{"id":26804,"date":"2026-04-19T10:32:09","date_gmt":"2026-04-19T08:32:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/33305-01\/"},"modified":"2026-04-19T10:32:10","modified_gmt":"2026-04-19T08:32:10","slug":"33305-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/33305-01\/","title":{"rendered":"Auswirkungen gro\u00dffl\u00e4chiger Torfmooskultivierung nach Schwarztorf-Abbau auf Biodiversit\u00e4t und Treibhausgasfreisetzung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Torfmooskultivierung gilt als eine neue, klimaschonende und nachhaltige Nutzungsm\u00f6glichkeit von landwirtschaftlich vorgenutzten Hochmoorstandorten oder ehemaligen Torfabbaufl\u00e4chen. Durch die Animpfung der Fl\u00e4chen mit Torfmoosen k\u00f6nnen potenzielle Lebensr\u00e4ume f\u00fcr die Flora und Fauna der Hochmoore geschaffen werden. Bei Erreichung der angestrebten naturnahen hydrologischen und somit torferhaltenden Bedingungen ist eine erhebliche Minderung der Emissionen von Treibhausgasen (THG) im Vergleich zu entw\u00e4sserungsbasierten Nutzungen von Hochmoorstandorten m\u00f6glich. <\/p>\n<p>In dem Projekt wurde Torfmooskultivierung auf zwei stark zersetzten und industriell abgebauten Schwarztorffl\u00e4chen erprobt. Die zentralen, \u00fcbergeordneten Forschungsfragen des Projekts waren:<br \/>\n\u2022 Ist Torfmooskultivierung auch auf einer Schwarztorfschicht mit geringer M\u00e4chtigkeit m\u00f6glich?<br \/>\n\u2022 Schaffen Torfmooskultivierungsfl\u00e4chen einen Lebensraum f\u00fcr die Flora und Fauna der Hochmoore?<br \/>\n\u2022 Wie verh\u00e4lt sich der THG-Austausch von Torfmooskultivierungsfl\u00e4chen und Bew\u00e4sserungspoldern im Vergleich zu naturnahen Hochmooren?<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Kultivierung von Torfmoosen wurde von 2015 bis 2019 auf zwei industriell abgebauten und stark zersetzten flachgr\u00fcndigen Schwarztorffl\u00e4chen im Landkreis Emsland in Niedersachsen praktisch erprobt und wissenschaftlich begleitet. <\/p>\n<p>Das Institut f\u00fcr Umweltplanung der Leibniz Universit\u00e4t Hannover hat das Wachstum der unterschiedlichen Torfmoosarten und die Eignung der Kultivierungsfl\u00e4chen als Lebensraum f\u00fcr charakteristische Tier- und Pflanzenarten der Hochmoore erfasst und bewertet. Die THG-Bilanz der Torfmoosproduktion wurde vom Th\u00fcnen-Institut f\u00fcr Agrarklimaschutz aus Braunschweig untersucht. Dazu geh\u00f6rte auch die Quantifizierung des Einflusses der Torfmoosernte auf die THG-Bilanz der naturnahen Entnahmefl\u00e4chen sowie der Emissionen eines Bew\u00e4sserungspolders. <\/p>\n<p>Die Projektf\u00f6rderung erfolgte anteilig \u00fcber die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie das Nieders\u00e4chsische Ministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Die Klasmann-Deilmann GmbH war verantwortlich f\u00fcr die Fl\u00e4chenbereitstellung, -einrichtung und das Fl\u00e4chenmanagement, d. h. vor allem f\u00fcr Bew\u00e4sserung, Gr\u00fcppen- und Fl\u00e4chenpflege. <\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Projekt konnte zeigen, dass eine Kultivierung von Torfmoosen auch auf gering m\u00e4chtigen stark zersetzten Schwarztorfen m\u00f6glich ist. Auf beiden Kultivierungsfl\u00e4chen haben sich die Torfmoose etabliert. Im Wachstum haben sich Unterschiede zwischen den Fl\u00e4chen gezeigt. Als Faktoren f\u00fcr ein positives Wachstum haben sich vor allem eine ausreichende Wasserverf\u00fcgbarkeit, ein geeignetes Mikroklima und ausreichende Torfm\u00e4chtigkeit herausgestellt. Insbesondere in der Initialphase ist eine stetige Bew\u00e4sserung wichtig. Als Schutz vor Witterungseinfl\u00fcssen hat sich eine Abdeckung mit Stroh bew\u00e4hrt, eine Abdeckung mit Vlies ist dagegen nicht empfehlenswert.<\/p>\n<p>Die Biodiversit\u00e4t wurde nicht nur auf den Kultivierungsfl\u00e4chen, sondern auch auf zwei naturnahen Spenderfl\u00e4chen und zwei herk\u00f6mmlichen Wiedervern\u00e4ssungsfl\u00e4chen erfasst. Auf den Kultivierungsfl\u00e4chen konnte sich eine hohe Anzahl an Pflanzenarten etablieren. Viele Arten wurden von den unterschiedlichen Spenderfl\u00e4chen \u00fcbertragen. Zus\u00e4tzlich sind auch Arten aus den Randbereichen eingewandert oder wurden mit der Strohabdeckung oder dem Bew\u00e4sserungswasser eingetragen. Die H\u00e4ufigkeit der nicht hochmoortypischen Arten war gering. Die Anzahl der hochmoortypischen Arten und der Rote-Liste Arten der Kultivierungsfl\u00e4chen war mit den naturnahen Referenzfl\u00e4chen vergleichbar, w\u00e4hrend die Artenvielfalt der Flora auf den herk\u00f6mmlichen Wiedervern\u00e4ssungsfl\u00e4chen gering war.<\/p>\n<p>Die Kultivierungsfl\u00e4chen konnten bereits nach zwei Jahren auch einigen Arten der Fauna einen (Teil-)Lebensraum bieten. Es konnten aus fast allen Artengruppen (Ausnahme Tagfalter) typische Hochmoorarten nachgewiesen werden. Bei den V\u00f6geln scheinen die Fl\u00e4chen insbesondere f\u00fcr Bodenbr\u00fcter g\u00fcnstige Bedingungen zu bieten. Die Eignung von Kultivierungsfl\u00e4chen als Habitat f\u00fcr Amphibien und Libellen h\u00e4ngt vor allem von der Form der Bew\u00e4sserung ab. Bisher wurden Exuvienfunde der Libellen sowie Laichballenfunde der Amphibien nur in den Gruppen erbracht. Die geringe Anzahl nachgewiesener Tagfalterarten ist vermutlich vor allem auf den fehlenden Windschutz auf den Fl\u00e4chen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Bei den epig\u00e4ischen Wirbellosen geh\u00f6rten Spinnen (Aranae), Schnabelkerfe (Hemiptera) und K\u00e4fer (Coleoptera) zu den dominanten Ordnungen, wobei die H\u00f6he der Torfmoose und der Gef\u00e4\u00dfpflanzen auf den Kultivierungsfl\u00e4chen einen signifikanten positiven Einfluss auf die Individuenzahl hatte.<\/p>\n<p>\u00dcber einen Zeitraum von zwei Jahren wurde der Austausch der Treibhausgase Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) gemessen. Die Torfmooskultivierungsfl\u00e4chen, Bew\u00e4sserungsfl\u00e4chen, D\u00e4mme und eine sp\u00e4tere (bisher gesch\u00e4tzte) Teilentnahme der Biomasse miteinbezogen ergaben sich in diesem Projekt mittlere THG-Emissionen von ~5 bis 10 t CO2-eq. ha-1 a-1. In diesen Zahlen spiegeln sich sowohl die herausfordernden hydrologischen Bedingungen des stark zersetzten Schwarztorfes als auch der au\u00dferordentlich warme und trockene Sommer 2018 wider. Der THG-Austausch wurde stark von der Wasserverf\u00fcgbarkeit und von der Zusammensetzung und Entwicklung der Vegetation beeinflusst. Generell f\u00fchrten niedrige Grundwasserflurabst\u00e4nde zu h\u00f6heren CO2-Emissionen, auf Fl\u00e4chen mit einem hohen Anteil an Gef\u00e4\u00dfpflanzen wurden auch bei niedrigen Grundwasserflurabst\u00e4nden h\u00f6here CH4-Emissionen gemessen und einzelne Fl\u00e4chen mit schwankenden Wasserst\u00e4nden und einer sp\u00e4rlichen Vegetation zeigten zeitweise stark erh\u00f6hte N2O-Fl\u00fcsse. Die CH4-Emissionen des Bew\u00e4sserungspolders waren niedriger als die der naturnahen Referenzfl\u00e4che. Ein negativer Effekt der Ernte auf die THG-Bilanz wurde nur im ersten Messjahr festgestellt. Im Vergleich zu intensiv genutzten Hochmoorstandorten k\u00f6nnen in Abh\u00e4ngigkeit von Standorteigenschaften und Annahmen zur \u201eReferenznutzung\u201c dennoch Einsparungen zwischen 10 und 40 t CO2-eq. ha-1 a-1 erreicht werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ergebnisse des Projekts wurden bei zahlreichen Fachveranstaltungen durch die Projektteilnehmer vorgestellt. Am 20. August 2019 fand eine gemeinsame Abschlussveranstaltung an der Leibniz Universit\u00e4t Hannover statt. Mehrere Fachver\u00f6ffentlichungen sind im Druck oder in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Eine Kultivierung von Torfmoosen ist auch auf gering m\u00e4chtigen stark zersetzten Schwarztorfen m\u00f6glich. Unterschiede im Etablierungserfolg und Wachstum der Torfmoose haben gezeigt, wie wichtig die Rahmenbedingungen einer Torfmooskultivierungsfl\u00e4che sind. Insbesondere eine ausreichende Torfm\u00e4chtigkeit und ein geeignetes Mikroklima sind wichtige Faktoren f\u00fcr eine erfolgreiche Bew\u00e4sserung. Aus Sicht des Artenschutzes bieten Torfmooskultivierungsfl\u00e4chen viele Chancen, da neue (Teil-)Lebensr\u00e4ume oder Trittsteinbiotope f\u00fcr h\u00e4ufig gef\u00e4hrdete und meist isoliert lebendende Moorarten geschaffen werden. Dennoch k\u00f6nnen und sollen sie naturnahe Fl\u00e4chen nicht ersetzen. Die herausfordernden hydrologischen Bedingungen auf Schwarztorf beeinflussen auch die THG-Emissionen, wobei dennoch ein erhebliches Einsparpotenzial im Vergleich zu landwirtschaftlich genutzten Hochmoorstandorten besteht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Torfmooskultivierung gilt als eine neue, klimaschonende und nachhaltige Nutzungsm\u00f6glichkeit von landwirtschaftlich vorgenutzten Hochmoorstandorten oder ehemaligen Torfabbaufl\u00e4chen. 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