{"id":26477,"date":"2026-04-03T10:32:30","date_gmt":"2026-04-03T08:32:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/32059-01\/"},"modified":"2026-04-03T10:32:34","modified_gmt":"2026-04-03T08:32:34","slug":"32059-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/32059-01\/","title":{"rendered":"Entwicklung und modellhafte Anwendung von Konservierungsstrategien zum Erhalt von anthropogen gesch\u00e4digten Schieferwandbeh\u00e4ngen am Beispiel der Fassade des M\u00f6nchehaus in Goslar"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das M\u00f6nchehaus ist ein bedeutendes Fachwerkgeb\u00e4ude aus der ersten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts im Kernbereich der Goslarer Altstadt. Das M\u00f6nchehaus und sein f\u00fcr Goslar typischer Wandbehang in Tonschiefer sind pr\u00e4gende Bestandteile des Welterbes. Das Umwelt gesch\u00e4digte Schiefermaterial, das im Jahr 2013 im Rahmen der Bauwerkserhaltung abgenommen werden musste, stand f\u00fcr modellhafte Untersuchungen zur Substanzerhaltung und Denkmalpflege zur Verf\u00fcgung. Zielesetzung:<br \/>\n&#8211; Anwendung und Praxistest zerst\u00f6rungsfreier Pr\u00fcfmethoden,<br \/>\n&#8211; Ressourcenschonung: Erarbeitung von Kriterien zur Wiederverwendung von Goslarer Schiefer,<br \/>\n&#8211; Konservierung: Methodenvergleich und Untersuchung der Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit,<br \/>\n&#8211; Wiederanbringung des Wandbehangs am M\u00f6nchehaus und Entwicklung eines Monitoringkonzeptes,<br \/>\n&#8211; Verbreitung der Ergebnisse in Forschung und Praxis.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt verlief in f\u00fcnf Phasen:<br \/>\n&#8211; Recherchen und Untersuchungen; Erfassung von Bestand und Zustand des M\u00f6nchehaus-Schiefers;<br \/>\n&#8211; Untersuchung der Konservierbarkeit von Goslarer Schiefer am Beispiel des M\u00f6nchehaus-Materials;<br \/>\n&#8211; Strategieentwicklung zur Ressourcenschonung und Wiederverwendung;<br \/>\n&#8211; Konservierung des M\u00f6nchehaus-Schiefers und Wiederanbringung\/Rekonstruktion des Wandbehangs;<br \/>\n&#8211; Dokumentation und Verbreitung der Ergebnisse.<br \/>\nDie angewendeten Methoden reichten von der im Handwerk bew\u00e4hrten optisch-haptischen Materialcha-rakterisierung mit Klangprobe, \u00fcber messtechnische Verfahren wie akkustische Resonanzanalyse, IR-Thermografie und Ultraschallmessung bis zur R\u00f6ntgenbeugung, Licht- und Rasterelektronenmikrosko-pie.<br \/>\nDie Konservierungstests erfolgten mit unterschiedlichen Mitteln im Badtr\u00e4nkverfahren mit\/ohne Vakuum.<br \/>\nDie Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit wurde mittels Verwitterungssimulation im Labor und Freiland gepr\u00fcft.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zusammensetzung und Zustand des Goslarer Schiefers: Materialtypisch ist die Schiefertextur mit guter Spaltbarkeit entlang paralleler Trennfl\u00e4chen. Das Gestein besteht haupts\u00e4chlich aus den Mineralen Quarz, Muskovit-Illit, Chlorit und Plagioklas sowie Ton- (Montmorillonit) und\/oder Karbonatmineralen (Calcit, Ankerit) und Akzessorien (Pyrit, Kohlenstoff, Titanit und Apatit). Goslarer und Fredeburger Schiefer weisen im Materialvergleich die gr\u00f6\u00dfte \u00dcbereinstimmung auf. In Deutschland wird Schiefer f\u00fcr Bauzwecke heute nur noch in Altlay\/Hunsr\u00fcck und in Fredeburg\/Sauerland gewonnen.<br \/>\nUmwelteinfl\u00fcsse (\u201esaurer Regen\u201c) sowie nat\u00fcrliche Abbauprozesse sind die Ursachen f\u00fcr Gef\u00fcgelockerung, sekund\u00e4re Porosit\u00e4t und Neubildung von Gips. Je nach Exposition entwickeln sich Schadensformen wie Abschalen, Aufbl\u00e4ttern der R\u00e4nder und Abrundung der Kanten. Die Standzeiten des Goslarer Dachschiefers sind meist weniger als 100 Jahre, bei guter Qualit\u00e4t und als Wandbehang auch weit mehr, wie das Beispiel M\u00f6nchehaus beweist.                                                                                                                       Bestand als Ressource und Ressourcenschonung: Goslarer Schiefer entwickelt in Freibewitterung eine das Stadtbild pr\u00e4gende charakteristische \u201eFarbigkeit\u201c, mit unterschiedlich grauen, roten und z. T. auch gr\u00fcnen T\u00f6nen. Das Bestandsmaterial bildet die Ressource, die es zu bewahren gilt, da bruchfrisches Material nicht mehr zur Verf\u00fcgung steht. Beispielhaft wurde an einem Vergleichsobjekt im LK Hildesheim im Rahmen einer Dachinstandsetzung wiederverwendbares Schiefermaterial durch erfahrene Schieferdecker gesichert und in das Depot des GGM \u00fcberf\u00fchrt.                                                                                                             Konservierungswissenschaftliche Untersuchungen: Die in der HAWK erprobten Konservierungsmittel reichen von Kiesels\u00e4urestern und Lithium-Wasserglas, \u00fcber Acrylate bis zu Epoxidharzen und Epoxidharzmischungen. Die Applikation wurde mit verschiedenen Badtr\u00e4nkungsarten getestet (ein- und zweimalig drucklos, mit Evakuuierung und mit kombiniertem Unter- und \u00dcberdruck). Au\u00dferdem wurden zwei Verfahren kommerzieller Anbieter in die Tests einbezogen (Acrylharztr\u00e4nkung AVT 50\/IBACH GmbH und Vakuum-Kreislaufverfahren VKV\/Pummer GmbH). Die mit Abstand besten Ergebnisse wurden mit den Epoxidharzmischungen erzielt (EP 6, 9 und 11). Vor der Massenbehandlung von rund 900 Schieferplatten wurden die Abl\u00e4ufe in der Werkstatt Skasa-Lindermeir getestet und optimiert. Auf dieser Grundlage wurde entschieden, die Mengenbehandlung mit der Epoxidharzmischung EP 6 durchzuf\u00fchren, bei einst\u00fcndiger Badtr\u00e4nkung mit Vakuumunterst\u00fctzung nach dem Untertauchen.<\/p>\n<p>Rekonstruktion des Wandbehangs am M\u00f6nchehaus: In Vorversuchen wurden Optik, Haptik und Klang des konservierten Schiefermaterials von erfahrenen Goslarer Schieferdeckern gepr\u00fcft. Der Wandbehang wurde2019 rekonstruiert und 2020 fotografisch dokumentiert. Die Materialverwendung wurde kartiert und quantifiziert: Der Wandbehang besteht aktuell aus 958 Schieferplatten gegen\u00fcber 939 Platten im Jahr 2013; ca. 55 % der Platten sind konserviertes Originalmaterial; ca. 45 % der Platten stammen aus dem Sammlungsbestand des GGM.  <\/p>\n<p>Modellhaftigkeit: Der Schieferbehang des M\u00f6nchehauses weist einen hohen Identifikations- und Denkmalwert in der Altstadt von Goslar auf. Die Rekonstruktion des Wandbehangs mit Bestandsmaterial ist deshalb von besonderer Bedeutung. Durch die abwechselnde Verwendung von konserviertem und unbehandeltem Material konnte das charakteristische \u201eFarbspiel\u201c des Goslarer Schiefers weitgehend erhalten werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektziele und -ergebnisse wurden \u00f6ffentlich, denkmalfachlich und konservierungswissenschaftlich pr\u00e4sentiert und diskutiert, insbesondere in Goslar (Pressetermine), in der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen (Arbeitskreis Arch\u00e4ometrie und Denkmalpflege der DMG 2016), in der HAWK Hildesheim (Intern. Fachtagung \u201eKonsolidieren und Kommunizieren\u201c 2018) und im NLD-Hannover (mit MWK- und ICOMOS 2018).<\/p>\n<p>Medienecho: Goslarsche Zeitung am 14.04.2016; General Anzeiger am 17.04.2016; Harzer Panorama am 17.04.2016; Goslarsche Zeitung am 07.05.2019 \u201eSchiefer kommt zur\u00fcck an die Fassade\u201c.<\/p>\n<p>Publikationen: Beitr\u00e4ge in den \u201eBerichten zur Denkmalpflege in Niedersachsen\u201c (Heft 2-2015\/Stadlbauer et al.; Heft 2-2016\/Stadlbauer; Heft 3-2017\/Niemeyer et al.; Heft 3-2019\/Stadlbauer et al.).<br \/>\nWiss. Ver\u00f6ffentlichungen: Schl\u00fctter et al. 2016: \u201eIst Schiefer konservierbar?\u201c; D\u2019ham 2018: \u201eKonservie-rungsversuche an Tonschiefer \u2026\u201c; Stadlbauer et al. 2020: \u201cPreservation and conservation of Goslar slate -\u2026\u201c. In Vorbereitung f\u00fcr 2022: Fachtagung in Goslar sowie ein Arbeitsheft zur Denkmalpflege in Niedersachsen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Modellprojekt wurde die Konservierbarkeit von Schiefer erstmals erforscht. Die Konservierung von umweltgesch\u00e4digtem Goslarer Schiefer mit Epoxidharzmischungen hat sich als gut wirksam und relativ dauerhaft erwiesen sowie auch als handwerklich brauchbar und \u00e4sthetisch akzeptabel. Auf Grund der Pr\u00fcfergebnisse im Rahmen der Verwitterungssimulation ist zu erwarten, dass das konservierte und das unbehandelte wiederverwendete Schiefermaterial sich als mindestens \u00e4hnlich best\u00e4ndig erweisen wird. Die Konservierung erweitert die M\u00f6glichkeiten zur Erhaltung historischer Schieferwandbeh\u00e4nge. Sie kann in Betracht gezogen werden, wenn es (wie im Modellprojekt) um die Bewahrung des Originalmaterials von bedeutenden und gef\u00e4hrdeten Best\u00e4nden geht, die ansonsten ersetzt werden m\u00fcssten. Die Sicherung und Aufbewahrung von wiederverwendbarem Goslarer Schiefer sollte finanziell gef\u00f6rdert werden und im Rahmen von Instandsetzungsma\u00dfnahmen h\u00e4ufiger als bisher zur Anwendung kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das M\u00f6nchehaus ist ein bedeutendes Fachwerkgeb\u00e4ude aus der ersten H\u00e4lfte des 16. Jahrhunderts im Kernbereich der Goslarer Altstadt. Das M\u00f6nchehaus und sein f\u00fcr Goslar typischer Wandbehang in Tonschiefer sind pr\u00e4gende Bestandteile des Welterbes. 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