wildpflanzensaatgut krautiger Pflanzen und Entwicklung eines analysebasierten R\u00fcckverfolgbarkeitssystems"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Anwendung von Wildpflanzensaatgut f\u00fcr Naturschutzzwecke hat sich in den letzten zehn Jahren mit F\u00f6rderung durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) und das Europ\u00e4ische Saatgutrecht (EU-Richtlinie 2010\/60) stark erh\u00f6ht. Aufgrund der heutigen gro\u00dfen Nachfrage besteht jedoch die Gefahr, dass ebenfalls Saatgut unbekannter Herkunft (z. B. aus Niedriglohnl\u00e4ndern) in diesen Markt eingebracht und als heimisch bzw. regional deklariertes Wildpflanzensaatgut verkauft wird. F\u00fcr eine \u00dcberpr\u00fcfung solcher unbekannten Herk\u00fcnfte gab es bis heute keine analytische Vorgehensweise.<br \/>\nDas Projekt ist als ein \u0084Proof of Concept\u0093 angelegt. Es soll dabei die M\u00f6glichkeit verifiziert werden, die Herkunft von krautigem Saatgut mit analytischen Methoden r\u00fcckverfolgbar zu gestalten. Das analytische System soll dabei m\u00f6glichst praxisnah eingesetzt werden, indem z. B. die R\u00fcckf\u00fchrung der Herkunftsbestimmung auf eine vorher festgelegte Gebietsdefinition (siehe auch DBU Vorl\u00e4uferprojekt 23931) erreicht wird. <\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn zwei Probennahmen im Jahr 2016 und 2017 wurden gem\u00e4\u00df einem vorgegebenen Probenraster innerhalb von Deutschland 4 bis 7 Arten gezogen. Insgesamt standen 431 Referenzen aus Deutschland zur Verf\u00fcgung.<br \/>\nDes Weiteren wurden 25 ausl\u00e4ndische (europ\u00e4ischen) Proben insbesondere im Jahr 2017 hinzugezogen.<br \/>\nAlle Proben wurden vorsortiert, getrocknet, entfettet und feinvermahlen. Das Pulver  wurde sowohl f\u00fcr die Analyse der stabilen Isotope der Bioelemente (COHNS) eingesetzt als auch nach Equilibrierung f\u00fcr Nah-Infrarot-Messungen (NIR) genutzt.<br \/>\nZus\u00e4tzlich wurde an der Art Tragopopon ebenfalls die Konzentration von f\u00fcnf Elementen (Rb, Sr, Ba, Mn, Ti) bestimmt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>\u0095 Die gro\u00dfr\u00e4umigen Trennfaktoren des Wassers werden in den krautigen Pflanzen nur unzureichend widergespiegelt. Es \u00fcberlagern die Effekte der Temperatur insbesondere saisonale Effekte und Luftfeuchtigkeit. Dies unterbindet eine regionale Differenzierung.<br \/>\n\u0095 Der Einfluss der H\u00f6he hat signifikante Auswirkungen auf die Isotopenverh\u00e4ltnisse von D\/H und 18O\/16O. Dies ist in einer Herkunftsanalyse entsprechend zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>\n\u0095 Der Einfluss des Erntezeitpunktes hat keine signifikanten Auswirkungen auf die Isotopenverh\u00e4ltnisse von D\/H und 18O\/16O.<br \/>\n\u0095 Die 13C\/12C Isotopenverh\u00e4ltnisse liefern eine Indikation der klimatischen Aufwachsbedingungen der Pflanze. Eine jahres\u00fcbergreifende Anwendung ist zwar m\u00f6glich, jedoch ist immer die \u00dcbertragbarkeit mit Referenzen zu pr\u00fcfen.<br \/>\n\u0095 Die 15N\/14N und 34S\/32S Isotopenverh\u00e4ltnisse liefern jahres\u00fcbergreifende Differenzierungsm\u00f6glichkeiten der Herkunft von krautigem Saatgut.<br \/>\n\u0095 Die Stabil-Isotopen-Signaturen als auch das NIR Profiling sind nicht hinreichend geeignet eine signifikante Differenzierung der vordefinierten Regionen (DBU Projekt: 23931) zu gew\u00e4hrleisten. Erst durch die Kombination beider Methoden sind Anwendungsm\u00f6glichkeiten (z. B. Festuca, Lotus) zur Differenzierung der Regionen innerhalb eines Referenzierungsjahres gegeben.<br \/>\n\u0095 Das NIR Profiling ist stark abh\u00e4ngig vom Erntejahr und nicht auf das Folgejahr \u00fcbertragbar. Dagegen sind die Stabil-Isotopen-Daten robuster (siehe auch Stickstoff\/ chwefel).<br \/>\n\u0095 Jahres\u00fcbergreifende Differenzierung der Regionen konnte weder mit einer Einzelmethodik, Kombination von Stabilen Isotope und NIR, noch mit zus\u00e4tzlichen Parameter aus der Element-Bestimmung von f\u00fcnf Elementen (Rb, Sr, Ba, Mn, Ti) erreicht werden.<br \/>\n\u0095 Eine Verifizierung der lokalen (Feld) Herkunft ist eine M\u00f6glichkeit die stabilen Isotope in Kombination mit Elementanalytik (Rb, Mn) effektiv und aussagekr\u00e4ftig einzusetzen.<br \/>\n\u0095 Eine Modellierung der 18O\/16O und D\/H Isotopenverh\u00e4ltnisse ist m\u00f6glich bzw. kann f\u00fcr die verschiedenen Arten entwickelt werden. Daraus resultiert eine M\u00f6glichkeit diese Isotopensignaturen unabh\u00e4ngig von \u00fcberlagernden Einfl\u00fcssen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) darzustellen und einen regionalen Bezug auszuarbeiten.<br \/>\n\u0095 Die Einbindung modellierter 18O\/16O Daten erzielt eine Optimierung der lokalen (Feld) Differenzierung. Differenzierung von 31 lokalen Orten zeigt 80 % Differenzierungswahrscheinlichkeit.<br \/>\n\u0095 Die Stabil-Isotopen-Methode liefert nach dem derzeitigen Kenntnisstand gute M\u00f6glichkeiten ausl\u00e4ndische Saatgutproben nachzuweisen. Der Nachweis ist jedoch nicht abschlie\u00dfend, d.h. Herkunft von Saatgut aus L\u00e4ndern wie England bzw. Tschechien sind alleine mit den stabilen Isotopen wahrscheinlich nicht nachzuweisen. Eine Ausdehnung der Analytik ist entsprechend notwendig.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt war durch die Einbindung eines Beirates mit Mitgliedern aus der Saatgut-Branche als auch beh\u00f6rdlichen Vertretern darauf ausgelegt Informationstransfer der analytischen M\u00f6glichkeiten zu gew\u00e4hrleisten.<br \/>\nDes Weiteren wurden die Ergebnisse auf einem Saatgut-Seminar (29-08-2018)  in Wetzlar interessierten Vertretern der Branche, Verb\u00e4nde, Beh\u00f6rde vorgestellt und diskutiert. Darauf aufbauend ist der Leitfaden (Anhang) aufgesetzt worden. Neben weiterer Ver\u00f6ffentlichungen (Planung: peer reviewed paper  in 2019), ist es geplant die entwickelten Methoden nun in Beispielprojekten bzw. Verifizierungsanalyse weiter bekanntzumachen. Aufgrund der Ergebnisse der ausl\u00e4ndischen Saatgutproben ist ebenfalls eine Vorstellung auf einer europ\u00e4ischen Saatgut-Konferenz in Planung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das direkte Ziel der Herkunfts\u00fcberpr\u00fcfung der vordefinierten Regionen (nach DBU: 23931) kann nicht gew\u00e4hrleistet werden bzw. ist nur in Ausnahmen m\u00f6glich. Eine Fokussierung der Herkunftsanalyse auf lokale (Feld) Differenzierung ist jedoch ein effektiver Ansatz Herkunfts\u00fcberpr\u00fcfungen im Saatgut durchzuf\u00fchren bzw. unbekannte Proben auf wenige Herkunftsm\u00f6glichkeiten einzuschr\u00e4nken.<br \/>\nAbschlie\u00dfend ist insbesondere die Stabil-Isotopen-Methode in vielen F\u00e4llen geeignet ausl\u00e4ndisches (europ\u00e4isches) Saatgut von deutschem Saatgut zu unterscheiden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Anwendung von Wildpflanzensaatgut f\u00fcr Naturschutzzwecke hat sich in den letzten zehn Jahren mit F\u00f6rderung durch das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) und das Europ\u00e4ische Saatgutrecht (EU-Richtlinie 2010\/60) stark erh\u00f6ht. Aufgrund der heutigen gro\u00dfen Nachfrage besteht jedoch die Gefahr, dass ebenfalls Saatgut unbekannter Herkunft (z. 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