{"id":26655,"date":"2023-07-14T10:36:55","date_gmt":"2023-07-14T08:36:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/32694-01\/"},"modified":"2023-07-14T10:36:55","modified_gmt":"2023-07-14T08:36:55","slug":"32694-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/32694-01\/","title":{"rendered":"Dauerhafte Sicherung der Habitatkontinuit\u00e4t von Eichenw\u00e4ldern (QuerCon)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Download: http:\/\/www.dbu.de\/OPAC\/ab\/DBU-Abschlussbericht-AZ-32694_01-Hauptbericht.pdf<\/p>\n<p>Strukturreiche alte Eichenw\u00e4lder mit einer Vielzahl an spezialisierten und oft gef\u00e4hrdeten Tier- und Pflanzenarten sind aus Sicht des Naturschutzes Zentren der Biodiversit\u00e4t (\u0084Hotspots\u0093). Viele anspruchsvolle Arten der Eichenw\u00e4lder sind allerdings nur eingeschr\u00e4nkt zur Fernausbreitung bef\u00e4higt und daher auf die zeitliche Kontinuit\u00e4t ihres Lebensraums und seiner spezifischen Strukturen angewiesen. Aus waldbaulicher Sicht sind Eichenw\u00e4lder durch hohe licht\u00f6kologische Anspr\u00fcche der Verj\u00fcngung, lange Produktionszeitr\u00e4ume, einen gro\u00dfen Anteil des Altholzes am Gesamtwertertrag und eine teure Bestandesbegr\u00fcndung gekennzeichnet. Aufgrund der unterschiedlichen Nutzungs- und Schutzinteressen an alten Eichenw\u00e4ldern kann es zu Zielkonflikten zwischen Forstwirtschaft und Naturschutz kommen. Daher besteht eine gro\u00dfe Herausforderung darin, die \u00f6konomische Tragf\u00e4higkeit der Eichenwirtschaft und damit das forstbetriebliche Interesse an dieser Baumart aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die schutzw\u00fcrdigen und schutzbed\u00fcrftigen Lebensgemeinschaften der Eichenw\u00e4lder zu erhalten oder wiederherzustellen.<br \/>\nVor diesem Hintergrund wurde von 2015 bis 2019 an der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) das Forschungsvorhaben \u0084QuerCon \u0096 Dauerhafte Sicherung der Habitatkontinuit\u00e4t von Eichenw\u00e4ldern\u0093 durchgef\u00fchrt. Hauptziel des Projektes war es, Wege zur Erhaltung des naturschutzfachlichen Wertes von Eichenw\u00e4ldern zu finden, ohne den \u00f6konomischen Erfolg der Eichenwirtschaft wesentlich zu beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm QuerCon-Projekt wurden zun\u00e4chst die historischen Ursachen f\u00fcr die Entstehung bzw. den Erhalt von artenreichen, naturschutzfachlich wertvollen Eichenw\u00e4ldern systematisch analysiert sowie die zugrundeliegenden sozio\u00f6konomischen und waldbaulichen Triebkr\u00e4fte heraus-gearbeitet und an konkreten Beispielen verdeutlicht. Weiterhin wurden anhand einer systematischen Inventur von Eichen-Jungbest\u00e4nden in den Bundesl\u00e4ndern Niedersachsen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein die entscheidenden Erfolgsfaktoren f\u00fcr eine aus waldbaulicher Sicht qualitativ hochwertige Eichenverj\u00fcngung bestimmt.<br \/>\nGezielte und regelm\u00e4\u00dfige Pflegeeingriffe in Eichen-Jungbest\u00e4nden erwiesen sich dabei als unabdingbar. Die systematische Inventur von Eichen-Altbest\u00e4nden in den genannten Bundesl\u00e4ndern verdeutlichte deren hohen naturschutzfachlichen und wirtschaftlichen Wert. Im Hinblick auf den dauerhaften Erhalt von Eichen-Habitatb\u00e4umen konnte anhand einer Studie in den Nieders\u00e4chsischen Landesforsten gezeigt werden, dass deren Vitalit\u00e4t durch eine konsequente, m\u00f6glichst langfristig orientierte Entspannung der Konkurrenzsituation signifikant verbessert werden kann.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Basierend auf den vorgenannten Untersuchungen sowie Literaturauswertungen wurde ein Ma\u00dfnahmenkonzept zur Erhaltung und Entwicklung von Eichenwaldlebensr\u00e4umen in \u0084Nachhaltigkeitseinheiten der Habitatkontinuit\u00e4t\u0093 entwickelt, bei dem die Integration von Retentions-Elementen ein zentraler Baustein ist. Hierbei werden Habitatb\u00e4ume oder Habitatbaumgruppen bei Ernte- und Verj\u00fcngungsma\u00dfnahmen erhalten. Weitere Bausteine sind das Zulassen von nat\u00fcrlichen St\u00f6rungen insbesondere in Prozessschutzfl\u00e4chen wie Naturw\u00e4ldern und die Fortf\u00fchrung oder Reaktivierung historischer Bewirtschaftungsformen mit lichten Bestandesstrukturen wie Niederwald, Mittelwald oder Hutewald.<br \/>\nAbschlie\u00dfend wurde die Umsetzung des erarbeiteten Ma\u00dfnahmenkonzepts anhand eines Musterreviers mit verschiedenen Standorten, Schutzgebietskategorien und Eichen-lebensraumtypen an der nieders\u00e4chsischen Berglandschwelle verdeutlicht. Dabei konnte bespielhaft gezeigt werden, wie die Schaffung von Nachhaltigkeitseinheiten der Habitatkontinuit\u00e4t in die Eichenwaldbewirtschaftung integriert werden kann.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des QuerCon-Projektes wurden im Rahmen von Vortr\u00e4gen f\u00fcr Wissenschaft, Praxis und \u00d6ffentlichkeit sowie auf einer Abschlussveranstaltung am 23. Mai 2019 in Gifhorn vorgestellt. Aus dem Projekt heraus wurden unter anderem diese Arbeiten publiziert:<br \/>\nMeyer, P. &#038; M\u00f6lder, A. (2017): Mortalit\u00e4t von Buchen und Eichen in nieders\u00e4chsischen Naturw\u00e4ldern. Forstarchiv 88: 127\u0096130.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Meyer, P. &#038; Schmidt, M. (2017): \u0084Festungen im Walde\u0093 \u0096 Der Schutz von Habitatb\u00e4umen im 19. Jahrhundert. Natur und Landschaft 92: 302\u0096309.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Meyer, P. &#038; Nagel, R.-V. (2019): Integrative management to sustain biodiversity and ecological continuity in Central European temperate oak (Quercus robur, Q. petraea) forests: an overview. Forest Ecology and Management 437: 324\u0096339.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Nagel, R.-V. &#038; Meyer, P. (2019): Erhaltung der Habitatkontinuit\u00e4t in Eichenw\u00e4ldern \u0096 Aktuelle Forschungsergebnisse aus Hessen. Jahrb. Naturschutz in Hessen 18: 104\u0096110.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Nagel, R.-V., Meyer, P., Schmidt, M., Rumpf, H. &#038; Spellmann, H. (2017): Historischer R\u00fcckblick auf die Verj\u00fcngung von Eichen im Spessart des 19. Jahrhunderts \u0096 Bedeutung der angewandten Verfahren f\u00fcr die heutige Eichenwirtschaft. Forstarchiv 88: 67\u009678.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Engel, F., Schmidt, M., Nagel, R.-V. &#038; Meyer, P. (2019): Erhaltung der Habitatkontinuit\u00e4t in Eichenw\u00e4ldern \u0096 Aktuelle Forschungsergebnisse aus Schleswig-Holstein. Jahresbericht 2019 zur biologischen Vielfalt: 44-51.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Schmidt, M. &#038; Meyer, P. (2017): Forest management, ecological continuity and bird protection in 19th century Germany: a systematic review. Allgemeine Forst- und Jagdzeitung 188: 37\u009656.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Schmidt, M., Nagel, R.-V. &#038; Meyer, P. (2019): Erhaltung der Habitatkontinuit\u00e4t in Eichenw\u00e4ldern \u0096 Aktuelle Forschungsergebnisse aus Sachsen-Anhalt. Naturschutz im Land Sachsen-Anhalt 56: zum Druck angenommen.<br \/>\nM\u00f6lder, A., Sennhenn-Reulen, H., Fischer, C., Rumpf, H., Sch\u00f6nfelder, E., Stockmann, J. &#038; Nagel, R.-V. (2019): Success factors for high-quality oak forest (Quercus robur, Q. petraea) regeneration. Forest Ecosystems 6: 49.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Eichenw\u00e4lder mit langer Lebensraum- und Strukturkontinuit\u00e4t haben sowohl einen hohen naturschutzfachlichen als auch einen gro\u00dfen wirtschaftlichen Wert. Diese Werte im Rahmen einer multifunktionalen Forstwirtschaft dauerhaft zu erhalten und neu zu entwickeln, erfordert Weitsicht und eine gewissenhafte Forst- und Naturschutzplanung. Die Erhaltung und Entwicklung von Eichenwaldlebensr\u00e4umen in \u0084Nachhaltigkeitseinheiten der Habitatkontinuit\u00e4t\u0093 stellt vor diesem Hintergrund ein zielf\u00fchrendes Ma\u00dfnahmenkonzept dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Download: http:\/\/www.dbu.de\/OPAC\/ab\/DBU-Abschlussbericht-AZ-32694_01-Hauptbericht.pdf Strukturreiche alte Eichenw\u00e4lder mit einer Vielzahl an spezialisierten und oft gef\u00e4hrdeten Tier- und Pflanzenarten sind aus Sicht des Naturschutzes Zentren der Biodiversit\u00e4t (\u0084Hotspots\u0093). Viele anspruchsvolle Arten der Eichenw\u00e4lder sind allerdings nur eingeschr\u00e4nkt zur Fernausbreitung bef\u00e4higt und daher auf die zeitliche Kontinuit\u00e4t ihres Lebensraums und seiner spezifischen Strukturen angewiesen. 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